Dienstag, 11. Februar 2014

Ich lenk den Ork ab




„Nils? Hast du mal Zeit? Ich muss mal was wissen.“
Nils löffelt seine Cornflakes.
„Nehmen wir mal an, da sitzen drei Jugendliche am Computer…“
„Hm.“
„… und die spielen zum Beispiel World of Warcraft.“
„Hm.“
„Was könnten die dann wohl sagen?“
„Keine Ahnung. Du bist die Autorin.“
„Aber wenn die so reden. Da gibt`s doch was Typisches. Sag mal irgendwas.“
„Hm. Irgendwas? Hm…. Einer könnte vielleicht sagen: Schnell, mach mal einer Heilzauber.“
Ich notiere es auf einem Zettel.
„Und was sagt dann der andere. Wenn zum Beispiel alles schief läuft?“
„Ich hab kein Mana.“
„Mana? M – a – n – a.“
„Hm.“
„Und der Dritte? Wie könnte der jetzt helfen?“
„Der sagt vielleicht: Ich lenk den Ork ab.“
Perfekt, diese Zielgruppenexperten. Von allein wäre ich da nie drauf gekommen!

Montag, 10. Februar 2014

Lesen - aus Büchern lernen




Habt ihr Interesse, das Interview anzuhören, das Seraphir Johansson vom  Stadtradio Göttingen nach meiner Lesung an der Arrestanstalt mit mir durchgeführt hat? Außer mir sind auch die Jugendgerichtshelfer und die Leiterin der Arrestanstalt zu diesem Projekt zu hören. 
Ihr findet es HIER



Freitag, 7. Februar 2014

Ein Stein bleibt




Bei meinem letzten Besuch im Hospiz  hat sie ihre Steine im Regal aufgebaut. Geschliffene Edelsteine sind darunter, aber auch diese wunderschönen rot-braunen Steine, die sie aus Helgoland mitgebracht hat.
„Wenn du magst, kannst du dir gerne einen nehmen“, sagt sie.
„Ich nehme dir doch nicht deine Steine weg“, entgegne ich entsetzt.
„Damit hatte ich keine Skrupel“, sagt die Schwester, die gerade ins Zimmer tritt, und lächelt mir zu. Und an ihrem Blick erkenne ich, dass sie mehr von diesen Momenten versteht, als ich.
„Dann nehme ich den roten Stein aus Helgoland“, sage ich.
Seitdem trage ich ihn in der Tasche meiner Lieblingsjacke, und wenn ich die Hände in der Tasche habe, lasse ich ihn durch meine Hand gleiten.
Er ist mir geblieben.
Sie ist in den Morgenstunden gegangen. 

Donnerstag, 6. Februar 2014

Lesung in Selm



 

Manchmal können Schüler zu tollen Aktivitäten auflaufen. So trudelte bei mir vor zwei Wochen eine Mail ein: Justin Walthier, Schüler der 9. Klasse der Erich-Kästner-Schule in Selm bei Unna. Sie würden im Moment das Buch „Verurteilt“ im Unterricht lesen und das Schicksal des jungen Inhaftierten interessiert verfolgen. Ob ich nicht mal im Unterricht vorbei kommen könnte, um von David zu berichten.
So gerne ich so etwas machen würde – leider schaffe ich das zeitlich nicht.
Darum berichtete ich Justin per Mail, wie sich Davids Schicksal in der Zwischenzeit entwickelt hatte. Dann schrieb ich ihm auch, dass es mir zwar leider nicht möglich sei, einfach so vorbei zu kommen, sie könnten mir aber schreiben, und ich würde ihnen auch ganz persönlich antworten. Außerdem sei es natürlich möglich, mich zu einer Lesung einzuladen, aber die sei eben kostenpflichtig.
Danach ging alles ganz schnell. Justin telefonierte mit seiner Klassenlehrerin, die besprach sich auf einer Konferenz mit anderen Kollegen – und so beschloss man, mich zu einer Lesung einzuladen.
Da war ich also heute.  Und was soll ich sagen? Wenn Schüler so eine Initiative ergreifen, ist es immer ein besonderes Erlebnis! 




Mittwoch, 5. Februar 2014

An einigen Tagen – spätnachmittags…




… wenn die Auftragsarbeit geschrieben,  die Hausarbeit erledigt und das Pferd im Stall ist, und auch nur dann, wenn es die Zeit wirklich erlaubt, und das ist nicht an jedem Tag, und darum so kostbar, mache ich mich an meinen neuen Roman.
Er hat eine Weile gebraucht, bis er mich gefunden hat. Zu sehr war ich mit Überlegungen beschäftigt, wie sich der Markt entwickeln wird und was wohl gebraucht und gelesen und vor allem von Verlagen gewünscht ist. Doch dann fand er mich – und ich kann gar nicht genau sagen, wo und wie und vor allem warum.
Nun sitze ich an ihm wie vor einem zarten Pflänzchen, schreibe, denke nach, schreibe wieder. Ich ertrage meine hölzerne Unfähigkeit, den Dingen eine Sprache zu geben, hoffe, dass es Tage gibt, an denen es besser gelingt, gebe Zeit, lasse ruhen, freue mich dann, ihm wieder zu begegnen.
Ob er jemals fertig wird, und erst recht, ob er jemals einen Weg in den Verlag schafft? Ich weiß es nicht, und ehrlich gesagt, noch ist es mir ganz egal. Er gehört mir, und ich freue mich an ihm.
Jetzt gleich zum Beispiel schenke ich ihm wieder eine Stunde, und ich schreibe diesen Post voller Vorfreude.