Dienstag, 7. Januar 2020

Mein Job als Zimmermädchen



Als Autor sollte man möglichst viele Erfahrungen mitnehmen, die das Leben zu bieten hat. Ich verdinge mich im Moment als Zimmermädchen. Auf unserem Campingplatz sind im Winter durch die Saisonarbeit nur wenige Arbeitskräfte da, und so bot ich mich an, bei der Reinigung der Mobilheime mitzuhelfen. Betten beziehen, saugen, wischen, das alles habe ich in meinem Leben schon mehr als Millionen Mal gemacht, also dürfte in der Beziehung auch nichts schief gehen – dachte ich. Doch da hatte ich mich ziemlich geirrt. Betten für Gäste zu beziehen, erfordert eine ganz andere Professionalität, als wenn man es für sich zu Hause macht. Gäste geben sich nicht mit einem aufgeschüttelten Kissen und einer zusammengeschlagenen Decke zufrieden. Alles muss perfekt glatt gezogen sein, und was noch komplizierter ist: Die Kopfkissen müssen schön adrett mit diesem bewährten fröhlichen Knick in der Mitte auf dem Bett bereit liegen … d.h. liegen ist schon das falsche Wort. Sie sitzen geradezu da und lachen einen an.
Allerdings hatte ich keine Ahnung, wie ich das hinkriegen sollte. Meine schwäbische Schwiegertochter bemühte sich redlich mit mir: „Da fasst du diese Bobbelsche an, fährst mit deinen Händen hier hinein… jetzt schüttle …“ Dann folgte ein mitleidiger Blick. „Sieht noch ziemlich kruschelig aus.“ Und das tat es auch. Kruschelig bis zum Abwinken, würde ich sagen. Aber ich versuche es heute noch einmal, und vielleicht sind die Gäste ja nicht ganz so streng, wenn sie wissen, dass ich es war…  

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