Samstag, 11. November 2017

Goodbye Gotha



Zuletzt ist noch viel zu tun. Ich drehe meine Runde über den Hauptmarkt, schaue bei Franx Café und bei der Buchhandlung Zing vorbei, besuche den Pressereferenten und schicke in Gedanken ein liebes Dankeschön an den Oberbürgermeister, der im Moment in Urlaub ist. Ein Abschiedswein mit Monika in der Pizzeria um die Ecke, ein gutes Abendessen mit Nicole in der Weinschänke.


Zwei letzte Lesungen morgens im Frauenzentrum, nachmittags in der Villa Brem, beides sehr schöne Lesungen in liebevoll hergerichteten Räumen. Viele liebe Abschiedsworte, viele nette Geschenke. Am Freitag nach hektischem Wohnung ausräumen, Müll raustragen und Kühlschrank leeren noch eine Veranstaltung zum Cybermobbing mit Ronny Lehmann in der Stadtbibliothek. Dann steht die Wohnungsübergabe an. Ein letztes Mal leckeren Kuchen von dem Bäcker um die Ecke, der Weg zum Parkplatz, das Warten an der Ampel auf die Grünphase und nun: Goodbye Gotha. Ich hatte eine gute Zeit! 

Donnerstag, 9. November 2017

Interview mit dem MDR



Gestern hatte ich netten und interessanten Besuch in meiner Stadtschreiberwohnung in Gotha. Ruth Beer, freie Mitarbeiterin des MDR, kam vorbei, um mich zu meiner Stadtschreiberzeit in Gotha zu befragen und einen Sendebeitrag vorzubereiten. Dieser Beitrag wird in der Sendung „Marlene“ am Sonntag um 19.00 Uhr gesendet.
Frau Beer und ich entdeckten gleich zwei Gemeinsamkeiten, die Liebe zum Schreiben und die gemeinsame Heimat Ostwestfalen. Das machte uns sofort neugierig aufeinander, und wir tauschten viele interessante berufliche aber auch private Dinge miteinander aus.
Als Frau Beer dann das Aufnahmegerät einschaltete und ihre Interviewfragen konzentrierte Antworten erforderten, schalteten wir sofort auf unsere berufliche Seite um und so verlief das Interview aufmerksam und entspannt zugleich.
Ich bin schon gespannt auf das Ergebnis und hoffe, dass diese gute Atmosphäre rüberkommt und das Interview außerdem informativ und interessant für den Zuhörer ist.
Ihnen Frau Beer herzlichen Dank, dass sie sich so viel Zeit genommen hat. 

Mittwoch, 8. November 2017

Premierenlesung


 
Gestern Abend war es also so weit. Ich habe den Roman „See you in der Heinrich-Heine-Bibliothek in Gotha vorgestellt. Zahlreiche Zuschauer waren zur Lesung gekommen, darunter viele vertraute Gesichter. Sehr gefreut hat mich auch, dass zwei HipHopper und ein Breakdancer bereit waren, zwischendurch aufzutreten, das lockerte alles total auf und leitete gut zum Lesethema über.
Natürlich war Zeit für viele Fragen, aus denen sich einiger Diskussionsstoff entwickelte – und natürlich gab es auch die Möglichkeit, Bücher zu kaufen und signieren zu lassen.
Wie immer wenn ich selbst betroffen bin, schaffe ich es nicht, gleichzeitig zu fotografieren. Das Foto oben ist vor einiger Zeit entstanden (von Wieland Fischer, Journalist der Thüringer Allgemeinen), das dunkle Foto zeigt die Breakdancer und Hiphopper vor der Bibliothek bei einer letzten Zigarette.
An diesem Abend habe ich so viele liebe Wünsche und sogar Geschenke mit auf den Weg bekommen – das macht mich total glücklich.


