Mittwoch, 15. Juni 2011

Sexualerziehung in der Grundschule

Heute wollte ich mal von einem Buch erzählen, von dem ich noch gar nicht berichtet habe. Dabei gehört es schon seit 2006 zu den bestverkauftesten Büchern zum Thema Sexualerziehung. Es hat den eher unspektakulären Titel "Praxishilfen zur Sexualerziehung in der Grundschule" und ist eine breit gefächerte Sammlung an Arbeitsblättern und Praxistipps für den Aufklärungsunterricht.

Als ich eine Anfrage vom Verlag an der Ruhr bekam, dieses Buch zu erstellen, war ich erst ziemlich verunsichert. Klar, Aufklärungsunterricht hatte ich schon oft gemacht. Immerhin war ich fast 25 Jahre Grundschullehrerin gewesen. Aber ob es mir gelingen würde, dieses Thema auch so rüberzubringen, dass Kollegen damit etwas anfangen können, da war ich mir unsicher.

Das Thema Sexualerziehung mit seiner Klasse anzugehen, ist unglaublich spannend. Es beginnt mit einem nicht immer einfachen Elternabend, an dem man das Thema vorstellen, die Materialien demonstrieren und die Vokabeln besprechen muss. 
Danach spannte ich eine Wäscheleine durch den Klassenraum und ließ die Schüler Kinderkleidung mitbringen, die ihnen gehörte. Windeln, Strampler und Jäckchen zierten den Raum, so wie es auch im Brauchtum üblich ist, wenn man ein Kind bekommt. Außerdem richtete ich verschiedene Bücher- und Medienecken in der Klasse ein, die in dem Pausen betrachtet werden konnten. 
So war auch für andere Schüler zu erkennen: In diesem Klassenraum passiert etwas Besonderes. 
Und so war es auch. Die Schüler freuten sich auf den Sachunterricht und die Besprechung des Themas schmiedete sie zusammen wie eine Klassenfahrt.

All meine Erfahrungen habe ich nun versucht, in diesen Praxishilfen unterzubringen. Beim Erstellen der Arbeitsblätter war es mir wichtig, das Thema so vielseitig wie möglich darzustellen. Dann hat jeder Lehrer die größtmögliche Freiheit, sich seinen eigenen individuellen Unterricht zusammen zu stellen.

Dienstag, 14. Juni 2011

Rot wie Mohn

Immer wenn wir so ein wunderschönes warmes Frühjahr haben, habe ich Angst, es könnte kein schönes Wetter mehr für den Sommer übrig bleiben. Statt sich einfach zu freuen und zu genießen plagt mich die Sorge: Wenn ich erst mal im Urlaub bin, schweben die Regenwolken direkt über mir. 
Das ist diese typische Erziehung: Freu dich lieber nicht zu sehr, sonst fällst du tief. 

Gestern aber lief mir geradezu das Herz über, als ich an diesem wundervollen Mohnfeld vorbei fuhr. Rot leuchtete es bis zum Waldrand. Die Bienen brummten begeistert.
Ich hatte meinen Fotoapparat dabei, hielt an und machte so viele Fotos, bis die Batterie ebenfalls rot leuchtete.
Zahlreiche Autofahrer, Motorradfahrer und Fahrradfahrer hielten ebenfalls an, um das Schauspiel zu genießen.
Diesen Genuß teile ich jetzt mit euch. 

(Foto: An der B 1, Richtung Hameln)

Sonntag, 12. Juni 2011

Filmprojekt in Oberdiessbach/Schweiz


Wann immer eine Klasse etwas Kreatives zu einem meiner Bücher macht und mir davon berichtet, versuche ich, sie dafür zum Dank zu besuchen, ihnen eine Lesung zu schenken und zur Präsentation zu kommen. 
Nun kam eine Mail von zwei Schülern aus Oberdiessbach bei Bern in der Schweiz. Die 9. Klasse der Sekundarschule hatte die Bücher "Im Chat war er noch so süß" und "Riskanter Chat" von Caja Cazemier zu einem 70 minütigen Filmprojekt zusammengefügt. Noch stecken sie in den Dreh- und Schneidearbeiten, aber die Uraufführung ist für Ende Juni/Anfang Juli geplant.
Jeder, der mal einen Film gedreht hat weiß, was das für eine Arbeit ist. Pro Filmminute muss man ungefähr eine Stunde Dreharbeit rechnen.
Ich hatte sofort riesige Lust, die Schüler zu besuchen und den Film anzusehen. Aber google map zeigte mir die lange Fahrtroute von 700 km. Gott sei Dank habe ich 
1.) ein Wohnmobil und 
2.) einen reiselustigen Ehemann. 
"Siggi, du wolltest doch immer mal in die Schweiz", musste ich nur sagen, und Siggi antwortete: "Wann?"
Also dann: Ich freue mich auf euch.

