Freitag, 23. August 2013

Die Erfolge der anderen




Ich möchte doch mal die Behauptung aufstellen, dass nirgendwo so viel gelogen wird, wie bei den eigenen Erfolgen oder denen der Kinder und Kindeskinder.  
Kennt ihr einen Aktienspekulanten, der sich verspekuliert hat? Ich kenne keinen. Alle haben ganz aus dem Bauch heraus gut gesetzt und ach so viel gewonnen. Auch die Umsatzzahlen bei Veröffentlichungen: Immer bahnbrechend. Und die Rezensionen: Fünf Sterne! Mindestens! 
Und die Kinder? In meinem Bekanntenkreis haben eigentlich alle Kinder mit einem Einser-Abitur. Das Medizinstudium steht bevor, und dann kann man sich ja schon die Karriere denken. Herzchirurg und später natürlich Chefarzt einer Uniklinik.
Dazu fällt mir eine süße Szene ein. Eine ältere Dame aus der Nachbarschaft erzählte mir voller Stolz von ihrem Enkel, der gerade sein Studium abgeschlossen hat. Natürlich genial, das hätte ich ja nie in Frage gestellt. Und dann hat er auch noch auf der Stelle einen Top-Job gekriegt. Gleich bei der ersten Bewerbung. Die Welt hat offenbar auf ihn gewartet.
Und nun sie: Der ist jetzt ganz was Hohes. Richtig was Hohes ist der.
Ich: Ja? Das ist ja toll.
Sie: Das ist noch höher wie ein Doktor.
Ich: Oh! Klasse.
Sie: Sogar höher wie ein Professor. Wie heißt das noch, was der ist?
Ich: Hmm. Das weiß ich jetzt nicht.
Sie: Jetzt fällt es mir wieder ein. Der ist Master.
Na bitte!

Kommentare:

  1. Hallo Annette,

    vor ein paar Tagen habe ich eine Geschichte über meinen ersten Elternabend in der Schule meines Sohnes geschrieben.
    Genau das, was du heute schreibst, war das Thema. Mein Kind kann schon dies, meine Tochter kann aber schon das, sie hat die Anlagen von ihrem Onkel,der ein ganz Großer ist - man will ja keine Namen nennen, aber er kommt direkt nach XYZ.
    Mir hat diese Angeberei auch immer gestunken und das tut sie heute noch, ich kann dich also gut verstehen.
    Viele Grüße
    Regina

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    1. Dazu solltest du wirklich mal ein Gedicht machen. Solche Situationen kann man nur ertragen, wenn man wie künstlerisch verarbeitet...

      Mitleidige Grüße
      Annette

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  2. Ja liebe Annette, so isses, ich freu mich das meine Enkeltochet keine vier auf dem Zeugnis hatte, das ist doch ein Erfolg.
    Die Omi war einfach herlich, oder?

    Liebe Abendgrüße
    Angelika

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