Sonntag, 5. November 2017

Abschied von der Schreibwerkstatt


 
Nun geht auch meine Schreibwerkstatt hier in Gotha zu Ende. Am letzten Abend sind wir nur noch eine kleine Runde. Dafür aber liegen interessante Haikus auf dem Tisch.
Ein Haiku ist eine japanische Gedichtform, die in der Regel aus drei Zeilen mit je 5 Silben, 7 Silben und wieder 5 Silben besteht. Oft wird die Natur beschrieben, aber es gibt auch moderne Formen.
Einen schönen Haiku von Monika Breitung muss ich an dieser Stelle zitieren:
Ein Hai und ne Kuh
Wenn sie sich einmal paaren
Werden zum Haiku
Genial, oder?
Es war ein netter Abend, den wir auch noch damit verbracht haben, über unsere Beziehung zum Schreiben zu reden.
Diese Schreibgruppe ist eine sehr beständige Gruppe, die sich, auch wenn mal kein Stadtschreiber in Gotha zur Verfügung ist, trifft, um ihre Texte miteinander zu besprechen. Alle Texte sind schon sehr ausgereift, und jeder hat einen ganz eigenen Stil. Das ist sehr spannend und bereichernd für die Gruppe.
Ich habe diese Abende genossen, und fühlte mich den Autoren freundschaftlich verbunden. Jetzt ist diese nette Gruppe an die kommende Stadtschreiberin in liebevolle Hände weiterzugeben.
Euch Teilnehmern wünsche ich weiterhin kreatives Schreiben.

Freitag, 3. November 2017

Wenn die Dinge Geschichten erzählen



Vor vielen Jahren gab es in Paderborn mal eine Vortragsreihe. Immer stand ein Gegenstand aus einem Museum im Mittelpunkt und drum herum wurde seine Geschichte erzählt: Ein Zuckerdöschen zum Beispiel, oder ein Brieföffner … und jeder Vortrag war unglaublich spannend.
Daran erinnere ich mich, als mir Walter Dietze in der Wohnsiedlung Am Schmalen Rain in Gotha diese Wäschemangel zeigt. Sie ist so groß, dass sie einen ganzen Raum ausfüllt und so schwer, dass man sie nicht mehr wegrücken kann.


Walter Dietze kann sich noch daran erinnern, wie er hier für seine Mutter die Wäsche mangeln musste. Man trug sich in ein kleines Büchlein ein und blockierte sich eine Zeit, dann ging man mit dem Wäschekorb voller Wäsche los. Die Wäsche wurde ordentlich zwischen zwei Tücher gelegt und eingerollt, anschließend spannte man die Rolle in die Maschine. Sie wurde mit Gewichten geplättet.
Natürlich gab es auch mal Komplikationen – häufig erinnerte sich Dietze an Stromausfall. Dann musste man die Wäschemangel handbetrieben öffnen, die Wäsche herausholen – und auf bessere Zeiten warten.
Toll sind diese alten mechanischen Maschinen – und irgendwie beeindruckend, dass sie immer noch funktionieren, wo doch ein hochmodernes Smartphone in der Regel nach drei Jahren den Geist aufgibt…

Mittwoch, 1. November 2017

Die letzte Runde


Nun beginnen die letzten zehn Tage Gotha. Immer wieder passiert es mir, dass ich mir eine Veranstaltung notieren will und dann erschrocken feststelle: Dann bin ich ja gar nicht mehr da.
Diese letzte Runde ist geprägt von diesem Gefühl: Das muss ich unbedingt noch sehen und auch: Da muss ich mich unbedingt verabschieden.
Der Anfang in dieser Stadt ist mir noch so präsent. Alles war so fremd. Ich erinnere mich noch gut an dieses Gefühl, das ich hatte, als ich durch die Straßen gelaufen bin und niemanden kannte und auch gar nicht so recht wusste, was ich hier machen sollte und was man von mir erwartete. Jetzt treffe ich bei jedem Gang durch die Stadt jemanden, den ich kenne. Alles ist so vertraut und mir mit einer Geschwindigkeit ans Herz gewachsen, dass es unheimlich ist. Nun steht bald der Abschied an. Alles unter dem Himmel hat eine Zeit. Die Jahreszeit passt dazu. 

Montag, 30. Oktober 2017

Urlaub zu Hause



Fast eine Woche lang war ich nun zu Hause. Ein Arztbesuch stand an, außerdem eine Lesung und der Geburtstag eines meiner „Kinder“. Vorsichtig taste ich mich an die Zeit heran, die demnächst auf mich zukommt, wenn meine Stadtschreiberzeit zu Ende ist, an dieses Heimatgefühl, das ich wieder neu definieren muss. Ich gehe mit meinem Mann in unsere Lieblingspizzeria, ich laufe eine Runde um den See, ich treffe mich mit einer Freundin, und ich genieße meinen perfekten Schreibtisch mit den drei Monitoren. Das Schönste aber ist das Schlafen im eigenen Bett. Ich schlafe mal zur Abwechslung wie ein Bär in der Winterruhe.
Nun liegen noch knappe zwei Wochen Schreib- und Lesezeit in Gotha vor mir. Der Terminkalender ist eng gestrickt. Aber auch darauf freue ich mich.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Wie konntest du, Annette?



