Montag, 15. Juli 2013

Zeit, den Hut zu nehmen




Samstag bringt mir der Briefträger einen Brief mit Zustellungsurkunde. „Kommst du jetzt in den Knast?“, fragt mich mein Mann höflich. Ich bin auch ein bisschen hektisch. So ein offizielles Schreiben bedeutet eher nichts Gutes.
Doch diesmal ist es ein freundliches Schreiben von der Bezirksregierung in Detmold. Es betrifft meine Entlassung aus dem Beamtenverhältnis. Die Regierung weist mich noch mal ausdrücklich auf die Folgen hin, die mir dadurch entstehen und bittet mich, die Entscheidung noch einmal gut zu überdenken.
Ich bin überrascht und ein bisschen gerührt über die Fürsorgepflicht, die die Regierung plötzlich für mich übernimmt. In all meinen 25 Beamtenjahren war diese Fürsorge leider nie spürbar. Vielleicht spüren Beamte, die oft krank sind, diesen besonderen Schutz. Wenn man wie ich regelmäßig, pünktlich und zuverlässig zum Dienst erscheint, die Erkältung ignoriert und die Migräne schnell mal mit Medikamenten behandelt, erlebt man den Staat als strengen und unnachgiebigen Arbeitgeber. Man kriegt klare Anweisungen, wird sehr gegängelt, und wenn man Kritik äußert wird auch gerne mal gedroht. Dabei sind so viele Anordnungen, was die Schulen betrifft, mehr als unpädagogisch und bei vielen Erlassen stehen einem die Haare zu Berge. Doch Streik und Protest wird schon per Gesetz nicht zugelassen. So ist es dann ohne weiteres möglich, die Arbeitsbelastungen für Lehrer von Jahr zu Jahr zu erhöhen und die Gehälter von Jahr zu Jahr in eine Nullrunde zu fahren.
Ich habe es mir also überlegt, und es ist Zeit, den Hut zu nehmen. Danke für eure Fürsorge. Sie erscheint mir nun am Ende doch ziemlich verlogen.

Kommentare:

  1. Liebe Annette,

    sicher hast du die richtige Entscheidung getroffen, das zeigt sich jetzt noch einmal deutlich. In meinem Freundeskreis gibt es einige Lehrer, die Ähnliches erzählen und froh sind, wenn sie dann auch ihren Hut nehmen dürfen.

    Viele Grüße
    Regina

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  2. Liebe Annette,
    da kannst du ja richtig froh sein, dass sich die Fürsorgepflicht wenigstens doch noch "gezeigt" hat. Bei meiner Versetzung in den Ruhestand aus gesundheitlichen Gründen hab' ich von Fürsorgepflicht nichts gemerkt. Im Gegenteil, mir wurde noch zum Vorwurf gemacht, dass ich immer "funktionierte" und mich nicht öfter habe krank schreiben lassen. Ich war zwar nicht im Schuldienst, aber Beamtin war ich auch.
    Bei den jährlichen Betriebsfeiern werden nur Mitarbeiter, die noch im Dienst sind oder aus Altersgründen in Rente gegangen sind, eingeladen. Die "Kranken" sind 'raus, die können/dürfen nicht mehr feiern....
    Du hast bestimmt die richtige Entscheidung getroffen.
    Liebe Grüße
    Heidi

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    1. Das tut mir richtig Leid für dich, Heidi! Ich kann verstehen, dass du traurig bist - nach so langer Arbeitszeit.
      Gruß Annette

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