Donnerstag, 22. Februar 2018

Abschlusslesung in Gotha



Nun werde ich offiziell aus meiner Stadtschreiberstelle in Gotha entlassen und verabschiede mit heute Abend mit einer Lesung aus dem Buch „Gotha auf den 2. Blick“, in dem die Kolumnen und Fotos, die ich in dieser Zeit gemacht habe, zusammengetragen werden.
Mein Mann und ich haben uns – aus verschiedenen Richtungen Deutschlands kommend -  mittags auf dem Hauptmarkt verabredet, um hier in Gotha drei Tage gemeinsam zu verbringen. Aus praktischen Gründen haben wir uns ein Hotel genommen, und doch führt uns der Weg immer wieder an meiner Stadtschreiberwohnung vorbei. Überhaupt ist mir in Gotha jeder Winkel vertraut. Das fühlt sich gut, aber auch ein bisschen wehmütig an.
Heute stehen Treffen mit zwei lieben Freundinnen an, abends ist dann die Staffelübergabe an die neue Stadtschreiberin. Meine Nachfolgerin Annabella Gmeiner wird allerdings erst im Juli nach Gotha kommen, sodass der Leseabend heute mir und meinem Abschied gewidmet ist.
Auf dem Foto unten habt ihr noch mal einen Blick auf meine Stadtschreiberwohnung aus der Perspektive der Pizzeria von gegenüber.




Montag, 19. Februar 2018

Begleitung



An diesen wunderschönen sonnigen Wintertagen vermisse ich unseren Hund am meisten. Ich musste nur mit der Leine wackeln, dann war er sofort bereit zu einem Spaziergang, je länger, desto besser. Und er hatte immer gute Laune dabei. Jetzt muss ich überreden oder organisieren, bis ich jemanden gefunden habe, der genauso viel Lust dazu hat wie ich.  Dahin ist die Spontaneität des Alltags.
Heute hatte ich Glück. Gerade als ich vom Einkauf zurückkam, machte sich eine befreundete Nachbarin mit ihrem Hund auf einen Spaziergang. „Warte, ich komme mit!“, konnte ich noch brüllen. Sie warteten geduldig auf mich und nahmen mich in ihre Mitte. Und zu meiner großen Freude machten sie eine große Runde mit mir!

Mittwoch, 14. Februar 2018

Aus Syrien geflüchtet


Da ist er nun, der neue Klar-Reality-Roman des syrischen Jugendlichen, der sich Seif Arsalan nennt. Er beschreibt in diesem Roman zunächst sein Leben in Syrien, den Alltag, die Familie und schließlich die Veränderungen durch den Krieg. Als das Leben dort immer gefährlicher wird, macht sich Seif mit seiner Mutter auf eine dramatische Flucht. Viele schwere und lebensbedrohliche Entscheidungen stehen an, die ihn dazu zwingen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, bis er schließlich in Deutschland ankommt. Doch auch hier warten viele Probleme auf ihn, aber er erfährt auch Hilfsbereitschaft und Unterstützung.
Ich freue mich, Seif bei diesem Roman betreut zu haben, und hoffe sehr, dass euch seine Geschichte genauso ans Herz geht, wie mir.  

Mittwoch, 7. Februar 2018

Autokorrektur



Wahrscheinlich seid ihr schon alle viel weiter als ich. Ich hatte bislang die Autokorrektur meines Handys ausgestellt, weil sie alles besser wusste und ich plötzlich Whats-Apps abschickte, die ich nie geschrieben hatte. Nun aber, mit Blick auf die Menschen um mich, die so viel schneller schrieben als ich, habe ich sie wieder angestellt. Zu meinem großen Entsetzten muss ich feststellen, dass mein Handy immer schon weiß, was ich schreiben will. Schreibe ich also: „Vielen…“ bietet es mir „Dank“ an und setzt auch gleich „für“ und „das Geschenk“ hinterher.  Okay, denke ich. Das scheint ja auch logisch zu sein. Also schreibe ich weiter.
„Ich bin im Moment im In…“  
„Indoorpark“, bietet es mir als Wort an.
Hilfe, denke ich. Woher weiß es das?
„…in Cottbus“, schreibt es weiter.
Und tatsächlich sitze ich genau da an einem Tisch und langweile mich, während die Enkelkinder auf dem Trampolin herumtoben.
Kein Wunder, denke ich. Ich habe ja auch mein GPS an, weil ich mittlerweile gar nicht mehr weiß, wie ich es ausschalten kann. Ist also klar, dass mein Programm weiß, was ich schreiben will. Also gebe ich auf, mich immer wieder zu wundern, tippe und erkenne an, dass das Handy die Worte so treffend formuliert.
„Bis bald“, schreibe ich zuletzt. „Liebe …“  
„… Grüße Annette“, fügt es hinzu.
Okay. Den nächsten Roman sollte ich vielleicht meinem Smartphone überlassen. 

