Donnerstag, 27. April 2017

Lesung im Frauenzentrum



Manchmal ist es echt beeindruckend, was einige Menschen ehrenamtlich auf die Beine stellen. Hier sind zum Beispiel Frau Böttcher und Frau Mohamad. Seit drei Jahren öffnen sie jeden Morgen um 10.00 Uhr das Frauenzentrum und ermöglichen es den Frauen in Gotha, sich hier zu treffen. Täglich wird ein wechselndes Programm geboten, das kreative Kurse, Sportangebote und Begegnungen zur Selbsthilfe anbietet. Einmal im Monat bemüht man sich auch um ein ganz besonderes Highlight. Heute war ich dieses Highlight, genauer gesagt eine Lesung bei mir.
Wir fanden uns in gemütlicher Runde ein, ich erzählte von meiner Arbeit und las dann aus zwei Büchern, die ich mit Jugendlichen zusammen geschrieben hatte. Zwischendurch gab es leckeren selbstgebackenen Kuchen bei gemütlichem Plausch.
Das wird sicherlich nicht mein letzter Besuch sein, zumal sie in direkter Nachbarschaft zu mir wohnen und wir uns aus dem Fenster über den Innenhof zuwinken können. 


Mittwoch, 26. April 2017

Comic-Romane für den Deutschunterricht

 
 



Nun habe ich mich an ein neues Genre gewagt: Den Comic-Roman. Er hat den riesigen Vorteil, dass er lustig und unterhaltsam ist und man darum auch mal schwierige Themen humorvoll angehen kann. Außerdem ist er natürlich ganz besonders für schlecht lesende Jugendliche und DaZ-Lerner geeignet, da die Zeichnungen oft selbsterklärend arbeiten und die Lesekompetenz nicht zu sehr strapaziert wird.  
Diese drei Bücher setzen sich mit dem Thema Integration auseinander, aber ich bin dieses Thema einfach mal etwas lustiger und unterhaltsamer angegangen, hoffe ich. Dabei kam mir meine langjährige Arbeit mit türkischen Schülern und meine Kontakte zu Flüchtlingen und ihren Lebensgeschichten sehr zugute. Als besonders hilfreich aber haben sich meine zahlreichen lustigen und schrägen türkischen Freundinnen und Freunden erwiesen, durch die ich zahlreiche Verständnisse und Missverständnisse zwischen den Kulturen kennengelernt habe.
Ein besonderer Dank geht auch an die Lektorin von Hase & Igel-Verlag, mit der ich mich so gut austauschen konnte. Außerdem liebe ich die köstlichen Zeichnungen von Cornelia Seelmann. Sie hat die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten einfach genial rübergebracht.
Für alle Bücher gibt es auch Begleitmaterial für den Unterricht.
 

Dienstag, 25. April 2017

Wieder in Gotha



Nun bin ich wieder in Gotha. Der Frühling ist inzwischen angekommen. An jeder Ecke blühen Blumen, die Menschen sitzen auf dem Markplatz – die Stadt ist aus dem Winterschlaf erwacht.
Die große Vorhalle des ehemaligen Maria-Magdalena-Hospitals, von wo aus es in meine Autorenwohnung geht, erstrahlt in neuem Glanz. Ich freue mich über den netten Überraschungsgruß.
In zehn Tagen steht hier das große Gothardusfest an. Das ist so eine Art Zeitrechnung hier in Gotha. Es gibt eine Zeit davor und eine danach. Ich werde es diesmal erleben. 


