Mittwoch, 10. April 2013

Die Bahn und ihre Folgen




Mitte Juni habe ich eine Lesung in Eislingen bei Stuttgart. Um die Fahrtkosten für die Schule nicht zu teuer werden zu lassen, beschloss ich, mir jetzt schon eine Fahrkarte zu einem guten Sonderpreis zu kaufen. Online, versteht sich. Kaum hatte ich die Karte abgespeichert, kam die Mail der Schule, ob man die Lesung nicht um einen Tag verschieben könnte. Kein Problem, dachte ich, rief das Bahnprogramm auf und stornierte. Da offenbarte sich mir das Kleingedruckte klein und boshaft: „Für Stornierungen berechnen wir 15,00 €.“ FÜNFZEHN Euro? Dafür, dass ich doch selbst die Arbeit hatte? Dafür, dass ich doch nur eine Stunde später storniere? Dafür, dass ich doch ein neues Ticket kaufe. Leider gibt es keine Möglichkeit des Protestes. Das Online-Programm ist unerbittlich klar. Und es kommt noch dicker: „Sitzplatzreservierungen sind vom Umtausch ausgeschlossen“ und schwupps, behält die Bahn auch noch 8,- weitere Euro von mir ein. Dabei bin ich mir sicher, dass sie meinen Sitzplatz bis Juni locker weiter verkaufen.
Das sind nun also schon 23,- €, die ich für diese kleine Veränderung blechen muss. Ich bin sprach- aber leider auch alternativlos.
Beim Weiterklicken und Fahrkarte neu buchen stellt sich die Bahn dann aber doch als engagiertes, modernes, und vor allem ökologisch denkendes Unternehmen vor.
„Möchten Sie mit Ökostrom reisen?“, fragt mich die Bahn, und ihr werdet euch schon denken können, dass auch das nicht kostenlos ist. 1,- € soll ich zahlen, dann garantiert mir die Bahn, dass meine ganz persönliche Reise mit Ökostrom funktioniert. Wie das gehen soll, verraten sie mir nicht.
Aber jetzt werde ich doch ein bisschen kniepig. Wieso muss ich denn einen Aufpreis bezahlen? Ich dachte immer, Ökostrom ist billiger als Atomstrom? Außerdem haben wir Kartenstornierer der Bahn doch schon so viel Geld eingebracht, dass sie davon einen ganzen Windpark finanzieren könnte. Jedenfalls, wenn sie wirklich an Ökostrom interessiert ist und nicht nur ans Abzocken denkt. Tsss! 

(Foto: Windpark an der Egge)

Kommentare:

  1. Ab solchen Geschichten kommt einem wirklich die Galle hoch.
    Es ist zwar nur ein schwacher Trost für dich, aber die Schweizerischen Bundesbahnen leisten sich ähnliche Mätzchen.

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  2. Wenn mir so etwas passiert ist (nicht der gleiche Fall aber ähnliche) habe ich grundsätzlich saftige Schreiben an die Bahn geschrieben (allerdings per Post und mit Angabe, dass das an den Vorstand gehen soll), mit Presse und Co gedroht und kurz darauf Erstattungen ohne Probleme erhalten... Da du den Artikel sogar schon veröffentlicht hast, könntest du noch darauf hinweisen, dass es vielleicht eine Überlegung wert wäre, solche Erfahrungen in einem Buch zu verarbeiten oder so... Gibt ja genügend solcher Bahn-Bücher, die sich gut verkaufen und den Ruf der Bahn verschlechtern - ich bezweifel, dass sie es eingehen wollen, dass noch eine Autorin mehr darüber veröffentlicht ;)
    Ist natürlich alles mit dem Aufwand von Briefen schreiben und abschicken und so verbunden. Aber E-Mails werden nicht weitergeleitet - wenn es dagegen tatsächlich an den Vorstand gehen soll, klappt das nur per Post und auch nur dann erhält man Ausgleiche usw.

    Das man innerhalb von 1 Stunde nicht stornieren kann, kann rechtlich gesehen definitiv nicht in Ordnung sein. Man kann sich ja auch verklickt haben bei der Tagesauswahl usw.

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  3. Ja liebe Annette, ich fahre nicht oft Bahn, aber habe oft schon klagen in ähnlicher Form gehört.
    Das Image der Bahn ist nicht gerade berühmt durch ihre Politik, Verspätungen und Pannen. Ich würds mal mit einem Anschreiben versuchen.

    liebe Grüße
    Angelika

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  4. Liebe Annette,
    ich würde denen in Deiner Stelle mal einen "saftigen" Brief an den Vorstand schreiben. Genau, wie es meine Vorposter schon beschrieben hat. Ist doch für Dich kein Problem, Schreiben ist doch Dein Hobby. Ich finde es wirklich Abzocke, wenn man schon bei einer Stornierung am gleichen Tag diese ganzen Gebühren zahlen muss. So kann man auch an Geld kommen.
    Liebe Grüße
    Heidi

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  5. Die Bahn ist unglaublich. Mein liebstes Erlebnis bislang war der Versuch, eine zeitlich begrenzte Karte umzutauschen, weil der entsprechende Zug ausfiel: "Das machen wir nicht, Sie müssen eine neue kaufen. Und jetzt haben wir Mittagspause, guten Tag."

    Dieses Wochenende bin ich auch mit der Bahn unterwegs, allerdings nur, weil der Mann das Auto braucht (und die Fahrt tatsächlich erst zu zweit mit dem Auto günstiger wäre...).

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  6. Ja, ihr habt Recht! Ich setzte mich jetzt hin und schreibe denen mal, was ich ihnen immer schon mal sagen wollte!
    Danke für euren Ruck!
    Gruß Annette

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