Montag, 4. Januar 2016

Mitleid


Heute erwischte mich die Trauer eiskalt. Ich war wie fast jeden Nachmittag kurz am Stall, um die Islandpferde reinzuholen, die bei dem schlechten Wetter schon am Gatter auf mich warteten. 
In der offenen Scheune im Stroh stand ein Pferd, drum herum einige Menschen, unter ihnen die Tierärztin. Eine ungute Ahnung überkam mich – und richtig. Der braune Welsh mit der weißen Blesse, freundliches Nachbarpferd meiner Stute Ros, wurde eingeschläfert.
Die Besitzerin, ein junges Mädchen, lag in den Armen ihres Vaters und weinte bitterlich. Alle anderen standen mit traurigen Gesichtern herum und wussten nicht, was sie sagen sollten.
Ich wollte nicht stören. Diese Atmosphäre hatte eine eigene Innigkeit, zu der ich mich nicht zugehörig fühlte. So schlich ich leise über den Hof und bemühte mich, nicht zu stören.
Als ich aus dem Stall kam, war alles schon geschehen. Das Pferd lag ausgestreckt im Stroh, das Mädchen lag weinend über das Pferd gebeugt und streichelte das weiche Pferdemaul. Ich ging zu ihr und sagte ihr, dass es mir Leid täte, aber dann liefen mir selbst die Tränen, und ich hatte Mühe, das alles auszuhalten. Total traurig stahl ich mich leise davon, unglücklich, so wenig Trost geben zu können. 

Kommentare:

  1. Ach das ist so traurig! Im Laufe des Lebens habe ich auch schon von vielen Tieren Abschied nehmen müssen, es zerreißt einem das Herz. Das Mädchen tut mir sehr leid!

    Herzliche Grüße
    Regina

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  2. Glaub mir, es ist viel, wenn du die Trauer zu teilen wagst, kurz, echt, nah. Ich wünsche dem Mädchen einen guten Abschiedsprozess, damit der verstorbene Freunde an einem hellen Platz in ihrem Herzen weiterleben darf.
    Lieben Gruss, Gabriela

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  3. Ich danke euch herzlich für eure Rückmeldung. Sie tut so gut. Ich kam mir so hilflos vor.

    Annette

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