Samstag, 10. November 2018

Der leere Rucksack



Als ich die Bibliothek betrete bin ich überrascht, wie viele Menschen schon auf meine Lesung warten. Aber ich habe noch Zeit. Ruhig öffne ich meinen grünen Rucksack und erstarre. Der Rucksack ist leer. Ich habe das Buch, aus dem ich lesen möchte, vergessen. Ich murmele eine Entschuldigung, dass ich gleich wiederkomme und renne aus dem Raum. Als ich auf der Autobahn bin, setzt mein Verstand wieder ein. Es ist doch unwahrscheinlich, dass die Menschen noch da sind, wenn ich zurückkomme, denke ich. Ich gebe Gas, schwitze, rege mich auf, als vor mir jemand trödelt. Endlich komme ich in meiner Wohnung an. Doch meine Wohnung ist leer. In den Regalen steht kein einziges Buch. Stimmt, fällt mir jetzt ein. Ich wohne ja gar nicht mehr hier. Jetzt bricht bei mir die totale Panik aus. Und dann … erwache ich… verschwitzt und mit klopfendem Herzen. Was für ein bescheuerter Traum, denke ich.

Mittwoch, 7. November 2018

Jeremy Miller und die Pornoseiten



Zuerst hatte ich diese Mail weggeklickt. Schlechte Übersetzung – Spam, dachte ich. Dann aber fiel mein Blick auf den Satzteil „Password geknackt“, und so schaute ich noch einmal genauer hin.
Ein Jeremy Miller hat festgestellt, dass ich auf eine pornografische Seite geschaut habe. Was ich allerdings nicht bemerkt habe ist, dass er dort heimlich ein Programm installiert hat, was nun seinerseits mein Password ausspioniert hat. Nun, so droht er mir, könne er mit meinem Password alle meine Freunde benachrichtigen und ihnen von meinen heimlichen Leidenschaften erzählen. Wenn ich das verhindern möchte, macht er mir das Angebot, 70 000,- € an ihn zu zahlen, und er würde schweigen "wie Grab".
Wow, das ist ja mal eine Ansage. Ein Erpressungsschreiben habe ich bis jetzt noch nie bekommen – aber einmal ist immer das erste Mal.
Liebe Freunde. Bevor ich 70 000,- € zahle, muss ich euch mit einer bösen Wahrheit konfrontieren: Ich habe tatsächlich auf eine Pornoseite geschaut. Es hatte nämlich immer wieder von einer Webseite einen Zugriff auf meinen Blog gegeben, und ich wollte wissen, wer das war. Prompt schauten mir zwei ziemlich nackte und ziemlich junge Mädchen entgegen. Da ich nicht auf nackte Mädchen stehe, habe ich sie wieder weggeklickt, vor allem auch, weil ich befürchtete, dass genau das passieren könnte, was nun passierte, nämlich dass jemand mit einem Erpressungsschreiben um die Ecke kommt.
Am Ende der Mail schreibt dieser Jeremy noch, wie mein Password lautet, das sein Programm ausgespäht hat, und spätestens an dieser Stelle musste ich doch tatsächlich mitleidig grinsen. Es sieht meinem Password noch nicht mal im Anfangsbuchstaben ähnlich. Wenn man hinter einem Pornofilm so ein unfähiges Password-Programm installiert, sollte man es dem Erpresserschreiben besser nicht hinzufügen. Für 70 000,- € muss Jeremy Miller jedenfalls noch ein bisschen was an Recherche drauflegen, und vielleicht auch mal in einen guten Übersetzer investieren.   

Sonntag, 4. November 2018

Und wieder Gotha



Wieder bin ich auf dem Weg nach Gotha. Nicole Strohrmann, die Leiterin der Stadtbibliothek, hat drei Stadtschreiber (u.a. mich!) eingeladen, um ein Buch vorzustellen, das das in diesem Jahr erschienen ist und das wir anderen Lesern empfehlen könnten.


Früh treffe ich in Gotha ein, um noch einmal in schneller Runde durch die altvertrauten Ecken zu bummeln und mich dann in der Stadtbibliothek einzufinden. Hier ist mächtig was los. Ich treffe viele liebe Freunde und Bekannte (ein Winker zu dir, liebe Monika Breitung!) Leckere Dinge gibt es überall, außerdem viele lustige Aktionen für Kinder und Erwachsene.

