So schön wie schönes
Wetter auch ist, es hat doch den riesigen Nachteil, dass man immer wieder
sehnsüchtige Blicke aus dem Fenster wirft. Im Feng Shui wird ja geraten, den
Schreibtisch zur Wand zu drehen, damit die Seele nicht immer nach draußen will,
aber das bringe ich nicht über`s Herz. Dann beschaffe ich lieber meinen
Protagonisten einen schönen Sommer-Sonnentag.
Freitag, 17. Januar 2020
Sonntag, 12. Januar 2020
Das Eigenleben der Protas
Bei meinem Schreiben läuft
nichts ohne Plot, doch beim Plotten gehe ich unterschiedlich gelassen vor – mal
plotte ich kleinlich und arbeite die Sequenzen streng nach Plan ab, mal notiere
ich mir auch nur ein paar Stichworte und überlasse es den Protas, sich in der Szene
relativ frei zu entfalten. Aber das kann auch ganz schön in die Hose gehen. Diesmal
haben sie nämlich prompt ein Eigenleben entwickelt, haben die zugestandene
Freiheit genutzt und sich lässig vom Plot emanzipiert. Es hat mich einige schlaflose
Nächte gekostet, bis ich sie wieder eingefangen hatte.
Dienstag, 7. Januar 2020
Mein Job als Zimmermädchen
Als Autor sollte man
möglichst viele Erfahrungen mitnehmen, die das Leben zu bieten hat. Ich verdinge
mich im Moment als Zimmermädchen. Auf unserem Campingplatz sind im Winter durch
die Saisonarbeit nur wenige Arbeitskräfte da, und so bot ich mich an, bei der
Reinigung der Mobilheime mitzuhelfen. Betten beziehen, saugen, wischen, das
alles habe ich in meinem Leben schon mehr als Millionen Mal gemacht, also
dürfte in der Beziehung auch nichts schief gehen – dachte ich. Doch da hatte
ich mich ziemlich geirrt. Betten für Gäste zu beziehen, erfordert eine ganz
andere Professionalität, als wenn man es für sich zu Hause macht. Gäste geben
sich nicht mit einem aufgeschüttelten Kissen und einer zusammengeschlagenen
Decke zufrieden. Alles muss perfekt glatt gezogen sein, und was noch
komplizierter ist: Die Kopfkissen müssen schön adrett mit diesem bewährten
fröhlichen Knick in der Mitte auf dem Bett bereit liegen … d.h. liegen ist
schon das falsche Wort. Sie sitzen geradezu da und lachen einen an.
Allerdings hatte ich
keine Ahnung, wie ich das hinkriegen sollte. Meine schwäbische Schwiegertochter
bemühte sich redlich mit mir: „Da fasst du diese Bobbelsche an, fährst mit
deinen Händen hier hinein… jetzt schüttle …“ Dann folgte ein mitleidiger Blick. „Sieht noch
ziemlich kruschelig aus.“ Und das tat es auch. Kruschelig bis zum Abwinken,
würde ich sagen. Aber ich versuche es heute noch einmal, und vielleicht sind
die Gäste ja nicht ganz so streng, wenn sie wissen, dass ich es war…
Freitag, 3. Januar 2020
Ein guter Anfang
Kaum hat das neue Jahr
angefangen, füllen sich bereits die ersten Termine auf dem noch so jungfräulichen
Terminkalender. In diesem Jahr werde ich nicht mehr so viel zu Lesungen
unterwegs sein, aber meine Lesungen nach Österreich sind schon bis ins Jahr 2021
geplant. Vom 20. - 24. 4. 2020 kurve ich
wieder quer durch das Land, außerdem haben wir den Zeitpunkt vom 19.-23.4. 2021
für eine Lesereise fixiert. Wer mich in dieser Zeit buchen möchte, wendet sich
bitte an die Kulturagentur Eibl&Eibl.
Außerdem werden
natürlich auch im kommenden Jahr einige Bücher von mir erscheinen. Eins davon
bereits Ende Februar, nämlich „Die Hufeisenranch – Band 3“. Meine liebe
Kollegin Anne Scheller hatte die beiden ersten Bände übernommen, der dritte
Band dieser Serie ist nun von mir. Es ist ein Buch über das Mädchen Polly, ihr
Pferd Smoky und ganz viel Natural Horsemanship. Wen es interessiert, der kann sich
hier noch mehr Informationen holen.
