Dienstag, 4. September 2018

Shakespeare, die Schule und die Klassiker



Manche Lehrer haben ja ein Händchen dafür, den Schülern die Liebe zu den Klassikern vollständig auszutreiben. Wir jedenfalls lasen im Englischunterricht der Klasse 12 Macbeth. Das ist ja durchaus eine Herausforderung, aber unser Englischlehrer forderte mehr – wir lasen Macbeth in der altenglischen Fassung. Das führte dazu, dass ich mir neben der altenglischen Fassung noch die englische Fassung und die deutsche Übersetzung kaufte, aber nichts wirklich las und mich in diesen Schulstunden bei dem sowieso ziemlich arroganten Englischlehrer zu Tode langweilte. Der tote Shakespeare wurde für mich noch töter. „Töter wie tot“, sage ich gerne.
Das änderte sich erst, als meine Kinder in ihrer Schulzeit auf Macbeth trafen. An der Waldorfschule, zu der sie gingen, wurde in Klasse 10 ein englischer Shakespeare aufgeführt. Natürlich ging ich zu den Aufführungen der Kinder, aber ich besuchte auch die Klassenspiele der anderen Klassen und erlebte Romeo und Julia, Hamlet, Macbeth und den Mitsommernachtstraum. Die Liebe zu dem Stück stand den Schülern ins Gesicht geschrieben. Beneidenswert, dachte ich oft.
Ganz besonders in Erinnerung ist mir aber eine eigene Fortbildung, in der ein Shakespeare-Sonett im Mittelpunkt stand, das von uns rezitiert, später dann vertont wurde. Jemand entwickelte eine wundervolle Melodie auf einem Marimbaphone, und ehe ich mich versah, fand ich mich hinter einem großen Schlagzeug wieder, auf dem ich zart und behutsam einen Rhythmus zu schlagen hatte.

Gestern war ich in Stratford upon Aven, um Shakespeares Geburtshaus zu besichtigen. Im Garten rezitierte eine junge Schauspielerin auf Zuruf verschiedene Szenen aus verschiedenen Dramen. Sie zitierte auch dieses Sonett. Shall I compare thee to a summer`s day?

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