Dienstag, 17. Juli 2012

Vatersorgen



Mein Vater hat eine schlaflose angstvolle Nacht in der Badewanne verbracht. Beim Wunsch, abends noch ein Bad zu nehmen, ist er in die Badewanne gefallen. Wie es passieren konnte, weiß er selbst nicht, denn eigentlich hat er eine hydraulische Einstiegshilfe. Den Kopf unter dem hydraulischen Sitz, die Beine über dem Wannenrand, so lag er da und kam nicht wieder raus. Er wartete und wartete, geduldig, ängstlich, ratlos, eine ganze Nacht lang. Ließ hin und wieder warmes Wasser nach, um nicht vollständig auszukühlen. Seine Haushaltshilfe fand ihn am nächsten Morgen. Drei Leute brauchten sie, um ihn aus der Wanne zu ziehen.
Ich fahre sofort zu ihm. Er steht noch unter Schock. Das sonst so sonnengebräunte Gesicht ist bleich, die Bewegungen langsam und starr. Alles tut ihm weh. Der Rücken ist voller blauer Flecken. Die Beine haben noch wenig Gefühl.
„Sieh es positiv“, sagte ich. „Das war ein Stresstest für dein Herz. Es zeigt, wie gut es noch ist.“
Er kann nur mühsam lächeln.
Denn über allem steht die angstvolle Frage: Wie lange geht es noch gut so allein? 

(Foto: Aspen-Park, Santa Fe)

Kommentare:

  1. Ist er zu stur für Betreutes Wohnen? Ansonsten wäre es höchste Zeit, über einen Umzug nachzudenken. Ich hoffe, dass bleibt der größte Schrecken, der ihm blüht!

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  2. Er möchte einfach gerne in seinem Haus bleiben. Ich finde das durchaus verständlich.

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  3. Ich auch, aber Live-in Dienste und Dienste mit Notrufknopf sind so teuer. Habe das Ganze gerade bei der Schwiegermutter meiner Mutter erlebt - die hat einen Riesenaufstand veranstaltet, als sie mit 97 aus ihrer eigenen Wohnung zu ihrem Sohn und meiner Mutter ziehen sollte, und jetzt wieder, als sie nach mehreren Stürzen (meine Mutter und ihr Mann sind auch keine jungen Hüpfer mehr) mit 100 Jahren in ein Altersheim sollte.

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  4. (Ich glaube, es ist sehr schlimm, wenn der Kopf noch vergleichsweise fit ist und der Körper nach und nach aufgibt.)

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