Sonntag, 23. April 2017

Glaubst du an einen Gott


 
Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe stehe ich vor dem Gothaer Rathaus. Wir warten auf den Abendrundgang mit „Lucas Cranachs Schwiegervater“, eine dieser schönen Spaziergänge im Kostüm auf den Spuren Lucas-Cranachs. Bevor es losgeht, lauschen wir dem Glockenspiel, das über dem Markplatz ertönt und versuchen, die Melodie zu erkennen. Ich identifiziere das Lied: „Üb immer Treu und Redlichkeit, bis an dein kühles Grab“, was außer mir niemand zu kennen scheint. „So bibelfest sind wir nicht“, sagt ein Mann lachend.
Dass ich bibelfest bin, habe ich auch nicht gewusst.
Wir ziehen durch die Stadt und bleiben im Brühl vor einer Hausmarke stehen. Ob wir wissen, welche Geschichte hier abgebildet ist, werden wir gefragt. Ich bin offensichtlich die einzige, die die Geschichte aus dem Alten Testament kennt, in der der König Salomo androht, ein Kind mit einem Schwert zu teilen, weil zwei Frauen behaupten, die eigentliche Mutter zu sein.
Bibelfest! Jetzt glaube ich es schon fast selbst!
Allmählich werde ich nachdenklich. Bei uns zu Hause spielte die Religion eher eine untergeordnete Rolle. Zur Kirche gingen wir höchstens zu Weihnachten. Aber die biblischen Geschichten und Lieder gehörten zum Kindergarten- und Schulbesuch. Später kam der Konfirmandenunterricht dazu, in dem ich viele Geschichten aus dem alten und neuen Testament zu hören bekam. Die lernt man für‘s Leben, zumal viele biblische Geschichten immer wieder in der Musik, der Literatur oder der Kunst auftauchen. Trotzdem habe ich mich nie als besonders „bibelfest“ gesehen.
Eine Woche später bin ich zu einem Workshop zum Thema „Cybermobbing“ in der Stadtbibliothek. Bei einem Spiel über Ausgrenzung werden die Kinder eines 4. Schuljahres aufgefordert, verschiedene Fragen mit ja und nein zu beantworten und sich in einem Raum auf bestimmten Karten zu positionieren. Es geht um Fragen zur Internetbenutzung, zum Smartphone, aber auch zum Sport, zu allgemeinen Dingen … und dann kommt die Frage: „Glaubst du an einen Gott“. Während sich die beiden muslimischen Kinder ganz klar für „ja“ entscheiden, gesellen sich nur noch zwei weitere deutsche Kinder dazu, die restlichen zwanzig Kinder stehen bei „nein.“ Die Antworten sind keinesfalls zufällig, auch bei den kommenden zwei weiteren Klassen bekräftigt die Mehrheit der Schüler, nicht an Gott zu glauben.
Da ich ja nun selbst lange Grundschullehrerin war, kann ich sagen, dass diese Antwort an unserer Schule komplett anders ausgefallen wäre. Ich bin sogar sicher, dass alle meine Schüler geschlossen bei „Ja“ gestanden hätten. Nun gut, meine jetzige Heimat im Kreis Paderborn ist überwiegend katholisch geprägt. Die Schüler unserer Schule sind oft noch sehr mit ihrem Glauben verbunden. Besonders wenn sie im 3. Schuljahr waren und die Heilige Kommunion vor sich hatten, konnte man sie fast seligsprechen.
Dass hier in Gotha fast alle Schüler ganz fest von sich behaupteten, nicht an Gott zu glauben, bestürzte mich irgendwie. Natürlich, als Jugendlicher setzen im Glauben viele Zweifel ein und als Erwachsener hat man die Beziehung zu Gott oft verloren. Aber als Kind ohne einen Gott klar kommen zu müssen, erscheint mir irgendwie so schutzlos.

