Montag, 14. Dezember 2015

Heidi – Heidi – deine Welt sind die Berge…


Auf dieses Buch habe ich so lange gewartet, dass ich zwischenzeitlich schon mal dachte, es wäre längst erschienen, und man hätte mich mit den Belegexemplaren vergessen. Aber manches braucht eben seine Zeit, und wer sich die schönen Illus genauer anschaut, wird merken, dass alles mit viel Liebe erstellt wurde.
Meine Aufgabe war es hierbei, den Text nach dem Original nachzuerzählen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Denn natürlich habe ich als Kind auch „Heidi“ gelesen. Das Heidi-Buch meiner Kindheit hatte eine besondere Bedeutung für mich. Ich fand es nämlich wie einen Schatz auf dem Dachboden meines Großvaters. Es gehörte meiner Mutter, die ihren Namen in feinstem Sütterlin auf die erste Seite geschrieben hatte.  Da das Buch in Frakturschrift geschrieben war, musste ich mich erst an diese fremden Buchstaben gewöhnen und habe es darum mit besonderer Achtsamkeit gelesen.

Es nun durch meine Arbeit wieder zu entdecken und mit eigenen aber nicht verfremdenden Worten nachzuerzählen, war mir eine liebe Aufgabe. 

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Nie wieder Prüfungen


Nie wieder Prüfungen versprach ich mir selbst nach meiner Doktorprüfung, die mich echte Lebenszeiten gekostet hatte. Irgendwann ist man zu alt dazu, findet es entwürdigend, dass jemand auf der Gegenseite sitzt, der Stoff abfragt, ohne durchblicken zu lassen, ob er ihn selbst verstanden hat. 
Dieses Versprechen lag nun fast zehn Jahre zurück, eine Zeit, in der man die Grenze „nie“ beginnt, aufzuweichen.
Und so beschloss ich auf meine alten Tage, mich doch noch mal einer Prüfung zu stellen, nämlich der zum Personenbeförderungsschein. (Ich habe ja schon erzählt, dass ich auf dem Campingplatz meines Sohnes im Sommer die Gäste geshuttlet habe. Dafür ist im Prinzip kein Personenbeförderungsschein nötig, aber ich fühlte mich irgendwie besser, wenn ich einen in der Brieftasche hatte.)
Mein Mann hängte sich an und wollte mitmachen.
Gemeinsam beantragten wir das polizeiliche Führungszeugnis und die Bestätigung der nichtvorhandenen Punkte in Flensburg. Dann unterzogen wir uns einer ärztlichen und einer augenärztlichen Untersuchung. Die Prüfung aber, vor der wir uns besonders fürchteten, war der Reaktionstest. Mein Mann wusste zu berichten, dass er schon mal bei einem solchen Test bei der Bundeswehr kläglich versagt hatte.
Zu dem Test beim Straßenverkehrsamt gehörte das Ausfüllen eines Fragebogens. Dabei stellte ich erstaunt fest, dass ich ca. 800 000 km in meinem Leben unfallfrei gefahren bin. Das finde ich, sollte ein Grund sein, so einen Personenbeförderungsschein auf der Stelle auszufüllen. Aber die Verordnung sieht etwas anders vor. Wir wurden nun – auf zwei Räume getrennt – vor einen Computer gesetzt, mussten uns in ein Lernprogramm einüben. Und dann ging es los. Roter Punkt, rote Taste drücken, blauer Punkt, blaue Taste drücken, hoher Piepton, graue Taste drücken, Viereck links, Fußpedal links drücken, hoher Brummton, schwarze Taste drücken, gelber Punkt, blauer Punkt, Piepton, Brummton, rechtes Vereck, Brummton, grüner Punkt... – und das alles in immer schnellerem Tempo. Das war nicht der einzige Test, aber der schlimmste.
Als wir später verschwitzt ins Wartezimmer zurückkehrten, mussten wir feststellen, dass einige, die dort saßen, bereits durchgefallen waren. Das verstärkte unsere Sorge noch mehr.
Wir schafften es beide dann doch. Wer von uns beiden besser war, haben wir nicht verglichen. Hauptsache überlebt! 

