Freitag, 17. August 2012

Baumarktgeschichten



„Ich muss eben noch schnell in den Baumarkt“, sagt mein Mann auf dem Rückweg.
Baumarkt? Da bin ich gleich auf der Hut. Das ist das heimliche Schuhparadies für Männer.
„Geht ganz schnell. Du kannst ja in der Gartenabteilung gucken.“
„Und wo finde ich dich, wenn …“, fragte ich, aber das hört er schon gar nicht mehr.
Ich wandere zwischen Hibiskusblüten und Kirschlorbeeren auf und ab, studiere die Preise von Hortensien und die Pflanzzeiten von Rhododendren. Irgendwann habe ich alles, wirklich alles gesehen. Aber wo ist mein Mann? Der Baumarkt ist groß und total unübersichtlich. Ich laufe die Gänge auf und ab, schaue in jede Ecke. Mein Mann bleibt verschwunden. 
Frustriert kehre ich zur Gartenabteilung zurück und setze mich auf einen Stuhl in die Sonne. Er wird mich wohl suchen, wenn er nach Hause will, denke ich. Als ich kurz vor einem Sonnenstich stehe fällt mir auf: Der sucht mich gar nicht. Er lässt mich vielleicht sogar hier sitzen, bis die Weihnachtsdeko aus dem Lager geholt wird.
Also suche ich erneut die Abteilungen ab, laufe zwischen Rohren und Reglern, zwischen Kabeln und Kupferrohren, zwischen Schrauben und Scharnieren hin und her. Beschließe schon, eine Suchmeldung durchzugeben: „Ehemann ist in der Flanschabteilung verloren gegangen. Er möchte bitte bei seiner Frau abgegeben werden.“
Da endlich sehe ich ihn – zwischen allen möglichen Flutschen und Flanschen, zwischen T- und L-Rohren. Er sieht total fröhlich aus.
„Suchst du mich?“, fragt er.
„Nö – ist nur gleich Abendbrotszeit…“

(Foto: Varberg, Schweden)

Kommentare:

  1. Morgen Annette
    Das hast Du wunderbar beschrieben und Dein Text spricht mir aus der Seele.

    Einen schönen Tag und liebe Grüße
    Angelika

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  2. Ist eigentlich schonmal jemand auf den Gedanken gekommen, einen Baumarkt mit einem Schuhgeschäft zu kombinieren? Dann könnten Paare Sa Vormittag zusammen einkaufen gehen, jeder verzieht sich in eine Hälfte des Ladens und Abends trifft man sich glücklich und mit leerem Geldbeutel wieder. ;)

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  3. Und wieso kommt mir deine Geschichte so bekannt vor...?

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  4. Oooh ja, Männer in Baumärkten. Man sollte sie keine einzige Sekunde allein lassen. ^^

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