Um 14.00 Uhr sind wir Stadtschreiber und Ex-Stadtschreiber Annabella Gmeiner, Reinhard Griebner und ich an der Reihe, unsere Lesetipps zu präsentieren.  Ich stelle das Buch „Am Ende bleiben die Zedern“ von Pierre Jarawan vor, das mich sehr beeindruckt hat. Auch Reinhard und Annabella haben ein Lieblingsbuch dabei, für Annabella ist es Wladimir Kaminers „Die Kreuzfahrt“ und für Reinhard „Mit der Faust in die Welt schlagen“ von Lukas Rietschel.
Abends bleibt noch Zeit für eine gemütliche Scheurebe mit Nicole in der Weinschänke. Es war voll schön, mal wieder in Gotha zu sein.



Donnerstag, 1. November 2018

Erinnerungen



Eigentlich will ich nur schnell ein Geschenk für eine Freundin kaufen. Mit dem Fahrrad fahre ich durch unsere kleine Stadt. Die Sonne scheint, aber es ist schon ziemlich kalt. Ich bin froh, Handschuhe angezogen zu haben. Als ich das Geschenk gut verpackt im Rucksack habe, lasse ich mich noch ein bisschen treiben und folge schließlich der eigenen Neugierde. Seit mehr als dreißig Jahren lebe ich nun in Bad Lippspringe, aber es gibt immer noch Straßen, durch die ich noch nicht gefahren bin. Die meisten Straßen allerdings bergen zahlreiche Erinnerungen. Ich kenne die Stadt mit den Kindern an der Hand, mit dem Hund an der Leine, mit Freunden, mit Verwandten, mit Joggingschuhen und mit Schultasche. Hier bin ich zu Hause. Und doch bin ich viel zu selten hier, so selten, dass ich mich immer wieder fragen muss, ob es nicht vernünftig ist, einen Schlussstrich unter diese Zeit zu ziehen und noch mal an einem anderen Ort neu anzufangen.
Und so bin ich mir nicht sicher, ob diese Tour mit dem Rad nur eine Erinnerungstour oder  der Anfang eines Abschieds ist.



Dienstag, 30. Oktober 2018

Papierliebe



Sicherlich habe ich euch schon mal von meiner großen Liebe zu Papier erzählt. Auch im Zeitalter der Handy-Notizapps und One-Note-Programmen benötige ich Zettel und Stifte, um mir wichtige Dinge zu notieren. Geht nach wie vor schneller und kann man zur Not auch sichtbar und störend im Zimmer ausbreiten, wenn die Notiz nicht vergessen werden darf.
Vor allem liebe ich diese Notizbücher und Kladden, in die man wichtige Dinge notieren kann, die auch nicht unbedingt für die Ewigkeit gemacht werden müssen. In jedem Land, in dem ich mich gerade befinde, drehe ich eine Runde durch ein Schreibwarengeschäft, begutachte die Hefte und Kladden und befühle das Papier. Es muss eine bestimmte Konsistenz haben, muss sich fest anfühlen und muss schön weiß sein, sonst mag ich es nicht. Das ist leider auch eine Absage an das Recyclingpapier.
In Polen erstand ich dieses wundervolle Notizbuch. Es hat mit DIN A 5 genau die richtige Größe und ist so richtig motivierend gestaltet. Ich kann zwar kein polnisch, aber ich werde die Notizzettel auch so gefüllt kriegen. Fragt sich nur, ob ich meine Notizen da auch wiederfinde.



Freitag, 26. Oktober 2018

Polen – immer ein besonderes Erlebnis


Drei nette Jungs aus Walzen und ihr Lebkuchenherz

Eigentlich wollte ich euch unterwegs von meinen Veranstaltungen in Polen berichten, aber die Zeit zerrann mir unter den Fingern, und so komme ich erst jetzt von Zuhause aus dazu, mich bei euch zu melden. Ich war zu verschiedenen Lesungen in Bibliotheken und Schulen in Niederschlesien eingeladen, außerdem habe ich einige Workshops für Lehrer gegeben, auf denen ich verschiedene Bücher für Deutsch als Fremdsprache präsentiert habe.
Schlesisches Mittagessen mit den Lehrerinnen aus Walzen
und den Kollegen des Goethe-Instituts
Lesung in der Pädagogischen Bibliothek Oppeln
Lesung an der Schule in Walzen
In Kluzcberg erhielten die Schüler Zertifikate für
ihre besonderen Deutschleistungen

