Sonntag, 8. Januar 2012

Meine Tagebücher

 Ich bin in meinem Leben oft umgezogen. Bei jedem Umzug reduzierten sich die Sachen, von denen ich glaubte, mich niemals trennen zu können. In bestimmten Lebensphasen fällt es leicht, etwas wegzuwerfen. Es tut sogar richtig gut. Heute wünschte ich mir manchmal, ich wäre mit dieser Entscheidung sorgsamer umgegangen. So besitze ich kein einziges Kinderspielzeug von mir mehr. Auch meine Schulhefte und Bücher habe ich alle weggeworfen. Und die einzigen Kleidungsstücke, das ich aus der Vergangenheit besitze, sind mein Hochzeitskleid und das erste Strampelhöschen der Kinder. 
 
Von meinen alten Tagebüchern habe ich mich aber Gott sei Dank nie getrennt. Allerdings habe ich nur wenige von ihnen wieder gelesen. Es hat mich richtig Überwindung gekostet, sie noch einmal zur Hand zu nehmen. Dann aber konnte ich kaum aufhören mit dem Lesen. Alte Verletzungen, die ich gerne vergessen hätte, tauchten wieder auf. Es gab aber auch  Begegnungen, die mir damals so wichtig waren, an die ich mich aber heute gar nicht mehr erinnere. 

Dichte Erlebnisse neben Alltäglichem.
Schockierend war für mich meine Darstellung von Schule. Mit dem einen Satz: „Die Schule war mal wieder total langweilig“ beschrieb ich oft einen langen Vormittag, der mir nicht mehr bedeutete, als sieben Worte. Am Nachmittag und Abend wird der Tagebucheintrag dann lebendig. Das eigentliche Leben beginnt.
Wenn ich bedenke, dass ich 13 Jahre lang zur Schule gegangen bin, ist das ein erschreckendes Ergebnis. 

 

Kommentare:

  1. sooo viele, unglaublich!
    Welch ein Schatz!
    Muss auch mal suchen. Sechs sind es bestimmt auch.

    Herzlich
    Gabriela

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  2. Dieses Bild ist sogar nur ein Ausschnitt!
    Aber sechs sind auch toll!
    Liebe Grüße
    Annette

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  3. Ich habe nur phasenweise Tagebuch geschrieben - aber die Bücher habe ich zum Glück auch noch. Ansonsten neigten meine Eltern zum Wegwerfen, ich habe auch nur wenig Spielzeug retten können, was ich heute sehr bedauere. Dafür aber einige Bücher. Manche sind auch heute noch gut lesbar, bei anderen merke ich doch sehr, dass ich in einer anderen Zeit groß geworden bin ;-)

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