Als Kindergartenkind erlebt man vielleicht die Eltern noch als allwissend und Halt gebend, doch spätestens in der Grundschule spürt man, dass der Handlungsspielraum von Eltern begrenzt ist und Eltern einfach nicht alles können und wissen. Dann braucht man doch eigentlich jemanden, an den man sich wenden kann, wenn man mal wieder Mist gemacht hat, den keiner erfahren darf und hofft, er regelt das alles zum Besten. Und spätestens wenn man einen lieben Menschen verloren hat, spürt man doch nach der ersten tiefen Trauer diesen Wunsch, dass es da noch irgendetwas gibt, was nach dem Tod kommen könnte.
„Wenn du nicht an Gott glaubst, was machst du denn, wenn du mal Hilfe brauchst, und du weißt, dass deine Eltern dir nicht helfen können?“, frage ich das Mädchen, das neben mir sitzt. Sie schaut mich mit großen Augen an. „Glaubst du dann, dass es da jemanden gibt, der dir helfen kann?“ Das Mädchen nickt. „Aber wenn es dann nicht Gott ist, wer ist es dann?“, frage ich. Das Mädchen zuckt die Schultern. 

Mittwoch, 19. April 2017

Besuch beim Gyldendal-Verlag

Kopenhagen hatte ich mir immer nur bei Sonnenschein vorgestellt. Damit ich nicht enttäuscht war, präsentierte sich diese kleine lebendige Hauptstadt tatsächlich von seiner besten Seite – Sonne pur. Ich hatte den Morgen über Zeit, durch die Stadt zu schlendern, ließ mich treiben, stand immer mal wieder vor schönen Kirchen, königlichen Bauten und Kanälen. Als ich in der Stadt auf einer Bank in der Sonne saß, kam sogar die königliche Wachablösung höchstpersönlich direkt an mir vorbei. Sie spielten Musik, ein Zeichen dafür, dass die Königin im Moment in Kopenhagen ist, wie ich erfuhr.
Um 12.00 Uhr hatte ich mich dann mit meiner Lektorin Louise Berg Nielsen zum Mittagessen verabredet. Wir verstanden uns auf Anhieb total gut und hatten uns viel zu erzählen.



Dann ging es zum Verlag hinüber, der mitten im Zentrum Kopenhagens liegt. Es ist der größte und traditionsreichste dänische Verlag, ein ungewöhnliches Verlagsgebäude mit Kult-Atmosphäre.
Nachmittags waren dann die Deutschlehrer zur Präsentation der neu erschienenen Lektüren für den Deutschunterricht eingeladen. Ich las aus meiner Lektüre „Der neue Bruder“ vor, Rasmus Therkildsen stellte einen besonderen Reiseführer über Berlin vor, der von Elise Burmeister extra in einfachem Deutsch und mit vielen Zeichnungen und Fotos für dänische Schüler geschrieben war.
Das Publikum war aufmerksam und sehr freundlich.
Danke noch einmal für die liebe Einladung. Ich hatte eine gute Zeit.  




Dienstag, 18. April 2017

Einladung nach Kopenhagen


Der Gyldendal-Verlag hat mich zur Vorstellung meines Buches nach Kopenhagen eingeladen und mich in einem riesengroßen und luxuriösen Konferenzhotel in der Nähe des Bahnhofs untergebracht. Das haben sie natürlich total lieb gemeint. Allerdings ist es aber immer so, dass mich diese gestylten Zimmer und die Lounge zum Abendessen total verschüchtern. Schon im Fahrstuhl versage ich kläglich, weil ich nicht kapiere, dass er sich nur in Bewegung setzt, wenn ich meine Schlüsselkarte einstecke…
Immerhin, das Zimmer habe ich gefunden, und den Blick von der Dachterrasse habe ich euch auch fotografiert. Das ist doch schon mal ein Anfang, oder?
Jetzt muss ich meinen Vortrag noch mal üben. 

Montag, 17. April 2017

Ostern

 

Wie bereits erzählt, verbrachte ich Ostern in diesem Jahr wieder auf dem Campingplatz bei meinem ältesten Sohn Alexander im Spreewald. Obwohl schlechtes Wetter angekündigt war, kamen zahlreiche Gäste, und wir hatten viel zu tun. Für mich ist es nett, mal was ganz anderes zu machen. Besonders gerne fahre ich den Shuttlebus. Ich mag Autofahren, und Bullis sind das Größte. Außerdem hat man endlich mal Zeit, mit den Gästen zu plaudern.
In diesen Ostertagen hatten wir auch Besuch von Sohn Nils und seiner Frau Julia. Das war total schön.
Oben auf dem Foto seht ihr übrigens die volle Crew des Campingplatzes, einschließlich Familienbesuch, unten sind noch mal Nils und Julia zu sehen.



