Donnerstag, 2. August 2012

Selfpublishing



Jetzt gebe ich auch noch mal meinen Senf dazu.
Selfpublishing ist eine Chance, eine Alternative zu Verlagen oder Agenturen. Sie gibt uns Autoren eine neue Freiheit, etwas zu schreiben, das uns persönlich am Herzen liegt – vielleicht abseits des Mainstream, abseits von Zeichen- und Seitenzahlen, abseits von existierenden Reihen oder Themen, abseits von Auftragsarbeiten. Wir sind nicht auf diese Passt-nicht-ins-Programm- oder Läuft-im-Moment-nicht-Absagen der Verlage angewiesen.
Das ist eine neue Unabhängigkeit.
Unabhängig sind wir natürlich trotzdem nicht, denn da sind ja die Leser, die wir erreichen möchten und die wir nun selbst bewerben müssen. Zwar bieten auch da die neuen Medien eine große Bandbreite – allerdings verändert sich nun das Berufsbild des Autors auch. Wir werden zum Manager unserer eigenen Bücher.
Und da ist auch – und das ist nicht unwesentlich – das Geld, das wir mit dem Schreiben verdienen möchten. Und genau da setzen meine Befürchtungen ein. Noch mag das Selfpublishing ein neuer Weg sein – eine Nische für freie Veröffentlichungen -   doch wenn wir uns nicht zusammen tun und eine gemeinsame Preisbindung erarbeiten, wird der Markt bald überschwemmt sein an billigen oder kostenlosen Leseangeboten – zusätzlich zu den sowieso schon vorhandenen zahlreichen Raubkopien, die sich schwer kontrollieren lassen. Und dann wird es uns Autoren auf dem Markt nicht anders gehen, als den Musikern und den Fotografen. Der Preisverfall ist vorprogrammiert.
Die Musiker formulieren es sehr dramatisch: Am digitalen Markt ist nichts zu verdienen, sagen sie.
Wir müssen aufpassen, dass uns das nicht auch passiert. Wir dürfen uns nicht zu Dumpinglöhnen wegwerfen, nur um gelesen zu werden! Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Man sieht es auch daran, dass kostenlose Bücher oft eine schlechte Rezension nach sich ziehen. So nach dem Motto: War ja sowieso nichts wert - dann kann ich auch noch mal zutreten...

(Foto: Kloster Hirsau, Calw)

Kommentare:

  1. Hallo liebe Annette
    Jedes gute Buch hat seinen Preis, den ich auch gerne bereit bin zu zahlen. Ausserdem liest man ein Buch nicht nur einmal....ich habe Bücher, die habe ich schon mehrmals gelesen.

    Soweit ist informiert bin, gibts auch kleine Verlage, die gerade Autoren, die nicht so bekannt sind eine Chanche geben.
    "MTM Papierfresserchen Verlag"

    Zu meinen Büchern gehören viele Bücher von ganz unbekannten Autoren, die auch nur sehr kleine Stückzahlen und Auflagen haben. Bücher sind etwas ganz besonders und sollten nicht nur gelesen werden, sondern auch einen guten Platz und vor allem keine Eselsohren haben.

    Es ist ganz schlimm das heute wenig Kinder und Jungendliche lesen. Ich habe im meiner Bibliothek ein Fach geräumt und es für meine Enkeltochter eingerichtet, als sie anfing zu lesen und in die Schule kam. Heute ist sie 12 Jahre und liest Bücher und das freut mich sehr.

    Es wäre schade, wenn Autoren keine Verlage finden würden, nur weil die Auflage zu gering ist. Wenn Bücher ihren Wert verlieren, verlieren wir auch ein Stück Lebensfreude und Kultur.

    Ich wünsche Dir einen schönen Abend, liebe Grüße
    Angelika

    AntwortenLöschen
  2. Das am Markt nichts zu verdienen ist, scheint allerdings nur für manche Musiker zu gelten. Wenn man sich etwa die Kickstarter-Kampagne von Amanda Palmer anguckt, oder das "8 in 8"-Album, das sie mit einigen Künstlern aufgenommen hat (und das ich auch gekauft habe, für "Pay what you think is right")... na ja, noch stecken alle diese Modelle in den Kinderschuhen. Ich denke auch, dass der digitale Markt sich auswachsen und entweder erwachsen werden oder direkt an Altersschwäche sterben wird.