Nach Polen zu kommen heißt auch immer, liebe Bekannte wiederzutreffen. Neben dem offiziellen Teil der Lesungen und Workshops gibt es diese gemütlichen Zeiten, in denen man zum Essen zusammensitzt und sich über private Dinge austauscht. Auch das genieße ich sehr.
Besonders liebenswert zeigen sich immer die Schüler, die so aufmerksam zuhören, so kluge Fragen stellen und auch noch so freundliche Aufmerksamkeiten zu verschenken haben. Ein Schüler hatte mir sogar ein Lebkuchenherz gebacken. Unglaublich, oder? Und dann ist es ja heutzutage üblich, ein Selfie mit mir zu machen. Auch das ist irgendwie witzig.
Laura Bartocha im Interview für Radio Profu aus Oppeln

Partnerschaft zwischen dem Goetheinstitut und der
ädagogischen Bibliothek Kluczberg
Mein Lebkuchenherz



Mittwoch, 24. Oktober 2018

Grüße aus Oppeln



Viel Zeit bleibt mir nicht, meine Namibiareise zu verarbeiten. Die Rückkehr ist knapp geschafft, da bin ich wieder auf dem Weg nach Polen. Die ersten 70 Kilometer hinter der Grenze sind immer noch Holperpiste, bei der sich Schlagloch an Schlagloch reihen, dann aber beginnt eine gut ausgebaute Autobahn nach Oppeln.
In Oppeln und Umgebung erwarten mich verschiedene Lesungen und Lehrerfortbildungen zur Leseförderung, die das Goetheinstitut Krakau organisiert hat. Ich freue mich darauf, viele bekannte Gesichter wiederzutreffen.
Oppeln ist mir noch vertraut, auch wenn es nun im Herbststurm ganz anders aussieht. Mit Regenjacke und hochgezogener Kapuze lasse ich es mir nicht nehmen, noch einen schnellen Bummel durch die schöne Altstadt zu machen.


Montag, 22. Oktober 2018

Afrika im Herzen



Nun bin ich wieder da und trage ein wunderschönes und aufregendes Land mehr in meinem Herzen.
Hier ein paar Eindrücke, die ihr euch außerdem mit absoluter Ruhe, trauriger Armut und brennender Hitze vorstellen müsst.















Montag, 8. Oktober 2018

Abflug



Mitten im wunderschönen Altweiberherbst verlasse ich euch für zwei Wochen, um mal ganz weit weg zu fliegen. Afrika gehörte immer zu den Kontinenten, die ganz oben auf unserer Liste standen, die wir aber bis jetzt noch nicht kennen gelernt hatten. Nun starten wir zu einer Reise nach Namibia.
Da wir nicht mutig genug sind, allein auf Wüstentour zu gehen, haben wir uns einer Reisegruppe angeschlossen, auch das zum ersten Mal in unserem Leben. Ich bin gespannt, wie es wird, krame aufgeregt zwischen Moskitospray und Handyadaptern herum, muss mir gleich noch eine Sonnenbrille kaufen und bin dann … mal weg.

Freitag, 5. Oktober 2018

Nackige Barbies



Barbiepuppen sind eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Für mich gehören sie ebenso zu meiner Kindheit, wie für meine Enkelin Clara. Die Barbie ist immer noch superdünn, hat einen riesigen Busen und ist ansonsten geschlechtslos. Es gibt sie in zahlreichen Variationen, und doch besteht die Hauptexistenz der Barbie darin, frisiert und schick angezogen zu werden. Oder eben auch ausgezogen. Ich habe nämlich das Gefühl, dass die Kinder heutzutage die Barbies nur noch ausziehen. Claras Barbie ist jedenfalls eigentlich immer nackig, auch wenn sie Auto fährt oder mit ihrem Baby einkaufen geht – das im Übrigen auch meistens nackt ist. Auch andere Kinder bevorzugen es, die Barbie auszuziehen, statt sie als Model zu benutzen. Vielleicht liegt es daran, dass Puppen schneller ausgezogen als angezogen sind. Vielleicht haben die Kinder aber auch heutzutage das Gefühl, dass diese glänzenden Barbie-Kleidchen oder Kostümchen in der Regel kratzen, kleben oder die Bewegungsfreiheit einschränken.

