Mittwoch, 15. Dezember 2010

Schreiben für Nichtleser

Manche Kritik an meinen Büchern jagt mir einen riesigen Schrecken ein. 
"Einfacher Schreibstil" - "überwiegend Hauptsätze" - "dialogischer Aufbau" - "simple Handlung" prügeln die Kritiker auf mich ein. 
Ich muss sagen, einfach so abtun kann ich diese Verurteilung nicht. Denn wieso maßen sie sich an, so zu urteilen, ohne sich über die Bücher zu informieren. Es sind doch Bücher für Nichtleser.

Wenn ich in den Schulen herum frage: "Was liest du gerne", kommt bei vielen Jugendlichen die Antwort: "Eigentlich gar nichts."
Bücher werden von vielen Schülern als zu schwer empfunden. Allein ein mehrgleisiger Aufbau eines Buches oder eine Rückblende können dazu führen, dass Schüler das Buch mit den Worten "zu langweilig" an die Seite legen. In Wirklichkeit ist es ihnen einfach bei ihrer Lesefertigkeit schwer gefallen, den Text zu verstehen.
Das sind meine Leser!
Für diese Nichtleser schreibe ich.  
Natürlich müssen da die Sätze kurz sein, die Handlung übersichtlich, der Schreibstil einfach, sonst würden sie ja die anderen Millionen Büchern lesen, die es gibt...

Gott sei Dank bekomme ich so viel liebe Schülerpost, dass sich die Kritik der "Literaturkritiker" irgendwie verschmerzen lässt.
"Eigentlich lese ich nicht gerne", schreibt z. B. Nadine aus Köln. "Aber bei Ihrem Buch konnte ich gar nicht mehr aufhören."
"Ich habe auch schon zwei weitere Bücher von Ihnen gelesen", schreibt Sascha aus Bonn.
Und vor kurzem schrieb eine Lehrerin: "So was hatten wir bis jetzt an unserer Schule noch nie. Dass Schüler heimlich unter der Bank ein Buch lesen, weil sie wissen wollen, wie es weiter geht - dass Schüler ein Buch mit in die Pause nehmen - und dass sogar Schüler der Parallelklasse anfragen, ob sie das Buch auch lesen dürfen..."
Oh Mann, da geht einem doch das Herz auf.
Einen Nichtleser zum Lesen zu bewegen ist doch eigentlich das Größte, oder?

Kommentare:

  1. Na ja, es gibt immer Leute, die etwas zu meckern finden... aber wenn es so viele positive Rückmeldung von Schülern gibt, die in die Zielgruppe fallen, ist das doch viel mehr wert!

    Woran viele Langzeit-Leser sich nicht mehr erinnern: Lesen als technische Fähigkeit ist schon schwierig, und das Erarbeiten eines kompletten, möglichst auch noch längeren, Textes ist sauschwer!

    (Als passionierte Lese-Missionarin habe ich auch schon gemerkt, dass die meisten Leute deswegen "nicht gerne lesen", weil ihnen noch nicht das passende Buch begegnet ist. Mit schwerer Kost verschreckt man solche potenziellen Leser höchstens, wohingegen sie mit der Zeit von selbst zu komplizierterer Lektüre greifen, wenn sie über ein wenig Übung verfügen.)

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  2. Liebe Annette, das ist das Allergrößte! Und ich finde das wunderbar, dass du diese Kinder und Jugendlichen mit deinen Büchern erreichst! Pfeif auf die Literaturkritiker. Sie kaufen deine Bücher ohnehin nicht, sondern lassen sich noch ein Rezensionsexemplar vom Verlag schenken.
    Freu dich über deine Leserpost, denn das sind doch die Menschen, für die du tatsächlich schreibst.
    Ich freue mich mit dir und wünsche dir noch viele viele solcher Briefe!

    Jutta

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  3. Antwort auf deine letzte Frage: JA! JA! JA!

    Auch ich möchte mit meinen Büchern die Jugendlichen dort abholen, wo sie sind. Weil es nun mal ganz verschiedene Haltestellen auf dieser Abholreise gibt, braucht es genau solche Bücher, wie du sie schreibst und wie auch ich sie zum Teil schreibe.

    Wir ernten die begeisterten Kommentare von Kindern / Jugendlichen.
    Literaturkritiker verstehen nicht immer, was wir tun. Ich wage zu behaupten: Wenn wir mit unseren "simplen" Büchern Kinder / Jugendliche in die Lesewelt hineinziehen, werden sich einige von ihnen darin einnisten und dann vielleicht eines Tages die Bücher lesen, die von Literaturkritikern gelobt werden.

    Das Frustrierdene: Viele Literaturkritiker verstehen das nicht.
    Das Wunderbare: Viele Lehrkräfte verstehen das und nehmen unsere Bücher mit offenen Armen auf
    Das Wunderbarste: Kinder / Jugendliche, die einen sagen: "Ich habe zum ersten Mal ein Buch gelesen. Und es verschlungen. Es war Ihr Buch. Haben Sie noch mehr davon?"

    DAFÜR schreibe ich.
    Und manchmal ärgere ich mich darüber, dass alle von Leseförderung sprechen, einige Leute aber keine Ahnung haben, was das bedeutet.

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  4. Ach danke euch herzlich!
    Da wird mir ganz warm ums Herz
    Annette

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  5. Ich hätte als alter Mann, der Ungerechtigkeiten hasst, nicht wenig Lust diesen "Kritikern" einen Brief zu schreiben, dass sie sich bitte informieren und entschuldigen. Wenn sie das nicht tun, lasse ich mir etwas einfallen, auch ihren Ruf und ihr "Geschäft" zu schädigen. (z.B.Ein Blog im Internet, in dem unfähige Möchtegernkritiker aufgelistet sind, die man getrost ignorieren kann.) ;)
    Wenn der dann mal wieder etwas zusammenschmiert, wird er von allen ausgelacht.
    grummel grummel
    Gruß Heinrich

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