Donnerstag, 13. April 2017

Morgens in einem Handyshop



Meinem Sohn ist das Handy hingefallen. Es leuchtet noch und das Coverfoto ist zu sehen. Beim typischen Handytouch allerdings tut es nichts. Mein Sohn ist tief erschüttert. Sein Handy trägt er immer bei sich, es ist mit ihm zu einer Person verschmolzen. Nur wenn er duscht, legt er es zur Seite – aber in Blickweite. Nun aber ist es definitiv zu einer Schachtel mutiert.
Er telefoniert mit deinem Reparaturservice – keine Chance noch vor Ostern. Schließlich greift er schweren Herzens auf ein älteres Modell zurück. Die Sim-Karte passt nicht. Ich biete ihm an, in den nächsten Handyshop zu fahren und eine zu besorgen.
Habt ihr den Morgen mal in einem Handyshop verbracht? Wenn zwei Kunden vor einem sind, bedeutet es echt eine Stunde Wartezeit. Da ich mir vorgenommen habe, mich in Geduld zu üben, betrachte ich es als Chance. Ich starre in der Gegend herum, ich schaue der Verkäuferin zu, ich lese meine Mails und antworte, ich scralle auf Instagram und Facebook herum.
Ein Kunde geht durch den Laden. Er berührt ein Handy und ein schriller Piepston ertönt. Die Verkäuferinnen bedienen weiter, als sei nichts geschehen. Ich verspüre einen leichten Tinnitus und frage höflich, ob man das Geräusch nicht abschalten kann. „Das geht leider nicht“, sagt die eine. „Das hört gleich von alleine auf.“ Es piepst weiter. Der Kunde berührt nun ein weiteres Handy. Ein weiterer schriller Ton erklingt – etwas höher als der erste. Der junge Mann stellt sich nun betreten in die Schlange hinter mich und steckt die Hände in die Tasche. Gemeinsam überlegen wir, was wohl passiert, wenn wir alle Handys berühren. Vielleicht erwirken wir ein Konzert. Das wäre das perfekte Youtube-Video.
Nun bin ich dann doch schnell an der Reihe.
Zwei Stunden später bin ich erneut auf dem Weg zum Handyshop. Ich habe eine falsche Karte gekauft. Macht nix – ich wollte mich ja sowieso in Geduld üben… 

Sonntag, 9. April 2017

Ostern im Spreewald

Pünktlich zu Ostern zeigt sich der Frühling von seiner nettesten Seite. Wie immer zum Saisonauftakt wird meine Hilfe auf unserem Campingplatz erwartet, den mein ältester Sohn mit seiner Frau und drei Mitarbeitern betreibt. Er liegt in Groß Leuthen, einem kleinen Dorf im Spreewald, nicht weit von Lübben entfernt.
Das schöne Wetter hat einige Touristen auf den Platz gelockt, viele Dauercamper sind ebenfalls rausgekommen. Wir haben ein schönes buntes Osterprogramm zu bieten, da wird jede helfende Hand gebraucht. Morgen werde ich mich in das neue Computerprogramm einarbeiten, außerdem bin ich für den Brötchenverkauf und den Shuttleservice eingeteilt. Und dann ist ja mein Job als Oma auch noch ziemlich gefragt.
Schreiben? Das geht natürlich immer!


