Mir ist aufgefallen,
dass ich überhaupt noch nicht von Matthias Thien erzählt habe, dem Jugendliche,
mit dem ich zusammen das Buch „Abgehauen“ geschrieben habe.
Matthias wurde mir
von einer Freundin vermittelt, die von seinem schweren Schicksal wusste: Vater
früh gestorben, zur Adoption freigegeben, aufgewachsen in einer
Pflegefamilie mit viel Gewalterfahrung, immer wieder abgehauen, zuletzt das
Leben im Heim.
„Er ist ein starker
Junge“, sagte sie mir. „Du wirst ihn mögen.“
Und das tat ich auch.
Als wir uns das erste
Mal trafen, war ich überrascht, wie jung er aussah. Kindlich wirkte er
zunächst, und ein bisschen durchgeknallt, wie diese Jugendlichen eben
durchgeknallt sind in dem Alter. Als er dann aber von sich erzählte, sah er oft
so ernst und erwachsen aus, traurig und verletzt, und auch vorsichtig mir
gegenüber.
Wir trafen uns oft im
Heim, saßen in seinem Zimmer zusammen und schrieben. Matthias lebte in der Außenstelle einer Pflegefamilie, bemühte sich,
selbstständig zu werden und hatte so manches Mal seine Probleme damit.
So beständig an einem
Buch zu arbeiten, fiel Matthias nicht leicht, und doch war er ehrgeizig genug,
es fertig zu bekommen. Es war ein großes Projekt für uns beide und schweißte
uns echt zusammen.
Auch danach blieben
wir in Kontakt, erlebten sogar einige spannende Abenteuer gemeinsam, wie man
sie nur mit Matthias erleben konnte.
Heute lebt Matthias
bei seiner Oma. Dazu hatte ich ihm immer geraten. Seine Oma lebt allein, sie
ist sehr gebrechlich und auch ängstlich. Jetzt, mit Matthias an ihrer Seite ist
ihr und auch ihm geholfen, denn so einen lieben Menschen in seiner Nähe zu haben, ist genau
das, was ihm gut tut.
Auf den Fotos sehrt
ihr Szenen aus Matthias Leben: Die Straße, auf der sein Vater verunglückt ist,
die Grabstelle, ein Kuscheltier (eines der wenigen Überbleibsel aus seiner Kindheit) und natürlich das Buch, das wir zusammen geschrieben haben.






