Dienstag, 1. März 2016

Strahlen


„Heute strahle ich wieder!“
Mit diesen Worten kommt eine Frau aus dem Bestrahlungszimmer und lacht sich kaputt. Ich muss mitlachen. 
Zum ersten Mal sitze ich vor diesen Räumen im 2. Untergeschoss des Krankenhauses, der Abteilung für Strahlen- und Nuklearmedizin. Es ist ziemlich ungemütlich hier. Kellerräume sind nie besonders wohnlich. Aber diese fünf Frauen hier in dem improvisierten Wartezimmer zeigen eine große Offenheit, und so lässt es sich gut aushalten.
Ob ich das erste Mal hier wäre, werde ich gefragt. Und ich berichte, dass ich heute „eingezeichnet“ werde. „Das ist nicht schlimm“, erklärt mir die „Strahlende“. „Aber wenn du Angst hast, komme ich mit.“ Ich habe keine Angst, aber ich freue mich über ihre Solidarität. Das Interesse füreinander hat eine große Herzenswärme.
„Guckt mal, meine Haare kommen wieder“, sagt eine und zieht sich die Mütze vom Kopf. Alle Blicke richten sich auf sie. Bewundernd werden die kurzen, mittelblonden Haare kommentiert, bis sie sich wieder die Mütze aufsetzt und still vor sich hin lächelt. Es ist kalt heute, und sie braucht noch den Schutz vor den Blicken draußen. Aber hier zwischen uns konnte sie sich zeigen.
Es war ein guter Morgen unter uns Frauen. 

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