Ansonsten bin ich zwar
arbeitsreich, aber doch ganz lustig ins Neue Jahr gekommen. Auf dem Campingplatz
meines Sohnes im Spreewald war ich zum Arbeiten verplant, musste Enkelkinder
hüten, Getränke ausschenken, Saunaaufgüsse vorbereiten, Sektgläser verteilen –
und mich ein paar Tage später sogar als Zimmermädchen beim Mobilheimeputzen
bewähren. Aber gefeiert habe ich auch – und Spaß gemacht hat es ebenfalls!
Montag, 30. Dezember 2019
Jahreswechsel
Es gibt Diskussionen,
die sich Jahr für Jahr wiederholen. Viel Wind wird bewegt, und er erzeugt nicht
mal so viel Energie um eine Kinderwindmühle zu bewegen. Die Diskussion um die Geschwindigkeitsbegrenzung
zum Beispiel. Ich würde mich freuen, wenn sie käme, doch ich weiß genau, wenn
man darüber diskutiert, wird nur heiße Luft hin und her gepustet. Wir Deutschen
lassen uns die Freiheit nicht nehmen, uns in den Tod zu rasen …
Zum Jahreswechsel steht
mal wieder die Diskussion um die Silvesterraketen an, the same procedure as every
year. Schon als ich im Kindergarten war, sagte man, dass die Kinder in Biafra
verhungern aber wir das Zeug in die Luft ballern. Später waren es dann die Krankenhäuser,
die man eigentlich für das Geld bauen könnte, dann die Tiere, die vor Panik
nicht wüssten, wohin. Nun ist es der Feinstaub, der die Luft verpestet und uns
alle früher sterben lässt. Um die Wahrheit zu sagen: Ich habe noch nie in
meinem Leben einen Böller in die Luft geschossen. Allerdings nicht aus hehren Motiven,
sondern einzig und allein, weil ich immer ein bisschen Schiss vor den Dingern
habe. Im Prinzip aber fände ich ein stummes und schweigendes Silvester ziemlich
trostlos. Darum freue ich mich so ganz ganz heimlich, wenn andere ein buntes
Feuerwerk am Himmel zum Leuchten bringen. Aber natürlich nur ganz ganz heimlich.
Denn dass die Tiere in Panik geraten, habe ich als Hunde- und Pferdebesitzer
immer selbst zu spüren bekommen. Und dass viel Geld verbrannt wird, ist mir
natürlich auch klar, auch wenn die, die es verprassen, es sowieso nicht für
wohltätige Zwecke spenden würden.
So nehme ich hin, was
passiert, bringe mich vor den Raketen in Sicherheit, aber freue mich, wenn sie
leuchten (und auch ein bisschen, wenn sie knallen).
Auch meine eigenen
Vorsätze wiederholen sich Jahr für Jahr: Weniger Schokolade, Kaffee und Rotwein
… aber es wäre ja auch ein ödes Jahr, wenn ich diese Vorsätze in die Tat
umsetze.
Montag, 23. Dezember 2019
Fröhliche Weihnachten
Zwischen Einkaufsstress
und Hausputzattacke ganz schnell einen herzlichen Weihnachtsgruß an euch.
Genießt die Zeit mit euren Lieben, und wenn ihr Weihnachten allein verbringt,
weil die Familie zu klein, zu weit weg oder sonst was ist, denkt nicht immer:
Die anderen haben es sooo gut. Weihnachten mit Tannenbaum und Familie, mit
gutem Sonntagsbraten und schönen Geschenken … das ist es jetzt. Glaubt mir, ein Weihnachtsfest mit einem guten
Buch auf dem Sofa hat auch seine guten Seiten.
Bei uns gibt es keine
feste Weihnachtstradition, aber in diesen Jahr wird sich unser Haus recht
stimmgewaltig füllen. Wir haben nämlich am 1. Weihnachtstag ein
Schwesterntreffen mit Familien, und das ist immer laut und lustig. Aber auch
die Kinder und Enkel werde ich sehen. Ich freue mich darauf, auch wenn ich im
Moment ziemlich im Einkaufs- und Putzstress bin.
Ich wünsche euch eine
gute Zeit.
Samstag, 21. Dezember 2019
Oh mein Gott, er war es!
Gestern war ich in
Bückeburg unterwegs, um die Hofreitschule und das Marstallmuseum zu besichtigen.
Das Museum war gut gemacht mit
interessanten Exponaten, kleinen Filmen und interaktiven Möglichkeiten,
verschiedene Pferdesättel auszuprobieren. Auch die Pferde in den königlichen
Ställen konnte man anschauen. Schon beeindruckend, wie gut es die Pferde
hatten. So eine geräumige Kammer hätte sich so manches Zimmermädchen sicherlich
auch gewünscht.
