Mittwoch, 16. März 2011

Noch einmal Japan

Ich habe mich daran gewöhnt, mit Katastrophen zu leben. Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Kriege. Sie alle sind traurig und aufrührend, und sie beschäftigen mich. Doch sie sind weit weg und in meinem Alltag kommen sie nicht vor.
Mit dieser nuklearen Katastrophe in Japan geht es mir anders. Sie geht mir so unter die Haut, dass ich mich kaum auf meinen Alltag konzentieren kann. Er erscheint mir so klein und unwichtig. 
Ich bemühe mich, nicht pausenlos Nachrichten zu lesen oder Radio zu hören, aber der Gedanke an die Menschen dort ist immer in mir, selbst in meinen Träumen.

Wir sind immer Atomkraftgegner gewesen und haben mit der Antiatomkraftbewegung in den 70ger/80ger Jahren sympathisiert. Düstere Bilder wurden damals vorausgesagt, von radioaktiven Wolken, verseuchtem Wasser, fliehenden Menschen. 
Unsere Proteste wurden ignoriert und wir erlebten, wie Kernkraftwerke in Grohnde und Brokdorf enstanden.  
Das Leben ging seinen Weg und wir lernten, diese Gefahr zu ignorieren.
Tschernobyl rüttelte uns neu auf. Mein ältester Sohn war damals noch klein, ich war schwanger mit dem zweiten Kind. In dieser Zeit waren wir sehr aufgelöst - doch auch das geriet wieder in  Vergessenheit.
Nun ist alles wieder da. Die Menschen in Japan ratlos und in einem Schockzustand. Die radioaktive Wolke als Bedrohnung über dem Leben schwebend. 
Das alles erinnert an Gundrun Pausewangs fiktiven Roman "Die Wolke" und ist doch schreckliche Wirklichkeit.

Kommentare:

  1. Liebe Annette

    Mir geht es genau wie dir: Mit dieser nuklearen Katastrophe in Japan geht es mir anders. Sie geht mir so unter die Haut, dass ich mich kaum auf meinen Alltag konzentieren kann. Er erscheint mir so klein und unwichtig.

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  2. Für die Politiker ist es an der Zeit zu handeln, für die Gesellschaft an der Zeit radikal umzudenken!!!
    Atomkraft ist ein praktischer Stromlieferant, aber auch wenn man immer wieder versucht das zu verdrängen - schlichtweg nicht beherrschbar...

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