Mittwoch, 5. April 2017

Landesgartenschau in Bad Lippspringe



„Noch 9 Tage“, zeigt die Digitalanzeige, dann beginnt in meinem Heimatort Bad Lippspringe die Landesgartenschau. Fast zwei Jahre lang war Bad Lippspringe eine einzige Baustelle. Sogar die lange Ortsdurchfahrt war immer nur in die eine oder in die andere Richtung zu befahren, und zwischendurch sogar mal komplett gesperrt. Das war eine harte Zeit. Nun sind zwar immer noch Baustellen zu sehen, aber man erkennt, dass alles in den letzten Zügen liegt.
Noch ist das eigentlich Wichtige der Gartenschau hermetisch abgeriegelt. Einige Insiderfotos versprechen, dass es sehr schön wird, aber es bleibt bis zuletzt eine Überraschung.
Ich bin ausgerechnet in diesem Jahr so viel unterwegs, dass es sich für mich nicht lohnt, eine Dauerkarte zu kaufen, verschenkt habe ich sie aber schon einige Male. Ansonsten freue ich mich mit allen, die ungeduldig warten, dass mein kleiner Heimatort endlich auch mal eine Attraktion zu bieten hat.  
  

Montag, 3. April 2017

Lektüren für ausländische Schüler


Im letzten Jahr habe ich mein Schreiben etwas umorientiert und einige Lektüren und Geschichten für Jugendliche geschrieben, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Dabei habe ich auch einen ganz neuen Verlag kennengelernt, den dänischen Verlag Gyldendal. Sie waren auf der Suche nach Deutschlektüren und suchten den Kontakt zu mir. Das hat mich total gefreut und sehr stolz gemacht.
In der vergangenen Woche ist nun die erste dieser Lektüren erschienen: Der neue Bruder. In den nächsten Tagen wird eine zweite Lektüre herauskommen, und nach Ostern bin ich nach Kopenhagen eingeladen, um die Bücher auf einer Deutschlehrertagung vorzustellen. Diesem Termin schaue ich schon mit ziemlicher Aufregung entgegen, wie ihr euch denken könnt.

Freitag, 31. März 2017

Gedenkstätte Andreasstraße, Stasi-U-Haft, Erfurt


Heute war ich im ehemaligen Stasi-Gefängnis Erfurt Andreasstraße, das zu einer Gedenkstätte und zu einem Museum umgebaut wurde. Ich muss sagen, ich war total berührt über das, was ich hier zu sehen bekam.
Es ist nicht so einfach, zu einem frühen Zeitpunkt die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, ohne entweder zu kritisch-vernichtend oder zu beschönigend zu sein. In der Stasi-U-Haft-Zentrale in Erfurt ist genau das gelungen.




Schon der Bau des Gebäudes, die Mischung aus Modere, die sich mit der alten Haftanstalt verbindet, ist beeindruckend. Wenn man über die Flure wandert und in die Zellen schaut, drei Stockbetten auf engstem Raum, die Toilette ohne jede Privatheit, bekommt man einen unglaublichen Eindruck von Enge und Angst. Per Video schildern Gefangene ihre Eindrücke, geben Einblicke in die Haftbedingungen und den Alltag ihrer Gefangenschaft.

Eine Etage tiefer wird die Geschichte der DDR präsentiert, die Hoffnungen nach der Nazi-Zeit, die Euphorie, dass alles besser wird, die Skepsis und Enttäuschung und auch die Auflehnung.
Die untere Etage beschäftigt sich dann mit der Kraft, die aus der Enttäuschung wächst, die friedliche Revolution, die sich in ganz Thüringen zeigt und die schließlich die Wende herbeiführt.
Selten hat mich ein Museum so beeindruckt.


Mittwoch, 29. März 2017

Fotos im Zeitraffer


 

„Zeitraffer“ heißt eine Ausstellung von dem Erfurter Fotografen Sascha Fromm, die im Moment im Kunstforum im Gotha gezeigt wird. Wer gerne fotografiert weiß, dass Sport- und Tierfotografie zu den schwierigsten Gebieten der Fotografie gehört. Wenn man diese eindrucksvollen Fotos von Sascha Fromm anschaut, sieht man sofort, dass er totaler Profi ist – ein leidenschaftlicher Profi, auch das ist zu sehen. In jedem Bild spürt man die Gefühle des Augenblicks – Wut, Enttäuschung, unfassbares Glück, Anspannung.