Dienstag, 2. Oktober 2018

Einfach schön



Wenn ich im Spreewald bin, unternehme ich oft ganz viel mit meinen Enkelkindern. Indoorparks, Museen, Spielplätze, Feste … ich sage euch: wir kennen sie alle. Doch immer wieder muss ich feststellen, dass das Einfachste oft das Schönste ist, nämlich einen Spaziergang durch den Wald. Während ich mich in diesen Parks immer zu Tode langweile und mir das Kindergeschrei inclusive Elterngeschrei ziemlich auf die Nerven geht, sind wir im Wald alle vergnügt und entspannt. Und was es hier nicht alles zu entdecken gibt…




Samstag, 29. September 2018

Letzte Lesungen



So langsam lasse ich die Zeit der Lesungen für mich ausklingen. Natürlich wird es immer noch Schulen geben, denen ich mich besonders verbunden fühle oder Orte, an denen ich besonders gerne bin, aber prinzipiell habe ich mir vorgenommen, die Lesungen mehr und mehr einzuschränken.
Eine der letzten Lesungen führte mich an die Grundschule in Leopoldshöhe Nord im Kreis Lippe – da hatte ich es nicht so weit zu fahren, und ich genieße es, mal wieder an der Grundschule zu sein. Aber die Einladung für das kommende Jahr schlage ich schon mal aus.
Die aktive Zeit der Lesungen ist eine tolle und bereichernde Zeit gewesen, aber sie ist eben auch sehr unruhig und oft mit weiten Fahrten, manchmal auch mit mehreren Übernachtungen verbunden. Jetzt trete ich in der Hinsicht kürzer.
Geblieben ist mein Schreiben. Da das der schönste und wichtigste Teil meines beruflichen Lebens ist, wird das auch immer bleiben, ist sogar mehr und abwechslungsreicher geworden. Für diesen Bereich möchte ich in Zukunft noch mehr Zeit investieren.

Mittwoch, 26. September 2018

Schreiben für Ausländer



Seit einiger Zeit bekomme ich immer mal wieder Anfragen des Hueber-Verlages, Lektüren für jugendliche Ausländer, die deutsch lernen möchten, zu schreiben. Diese Arbeit ist eine echte Herausforderung. Eigentlich bin ich es ja gewöhnt, einfach zu schreiben. Aber diese Lektüren für Ausländer sind auf ein bestimmtes Sprachniveau festgelegt, das das Goetheinstitut mit A 1, A 2 oder B1 und B 2 definiert. A 1 beinhaltet beispielsweise einen Wortschatz von 650 Wörtern, auf den ich zurückgreifen muss. Ok, ich darf in Ausnahmefällen auch mal ein Wort verwenden, das nicht in der Liste steht, aber ich muss es dann mit diesem 650-Wörter-Wortschatz erklären. Das Schreiben mutiert damit zu einer Scrabble-Leistung. Mit einer Wortschatzliste an meiner Seite ringe ich um jeden Satz.
„Lotte sitzt in der hinteren Reihe und lässt Lasse nicht aus den Augen“, will ich zum Beispiel schreiben. Aber „hinteren“ ist nicht in der Liste. Ich verwende schließlich „letzten“. „Reihe“ ist natürlich auch nicht drin – das werde ich erklären müssen. Auch „aus den Augen lassen“ befindet sich nicht im A1-Wortschatz. Nach langem Suchen entscheide ich mich für „beobachten.“ So wird aus meinem Satz „Lotte sitzt in der letzten Reihe und beobachtet Lasse.“ Seien wir ehrlich – kreatives Schreiben sieht anders aus. Aber ich gehöre ja auch zu den Menschen, die gerne Sprachen lernen, und ich weiß, wie viel Spaß es macht, mal eine kleine Lektüre und nicht immer ein stures Arbeitsbuch zu lesen. Und ich weiß darum auch, wie schnell man auch gefrustet ist, wenn man zu viele Vokabeln nachschlagen muss.
Es gibt übrigens auch etwas Spannendes an meiner Arbeit. Seit ich diese Lektüren schreibe, ist der Zugriff auf meine Homepage international geworden – von Argentinien über Japan bis Uruguay ist alles vertreten!


