Samstag, 11. Mai 2013

Deutscher Jugendbuchpreis – die Zweite




Wieder einmal will ich das Thema „Deutscher Jugendliteraturpreis“ aufgreifen. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich hier schon einmal darüber berichtet habe, denn seit Jahren gehen die nominierten Bücher der Auswahlliste überwiegend an Übersetzungen. Nun hat sich eine Autoren-Initiative gegründet und dem Bundesministerium und der Jury eine Stellungnahme zugeschickt. Natürlich habe auch ich den Brief unterzeichnet.
Der Brief war sehr ausführlich, sachlich, klar und differenziert. Was nun aber zurück gemeldet wird, lässt einen am Verstand der Menschheit zweifeln. Natürlich wird in Deutschland jemand, der sich für nationale Belange einsetzt gleich zum Nazi stilisiert – das war ja zu erwarten. Die Autoreninitiative wird aber auch ganz persönlich beleidigt. Hier ein Auszug aus dem Brief an eine der Initiatorinnen von der Leiterin eines Jugendleseclubs:Wären Sie 15 Jahre alt und säßen in meinem Leseclub, würde ich das alles  verstehen. Aber Sie sind 39, scheuchen die Welt auf und stehlen mir und einer Reihe anderer viel Zeit. (…) Wenn Sie sich ausgeheult haben und erwachsen werden, melden Sie sich (…).“
So viel Häme und Ignoranz tut mir für die ganz besonders Leid, die die Initiative ergriffen haben.
Mich hat dieser Preis sowieso immer ziemlich kalt gelassen. Seit ich als jugendliche Vielleserin mal mein ganzes Taschengeld gespart habe, um mir die Hardcoverausgabe einer Preisträgerin zu kaufen, das Buch aber nach 50 Seiten irritiert zur Seite gelegt habe (sicherlich eins der wenigen Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe), habe ich festgestellt, dass die Jury und ich in zwei völlig unterschiedlichen Welten leben.
Insofern, mein ganz lieber Dank an alle Kollegen, die dieser Initiative so tapfer und unerschrocken ihre Zeit zur Verfügung stellen, außerdem mein Kommentar an die Jury: Schielt doch einfach weiter auf die Bestenliste der englischsprachigen Kinderliteratur, dann könnt ihr keinen Fehler machen.Und solltet ihr wider Erwarten eines Tages den Preis einmal mir zukommen lassen, stellt ihn mir einfach vor die Haustür.

Manche Mühlen mahlen langsam. Es hat ja auch Jahrhunderte gedauert, bis mal eine Frau den Nobelpreis für Literatur bekommen hat. 

Übrigens, vielleicht interessiert euch auch die Unterschriftenliste der Autoren. Wir sind nämlich ziemlich viele!

(Foto: Brasilien)

Kommentare:

  1. Liebe Annette,

    diese Kommentar in der Antwort ist eine absolute Frechheit. Und es zeigt mal wieder, wie abfällig häufig im Jugendbuchbereich gedacht wird. Sprüche nach dem Motto "Werden Sie erwachsen" sind somit das Dümmste, was man an dieser Stelle von sich geben kann. Wenn man dann erwachsen geworden ist, schreibt man auch keine Jugendbücher mehr, wie? Das erinnert mich doch sehr an das Infantilitäts-Geschwafel über die Erwachsenen, die zum Jugendbuch greifen, das wir vor ein paar Monaten schon einmal hatten.
    Der fehlende Respekt zeigt deutlich, wie nötig diese Initiative ist.
    Als Mutter geht es mir jedenfalls gehörig auf die Nerven, dass meine Söhne in der Schule so gut wie nie deutsche Jugendbücher lesen, sondern immer bestsellererprobte Übersetzungen. Mit dem Jungen, der in Alaska um sein Überleben kämpft, können sie sich ja ach so gut identifizieren.
    Schade, dass wir in Deutschland so wenig von uns halten.

    Liebe Grüße
    Nikola

    AntwortenLöschen
  2. Ja, es bleibt einem schlicht die Spucke weg ob all der Unterstellungen, Anfeindungen und der Häme, die einem als geballte Ladung entgegenschlagen. ABER: Wir sind beinahe 500 unterzeichnende Kinder- und Jugendbuchschaffende. Das sind zu viele, um ignoriert zu werden. Und wir werden nicht gedemütigt schweigen, sondern weitermachen.

    Eine Autorenkollegin, die in Frankreich lebt, hat heute in meinem Blog geschrieben, dass das Ausland diese harschen Reaktionen sehr befremdet zur Kenntnis nimmt. Das kann ich als Schweizerin bestätigen. Wir haben mehrere nationale Buchpreise, im Kinder- / Jugend- und Erwachsenenbereich und wären nicht einmal auf die Idee gekommen, das zu hinterfragen. Wir signalisieren dem Ausland damit: Das sind unsere Preisträger. Das ist unsere Literatur. Diese Preise sind Botschaften, diese Preisträger Botschafter unserer Literatur. Das heisst aber noch lange nicht, dass wir nur Schweizer Autoren lesen. Im Gegenteil.

    AntwortenLöschen