Samstag, 5. Dezember 2015

Technische Weiterentwicklung


Ich gebe ja zu, ich gehöre nicht zu den aufgeschlossensten Menschen dieser Welt, was die technische Weiterentwicklung betrifft. Wenn ich nicht zufällig in diese Familie hineingeraten wäre, säße ich heute wohl noch glücklich zwischen Buntstiften und Karteikarten. Nun aber zieren drei Monitore meinen Schreibtisch, und Windows 7 ist Ehrensache.
„Ich habe ja vor kurzem Windows 10 installiert“, beginnt mein Mann vorsichtig das Gespräch. „Und ich muss sagen, es hat mich total begeistert.“
Er ahnt, dass ich sofort auf der Hut bin.
„Will ich nicht“, sagte ich. „Ich bin voll zufrieden.“
„Aber es hat ein paar Extras, die wirklich innovativ sind“, fährt er fort.
„Ich habe alles, was ich brauche“,  winke ich. „So wie es ist, ist es perfekt.“
„Das kannst du doch gar nicht wissen“, sagt er. „Du hättest zum Beispiel bei Windows 10 die Möglichkeit, auf allen drei Monitoren ein unterschiedliches Hintergrundbild einzurichten.“
Öps – ja – das ist wirklich ein Argument… 

Dienstag, 1. Dezember 2015

Abklärungsbedarf


„Sehr geehrte Frau Dr. Weber!
Im Rahmen Ihre Screening-Untersuchung hat sich weiterer Abklärungsbedarf ergeben.“

Bei dieser Nachricht rauscht es in meinen Ohren. Abklärungsbedarf hat man nicht so gerne – schon gar nicht vor dem Wochenende, wenn einem keine Alternative bleibt, als zu warten.
Heute dann der erneute Gang zum Screening-Center. Meine rechte Brust wird auf Papierniveau zusammen gequetscht und in einem Mammografiegerät hin und her gewendet. Es brummt und surrt.
Noch ein paar Minuten – können Sie noch?
Der Arzt ist freundlich und gewissenhaft. Die kleine Veränderung auf dem Bild ist nun auch für mich sichtbar. Jetzt soll sie durch den Ultraschall genauer bestimmt werden. Immer wieder wandert der Arzt mit der Sonde über meine Brust, stundenlang, wie es mir scheint. Sein Gesicht ist ernst, der Blick unverwandt auf den Monitor gerichtet. Als er fertig ist, erwarte ich mein Todesurteil.
„Ich kann es nicht wieder finden“, sagt er. „Es ist besser, Sie gehen in eine Röntgenpraxis ins Krankenhaus.“
Ich weiß nicht, ob das jetzt der Zeitpunkt ist, erleichtert zu sein. Noch ist es nicht vorbei. Aber ein kleiner Stein fällt mir doch vom Herzen. 

Donnerstag, 26. November 2015

--- ich steht auf Berlin


Lange Zeit war Westberlin eine Ausnahmestadt. Wer die Bundeswehr umgehen wollte oder wer sich gesellschaftlich eher als Außenseiter sah, ging nach Berlin. Hier trafen irgendwie viele verlorene Seelen aufeinander. Die Stadt war eine Insel, von einer Mauer umgeben. Rauszukommen bedeutete, in langen Staus von der Gnade der DDR-Grenzler abhängig zu sein.
Heute ist Berlin Kult. Kreischende Japaner vor dem Brandenburger Tor beweisen, dass es dazu gehört, bei einer Deutschlandreise in Berlin gewesen zu sein.
Für mich ist es immer noch ein bewegender Moment, durch das Brandenburger Tor zu gehen und die Quadriga von vorne sehen zu können.

Es ist kalt an diesem Tag. Mein Stadtbummel beschränkt sich auf wenige Sehenswürdigkeiten. Das Brandenburger Tor gehört dazu. Ich grüße euch herzlich durch die kreischenden Japanergruppen hindurch.

Freitag, 20. November 2015

Mein neues Fahrrad



Habe ich euch eigentlich von meinem neuen Fahrrad erzählt? Es ist noch nicht fertig gehäkelt, aber es wächst und wächst. Perfekt ist es natürlich auch nicht – es ist ja auch erst das erste Fahrrad, das ich umhäkele. Ich wollte es euch aber mal zeigen – nur für den Fall, dass ihr denkt, dass ich nichts weiter kann als schreiben… 

Montag, 16. November 2015

Trost



Was gibt es Schöneres, Tröstlicheres, als an einem verregneten Volkstrauertag mit Traurigkeit im Herzen in der Kirche zu sitzen und das Mozartrequiem zu hören.
Die Kirche ist kühl, die Bank hart, und doch nimmt mich der Gesang so gefangen, dass ich all das nicht mehr spüre. Danke!