Aber nicht nur Sportfotos sind in dieser Ausstellung zu sehen. In der oberen Etage finden Zeitdokumente ihren Platz, und auch sie sind sehr eindrucksvoll. Beate Zschäpe beim Prozessauftakt, Jubel auf der Berliner Mauer, ein Besuch beim Papst – unvergessene Augenblicke, die Emotionen aufkommen lassen. Übrigens berühren sie auch international – ich traf nämlich im Kunstforum auf eine Gruppe junger Flüchtlinge, die mit ihrem Deutschkurs zur Ausstellung gekommen waren. Auch sie zeigten sich überrascht und beeindruckt, zumal sie bei den Fotos über die Olympischen Spiele auch ihre Herkunftsländer wiederentdeckten. Sport verbindet eben, und die Bekanntheit eines Ronaldinho ist weltweit.


Montag, 27. März 2017

Lost Places

 

Um als Autor inspiriert zu werden, muss man nicht immer in schöner Umgebung sein. Besonders wenn in einem Roman ein Verbrechen passiert, wenn jemand auf der Flucht ist, wenn jemand seine Beute verstecken will oder er selbst irgendwo eine Zuflucht braucht, sucht man gerne nach Bauwerke, die so eine Handlung möglich machen. Diese Orte müssen für den Protagonisten auf irgendeine Weise zugänglich sein, auch wenn die Fenster verbrettert sind und ein Betreten-verboten-Schild den Zutritt verweigert, sie müssen aber auch geheimnisvoll wirken und Gefahren in sich bergen. 


Man findet diese Orte überall, besonders aber im Osten. Oft sind es Bauwerke, deren Vergangenheit nicht geklärt ist und sie darum auch für die Zukunft nicht zu verwenden sind. Es sind aber auch Häuser, deren Verfall so weit fortgeschritten ist, dass eine Renovierung besonders kostspielig ist. 
Mittlerweile haben diese geheimnisvollen Orte einen ganz eigenen Charme. Als „Lost Places“ deklariert werden sie von Fotografen geschätzt, besonders, wenn es sich bei ihnen um alte Schlösser oder Gutshöfe handelt.

Der Jugendroman, den ich hier in Gotha schreibe, spielt zu einem kleinen Teil in so einem Lost Places. So fotografiere ich bei meinem Spaziergang durch die Umgebung auch immer mal wieder die Häuser, die dem Zerfall ausgesetzt sind, und lasse mich von ihnen inspirieren.



Freitag, 24. März 2017

Auf nach Leipzig

 

Zum ersten Mal bin ich nun auf der Buchmesse in Leipzig. Sie ist von meinem Heimatort einfach zu weit. Umso mehr genieße ich es, jetzt mit der Bücherei Gotha mitfahren zu können und in zwei Stunden auf dem schönen Messegelände zu sein. Die Buchmesse in Leipzig, das stelle ich schnell fest, ist für Autoren und Leser die schönere Messe. Die vielen jugendlichen Mangafiguren, die über die Messe spazieren, machen alles sehr lebendig, und immer wieder gibt es Leseinseln, auf die man sich setzen kann, um bei Lesungen zuzuhören. 

Ich gebe zu, ich möchte mit einem Autor nicht tauschen – Lesungen auf der Messe sind wahnsinnig anstrengend, doch als Zuhörer genieße ich es, dass sich Autoren dazu bereit erklären. Ich sitze eine Weile in der Fantasyecke und höre den Autoren zu, die im Halbstundenrhythmus wechseln, dann gerate ich noch in eine Diskussion über soziale Netzwerke und zuletzt lausche ich einem schräg-lustigen Vortrag über Schlafmangel.
Ansonsten lasse ich mich treiben, wandere von Stand zu Stand und habe zuletzt noch ein anregendes Treffen mit einem Verlag, um neue Projekte zu besprechen.
Toller Tag, nette Unterhaltung im Bus, coole Gummibärchen, das werde ich im nächsten Jahr vermissen. 