(An dieser Stelle auch herzliche Grüße in den hohen Norden nach Bad Schwartau. Ich weiß, dass ihr auch an einem Filmprojekt arbeitet. Stellt euch schon mal drauf ein: Ich KOMME!)

Freitag, 10. Juni 2011

Ein Kuss im Schulalltag

Kooperative und integrative Gesamtschule Schwanewede. Wir schließen meine Lesung mit einem gemeinsamen Mittagessen in der Schulmensa ab. Ein Lehrer erzählt von seiner Arbeit mit behinderten und nichtbehinderten Schülern. Berichtet von  seiner Schulband und seiner Theatergruppe.
Ein Mädchen kommt auf unseren Tisch zu. Lustig sieht sie aus. Ihre Löwenmähne erinnert an Pumuckel in blond. Es ist ein Mädchen mit Down-Syndrom.
Jetzt bleibt sie vor dem Lehrer stehen.
"Wo warst du heute?", fragt sie.  "Du warst nicht da."
"Ich musste heute mit den Siebenern zu einer Veranstaltung", antwortet der Lehrer.
"Ich hab dich vermisst", sagt sie.
"Morgen treffen wir uns wieder mit der Theatergruppe, okay?", sagt der Lehrer.
Das Mädchen klatscht in die Hände.
"Au ja!", ruft sie. "Und dann bekomme ich eine schöne Rolle, ja?"
"Ganz bestimmt", erwidert der Lehrer.
Sie lacht. Hüpft vergnügt zum Ausgang.
Plötzlich hält sie inne, dreht sie sich um und kommt zurück. Von hinten schlingt sie ihre Arme um den Hals des Lehrers. Sie zögert einen Moment. Dann drückt sie ihm ein kleines Küsschen auf die Wange. 
"Du bist so lieb", sagt sie. 
Der Lehrer lacht. Die Kollegen schmunzeln.
"Das ist doch wohl ein Grund, in dieser Klasse zu arbeiten, oder?", sagt der Lehrer.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Kompetenzförderung in der Stadtbücherei Ibbenbüren


So lustig und freundlich wie dieses Abschiedsgeschenk war heute meine Lesung in der Stadtbücherei Ibbenbüren, zu der die 7. Klassen der Anne-Frank-Realschule eingeladen waren. 
Die Stadtbücherei und verschiedene Schulen in Ibbenbüren haben in einer Bildungspartnerschaft eine Kooperation beschlossen, in der die Sozialkompetenz, die Persönlichkeitskompetenz und die Fach- und Berufskompetenz der Schüler gefördert werden sollte. Dabei sollte natürlich das Lesen im Mittelpunkt stehen, das durch verschiedene Aktionen, Autorenlesungen und Medienkisten angeregt wurde.
Und so kam es, dass ich heute für die 7. Klassen in der Stadtbücherei eingeladen war. 

Die Lesung fand in einem schicken Raum mit toller Akkustik statt, sodass ich mich nicht besonders anstrengen musste, vor der großen Gruppe zu lesen. Auch die vielen interessanten Fragen konnte ich mühelos verstehen.
Die Schüler hatten mein Chatbuch im Unterricht gelesen und waren interessiert daran, mich kennen zu lernen.
Ich ließ sie abstimmen, aus welchem Klar-Roman ich vorlesen sollte, und beide Gruppen entschieden sich unabhängig voneinander für "Das ist mein Typ, du Miststück."
Nachher wollten natürlich alle wissen, wer nun den Markus bekommt. Da fand ich es eine besonders schöne Idee, dass sie eine Medienkiste von der Bücherei für die Klasse bekamen, in der sich auch verschiedene Bücher von mir befanden.
Liebe Grüße an euch alle - und danke an Frau Schmitz für die gute Organisation. 
Und hier noch ein paar Leseeindrücke: 




Mittwoch, 8. Juni 2011

Zeit-Djunkie

Ich kann wirklich von mir behaupten, der absolute Zeit-Djunkie zu sein. Wenn ich etwas erledigen muss, plane ich gleich ein, was ich alles noch mit-erledigen kann. Schnell noch bei der Sparkasse reinspringen, schnell noch einkaufen, zur Post, mal eben tanken.

So kam es, dass ich letzte Woche mal eben noch schnell tankte. Billig. Und Super plus. 
Das Problem ist nur: ich habe einen Diesel. 
Gleich beim Anfahren bemerkte ich den Fehler. Der Wagen tuckerte und hopste.
Du hast doch nicht etwa ... dachte ich. Doch. Ich hatte!