Als ich über den
Schlosshof ging, kam mir dann sogar der Fürst persönlich entgegen, Fürst
Alexander von Schaumburg-Lippe nebst Partnerin und Sohn. Ich erkannte ihn
sofort, weil ich ihn nur drei Minuten vorher auf einem Prospekt gesehen hatte.
Aber bevor ich rufen konnte: „Gnädiger Herr, Sie sind es, kann ich mal ein
Selfie mit Ihnen machen“, war er auch
schon an mir vorbeigeweht.
Wieder mal eine Chance
verpasst. Aber ich kann wenigstens sagen: Ich habe ihn gesehen. Und das kurz
vor Weihnachten!
Montag, 16. Dezember 2019
Post – Post – Post
Manche Schülerbriefe
kommen daher wie eine warme Dusche, so zum Beispiel ein dicker Umschlag aus der
Dannewerkschule in Schleswig. Die Klasse 7 hatte mein Buch „Im Chat war er noch
so süß“ gelesen, und da die Schüler so hoch konzentriert und motiviert bei der Sache
waren, beschloss die Lehrerin, eine Klassenarbeit über das Buch zu schreiben. Weil
auch diese Klassenarbeit ausgesprochen gut ausfiel und die Schüler so
unterschiedliche Meinungen und Analysen gefunden hatten, entschied die Klasse,
mir die Arbeiten als Briefe zu schicken. Jeder Schüler verfasste einen
mehrseitigen Brief in Supersonntagsausgehhandschrift, dazu noch auf schönem
Briefpapier.
In Zeiten von Whatsapp
und Mail haben solche Briefe einen richtigen Seltenheitswert.
Besonders schön fand
ich auch, dass ich ein Foto von der Klasse bekam. So hatte ich beim Antworten Schüler
vor Augen, was die Rückantwort noch persönlicher machte.
Ich bringe die Antwortpost
gleich in den Kasten – und hoffe, ihr müsst im Weihnachtstrubel nicht allzu lange
darauf warten!
Sonntag, 8. Dezember 2019
Fotografen bei der Arbeit
Ich fotografiere
leidenschaftlich gerne. Schon als Kind hatte ich einen guten Fotoapparat, und
es gehörte zu den Familienausflügen der Webers, dass meine Schwestern, mein
Vater und ich gemeinsam auf Motivsuche gingen und uns über Blenden, Zeitmessungen
und Entfernungen austauschten. Natürlich liebe ich es auch, wenn andere gute
Fotos machen. Besonders beeindruckt bin ich von tollen Sportfotos.
An diesem Wochenende
traf ich bei einem schönen Familienfest in Göttingen ganz zufällig einen
Fotografen wieder, dessen Fotos ich sehr schätze: Harald Wenzel, ein
großartiger Sport-, Portrait-, und Landschaftsfotograf. Er erstellt mit seinen
Fotos einfühlsame Bilder von Menschen und fängt durch ungewöhnliche Perspektiven
ausdrucksvolle Stimmungen ein.
Während er auf dieser
Feier auf stille Weise umher ging und fotografierte, hatte ich die Gelegenheit,
ihn heimlich bei der Arbeit zu beobachten. Wenn er seine Kamera auf jemanden richtete
und ihn fokussierte, schaute er selbst in eine ganz andere Richtung. Er
arbeitete schnell, präzise und mit diesem „Ich war das gar nicht“-Blick. Und
trotzdem hatte er sein Ziel ganz klar vor Augen. Keine Ahnung, wie er so etwas
möglich macht, aber es sind auf diese Weise tolle Fotos entstanden.
Mittwoch, 4. Dezember 2019
Ein Wochenende am Beversee
Manchmal gönne ich mir
eine ganz eigene Schreibzeit – schreiben nur für mich. Besonders schön ist diese
Zeit, wenn ich sie mit einem Ort verbinde, der eine ganz besondere Bedeutung
für mich hat. So fuhr ich an diesem Wochenende zum Fritz-Perls-Institut an den
Beversee im Bergischen Land und nahm dort an einem Seminar für „Green
Meditation“ und „Green Writing“ teil.
Am Fritz-Perls-Institut
am Beversee habe ich eine lange therapeutische Ausbildung gemacht, und ich
kenne den See in allen Jahreszeiten.
Diesmal waren See und
Institut in den Nebel getaucht – eine gute Zeit für interessante Begegnungen
und kraftvolle naturverbundene Texte.
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