Beim Öffnen des
Briefes fällt mir die Todesanzeige fast vor die Füße. Einer aus unserer
Schülerclique ist gestorben. Gefühlte hundert Jahre habe ich nicht an ihn
gedacht, ihn gar nicht vermisst. Jetzt ist er plötzlich so erschreckend präsent.
Dabei ist er doch tot.
Wie verändert er auf
dem Foto aussieht. Und doch erkenne ich ihn sofort wieder, habe diese dunklen
Augen vor mir, die langen lockigen Haare, die Art wie er singt und Gitarre spielt,
wie er still dasitzt und zuhört, wie er seine kleine Schwester auf einen
Schrank stellt und ihr sagt, sie soll mal kurz warten. Und sie wartet lachend
und voller Vertrauen.
Mit diesen Bildern
werden Erinnerungen in mir wach, die schon so lange unter vielen Schichten
anderer Lebensphasen vergraben liegen. Wie verletzlich wir damals waren auf
unserem Weg zum Erwachsen werden. Wie einsam wir uns fühlten, wenn wir allein
waren. Wie stark wir uns gemeinsam gegen die Forderungen der Erwachsenen durchsetzen
konnten. Wir kämpften um jeden Preis, nur um den Sieg davon zu tragen - und waren
doch so verwundbar.
Der Weg erwachsen zu
werden ist verdammt schwer. Wie gut, dass wir einander hatten.
(Foto: Pueblokinder in Taos)
Liebe Annette
AntwortenLöschenDas hast Du sehr schön beschriegen.
Ja das Erwachsen werden ist nicht leicht und es gibt immer wieder Höhen und Tiefen. Um so wichtiger ist es unseren Kids festen Halt zu geben, damit sie diesen Weg gerade gehen können.
Ich wünsche Dir einen gemütlichen Abend und sende Dir ♥ liche Grüße
Angelika