Mittwoch, 11. November 2015

Zu Besuch beim Sauerland-Kurier

Im Gespräch mit dem Sauerland-Kurier
 Zum Programm des Literarischen Herbstes gehört immer auch eine Einladung des Sauerland-Kuriers zu einem Pressetermin. Mein Autorenkollege Simak Büchel und ich machten uns gemeinsam auf den Weg ins Pressehaus, wo die Redakteurin Inge Schleining schon mit gut vorbereiteten Fragen auf uns wartete. Wir erzählten von unseren Eindrücken, die wir bei den Lesungen gewonnen hatten. Viele Schüler waren sehr gut vorbereitet gewesen, hatten interessierte Fragen gestellt und sich auch anschließend noch zu Redaktionsgruppen zusammen gefunden, um Pressetexte zu schreiben. 
Auf Nachfrage der Redakteurin erzählten wir auch von unsere eigenen Lese- und Schreiberfahrungen, und überlegten gemeinsam, wie man Kindern und Jugendlichen die Liebe zu Büchern näher bringen kann. 
Gerd-Peter Zapp, Organisator des Literarischen Herbstes
und Inge Schleining, Redakteurin des Sauerland-Kuriers
Für uns wurde das gemeinsame Lesen im Familienkreis als besonders bedeutsam erlebt. Das abendliche Vorlesen als Ritual vor dem Einschlafen schafft eine geborgene Atmosphäre, aus der heraus man sich als Kind in die Abenteuerwelt der Protagonisten wagen kann. Dieses Vorlesen ist oft mehr als nur ein Einschlafritual. Es entsteht eine Nähe, die es ermöglicht, vertraute Gespräche miteinander zu führen, sie lässt aber auch eine Brücke von den vorlesenden Eltern zur Literatur entstehen und weckt damit die erste Liebe zu Büchern und dem Lesen.  
Kinderbuchautor Simal Büchel

Dienstag, 10. November 2015

Eindrücke einer Lesereise

Meine Lesereise durch Lennestädter Orte wie Meggen, Altenhundem und Grevenbrück ist echt interessant. Diesmal bin ich für die Sekundarschulen zuständig, und da hat man mich häufig auch mal in den höheren Klassen wie dem 9. und 10. Schuljahr eingesetzt. Mit diesen Jahrgangsstufen habe ich bis jetzt noch wenig Erfahrung. Auch Leseorte wie das Berufskolleg oder das Gymnasium sind mir eher wenig vertraut. So genieße ich es, noch mal ganz neue Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln und nehme die Rückmeldungen interessiert auf. 

Toll auch, wie einige Schüler eine gute Eingangs- oder Abschlussrede formulieren, oder wie sie Protokolle schreiben, um einen Zeitungsbericht verfassen. Was mich auch begeistert ist, dass es auch in großen Schülergruppen soooooo leise ist – besonders heute in der großen Gruppe einer riesigen Aula der Anne-Frank-Schule. 



Montag, 9. November 2015

Literarischer Herbst Lennestadt

 
Vor zwei Jahren war ich schon einmal zum Lennestädter Leseherbst eingeladen und habe gemeinsam mit Klaus Kordon für die Schulen im Umkreis gelesen. Dass ich in diesem Jahr erneut eingeladen wurde ist dem traurigen Umstand geschuldet, dass die ursprünglich vorgesehene Autorin Doris Meißner-Johannknecht kurzfristig wegen einer Erkrankung absagen musste. (Liebe Doris, falls du das liest, wünsche ich dir auf diesem Wege die besten Genesungswünsche.) Und als ich die Stimme des lieben Organisators Gerd-Peter Zapp am Telefon hörte, der in ziemlich hektischer Aufregung eine Vertretung suchte, habe ich natürlich sofort zugesagt. Ich bin total gerne hier im Sauerland und kenne mittlerweile auch schon jedes kleine Örtchen und natürlich alle Schulen. 
rechts der Organisator Gerd-Peter Zapp
Mit mir ist diesmal Simak Büchel eingeladen, der für die Grundschulen liest, ich bin diesmal für die Sekundarstufen vorgesehen, was mich ganz besonders freut. 
Ausstellung Weg der Hoffnung? von Sami Geberemariam
Die Auftaktveranstaltung startete im Grevenbrücker Kulturbahnhof, einer würdigen Location, in der zur gleichen Zeit eine interessante und berührende Ausstellung „Weg der Hoffnung“ von Sami Geberemariam zu sehen war.
Gerd-Peter Zapp fand herzliche Begrüßungsworte, und der Projektchor der Fröhlichen Spatzen sorgte für gute Stimmung. (Ich staune immer, wie sich einzelne Schüler trauen, auch mal solo zu singen…)
Simak und ich hatten die Aufgabe, uns mit einer kurzen Lesung vorzustellen.
Simak ist ein total dynamischer Typ und performt seine Geschichten geradezu. Es macht Spaß, ihm zuzuhören – und es ist natürlich nicht so einfach, nach so einer wilden Lesung einfach nur mit einem Buch in der Hand vorne zu stehen und zu lesen. Trotzdem haben alle auch bei mir interessiert zugehört.
Es war ein schöner Abend – und wir starten mit gut gefüllten Segeln in die Lesesaison.
Simak Büchel beim Signieren