Mittwoch, 18. Mai 2011

Empfindlichkeiten


Künstler sind sensible Menschen, die sich oft ein wenig überfordert im Rad des Lebens bewegen, so jedenfalls beschreibt es das Klischee. 
Ich kenne eine Reihe von Künstlern, auf die dieses Vorurteil zutrifft, und ich mache mich immer gerne ein bisschen über sie lustig.
Da ist die Bekannte, die so toll malen kann, aber wenn sie einen Auftrag mit einem Termin bekommt, wird sie jedesmal krank. "Ich bin einfach nicht so belastungsfähig", sagt sie mir dann.
Oder der Autor, der sich so genial findet. Seine Manuskripte aber schickt er nicht weg, weil er Angst vor einer Absage hat. "Ich verkaufe mich doch nicht an jeden x-beliebigen Verlag", sagt er dann.

Ich dagegen finde eigentlich nicht, dass ich so einem typischen Künstlerklischee entspreche. Ich stehe schon mit beiden Beinen im Leben, kann (mehr oder weniger) gut Kritik ertragen und kriege mein Leben gut organisiert.

Nur manchmal - ganz manchmal - heute zum Beispiel - bin ich ein totales Sensibelchen. So empfindlich wie eine handbemalte chinesische Teetasse aus Tante Ilses Porzellanservice. An so einem Tag sollte man mir besser nicht mit einer herzlosen Kritik daher kommen. 

(Foto: Bad Lippspringe)


Kommentare:

  1. Liebe Annette,

    Das hast du schön formuliert und ich versuche mich gerade einzuordnen in deinen genannten Klischees. Das ist gar nicht so einfach...

    So schicke ich dir einfach liebe Grüsse
    und sage dir noch: Ich ziehe meinen Hut vor deiner Leistung als Autorin!
    (Ich finde, da darfst du ruhig auch mal ein Sensibelchen sein)

    Herzlichst
    mirjam

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  2. Liebe Annette,

    kann Dich gut verstehen. Ich bin auch überhaupt nicht sensibel. Außer wenn ich Texte verschicke, Freunde probelesen lasse, Feedback oder Kritik bekomme, einen Schnupfen habe...;)

    Liebe Grüße,
    Nikola

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  3. Je mehr Herzblut in einer Sache steckt, umso mehr schmerzt die Kritik.
    Es macht ein Unterscheid ob man als Profi oder aus Spass an der Freude für sich selber arbeitet.
    Ein Profi ist dadurch ein Profi, dass er Abstand zum einen Werk hat und auch einmal etwas Belangloses für Geld machen kann.
    Wenn es ein Steckenpferd ist, kann es noch so schlecht sein, Hauptsache es macht Spass.

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  4. Liebe Annette,
    Das glaube ich gerne. Manchmal sieht man die Sache locker, aber am anderen Tag ist es genau das Gegenteil.
    Aber nicht nur Künstler sind in dieser Beziehung wie Mimosen.
    Herzliche grüße von Mon-Re

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