Montag, 24. September 2018

Ich kann`s noch



Heute gibt es mal ein Selfie – ein Halbselfie, genau genommen. Ich ungeschminkt, mit feuchten Haaren und nassem Halsausschnitt. Seid froh, dass ihr mich nicht riechen könnt. Ich muffele nämlich ziemlich nach Schweiß. Ich komme gerade aus der Mukkibude, wo ich sonntags immer besonders gerne den Spinning 3-Kurs besuche. Spinning ist schon verdammt anstrengend, aber Spinning 3 ist etwas für total Durchgeknallte. Dazu gehöre ich nicht unbedingt, schließlich bin ich ein sehr strukturierter und vernünftiger Mensch, aber der Kurs versetzt mich immer für kurze Zeit in einen Rauschzustand, und danach weiß ich: Mannohmann, ich kann`s noch! In dem Alter und nach der langen Pause, und wo ich doch eigentlich nie in meinem Leben besonders sportlich war. Und wisst ihr, woran das liegt? In dem Kurs gibt es so viel zu tun – Geschwindigkeit erhöhen, setzen, aufstehen, erhöhen, faster, runterfahren, racing, erhöhen, raus aus dem Sattel, faster, faster … setzen, recover (2 Sekunden) und wieder raus aus dem Sattel, faster, setzen, racing… Ich habe gar keine Zeit zu überlegen, ob mir das alles zu anstrengend ist.

Freitag, 21. September 2018

Die Neue Rechte



 
Der Maaßen hat ziemlich fragwürdige Äußerungen zu den Vorfällen in Chemnitz gemacht, und dafür muss er gehen. Seehofer verhindert das und befördert ihn sogar, klar dass er nun auch seinen Stuhl nehmen muss. Die Nahles versucht, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und Merkel die Verantwortung in die Schuhe zu schieben. Klarer Fall: Dafür muss sie ebenfalls gehen. Und die Merkel – die haben wir uns sowieso schon lange satt gesehen. Sie ist prinzipiell an allem schuld, denn sie trägt ja die Regierungsverantwortung. Weg! Weg! Weg! ist die Devise. Diese alten Gesichter haben wir schon viel zu lange gesehen. Es muss Platz geschaffen werden für neue, damit wir auch da die Möglichkeit haben, an ihrem Sockel zu sägen.
Schon lange sind wir mit den etablierten Parteien durch. Sie verschwimmen mit ihren Parteiprogrammen in Grauzonen und verlieren immer mehr an Kontur. Nur die Rechten stehen da, aufrecht und klar, mit geballten ausgestreckten Armen. Aber die wollen wir ja auch nicht. Da sind wir uns alle einig. Und wir kommen uns so mutig und wichtig vor, wenn wir „Stop dem Rassismus“ rufen.
Dabei übersehen wir vielleicht, dass die Rechten längst nicht mehr aus dem schreienden „Ausländer raus“- Mob bestehen. Auch unter ihnen gibt es kluge Köpfe, die leise im Hintergrund die Strippen ziehen. Erinnern wir uns: In Sachen Manipulation waren die Rechten immer verdammt gut.
Und während wir uns noch gegen alles stellen, und die Rücktritte von allen fordern, merken wir gar nicht, wie uns die Neue Rechte händereibend und leise in die Arme der AfD treibt.



Dienstag, 18. September 2018

Weiterentwicklung



Manchmal, wenn eine Sache ganz gut läuft, informiert man sich gar nicht über die Weiterentwicklungen. So habe ich mich als Kontaktlinsenträger immer damit abgefunden, die Tageslinsen abends aus den Augen zu nehmen und danach mit Brille herumzulaufen. Durch Zufall – ein Zufallsgespräch im Fahrstuhl – erfuhr ich, dass es Linsen gibt, die man monate- oder auch jahrelang nicht herausnehmen muss und nachts einfach weiterträgt. Unglaublich, wie ich fand. Und jetzt sagt bitte nicht, dass ihr das schon ganz lange wisst…
Ich habe ein bisschen nachgeforscht und sie nun für mich bestellt. Erst war es ein bisschen ungewohnt, doch jetzt tragen sie sich, als wenn sie zu mir gehören. Und wenn ich jetzt nachts aufwache und kurzsichtig wie ich bin aus dem Fenster schaue, kann ich die Sterne sehen!