Mittwoch, 22. März 2017

Zu Hause auf dem Sprung



Für ein verlängertes Wochenende fahre ich nach Hause. Ein volles Programm erwartet mich. Die Schwiegermutter will eingeladen werden, der mittlere Sohn und seine Frau kommen zum Abendessen, der jüngste Sohn will das Haus zeigen, das seine Familie gekauft hat, Arzttermine, eine Lesung, putzen, Wäsche waschen, die Post sortieren. Heimkehr im Schnelldurchgang. Und doch ist es ein schönes Gefühl, mal wieder durch die vertrauten Straßen zu fahren und den Nachbarn zuzuwinken, die sich über den Gartenzaun beugen.
Ob ich schon weiß: Udo feiert morgen seinen Geburtstag. Nein, das habe ich vergessen, aber ich würde zu gerne hingehen. Udo ist einer unserer netten Nachbarn einer sowieso unglaublich tollen Nachbarschaftsgemeinschaft, und die Geburtstagsfeiern, die wir in dieser Gruppe haben, sind immer total gemütlich. Diesmal aber bin ich nicht eingeladen, schließlich war ich wochenlang nicht zu Hause. Ob ich trotzdem einfach so zu ihm rübergehen soll, überlege ich. Er hätte sicherlich nichts dagegen, aber so wirklich gehört es sich ja nicht. Doch bevor ich noch lange das Für und Wieder abwiege, steht er plötzlich vor der Haustür. „Du bist ja zu Hause!“, sagt er. „Ich wollte dich zu meinem Geburtstag einladen.“ Und dann kann ich den Abend ganz gemütlich genießen, quatschen, zuhören, lecker essen und trinken und ein bisschen von meiner Zeit in Gotha erzählen.

Freitag, 17. März 2017

Veranstaltung zum Cybermobbing


„Cybermobbing ist nicht cool“ hieß eine interessante Veranstaltung für Schulklassen, die in der Bibliothek in Gotha stattfand. Die Schulsozialarbeiterin Julia Schedel und der Bildungskoordinator der Bibliothek Ronny Lehmann hatten sie vorbereitet und geleitet. Ich war als „Expertin“ eingeladen und sollte ergänzen und einen Ausschnitt aus meinem Buch „Im Chat war er noch so süß“ vorlesen.

Die Veranstaltung war sehr abwechslungsreich. Schüler wurden aufgefordert, sich zu Fragen oder einem Verhalten zu positionieren, es erfolgten kleine unterhaltsame Theoriebeiträge, Bewegungsspiele, Lesungen und natürlich viele Diskussionen.
Dies war die erste Veranstaltung dieser Art, und wir waren alle nachher sehr glücklich, dass sie so gut verlaufen war. Weitere Veranstaltungen werden folgen, und es ist angedacht, diese Fortbildung für die 5.- 8. Klassen auszuweiten. Interessierte Lehrer sollten sich in der Stadtbibliothek melden.


Donnerstag, 16. März 2017

Neue Homepage

 
Von Zeit zu Zeit ist es nötig, die Homepage aktualisieren zu lassen. Einige Bücher sind inzwischen vergriffen, andere dazu gekommen, außerdem ändert sich ja jährlich das Lebensalter (seufz) und damit verschieben sich auch die anderen persönlichen Einträge.
Auf dieser neuen Homepage ist es möglich, die Bücher direkt bei amazon zu bestellen, ansonsten ist aber immer auch der örtliche Buchhandel eine gute Adresse!
Wie immer hat mein jüngster Sohn Benny die Homepage gemacht. Es ist toll, wenn man erwachsene Kinder hat, die sich für die Arbeiten einspannen lassen.



