Montag, 20. Januar 2014

Vorher – Nachher




Heute beim Zahnarzt hatte ich endlich mal wieder die Gelegenheit, in einer dieser Frauenzeitschriften zu blättern. Zu meiner großen Freude gibt es immer noch diese Rubrik vorher - nachher. Vorher glatte Haare, jetzt Locken, vorher rotes Kleid, jetzt braune Hose, vorher dick, jetzt schlank.
Dabei fällt mir eine Szene wieder ein, die mich im Wartezimmer auch im Angesicht des kreischenden Bohrers lachen lässt. Mehr als 20 Jahre ist es jetzt her, da verbrachte ich einige Zeit mit unserem jüngsten Kind im Krankenhaus. Die Lage war ernst und traurig, die Zeit verging so unendlich langsam, dass sie sogar von einer Schnecke überholt werden konnte. Mein einziger Lichtblick war der Abend. Im Kinderspielzimmer traf ich immer auf eine Frau in meinem Alter, die in einer ähnlichen Lage war wie ich. Wir saßen bei Tee zusammen und unterhielten uns, und auch wenn wir beide einen Stein auf der Brust mit uns herum trugen, lachten wir viel miteinander. Diese Frau hatte eine Zeitlang als Redakteurin bei der Zeitschrift Brigitte in Hamburg gearbeitet.
„Kannst du mir mal sagen, wie ihr das bei dieser Vorher-Nachher-Reportage macht?“, fragte ich sie. „Wie ist es möglich, dass so zentnerschwere Frauen nach einigen Wochen plötzlich wie schlanke Grazien aussehen.“
Sie grinste. „Ich verrate dir mal ein Geheimnis“, meinte sie. „Wir machen das immer umgekehrt. Wir suchen uns schlanken Frauen für die Fotoreportage und dann mästen wir sie.“

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