Samstag, 10. November 2018

Der leere Rucksack



Als ich die Bibliothek betrete bin ich überrascht, wie viele Menschen schon auf meine Lesung warten. Aber ich habe noch Zeit. Ruhig öffne ich meinen grünen Rucksack und erstarre. Der Rucksack ist leer. Ich habe das Buch, aus dem ich lesen möchte, vergessen. Ich murmele eine Entschuldigung, dass ich gleich wiederkomme und renne aus dem Raum. Als ich auf der Autobahn bin, setzt mein Verstand wieder ein. Es ist doch unwahrscheinlich, dass die Menschen noch da sind, wenn ich zurückkomme, denke ich. Ich gebe Gas, schwitze, rege mich auf, als vor mir jemand trödelt. Endlich komme ich in meiner Wohnung an. Doch meine Wohnung ist leer. In den Regalen steht kein einziges Buch. Stimmt, fällt mir jetzt ein. Ich wohne ja gar nicht mehr hier. Jetzt bricht bei mir die totale Panik aus. Und dann … erwache ich… verschwitzt und mit klopfendem Herzen. Was für ein bescheuerter Traum, denke ich.

Mittwoch, 7. November 2018

Jeremy Miller und die Pornoseiten



Zuerst hatte ich diese Mail weggeklickt. Schlechte Übersetzung – Spam, dachte ich. Dann aber fiel mein Blick auf den Satzteil „Password geknackt“, und so schaute ich noch einmal genauer hin.
Ein Jeremy Miller hat festgestellt, dass ich auf eine pornografische Seite geschaut habe. Was ich allerdings nicht bemerkt habe ist, dass er dort heimlich ein Programm installiert hat, was nun seinerseits mein Password ausspioniert hat. Nun, so droht er mir, könne er mit meinem Password alle meine Freunde benachrichtigen und ihnen von meinen heimlichen Leidenschaften erzählen. Wenn ich das verhindern möchte, macht er mir das Angebot, 70 000,- € an ihn zu zahlen, und er würde schweigen "wie Grab".
Wow, das ist ja mal eine Ansage. Ein Erpressungsschreiben habe ich bis jetzt noch nie bekommen – aber einmal ist immer das erste Mal.
Liebe Freunde. Bevor ich 70 000,- € zahle, muss ich euch mit einer bösen Wahrheit konfrontieren: Ich habe tatsächlich auf eine Pornoseite geschaut. Es hatte nämlich immer wieder von einer Webseite einen Zugriff auf meinen Blog gegeben, und ich wollte wissen, wer das war. Prompt schauten mir zwei ziemlich nackte und ziemlich junge Mädchen entgegen. Da ich nicht auf nackte Mädchen stehe, habe ich sie wieder weggeklickt, vor allem auch, weil ich befürchtete, dass genau das passieren könnte, was nun passierte, nämlich dass jemand mit einem Erpressungsschreiben um die Ecke kommt.
Am Ende der Mail schreibt dieser Jeremy noch, wie mein Password lautet, das sein Programm ausgespäht hat, und spätestens an dieser Stelle musste ich doch tatsächlich mitleidig grinsen. Es sieht meinem Password noch nicht mal im Anfangsbuchstaben ähnlich. Wenn man hinter einem Pornofilm so ein unfähiges Password-Programm installiert, sollte man es dem Erpresserschreiben besser nicht hinzufügen. Für 70 000,- € muss Jeremy Miller jedenfalls noch ein bisschen was an Recherche drauflegen, und vielleicht auch mal in einen guten Übersetzer investieren.   

Sonntag, 4. November 2018

Und wieder Gotha



Wieder bin ich auf dem Weg nach Gotha. Nicole Strohrmann, die Leiterin der Stadtbibliothek, hat drei Stadtschreiber (u.a. mich!) eingeladen, um ein Buch vorzustellen, das das in diesem Jahr erschienen ist und das wir anderen Lesern empfehlen könnten.


Früh treffe ich in Gotha ein, um noch einmal in schneller Runde durch die altvertrauten Ecken zu bummeln und mich dann in der Stadtbibliothek einzufinden. Hier ist mächtig was los. Ich treffe viele liebe Freunde und Bekannte (ein Winker zu dir, liebe Monika Breitung!) Leckere Dinge gibt es überall, außerdem viele lustige Aktionen für Kinder und Erwachsene.

Um 14.00 Uhr sind wir Stadtschreiber und Ex-Stadtschreiber Annabella Gmeiner, Reinhard Griebner und ich an der Reihe, unsere Lesetipps zu präsentieren.  Ich stelle das Buch „Am Ende bleiben die Zedern“ von Pierre Jarawan vor, das mich sehr beeindruckt hat. Auch Reinhard und Annabella haben ein Lieblingsbuch dabei, für Annabella ist es Wladimir Kaminers „Die Kreuzfahrt“ und für Reinhard „Mit der Faust in die Welt schlagen“ von Lukas Rietschel.
Abends bleibt noch Zeit für eine gemütliche Scheurebe mit Nicole in der Weinschänke. Es war voll schön, mal wieder in Gotha zu sein.



