Dienstag, 30. September 2014

Die Maus Marlene


Als ich nachmittags am Stall ankomme, sind die anderen schon hoch zu Ross, um einen Ausritt zu machen.
„Annette, guck mal, da unter dem Stroh sitzt eine kleine Maus. Die kann nicht mehr laufen“, ruft A vom Pferderücken aus. „Kannst du sie mal tot machen?“
„Tot machen? Warum das denn?“, frage ich entsetzt.
„Aber die kann nicht mehr laufen. Die quält sich doch“, sagt A.
Ich schaue mir die Maus an. Sie sitzt unter der Karre, einen Strohhalm zwischen den Zähnen und schaut mich neugierig aus ihren schwarzen Knopfaugen an.
„Ich glaube, die will gar nicht weglaufen“, sage ich. „Die wohnt hier und wundert sich, was wir hier machen.“  Immer noch schauen die Maus und ich uns freundlich an. „Die ist zahm. Ich nenne sie mal Marlene“, sage ich.
Ein Stöhnen geht durch die Reihen der Reiter. Marlene! Ja, wenn sie jetzt erst mal einen Namen hat, will sie niemand mehr töten.

Und so habe ich ihr - irgendwie - das Leben gerettet. 

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