909 Autoren äußern
sich verärgert zu amazon. Da müsste ich eigentlich auch mal meinen Senf dazu
geben.
Amazon hat sich zu
einem riesigen Unternehmen entwickelt. So eine Entwicklung ist immer
gefährlich, weiß man doch, dass sie nur dazu führt, dass das Monopolunternehmen
irgendwann die Preise und die Strategien diktieren wird.
Verlage bekommen es
im Moment besonders hart zu spüren. Amazon will den Buchmarkt allein
beherrschen und versteht es, die Autoren für sich zu gewinnen, die gefrustet von
der Verlagswelt auf ihren Manuskripten sitzen bleiben.
Aber wer ist schuld
an der Situation?
Natürlich ist es glatte
Erpressung, dass Amazon, wenn die Konditionen nicht stimmen, die Verlage im
Vertrieb benachteiligt. Hier, wie so oft, werden nicht nur die Verlage, sondern
auch die Autoren zum Spielball des Geschehens.
Aber haben nicht auch
die renommierten Verlage lange Zeit den Autoren arrogant die kalte Schulter
gezeigt? Besonders Nachwuchsautoren hatten so gut wie keine Chance bei ihnen.
Man setzte auf Alteingemachtes. Neue Manuskripte landeten ungelesen auf den
Bergen der unbeantworteten Einsendungen, Rückmeldungen kamen, wenn überhaupt,
erst Monate später und meistens mit einer Standardabsage.
Bei den deutschen Kinder-
und Jugendbuchverlagen ist ja nun schon seit langer Zeit der Trend zu beklagen,
dass innovativen Ideen als Übersetzungen eingekauft werden. Ansonsten wurden
Konzepte voneinander geklaut und die deutschen Autoren für diese Konzepte verwertet.
Mitbestimmung bei Preisen oder Cover waren eher eine Seltenheit. Und immer mehr
ging man auch dazu über, die Vermarktungsstrategien auf die Autoren abzuwälzen.
Leserunden, Blogs, die ganze Netzwerkarbeit wurde schon fast vorausgesetzt.
Über diese große
Gruppe an bedrückten Autoren haben sich die Verlage keine Gedanken gemacht.
Erst jetzt, wo sie sich amazon zuwenden, erkennt man das verpasste Potential. Denn
amazon bietet den Autoren ganz plötzlich eine andere Freiheit. Man kann seine
Idee ausprobieren. Man kann das Cover bestimmen,
den Preis vorgeben, die Vermarktung wird unterstützt – und so erhält man
plötzlich das, was einem die Verlage verwehren – nämlich eine Chance.
Ich muss ja mal
sagen, ich liebe die Arbeit mit den Verlagen, aber ich schreibe ja auch für den
pädagogischen Bereich, und hier ist
persönlicher Kontakt und Innovation immer selbstverständlich. Ich mag es sogar,
für schwierige pädagogische Konzepte eine Idee zu entwickeln, und mich behindern
auch Vorgaben nicht in meiner Kreativität.
Aber ich liebe es
aber auch mal, ganz frei zu sein in meinem Schreiben. Und so habe ich mir vor
einiger Zeit bei amazon ein Pseudonym zugelegt, in dem ich ganz frei von allen
Vorgaben unterhaltsame Abenteuergeschichten für Kinder schreibe. Mit diesen
Geschichten hätte ich bei den Kinderbuchverlagen keine Chance gehabt. Bei amazon laufen sie, ohne dass ich
sie groß bewerben muss.
Und so schreibe ich
für beide, für Verlage und für amazon, und glaubt mir, das ist die größte
Freiheit!