Ich habe viele Facebook-Freunde. Viele Schüler sind darunter. Die wenigsten kenne ich persönlich.
Vor einigen Tagen bekam ich eine Nachricht mit dem Messenger von Facebook. „Bist du das, Annette?“ Und darunter war der Link eines Youtube-Videos zu sehen.
Den Jugendlichen, der mir diese Nachricht schickte, kannte ich nicht. Ich ignorierte die Nachricht.
Wenig später kam eine weitere Nachricht eines anderen Jugendlichen. „Wie konntest du, Annette?“
Ich muss gestehen, dass ich ein wenig unruhig wurde. Immerhin konnte ich sehen, dass 300 000 Leute auf den Youtube-Link geklickt hatten. Aber seien wir mal ehrlich, selbst wenn ich einen lässigen Strip hingelegt hätte, hätte ich doch nicht 300 000 Zugriffe bekommen, oder?
Als ich dann aber vorsichtig mit dem Mauszeiger über den Link ging, konnte ich in der Adresse die Buchstaben php sehen. Das ist ja meist ein Hinweis für ein Programm, das beim Anklicken ausgelöst wird. Also beherrschte ich mich – und vergaß die Nachricht wieder.
Zwei Tage später bekam ich wieder eine Message: „Oh! Bist du das, Annette?“ Diesmal kannte ich den Absender. Also schrieb ich ihm zurück. „Ist diese Mail wirklich von dir? Was ist auf dem Video zu sehen. Ich will da nicht draufklicken.“ Die Antwort kam schnell: „Ist ein Virus. Beim Anklicken schickt er den Virus an alle Freunde weiter.“
Und wisst ihr, woher er das wusste? Arggggggggg….  Der Ärmste! Da hilft nur Password ändern. 

Freitag, 20. Oktober 2017

Verspätung



Ich habe mich mit einer lieben Freundin auf eine Pizza verabredet. Zur verabredeten Zeit verlasse ich meine Wohnung und warte an einer Stelle auf sie, an dem ich den Hauptmarkt und einen Teil der Fußgängerzone im Blick habe. Sie kommt nicht.
Der Bäcker nebenan holt seine Schilder herein, die Änderungsschneiderei schließt ihr Geschäft. Ich schaue auf die Uhr. Zehn nach sechs ist es nun. Eigentlich ist es nicht ihre Art, verspätet zu sein. Aber ich gebe ihr ein akademisches Viertelstündchen. Dann noch fünf Minuten. Schließlich rufe ich an. Sie ist sofort am Apparat.
„Wir wollten eigentlich heute Abend Pizza essen“, erinnere ich sie vorsichtig.
„Oh nein! Das habe ich komplett vergessen! Das ist mir ja noch nie passiert“, schreit sie entsetzt. „Du bist schuld!“, ruft sie dann. „Ich lese nämlich gerade dein Buch. Jetzt bin ich auf Seite 120, und es so spannend. Ich bin total abgetaucht …“
Also, wenn das eine Ausrede war, war sie gut!
Wir treffen uns eine Stunde später – und es wird ein lustiger Abend.  

Dienstag, 17. Oktober 2017

Sehenswürdigkeiten in Thüringen


 


Das Ende der Stadtschreiberzeit rückt in Sicht. Ich habe schon so viel hier gesehen und erlebt, aber es gibt genauso viele Dinge, die ich noch nicht gesehen und erlebt habe. Ich erstelle mir eine „Must -See-Liste“ und notiere Sehenswürdigkeiten, die ich unbedingt noch besichtigen muss. 



Das Schloss Molsdorf gehört dazu. Es liegt in der Nähe von Erfurt und ist gerade jetzt in der Herbstzeit wunderschön.



Auch der Baumkronenpfad des Nationalpfades Hainich gehört zu den „Must- see“ auf meiner Liste. Da ich in meiner Familie nur von Höhenpanikern umgeben bin, mache ich mich ganz in Ruhe allein auf Klettertour. Es ist überhaupt nicht gefährlich, man muss sich nur immer wieder sagen, dass ja nichts passieren kann.
Herbst im Hainich ist ein unglaubliches Erlebnis.