"Keinen Meter weiter fahren", riet der Tankwart. Sehr witzig. Da stand ich nun an der Tankstelle mitten in der Pampas und spürte, wie sich mein Zeitlevel von 5 auf 0 senkte. 
Dann ging es nur noch mit einem Leihwagen weiter.
Die Werkstatt um die Ecke freute sich. Sie hatten Zeit, und so ein Zeitdjunkie kam ihnen gerade recht. 
Hat da jemand gesagt, dass Zeit Geld ist? Meine Zeitersparnis hat mich fast 600,- Ocken gekostet!

Dienstag, 7. Juni 2011

Lesung in Cappeln


Heute hatten mich die Klassen R7a und R7b der Haupt- und Realschule Cappeln bei Cloppenburg zu einer Lesung eingeladen.
Intensiv hatten sie sich mit dem Thema Chatten auseinander gesetzt, hatten mein Buch gelesen und Lesetagebücher dazu erstellt, die wunder- wunderschön waren, hatten eine Talkshow inszeniert, Fotos gemacht und Bilder gemalt.
Durch Elternabende und Besuche der Polizei wird das Thema noch vertieft.
Ich war echt beeindruckt, vor allem, als Schüler erzählten, sie hätten sich sogar privat getroffen, um einen Film zu drehen. 
Den Morgen habe ich echt genossen.
Hier sind ein paar Eindrücke:


Montag, 6. Juni 2011

Abgeschoben

"Abgeschoben" heißt der neue und letzte Klar-Reality-Roman, der im September erscheinen wird.
In dieser Biografie habe ich einen jungen Iraner beim Schreiben begleitet, der sich Djamal Samiri nennt.
Djamal hatte lange überlegt, dieses Buch zu schreiben. Er hatte Angst, die Ehre seiner Familie zu beschmutzen. Eine Familie hält zusammen -  die Eltern wollen immer nur das Beste für ihr Kind. Das war das Mantra, das ihm seine Eltern immer und immer wieder eingeimpft hatten.
Die Wirklichkeit aber sah anders aus. Die Eltern zerfleischten sich gegenseitig in einem endlosen Ehekrieg. Als sie sich schließlich trennten, benutzten sie Djamal, ihre Streitigkeiten weiter zu führen. Wie ein Pingpongball wurde er zwischen Vater und Mutter hin und her gespielt. Oft genug landete er auf der Straße oder im Heim.
Als die Eltern ihn endgültig loswerden wollten, brachten sie ihn mit einer Lüge ins Gefängnis. Dann bereitete sein Vater seine Abschiebung in den Iran vor.

Sonntag, 5. Juni 2011

Rückblick auf den Urlaub


Unbedingt muss ich von meiner ersten Fahrt mit einem E-Bike berichten. Bei der Kurverwaltung in Bad Liebenzell konnte man sich Elektroräder ausleihen und damit durch den Schwarzwald gurken. Da wir die immer schon mal ausprobieren wollten, schlugen wir gleich zu.
Es gab so richtige "Klischee-Räder". Für die Frauen gab es Räder mit Vollautomatik. Diese Räder fühlten geradezu, was gut für uns Frauen war und stellten sich darauf ein. Für die Männer gab es dagegen Räder, die vor Elektronik nur so blinkten. Hier ein Lämpchen für das Aufladen, da zum Geschwindigkeit einstellen, hier ein digitales Tachometer und da ein elektronischer Kilometerzähler.
Lustiger Weise waren wir alle total zufrieden mit der Wahl.

E-Bike fahren ist wirklich witzig. Okay, Mountainbikefahrer sahen uns mitleidig an, wenn wir entspannt die Berge hochdüsten. Für sie ist ein E-Bike wahrscheinlich der Vorläufer für ein Gehwägelchen. 
Aber so ein Flachländer wie ich kriegt schon beim Anblick eines Berges Schnappatmung und eine Hitzewallung. Jetzt aber brauchte ich nur auf den Berg zufahren. Die Pedale packte sozusagen unter meine Fußsohle und half beim Treten. 
Irre! 

(Foto: Calw)

Mittwoch, 1. Juni 2011

Männers



Gestern Abend planen wir unseren Kurzurlaub durch den Schwarzwald.
Ich: Und dann müssen wir noch unbedingt nach Calw.
Siggi: ...
Nils: ...
Ich: In Calw hat Hermann Hesse gelebt.
Siggi: ...
Nils: ...
Ich: Vielleicht gibt es ja auch eine Führung durch die Stadt. Auf den Spuren Hermann Hesses.
Siggi: ...
Nils: ...
Ach, wie ich sie liebe, diese Begeisterung meiner Männer für Kultur, und ganz besonders für das Leben von Autoren und deren Literatur...