Donnerstag, 10. Dezember 2015

Nie wieder Prüfungen


Nie wieder Prüfungen versprach ich mir selbst nach meiner Doktorprüfung, die mich echte Lebenszeiten gekostet hatte. Irgendwann ist man zu alt dazu, findet es entwürdigend, dass jemand auf der Gegenseite sitzt, der Stoff abfragt, ohne durchblicken zu lassen, ob er ihn selbst verstanden hat. 
Dieses Versprechen lag nun fast zehn Jahre zurück, eine Zeit, in der man die Grenze „nie“ beginnt, aufzuweichen.
Und so beschloss ich auf meine alten Tage, mich doch noch mal einer Prüfung zu stellen, nämlich der zum Personenbeförderungsschein. (Ich habe ja schon erzählt, dass ich auf dem Campingplatz meines Sohnes im Sommer die Gäste geshuttlet habe. Dafür ist im Prinzip kein Personenbeförderungsschein nötig, aber ich fühlte mich irgendwie besser, wenn ich einen in der Brieftasche hatte.)
Mein Mann hängte sich an und wollte mitmachen.
Gemeinsam beantragten wir das polizeiliche Führungszeugnis und die Bestätigung der nichtvorhandenen Punkte in Flensburg. Dann unterzogen wir uns einer ärztlichen und einer augenärztlichen Untersuchung. Die Prüfung aber, vor der wir uns besonders fürchteten, war der Reaktionstest. Mein Mann wusste zu berichten, dass er schon mal bei einem solchen Test bei der Bundeswehr kläglich versagt hatte.
Zu dem Test beim Straßenverkehrsamt gehörte das Ausfüllen eines Fragebogens. Dabei stellte ich erstaunt fest, dass ich ca. 800 000 km in meinem Leben unfallfrei gefahren bin. Das finde ich, sollte ein Grund sein, so einen Personenbeförderungsschein auf der Stelle auszufüllen. Aber die Verordnung sieht etwas anders vor. Wir wurden nun – auf zwei Räume getrennt – vor einen Computer gesetzt, mussten uns in ein Lernprogramm einüben. Und dann ging es los. Roter Punkt, rote Taste drücken, blauer Punkt, blaue Taste drücken, hoher Piepton, graue Taste drücken, Viereck links, Fußpedal links drücken, hoher Brummton, schwarze Taste drücken, gelber Punkt, blauer Punkt, Piepton, Brummton, rechtes Vereck, Brummton, grüner Punkt... – und das alles in immer schnellerem Tempo. Das war nicht der einzige Test, aber der schlimmste.
Als wir später verschwitzt ins Wartezimmer zurückkehrten, mussten wir feststellen, dass einige, die dort saßen, bereits durchgefallen waren. Das verstärkte unsere Sorge noch mehr.
Wir schafften es beide dann doch. Wer von uns beiden besser war, haben wir nicht verglichen. Hauptsache überlebt! 

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