Dienstag, 14. März 2017

Das Leben ist ein Hochseilakt

 
… besonders für die Hochseilartistengruppe Geschwister Weisheit, die in der ganzen Welt mit ihren einzigartigen Stunts und Attraktionen auftreten und sich doch seit Generationen in Gotha-Siebleben zu Hause fühlen. Heimat ist eben, wenn man nach langem Herumreisen weiß, wo man hingehört.
Noch befindet sich die Großfamilie in ihrem Gotharer Winterquartier, doch am 20. April geht es wieder auf Reise und Tagesordnungspunkte für die Familienbesprechung wie „Auslandsversicherung“ und „Arbeitsschutz“ hängen schon an Peter Weisheits Pinwand. Ich bin total glücklich, dass sie Zeit für mich gefunden haben und mich ganz selbstverständlich zu sich einladen. Peter Weisheit erzählt sehr lebendig von dem aufregenden Leben seiner Familie. Alles begann damit, dass sich um das Jahr 1900 der Büchsenmacher Friedrich Wilhelm Weisheit aus dem thüringischen Mehlis in eine Artistin verliebte und sie heiratete. Weisheit war ein großartiger Turner, und durch die Artistenfamilie hatte er die Möglichkeit, sein Hobby zum Beruf zu machen. Das Ehepaar machte sich mit einer eigenen Arena selbstständig. Die Familie wuchs, mittlerweile ziehen die Weisheits in 6. Generation mit 16 Familienmitgliedern durch die Welt (der jüngste Artist Charly ist 4) und begeistern das Publikum mit einem vielfältigen Programm. Von einer Motorradshow über die Köpfe des Publikums hinweg bis hin zu dem mittelalterlichen Gaukler der leichtfüßig über das Seil balanciert ist alles dabei.
Hochseilakrobatik ist nichts für schwache Nerven. Zu welchen Unfällen kommt es dabei, will ich wissen. Peter Weisheit winkt ab. Es ist schon alles sehr abgesichert, was sie in ihrer Show zeigen. Und dann erzählt er doch von dem schweren Unfall seines Bruders, einem erfahrenen Akrobaten, der aus 12 Meter Höhe mit seinem Motorrad abstürzte und viele Monate schwer verletzt im Klinikum lag. Der Unfall hatte bei aller Traurigkeit auch sein Gutes. Das Sicherheitskonzept wurde noch einmal verändert, und so ist es heute sogar möglich, ganz sicher direkt über die Köpfe der Zuschauer hinweg zu schweben, eine neue und beeindruckende Attraktion.



Aber die Weisheits sind nicht nur Akrobaten. Jeder von ihnen hat einen guten Schulabschluss gemacht und einen Beruf erlernt, den er in das Unternehmen einbringt. Sohn Max ist Mechatroniker und repariert die zahlreichen LKWs in der eigenen Werkstatt, Tochter Jasmin ist Fremdsprachenkorrespondentin und übernimmt die Moderation bei den Auftritten, sogar in Englisch und Französisch. Einer kann nähen, der andere schweißen und jeder hat einen LKW-Führerschein, sogar die jungen Frauen.
Und natürlich wird viel trainiert. Dreimal wöchentlich geht es ins Fitnessstudio, außerdem bietet der hauseigene Übungsraum die Möglichkeit, die Artistik auf dem Seil zu üben.
Jetzt habe ich nur noch einen großen Wunsch – die Gruppe mal life auftreten zu sehen. Leider sind die Weisheits in Thüringen im Moment nicht so oft zu sehen ( vom 24.-28. Mai in Kölleda und vom 31.8.-3.9. in Mühlhausen) – dafür gehen ihre Reisen durch die ganze Welt. Im vergangenen Jahr waren sie zum Beispiel in Warschau, Wien, Bangkog und sogar Hong Kong zu Gast.
Viele liebe Grüße und danke für den spannenden Nachmittag. Sollte ich mal einen Roman über ein Akrobatenkind schreiben, weiß ich, bei wem ich recherchieren muss.