Samstag, 26. Mai 2018

Morgens beim Brötchenverkauf



Morgens auf dem Campingplatz helfe ich meist beim Brötchenverkauf. Wir backen die Brötchen, die die Menschen einen Tag vorher bestellt haben, selbst. An diesem Tag holt sich ein Mann seine drei normalen Brötchen ab und kauft sich auch noch eine Berliner Morgenpost.
„Morgen wieder?“, frage ich.
„Bitte?“, erkundigt er sich höflich.
„Möchten Sie morgen wieder drei normale Brötchen?“, frage ich nach.
Er schaut mich etwas irritiert über den Rand seiner Zeitung an. „Das muss ich erst mit meiner Frau besprechen“, sagt er dann.

Montag, 21. Mai 2018

… war er noch so süß



Im Februar 2006 ist mein Buch „Im Chat war er noch so süß“ erschienen. Es wird seitdem immer noch regelmäßig in Schulen als Lektüre gelesen und hat sich insgesamt bis jetzt mehr als 200 000 mal verkauft. Obwohl die medientechnische Darstellung in dem Roman ziemlich veraltet ist, ist doch das Thema Internetmissbrauch leider immer noch brandaktuell.
Nun ist ein neuer Roman von mir erschienen, der das Thema Internetsicherheit erneut aufgreift, sich aber in medientechnischen Dingen aktualisiert hat. Soziale Netzwerke wie Tinder und Instragram lösen das Chatten in Loverooms ab, die Gefahr aber, die von der Anonymität des Internets ausgeht, ist geblieben.
Online war er noch so süß“ heißt der neue Roman in Anlehnung an den Titel von 2006. Er handelt von Madita, die endlich auch einen Freund haben will, und sich mit einem falschen Account bei Instagram auf die Suche macht.





Donnerstag, 17. Mai 2018

Alimentierter Messermann


Ich bemühe mich immer, es nicht als Provokation aufzufassen, wenn sich Politiker aller Welt zu irgendwelchen Gipfelgesprächen treffen, und zwischen all den dunkelbeanzugten Männern steht unsere Angela tapfer in einem farbigen Blazer und mit Raute zwischen den Händen.
„Die Hälfte der Menschen in dieser Welt sind Frauen“, sage ich mir dann immer. „Sie haben wahrscheinlich gerade nur etwas Wichtigeres zu tun, als zu diesem Gipfel zu fahren.“
Gestern aber in den Nachrichten, beim Bericht über die Bundestagsdebatte war das Rednerpult offenbar fest in Frauenhand. Nach AFD-Fraktionschefin Alice Weidel zeigten sie Angela Merkel, außerdem Andrea Nahles, Sarah Wagenknecht und Gesine Lötzsch. Man hatte das Gefühl, der Bundestag bestehe zu 90 % aus Frauen.
Vielleicht hatte man aber auch diese Ausschnitte gewählt, weil Frauen in der Regel bessere Reden halten können als Männer, sehen wir einmal von den peinlichen Wortschöpfungen ab, die Alice Weidel von sich gab.
Ehrlich gesagt kannte ich das Wort `alimentiert´ bisher nicht. Ich kenne Alimente und auch limitiert, ich kenne auch lamentieren und Legimitation, aber alimentiert …? Naja, man lernt ja nie aus.
Nur zu „Messer-Mann“ (wow! Diese Alliteration mit den beiden M! Welch eine Kreation!) habe ich eine klare Assoziation. Ich sehe Eddy den Scherenmann vor mir. Aber humorlos wie die AFD ist, hat sie den wahrscheinlich nicht gemeint.  

Dienstag, 15. Mai 2018

Schülerpost



Immer noch gehört es fast jeden Abend zu meinen beruflichen „Verpflichtungen“, dass ich Schülerpost beantworte. Und immer noch nehme ich mir die Zeit, jedem Schüler persönlich zu antworten. Zwar sind es oft nur ein paar Zeilen, die ich dem Schüler schreibe, und doch rede ich ihn mit seinem Namen an und nehme zu dem Brief Stellung, sodass er das Gefühl hat, sein Brief wurde gelesen und gewürdigt.
Als ehemalige Lehrerin weiß ich, wie wichtig genau diese persönlichen Antwortbriefe für die Schüler sind. Hin und wieder machen sich einige Lehrer auch die Mühe, sich noch einmal zu melden und gerührt schildern, wie überrascht und begeistert die Schüler auf meine Antwort reagiert haben. Das freut mich natürlich ganz besonders.
Lange Zeit habe ich nur Briefe von Sekundarschülern bekommen, seit ich aber auch für die Grundschule schreibe, bekomme ich auch Briefe von Kindern – vom Inhalt her oft nicht so differenziert, aber immer mit sauberer Handschrift, süßen Bildern, Stickern und Fotos. Ich freue mich über alle diese Briefe, und sie motivieren mich bei meiner Arbeit sehr.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Kommunikation



Im Moment verbringe ich viel freie Zeit mit Clara, meiner vierjährigen Enkelin. Sie hat, was alle meine Söhne nicht hatten. Sie redet. Und zwar ohne Unterlass. Sie kommentiert, fragt, macht aus allem und jedem ein Rollenspiel, bei dem ich dies oder jenes zu sagen habe und steht mir ständig hilfsbereit im Weg.
Diesmal gieße ich Gipsformen für die Kinderanimation. Clara begleitet meine Arbeit mit munterem Plaudern.
„Ich brauche mal ein bisschen Wasser. Schaffst du es, mir ein Schälchen zu holen?" frage ich sie.
„Natürlich“, sagt sie liebevoll und trägt das Schälchen behutsam in die Küche. Ich atme erleichtert durch. Endlich mal fünf Minuten für mich, ohne dass mir jemand ein Ohr abquatscht. Plötzlich Clara: „Omi, kannst du mir wohl mal den Wasserhahn anmachen…“

Freitag, 4. Mai 2018

Frauenarbeit



Hier auf dem Campingplatz wird im Moment jede Arbeitskraft gebraucht. Und doch herrschen tiefe archaische Vorurteile vor. Während die Männer auf den Baggern und Treckern sitzen, bleiben für uns Frauen die Harken und Schaufeln – und letztendlich auch die Kinderbetreuung übrig. Ich bleibe hartnäckig. Jetzt will ich endlich das Rasenmähen auf diesem genialen Aufsitzmäher lernen, der sich so locker um die eigene Achse dreht. Mein Sohn versucht es mir auszureden. Ich könnte schließlich dieses teure Teil kaputtfahren – höhö!!! Dabei hat gerade er vor einigen Wochen sein Auto in den Morast gesetzt und beim Versuch, es wieder herauszuziehen den Radlader daneben versenkt. Der Platzarbeiter hat sein Auto vor einen Baum gefahren (Achsenbruch) und mein Mann hat mit dem kleinen Elektrowagen die Schranke abgefahren. Ich dagegen fahre 2000 Kilometer unfall- und blitzerfrei nach Österreich und zurück und eine Woche später 1000 Kilometer unfall- und blitzerfrei nach Polen und zurück.
So what? Finde den Fehler, sage ich. Er findet ihn nicht.
Da muss ich warten, bis er nicht da ist, damit mir der Platzarbeiter das Fahren beibringt. Hej, noch nie war Rasenmähen sooooo cool!