Mittwoch, 21. März 2012

Das Geheimnis der Bücher


Wenn ich unterwegs durch neue Städte bin, führt mein erster Gang meist in eine Buchhandlung. Mittlerweile werden diese Besuche aber immer kürzer. Ich bin irgendwie enttäuscht.
Schon am Eingang stehen immer die gleichen Sonderangebote, die mich hinein locken sollen. Kinderbücher neben Kochbüchern. 
Innen türmt sich dann die Bestsellerliteratur vor den Bücherhitparaden. Die Abteilung der Kinderliteratur ist zur Plüschtierabteilung degradiert, zwischen den Jugendbüchern hängen Plakate mit Drachen  und Pentagrammen.
Ich fühle mich unwohl, verloren irgendwie. Habe das Gefühl, bei der Fülle von Angeboten nicht das zu finden, was ich möchte, und weiß doch gar nicht, was ich eigentlich suche. Vielleicht bin ich auf der Suche nach einem geheimnisvollen Buch, das mich genauso sucht, wie ich es.
Früher gab es in der Stadt, in der ich damals lebte, auf dem Marktplatz eine Buchhandlung mit einem bärtigen Buchhändler, der genauso geheimnisvoll aussah, wie seine Bücher. Sein Ordnungssystem erschloss sich mir eigentlich nie. Doch wenn ich nach einem Buch fragte, lief er zielstrebig in eine Ecke und zog es aus biegenden Bücherregalen hervor.
In dieser Buchhandlung habe ich oft Stunden verbracht. Hier gab es sie noch, diese Überraschungen. Diese Bücher, die nach nichts aussahen, und in denen man sich doch festlas.
Das Geheimnis liegt eben nicht in der Fülle, sondern in der Besonderheit! 
(Foto:  vor der Buchmesse in Frankfurt)

Kommentare:

  1. Liebe Annette,
    in der nahen Stadt gab es so einen verwinkelten Buchladen, den habe ich geliebt und ich konnte Stunden, ja Nachmittage darin verbringen. Ich habe dort so manches Buch gekauft, das ich sonst wohl nirgends gefunden hätte, einfach, weil die Regale so vollgestopft mit alten uns speziellen Ausgaben waren, die wohl sonst bisher niemand beachtet hatte. Auch dieser Besitzer wusste, was auf jedem einzelnen Regalboden zu finden war und konnte Auskunft geben über verschiedene Autoren, Verlage oder die ausgefallensten Lesewünsche. Ich liebte den Geruch im Laden, die knarzigen Treppen, die funzelige Beleuchtung...
    Vor ein paar Jahren hat ein grosser Buchladen-Konzern den kleinen Laden aufgekauft und in einen anderem Stadtteil zu einem grossen Shop umfunktioniert. Wie Du sagst, es gibt dort jetzt Legos, DVDs, Giesskannen, Gummitiere, Gartenscheren und Schulranzen... Wenn man was drangt, wird zuerst zwei Minuten im Computer getippt.
    Es ist nicht mehr das selbe.

    Danke für diesen einfühlsamen Text. Er hat mich zum Nachdenken gebracht. Es ist so wahr... das Geheimnis liegt nicht in der Fülle, sondern in der Besonderheit.
    Und dies ist nicht nur bei den Büchern so.

    Alles Liebe und einen schönen Abend,
    Alexandra

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  2. Eigentlich wollte ich sagen:
    Wenn man was FRAGT, wird zuerst zwei Minuten im Computer getippt.
    ... da habe ich wohl zu schnell in meine Tasten getippt... :-)

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  3. Und Alexandra, dieser Text ist auch ein Hinweis auf das Besondere deiner Fotografien. Denn auch Fotos gibt es in Hülle und Fülle. Kann ja jeder, der eine gute Kamera hat
    ; ))
    Annette

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  4. Die meisten kleineren Buchhandlungen heutzutage bestellen offenbar nur noch das, von dem sie meinen, dass es "jeder" liest. Was bei mir dazu führt, dass ich häufig gar nicht mehr in die kleinen Buchhandlungen gehe, weil dort das, was ich suche, höchstens bestellt werden kann.

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  5. Das möchte ich so unterschreiben! Was Neues, Altes, Gebrauchtes, Interessantes (von mir aus auch etwas Blaues) findet man in kleinen, alternativen Kruschläden. Besonders liebe ich es, wenn diese Läden unter einem bestimmten Thema stehen. Sei es, dass der Inhaber sich auf Kunst und Garten spezialisiert hat, oder klassische Literatur und Garten. Hach, Garten geht eigentlich immer.:))
    Einen der schönsten Läden dieser Art (ein Antiquariat) fand ich in Berlin am Stuttgarter Platz. Es nannte sich 'Klaviere und Bücher' und beherbergte unter anderem mehrere uralte Klimperkästen, auf denen sich die Bücher stapelten. Auch Museumsbuchhandlungen sind tödlich für jeden Geldbeutel. Zuhause stelle ich aber dann immer fest, dass meine Regalreihen zu niedrig sind, um riesige Bildbände ordnungsgemäß unterzubringen.;)


    Liebe Grüße
    Nikola

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    1. Hach ja, diese Museumsbuchhandlungen!
      Sollte ich einmal im Lotto gewinnen (ich weiss, ich müsste erst mal spielen...), dann wären solche Bildbände was vom ersten, das ich mir leisten würde. Diese schönen Kunstbände sind ja meistens nicht gerade schmerzfrei für das Portemonnaie.
      In Köln waren wir in einer kleinen, absolut vollgestopften Museums-Buchecke mit Leitern, um an die verstaubten Exemplare ganz oben zu kommen. Da hätte ich einziehen wollen... Und falls ich wirklich mal im Lotto gewinne, dann mache ich das auch! :-)
      Einen schönen Abend noch und alles Liebe,
      Alexandra

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