Donnerstag, 1. November 2018

Erinnerungen



Eigentlich will ich nur schnell ein Geschenk für eine Freundin kaufen. Mit dem Fahrrad fahre ich durch unsere kleine Stadt. Die Sonne scheint, aber es ist schon ziemlich kalt. Ich bin froh, Handschuhe angezogen zu haben. Als ich das Geschenk gut verpackt im Rucksack habe, lasse ich mich noch ein bisschen treiben und folge schließlich der eigenen Neugierde. Seit mehr als dreißig Jahren lebe ich nun in Bad Lippspringe, aber es gibt immer noch Straßen, durch die ich noch nicht gefahren bin. Die meisten Straßen allerdings bergen zahlreiche Erinnerungen. Ich kenne die Stadt mit den Kindern an der Hand, mit dem Hund an der Leine, mit Freunden, mit Verwandten, mit Joggingschuhen und mit Schultasche. Hier bin ich zu Hause. Und doch bin ich viel zu selten hier, so selten, dass ich mich immer wieder fragen muss, ob es nicht vernünftig ist, einen Schlussstrich unter diese Zeit zu ziehen und noch mal an einem anderen Ort neu anzufangen.
Und so bin ich mir nicht sicher, ob diese Tour mit dem Rad nur eine Erinnerungstour oder  der Anfang eines Abschieds ist.



Dienstag, 30. Oktober 2018

Papierliebe



Sicherlich habe ich euch schon mal von meiner großen Liebe zu Papier erzählt. Auch im Zeitalter der Handy-Notizapps und One-Note-Programmen benötige ich Zettel und Stifte, um mir wichtige Dinge zu notieren. Geht nach wie vor schneller und kann man zur Not auch sichtbar und störend im Zimmer ausbreiten, wenn die Notiz nicht vergessen werden darf.
Vor allem liebe ich diese Notizbücher und Kladden, in die man wichtige Dinge notieren kann, die auch nicht unbedingt für die Ewigkeit gemacht werden müssen. In jedem Land, in dem ich mich gerade befinde, drehe ich eine Runde durch ein Schreibwarengeschäft, begutachte die Hefte und Kladden und befühle das Papier. Es muss eine bestimmte Konsistenz haben, muss sich fest anfühlen und muss schön weiß sein, sonst mag ich es nicht. Das ist leider auch eine Absage an das Recyclingpapier.
In Polen erstand ich dieses wundervolle Notizbuch. Es hat mit DIN A 5 genau die richtige Größe und ist so richtig motivierend gestaltet. Ich kann zwar kein polnisch, aber ich werde die Notizzettel auch so gefüllt kriegen. Fragt sich nur, ob ich meine Notizen da auch wiederfinde.



Freitag, 26. Oktober 2018

Polen – immer ein besonderes Erlebnis


Drei nette Jungs aus Walzen und ihr Lebkuchenherz

Eigentlich wollte ich euch unterwegs von meinen Veranstaltungen in Polen berichten, aber die Zeit zerrann mir unter den Fingern, und so komme ich erst jetzt von Zuhause aus dazu, mich bei euch zu melden. Ich war zu verschiedenen Lesungen in Bibliotheken und Schulen in Niederschlesien eingeladen, außerdem habe ich einige Workshops für Lehrer gegeben, auf denen ich verschiedene Bücher für Deutsch als Fremdsprache präsentiert habe.
Schlesisches Mittagessen mit den Lehrerinnen aus Walzen
und den Kollegen des Goethe-Instituts
Lesung in der Pädagogischen Bibliothek Oppeln
Lesung an der Schule in Walzen
In Kluzcberg erhielten die Schüler Zertifikate für
ihre besonderen Deutschleistungen

Nach Polen zu kommen heißt auch immer, liebe Bekannte wiederzutreffen. Neben dem offiziellen Teil der Lesungen und Workshops gibt es diese gemütlichen Zeiten, in denen man zum Essen zusammensitzt und sich über private Dinge austauscht. Auch das genieße ich sehr.
Besonders liebenswert zeigen sich immer die Schüler, die so aufmerksam zuhören, so kluge Fragen stellen und auch noch so freundliche Aufmerksamkeiten zu verschenken haben. Ein Schüler hatte mir sogar ein Lebkuchenherz gebacken. Unglaublich, oder? Und dann ist es ja heutzutage üblich, ein Selfie mit mir zu machen. Auch das ist irgendwie witzig.
Laura Bartocha im Interview für Radio Profu aus Oppeln

Partnerschaft zwischen dem Goetheinstitut und der
ädagogischen Bibliothek Kluczberg
Mein Lebkuchenherz



Mittwoch, 24. Oktober 2018

Grüße aus Oppeln



Viel Zeit bleibt mir nicht, meine Namibiareise zu verarbeiten. Die Rückkehr ist knapp geschafft, da bin ich wieder auf dem Weg nach Polen. Die ersten 70 Kilometer hinter der Grenze sind immer noch Holperpiste, bei der sich Schlagloch an Schlagloch reihen, dann aber beginnt eine gut ausgebaute Autobahn nach Oppeln.
In Oppeln und Umgebung erwarten mich verschiedene Lesungen und Lehrerfortbildungen zur Leseförderung, die das Goetheinstitut Krakau organisiert hat. Ich freue mich darauf, viele bekannte Gesichter wiederzutreffen.
Oppeln ist mir noch vertraut, auch wenn es nun im Herbststurm ganz anders aussieht. Mit Regenjacke und hochgezogener Kapuze lasse ich es mir nicht nehmen, noch einen schnellen Bummel durch die schöne Altstadt zu machen.


Montag, 22. Oktober 2018

Afrika im Herzen



Nun bin ich wieder da und trage ein wunderschönes und aufregendes Land mehr in meinem Herzen.
Hier ein paar Eindrücke, die ihr euch außerdem mit absoluter Ruhe, trauriger Armut und brennender Hitze vorstellen müsst.