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Annette,

    ich bin da zwigespalten. Einerseits möchte ich Dir spontan ein Amen zurufen, weil ich auch nichts verschenken möchte. Andererseits muss auch der Bäcker Probierstückchen anbieten, der Weinhändler machte eine Verkostung und die Frisörin schneidet die Haare, zupft aber die Augenbrauen umsonst.
    Fatal wird es aber, wenn immer mehr 2,99 Bücher auftauchen. Vergleicht man das aber mit USA, merkt man, das auch dort die Preise bei Selfpublishern wieder ansteigen.
    Ich habe letztens ein Kinderbuch gekauft und mich gewundert, das es so extrem billig war, dabei waren die Illustrationen alles andere als billig. Habe dann gesehen, das es in Bangladesh produziert wurde. Das finde ich nicht weniger grausig. Wer verdient denn noch an einem Print für 3 €?

    Liebe Grüße
    Nikola

    AntwortenLöschen
  4. Ich glaube der Schneeball-Effekt wird oft von Seiten der Künstler viel zu sehr unterschätzt: Wenn mich ein Buch (oder Musik, Film, etc.) begeistert, dann empfehle ich das auch weiter, verschenke Exemplare, usw. Gerade bei Musik reicht es ja oft schon aus, dass sie irendwo im Hintergrund läuft oder von irgendwem in einem Casting nachgesungen wird... und schon schnellt das Original wieder in den Verkaufscharts nach oben.
    Doch um so bekannt zu werden, muss man sich nun aber erstmal bekannt machen.

    Am Online-Streaming verdient ein Künstler nichts, das ist wahr. Aber wenn ich nicht die Möglichkeit bekomme, mir ein Album vorher komplett anzuhören, liegen die Chancen ganz knapp über Null, dass ich mir das Ding kaufen werde. Wenn ich mir ein Album nicht kaufe, gebe ich auch kein Geld für ein Konzert aus. Außerdem habe ich von den meisten Musikern mehr als ein Album.
    Ja, Musiker verdienen am Internet kaum etwas. Aber was werden sie ohne verdienen?

    Ich glaube dass Mozart nicht in ärmlichen Verhältnissen gestorben wäre, hätte er damals schon seine Musik auf YouTube hochladen und ein weltweites Publikum erreichen können.

    Fast alle Künstler haben noch nie viel verdient, sieht man von ein paar wenigen Stars mal ab. Die Schuld kann da also nicht so sehr am Internet liegen, wenn das vor 500 Jahren auch nicht anders war.

    AntwortenLöschen
  5. Ich kann eure Kommentare schon nachvollziehen, und ich kann es auch verstehen, wenn es sich um Probierstückchen handelt. Im Moment scheint aber die Erwartungshaltung dahin zu gehen, dass alles kostenlos sein sollte.
    Aber ich bin auch kein Prophet - leider. Warten wir ab, halten wir aus ...

    Gruß Annette -aus Frankreich ... ich soll jetzt auch noch ein Profil eingeben... ach Manno, da ist man mal einmal nicht im hauseigenen Netz...

    AntwortenLöschen
  6. Ich habe gehört, dass die Verwendung von Blogs und Social Media bei Autoren sehr gut laufen, wenn sie es mit SEO ( z.B. von http://website-zum-buch.de/buch-seo/) verbessern. Hat jemand von euch damit Erfahrung? Ich würde mir dafür gerne noch mehr Meinungen einholen.

    AntwortenLöschen
  7. Hier wurden ja schon einige Chancen für Autoren genannt. Im Internet habe ich noch etwas weiter geforscht und habe die Seite http://veroeffentlichen-heute.de/category/chancen-und-risiken-fur-autoren/ gefunden, auf der man noch weitere Tipps findet.

    AntwortenLöschen