Freitag, 24. Mai 2013

Familiendrama




In meinem neuen Kinderbuch schildere ich gerade einen Streit der Eltern. Die Mutter packt wutentbrannt ihren Koffer und verlässt das Haus, Luca bleibt sprachlos und ängstlich zurück.
Und schon stolpere ich über meinen eigenen Text. Ich habe das Bild vor Augen, wie meine Schwester und ich im Schlafzimmer meiner Eltern stehen. Meine Mutter weint, während sie ein Kleidungsstück nach dem anderen in den Koffer wirft. Sie hat sich wieder mal mit meinem Vater gestritten. „Wohin willst du?“, fragen wir ängstlich. „Zu meinen Eltern“, schreit sie wütend. Die bange Frage steht ihm Raum: Was wird aus uns?
Ich weiß nicht, wie alles weiter ging. Ich weiß nur, dass meine Mutter nicht gefahren ist,  dass danach alles wieder gut war, dass es nur eines dieser Dramen war, die meine Eltern manchmal veranstalteten.
Auch mein Vater liebte die Dramatik. Auch er rannte manchmal wutentbrannt nach einem Streit aus dem Haus, sprang ins Auto und raste, so schnell es unser alter Käfer hergab, aus der Ausfahrt. Ich erinnere mich, wie meine kleine Schwester laut hinter ihm her weinte: „Papa,  bleib hier!“ und wie ich ihr damals schon etwas abgeklärt vermittelte: „Der kommt schon wieder. Der fährt eine Weile in der Gegend herum, macht einen langen Spaziergang und ist wieder da.“
Aber wenn man klein ist, erlebt man diese Theatralik mit der ganzen großen Angst eines Kindes, nun für immer verlassen  zu werden.
„Ihr habt es gut“, sagten meine Eltern uns oft, und auch „Guckt euch erst mal um, wie es bei anderen zugeht.“ Als hätte man als Kind einen Vergleich. Man erlebt das Leben in dem Alter immer nur aus der eigenen Perspektive – und welche anderen Elternhäuser bieten einem schon einen Einblick in einen Familienstreit.
Daran musste ich gerade denken, und jetzt, wo ich das alles aufgeschrieben habe, kann`s auch weiter gehen mit dem Buch.
Danke, dass ihr mir zugehört habt. Ich wünsche euch noch einen schönen und streitfreien Tag. 

(Foto: Schweden)

Kommentare:

  1. Für Kinder ist so etwas ganz schlecht - ich weiß noch, wie das bei uns immer war. Bei meinen mache ich das (hoffentlich) ganz anders.

    Auch schön: "Nee, wenn du das machst, hab ich dich nicht mehr lieb." Was soll ein Kind denn mit so etwas anfangen?

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  2. Ich habe Dir gerne zugehört, liebe Annette.
    Ach, Eltern sind eben doch auch nur Menschen. An solche Episoden erinnere ich mich nicht, aber es gab dafür andere. Für Kinder sind diese Ängste einfach schrecklich und überdimensional groß.

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