Freitag, 28. September 2012

Bürgernah




Sicherlich habt ihr auch mit Entsetzen gelesen, dass ein Arbeitsloser eine junge Angestellte eines Jobcenters erstochen hat. Der Mann hatte sich eingebildet, das Jobcenter hätte seine Adresse verkauft, und so wollte er sich an jemandem rächen. Die Frau, die er erstach, war ein Zufallsopfer. Sie war so überrascht, dass sie nicht mal den Alarmknopf drücken konnte.
Selbst wenn man ignorant ist, kann man nicht daran vorbei sehen, dass solche Gewalttaten zunehmen. In den Köpfen der Täter hat sich irgendein abstruser Gedanke breit gemacht, und dann begehen sie eine Tat, die man weder erklären noch nachvollziehen kann.
Amokläufe in Schulen sind ja noch eine Nachricht wert, aber dass Querulanten in Gerichten und Jobcentern herum laufen dürfen, dass Arbeitsvermittler bedroht oder Juristen belästigt werden, war bis jetzt kaum eine Zeitungsnotiz wert. Bei Polizisten ist es ja sowieso Alltag…
Im Ruhrgebiet kehren einige Schulen wieder dazu, Nebeneingänge zu schließen und einen Pförtner einzustellen. In einigen Gerichten werden Ausweiskontrollen eingeführt und Alarmanlagen installiert. Aber das ist eher die Ausnahme.
Es gehört eben offenbar in einigen Berufen dazu, dass man bedroht und belästigt wird. Pech gehabt, wenn man gerade den Job gewählt hat. 
Die Bürgernähe – so die Regierung - solle doch erhalten bleiben.
Und so werden wohl noch ein paar Köpfe rollen müssen.
Naja, solange es nicht die eigenen sind…

(Foto: Petit Noire-Doubs, Frankreich)


Kommentare:

  1. Ja liebe Annette ich habe das in den Nachrichten verfolgt und bin entzetzt. Gewalt und Verbrechen vermehren sich. Frage mich nur was in den Köpfen dieser Menschen vor geht.

    Hier im Gericht, ist Ausweiskontrolle und Du wirst wie am Flugplatz abgetastet mit einen Detektor.
    Im Arbeitsamt sind im Eingangsbereich Sicherheitsbeamte.

    Liebe Grüße
    Angelika

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  2. Da kann ich dir nur zustimmen. Das ist wirklich unfassbar... Doch leider wird es immer Menschen geben, die aus irgendwelchen Gründen unglaublich aggressiv sind oder werden. Nur leider ist man nicht immer vorgewarnt und sicher und sicherlich geht in den Menschen auch irgendetwas vor oder sie sind psychisch krank o.ä. Würde es sonst all die Probleme geben, die wir an vielen Orten haben?
    Ich habe zu dem Thema auch in einem anderen Blog einen ebenfalls interessanten Beitrag gefunden, den ich ebenfalls sehr spannend finde und der eine etwas andere Sicht zeigt (http://ungelegteeier.blogspot.de/2012/09/tote-jobcenter-mitarbeiterinwer-tragt.html).

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    1. Danke auch für den Link. Interessanter Blog...
      Gruß Annette

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  3. Ich frage mich immer noch, was sonst noch im Kopf des Täters vorging. "Die haben meine Adresse verkauft" alleine reicht doch nicht...

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  4. Es kommt leider in solchen Fällen einfach total viel zusammen. Es war mit Sicherheit nicht nur "die haben meine Adresse verkauft". Dies war vielleicht nur die Spitze des Eisbergs, der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat. Es ist jedoch völlig daneben, die Leute gleich als psychisch krank abzustempeln, denn um das beurteilen zu können, muss man erst mal selbst vom Amt schikaniert worden sein - und das können viele Mitarbeiter dort richtig gut. Wie ich auch in meinem Blog schreibe, befürworte ich solch eine Tat natürlich nicht, aber verstehen kann ich sehr gut, dass sowas passiert. Nicht jeder ist in der Lage, wenn die Wut am Überkochen ist, noch besonnen zu reagieren. Vor allem nicht dann, wenn es um die Existenz geht.

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