Mittwoch, 4. April 2012

Preise und Stipendien


Alle paar Monate bekomme ich die Zeitschrift des Literaturbüros zugeschickt. Besonders gerne lese ich die Seiten, auf denen Preise und Projektstipendien ausgeschrieben werden.
So ein Preis für westfälische Kulturarbeit wäre es eigentlich, denke ich beschwingt. Dann studiere ich die Bedingungen: … müssen in Westfalen-Lippe geboren sein… - passt - … ihren Hochschulabschluss in der Region erworben haben… - warum auch immer - passt aber auch - … nicht älter als 40 Jahre…  - nun ja - hmmm - okay, das war`s dann wohl.
Also was anderes: Vielleicht der hier: …Kinder- und Jugendliteratur… - passt- … reale Themen aus der Arbeiterwelt… - naja, passt-  …teilnahmeberechtigt … nicht älter als 40 Jahre… - öh, ja, das hatten wir irgendwie schon.
Dann hier vielleicht …Schreibwettbewerb … - ach nee, nur bis 30 Jahre.
Projektstipendium? Leider auch nur teilnahmeberechtigt bis 45 Jahre…
Uff, das kann doch nicht wahr sein, oder? Ich meine, ich bewerbe mich doch nicht als Topmodel bei Heidi Klum. Ich will auch nicht die Hauptrolle bei Twighlight gewinnen. Ich will doch nur ein Manuskript einreichen. Oder eine Geschichte.
Also, eine Geschichte kann man doch auch mit 55 noch schreiben, oder?
Ich glaube, ich weiß, warum ich in meinem Alter nicht mehr bei einem Literaturwettbewerb mitmachen darf. Die Jury kann meine Sütterlin-Schrift nicht lesen. Und sie haben Angst, dass sie am Ende meine Texte noch digitalisieren müssen.
Nun denn, dann will ich mal mein Gebiss reinschieben, die Stützstrümpfe zurecht zupfen und zur Feder greifen - nur so für mich…

Kommentare:

  1. Heute hört man in vielen Diskussionen über das Einkommen von Autoren: "Die müssen ja nicht nur mit den Einkommen aus den Büchern leben, sondern haben noch zwei andere Einnahmequellen: Lesungen und ...." rate mal, Annette ... ja richtig "Stipendien und Preise."

    Vergiss die Stützstrümpfe. Kauf Botox. In rauen Mengen. Dann suchst du dir jemanden, der Ausweise und Biographien fälschen kann ... und schon bist du bestens im Rennen.

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  2. Ärgerlich. Das ist auch der Grund, warum ich da noch nie etwas für mich gefunden habe. bei den Bedingungen falle ich mit 34 oft schon durch das Raster. Dann die zweite Bedingung: Muss bereits einen Roman veröffentlicht haben. (Am besten schon mit 21, haha.)
    "die Jury kann meine Sütterlin-Schrift nicht lesen"
    *giggel*
    Die gehen einfach davon aus, dass Künstler über eine bestimmte Altersgrenze hinaus entweder schon genug Geld verdient haben und keiner Förderung mehr bedürfen oder ganz aufgegeben haben.

    Liebe Grüße
    Nikola

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  3. Vielleicht könntest du ja darauf hin arbeiten? ;)

    http://www.stiftung-kreatives-alter.ch/index.php?id=8

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  4. Boah, das ist ja wirklich ein Geheimtipp!
    Die Schweizer wieder!

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  5. http://www.uschtrin.de/pr_ue70.html - hier, damit du dich auch mal zu jung fühlen kannst.

    (Kleiner Tipp: Man ist immer nur so alt, wie man sich anfühlt.)

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  6. Unglaublich. Das finde ich richtig toll.
    Jetzt fehlt nur noch die Ü 50 Zeit.

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