Freitag, 1. November 2013

Das Auswanderungshaus Bremerhaven



Heute besuche ich wieder ein Museum, das Auswanderungshaus in Bremerhaven. Hier vergisst man alles, was man bisher über Museen gekannt hat, zum Beispiel dass sie öde und langweilig sein könnten. Denn dieses Museum setzt auf Emotionen, auf persönliche Geschichte und Geschichten, auf die Neugierde des Menschen, der Wunsch, in Kisten zu kramen und Schubladen zu öffnen. 


Ganz persönlich ist man Teil einer Gruppe von Auswanderern. Bedrückt steht man zwischen den Menschengruppen am Hafen, schaut in ihre traurigen, leeren oder erwartungsvollen Augen, hört ihre Stimmen, die Abschiedsrufe. Dann betritt man das Schiff, und ich stelle schon nach kurzer Zeit fest, dass sich bei mir eine leichte Übelkeit einstellt. 


Das liegt vielleicht am Ausblick aus dem Bullauge auf das bewegte Meer,  vielleicht auch daran, dass die Kajüten so eng und dunkel sind. Überall Geräusche, schnarchen, husten, flüstern. Ich kann mich zu den Menschen an den Tisch setzen, ich kann einen Blick in die Speisekammer werfen, ich sehe die Waschtröge und die Toilette. Alles ist so wahnsinnig präsent.
Als ich zuletzt im Central Station in der neuen Welt aussteige, bin ich beeindruckt von dem Reichtum des Landes. 


Im zweiten Teil der Ausstellung, der Einwanderungsgeschichte der Bundesrepublik, begleite ich eine konkrete Person, Serife Seyitler aus Adana, Türkei, bei ihrer Einwanderung 1969.
Ich erfahre ihre Familiengeschichte, sehe, was sie mit nach Deutschland genommen hat, erfahre, wie ihr Leben danach verlaufen ist. Diese persönliche Lebensgeschichte interessiert mich, stimmt mich nachdenklich, nimmt mich gefangen.
Eine tolle Art und Weise, Geschichte zu lernen.

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