Mittwoch, 7. November 2018

Jeremy Miller und die Pornoseiten



Zuerst hatte ich diese Mail weggeklickt. Schlechte Übersetzung – Spam, dachte ich. Dann aber fiel mein Blick auf den Satzteil „Password geknackt“, und so schaute ich noch einmal genauer hin.
Ein Jeremy Miller hat festgestellt, dass ich auf eine pornografische Seite geschaut habe. Was ich allerdings nicht bemerkt habe ist, dass er dort heimlich ein Programm installiert hat, was nun seinerseits mein Password ausspioniert hat. Nun, so droht er mir, könne er mit meinem Password alle meine Freunde benachrichtigen und ihnen von meinen heimlichen Leidenschaften erzählen. Wenn ich das verhindern möchte, macht er mir das Angebot, 70 000,- € an ihn zu zahlen, und er würde schweigen "wie Grab".
Wow, das ist ja mal eine Ansage. Ein Erpressungsschreiben habe ich bis jetzt noch nie bekommen – aber einmal ist immer das erste Mal.
Liebe Freunde. Bevor ich 70 000,- € zahle, muss ich euch mit einer bösen Wahrheit konfrontieren: Ich habe tatsächlich auf eine Pornoseite geschaut. Es hatte nämlich immer wieder von einer Webseite einen Zugriff auf meinen Blog gegeben, und ich wollte wissen, wer das war. Prompt schauten mir zwei ziemlich nackte und ziemlich junge Mädchen entgegen. Da ich nicht auf nackte Mädchen stehe, habe ich sie wieder weggeklickt, vor allem auch, weil ich befürchtete, dass genau das passieren könnte, was nun passierte, nämlich dass jemand mit einem Erpressungsschreiben um die Ecke kommt.
Am Ende der Mail schreibt dieser Jeremy noch, wie mein Password lautet, das sein Programm ausgespäht hat, und spätestens an dieser Stelle musste ich doch tatsächlich mitleidig grinsen. Es sieht meinem Password noch nicht mal im Anfangsbuchstaben ähnlich. Wenn man hinter einem Pornofilm so ein unfähiges Password-Programm installiert, sollte man es dem Erpresserschreiben besser nicht hinzufügen. Für 70 000,- € muss Jeremy Miller jedenfalls noch ein bisschen was an Recherche drauflegen, und vielleicht auch mal in einen guten Übersetzer investieren.   

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