Freitag, 14. September 2018

Was, wenn sie ginge…



Sie sitzen einander gegenüber an einem Zweiertisch des Restaurants: Er die grauen Haare ein bisschen schludrig zu einem Zopf zusammengebunden, sie fein zurechtgemacht mit Bluse und Rock und kleinen Kreolen im Ohr. Während sie immer mal wieder irritiert zu ihm hinüberlächelt, blickt er die ganze Zeit auf sein Smartphone, scrollt sich durch die Seiten, schreibt mit beiden Daumen. Manchmal sagt sie etwas, und er antwortet, den Blick unverwandt auf das Display gerichtet.
„Das wird sich aber doch ändern, wenn das Essen kommt“, versuche ich, eine Erklärung zu finden. „Vielleicht hat er etwas Wichtiges zu erledigen. Ausgerechnet jetzt.“
Das scheint sie auch zu denken, denn sie lächelt nachsichtig.
Dann kommt das Essen, und es sieht toll aus, total lecker und so dekorativ zurechtgemacht. Sie wünscht guten Appetit. Und dann essen sie, sie mit Blick auf das Essen, er mit Blick auf das Display. Jetzt schreibt er nicht mehr, er liest.
Wenn sie jetzt ginge, denke ich, wäre das eine große Chance für Veränderung. Sie müsste nur ihre Tasche nehmen, schweigend vielleicht, vielleicht auch mit einer kleinen Notlüge, um ihn nicht zu beunruhigen. Dass sie nicht zurückkommt, würde ihm erst auffallen, wenn er sein Essen längst fertig gegessen hat, wenn er vielleicht ein weiteres Bier bestellen möchte oder um die Rechnung bittet. Dann würde er sich vielleicht fragen, ob da nicht jemand gesessen hätte. Und wo der wäre? Und ob dem etwas passiert wäre.
Und wenn sie ihn nicht beunruhigen wollte, könnte sie ihm einfach eine Whats-App schreiben. „Bin noch schön essen gegangen. Dir noch einen schönen Abend.“
Vielleicht wäre er dann erleichtert. Vielleicht auch nicht. Auf alle Fälle würde er beim nächsten Essengehen – mit wem auch immer – gelernt haben, das Smartphone in der Tasche zu lassen.

Dienstag, 11. September 2018

Platz für Science Fiction



Es ist nicht verwunderlich, wenn ein Land, in dem die Küsten rauer, die Luft nebeliger und die Landschaft einsamer ist, die Menschen auch ihrer Fantasie freien Lauf ließen. Sie erbauten trutzige Burgen und Schlösser, kämpften erbitterte Kriege und erschufen seltsame skurrile Geschichten. 
In einem kleinen Ort bei Cardiff wurde Roald Dahl geboren, einer der schrägsten, gruselig-witzigsten Autoren seiner Zeit.


Auch viele Science-Fiktion Filme spielten in Cardiff. Am Berühmtesten ist Torchwood, in dem diese seltsame Säule das Tor zum Torchwood-Institut bildete, in der die Zeitreisenden Jack Harkness und Ianto Jones die Erde vor Außerirdischen beschützen. Als Inato Jones irgendwann nach der 3. Staffel stirbt, bekommt er sogar in Cardiff eine eigene Erinnerungsstätte.


Samstag, 8. September 2018

Wales und die Royals


 
Mein Mann und ich verbringen nun ein paar Urlaubstage in Wales. Wales ist ein sehr abwechslungsreicher Teil Groß Britanniens, der aus grünen Bergen, der Küste, vielen Schafen, Burgen und den Royals besteht, jedenfalls wenn man, wie ich, Vereinfachungen mag.


Wir sind mit dem Leihwagen unterwegs. Mein Mann schlängelt sich tapfer durch den Linksverkehr, ich bemühe mich, nicht an jeder Ecke zu schreien. Besonders gruselig sind die „Rundabouts“, der Kreisverkehr, den es alle gefühlten 100 Meter gibt. So nach und nach wird es besser – und das ist auch gut so, denn auch die Straßen werden enger, und als Herausforderung sind sie auch noch mit großen Steinmauern begrenzt.


Wales ist ohne die Royals nicht denkbar. An dem imposanten Castle Caernarfon halten wir an und besichtigen es. Hier fanden jede Menge Krönungen und Kriege statt. Auch Prinz Charles wurde hier Prince of Wales. Ein Video zeigt ihn, wie er von seiner Mutter gekrönt wurde. Er sieht ziemlich verschüchtert unter seiner schweren Krone auf, und die weiße Stola, die er trägt, erinnert mich an die Häkelstola meiner Schwiegermutter. Erst später sehe ich auf einem Foto, dass seine Stola ein Zobel ist – es sind die Anfänge des Farbfernsehens, darum kann man das so undeutlich erkennen.
Hier noch mal ein paar schöne Fotos von Wales. Es ist ein tolles Land – nur die Sprache ist ein bisschen abenteuerlich. Aber okay, es ist ja auch das Land der Drachen.