Donnerstag, 1. Februar 2018

Kontakt zu Hasan Tas


Wieder sind liebe Schülerbriefe für Hasan Tas gekommen, und weiß, wie sehr er sich darüber freuen würde, dass die Schüler so liebevoll Anteil an seinem Leben nehmen. Leider habe ich seit einiger Zeit keinen Kontakt mehr zu ihm. Der letzte Brief an ihn kam zurück, im sozialen Netzwerk ist Hasan verschollen, und seine Mutter antwortet mir nicht.
Ich mache mich auf die mühsame Suche nach ihm, durchforste die Facebook-Freundesliste der Mutter und versuche, mich an Namen zu erinnern, die Hasan erwähnt haben könnte. Schließlich sehe ich in der Liste einen Frauennamen, der mir bekannt vorkommt, und als ich mir das Foto genauer anschaue, glaube ich, eine Ähnlichkeit zwischen ihr und Hasan erkennen zu können. Ich schreibe sie an, und tatsächlich ist sie seine Schwester. Sie antwortet auch gleich, schreibt aber auch, dass sie keinen Kontakt zu Hasan habe und seine Adresse nicht kenne. Das hört sich nicht gut an. Die Sorge, Hasan könnte wieder im Gefängnis sitzen, überkommt mich. Schließlich ist die Rückfallquote unter den entlassenen Häftlingen riesig. Ich schreibe ihr erneut und frage ganz direkt, ob Hasan wieder einsitzt. Es kommt eine empörte Antwort. Natürlich sitzt er nicht ein (*Steinvomherzkuller), es gehe ihm gut und er lebe mit seiner Freundin zusammen und habe ein schönes Leben.
Sie vermittelt mir schließlich einen Kontakt zu Hasans älterem Bruder. Von ihm erfahre ich Hasans Adresse und mit Hasans Einverständnis auch die Handynummer. Und dann habe ich ihn endlich an der Leitung. Wie ich mich freue! Er klingt cool und witzig, wie immer.
Ja, es geht ihm tatsächlich sehr gut. Er arbeitet als Zerspanungsmechaniker und verdient gutes Geld. Außerdem hat er lange mit seiner Freundin zusammengelebt. Nun allerdings steht die Trennung an, und er ist gerade wieder Single. Musik macht er leider nicht mehr, dazu fehlt die Zeit, aber er hört immer noch gerne Rap. Der Kriminalität hat er schon lange abgeschworen, und er lacht, als ich ihm erzähle, dass ich mir Sorgen gemacht habe, er säße wieder ein.
„Frau Weber, Sie wissen doch!“, ruft er fröhlich. „Sie können sich auf mich verlassen.“ Ja, das kann ich echt!
„Grüßen Sie mir alle, die meine Bücher lesen“, sagt er noch. Das habe ich hiermit getan. 

Dienstag, 30. Januar 2018

Zweitjob


In einer schnelllebigen Welt wie dieser, in der man zu den Old-Schoolern gehört, wenn man nicht in der Lage ist, eine Whatsapp mit zwei Daumen zu schreiben, sollte man auf alle Fälle mehrere Jobs im Ärmel haben.
Zwei konnte ich bisher vorweisen, aber der Trend geht zum Dritten.
Nun habe ich einen weiteren: Ich bin Aquatrainerin. Wehe ihr glaubt mir nicht. Schaut euch das Foto an. Das ist der Beweis!

