Sonntag, 3. Juni 2012

Klassentreffen



Alle zehn Jahre trifft sich meine Klasse aus Minden zu einem Klassentreffen. Gestern war es wieder soweit.
In dem kleinen Raum des Restaurants herrschte eine Lautstärke wie in einer südamerikanischen  Markthalle.
„Du bist doch … nein, unglaublich!“
Schon erstaunlich, dass man auch nach vielen Jahren wiedererkennbar bleibt. Manchmal nur an der Stimme oder einer Geste.
Wir machen eine Runde, erzählen, wie es uns in den Jahren ergangen ist und wo wir jetzt stehen. Die Runde dauert seine Zeit.
Die Gespräche sind lebendig. Wir wandern, reden mal mit dem, mal mit dem. Irgendwann sind wir auch bei dem angekommen, was uns verbindet: Die gemeinsame Schulzeit.
Weißt du noch?
Die furchtbare Französischlehrerin, die ihren Persianer immer an den Kartenständer hängte. Der jähzornigen Geschichtslehrer, der uns so gerne voreinander bloß stellte.
Und dann diese legendäre Klassenfahrt an die Nordsee, bei der einige heimlich nachts aus dem Fenster kletterten, um sich mit ein paar Jungs zu treffen. Unsere nette Klassenlehrerin kriegte dafür eine furchtbare Standpauke von diesem autoritären Direx, dabei konnte sie doch nichts dafür. Wir erinnerten uns alle mit schlechtem Gewissen daran, wie sie dort am Fenster unserer Klasse stand und furchtbar weinte.
Der Abend verging wie im Flug. In zehn Jahren wird unser Wiedersehen schon ein bisschen Feuerzangenbowlencharakter haben.

(Foto: Porta Westfalica, Minden)

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