Wie kommt die denn darauf? werdet ihr euch sicherlich fragen. Naja, das Leben treibt manchmal seltsame Blüten. Einige, die den Blog regelmäßig lesen, wissen vielleicht, dass ich in allen Ferienzeiten auf dem Campingplatz meiner Familie im Spreewald aushelfe. Hier wird in diesem Winter eine Wellnessanlage mit Sauna und Pool gebaut, und da lag die Überlegung auf der Hand: Wäre doch schön, wenn im kommenden Sommer morgens Aquatraining stattfinden würde.
Meine Schwiegertochter Nicole und ich recherchierten im Netz und fanden eine Wochenendausbildung, die uns zu diesem Job befähigen sollte. Todesmutig wie Unerfahrene nun mal sind, meldeten wir uns zu dem Kurs an. Er fand in einem schicken Sportstudio nördlich von Berlin statt – und unter den Teilnehmern waren fast nur Physiotherapeuten, unter ihnen zahlreiche junge Männer mit einem Oberkörper wie Arnold Schwarzenegger. Nicole und ich mussten uns ziemlich viel Mut zusprechen, den Kurs durchzuhalten, besonders als es darum ging, eine Trainingseinheit vorzubereiten und mit genau dieser Zielgruppe durchzuführen.


Wir schafften es – nicht zuletzt weil wir aufmunternde Hilfe bekamen. Nach dem Wochenende waren wir total happy und knochenkaputt.
Aber ganz ehrlich: Noch mal muss ich das nicht haben. Da schreibe ich doch lieber eine Buchserie. 

Donnerstag, 25. Januar 2018

Besuch bei der Edition Zweihorn


In dieser Woche habe ich mich auf den Weg in den Bayrischen Wald gemacht, um dem Verlag Edition Zweihorn einen Besuch abzustatten. Vor vielen Jahren haben der Verleger Gerhard Kälberer und ich ein gemeinsames Buch für die Caritas in Freiburg gemacht und uns dabei kennen gelernt, im vergangenen Jahr hatte der Verlag das Buch „See you“ in sein Verlagsprogramm aufgenommen, das ich als Stadtschreiberin in Gotha geschrieben habe. Nun haben wir geplant, uns mal wieder zu treffen.


Uschi und Gerhard Kälberer leben in Neureichenau bei Passau zwischen Schneebergen und Bauernhäusern, Hunden und Islandpferden. Wir treffen uns in dem romantischen Holzhaus des Verlages, um über Gott und die Welt und über das Schreiben und Verlegen zu reden, eine schöne Mischung aus privatem und beruflichem Kontakt. Kulinarisch wurde ich echt verwöhnt… und so ganz nebenbei entstand auch die Idee zu einem neuen Projekt – mal schauen, wie es sich entwickelt. Ich werde euch berichten.  


Sonntag, 21. Januar 2018

Das Alter



Es gibt tatsächlich ein paar Dinge, die im Alter besser werden. Zum Beispiel, dass man wirklich mal Zeit für sich hat, dass man es schafft, sich mit einer lieben Freundin zum Kaffee zu treffen, oder ein Buch zu lesen, oder einen Spaziergang zu machen. Schön ist auch, dass das Geld plötzlich reicht. All diese plötzlichen unvorhergesehenen Ausgaben, die auf einen zukommen, wenn man in einer Familie mit Kindern lebt, gehören der Vergangenheit an. Das heißt natürlich nicht, dass das Leben und vor allem die Kinder nicht mehr teuer sind, aber irgendwie reicht das Geld plötzlich für alles und jeden. 
Die negative Seite des Alters ist aber natürlich auch präsent: die Falten, die grauen Haare, das Nachlassen der Kraft, die Angst um die Gesundheit … und nun bei mir ein ganz neu einsetzendes ständiges Frieren. Vorbei das Feuer der Jugend und die Hitzewallungen des Älterwerdens – plötzlich tritt eine nie gekannte Frostempfindlichkeit an ihre Stelle. Die 21 Grad des Wohnzimmers empfinde ich als zu kalt, ich trage plötzlich draußen Handschuhe, dicke Socken und Halstücher – und ganz ganz manchmal sogar eine Mütze. Und gestern habe ich mir endlich mal ein paar fette warme Puschen geleistet. So was hatte ich noch NIE! Muss ich mir Sorgen machen? Hoffentlich nicht!