Donnerstag, 13. April 2017

Morgens in einem Handyshop



Meinem Sohn ist das Handy hingefallen. Es leuchtet noch und das Coverfoto ist zu sehen. Beim typischen Handytouch allerdings tut es nichts. Mein Sohn ist tief erschüttert. Sein Handy trägt er immer bei sich, es ist mit ihm zu einer Person verschmolzen. Nur wenn er duscht, legt er es zur Seite – aber in Blickweite. Nun aber ist es definitiv zu einer Schachtel mutiert.
Er telefoniert mit deinem Reparaturservice – keine Chance noch vor Ostern. Schließlich greift er schweren Herzens auf ein älteres Modell zurück. Die Sim-Karte passt nicht. Ich biete ihm an, in den nächsten Handyshop zu fahren und eine zu besorgen.
Habt ihr den Morgen mal in einem Handyshop verbracht? Wenn zwei Kunden vor einem sind, bedeutet es echt eine Stunde Wartezeit. Da ich mir vorgenommen habe, mich in Geduld zu üben, betrachte ich es als Chance. Ich starre in der Gegend herum, ich schaue der Verkäuferin zu, ich lese meine Mails und antworte, ich scralle auf Instagram und Facebook herum.
Ein Kunde geht durch den Laden. Er berührt ein Handy und ein schriller Piepston ertönt. Die Verkäuferinnen bedienen weiter, als sei nichts geschehen. Ich verspüre einen leichten Tinnitus und frage höflich, ob man das Geräusch nicht abschalten kann. „Das geht leider nicht“, sagt die eine. „Das hört gleich von alleine auf.“ Es piepst weiter. Der Kunde berührt nun ein weiteres Handy. Ein weiterer schriller Ton erklingt – etwas höher als der erste. Der junge Mann stellt sich nun betreten in die Schlange hinter mich und steckt die Hände in die Tasche. Gemeinsam überlegen wir, was wohl passiert, wenn wir alle Handys berühren. Vielleicht erwirken wir ein Konzert. Das wäre das perfekte Youtube-Video.
Nun bin ich dann doch schnell an der Reihe.
Zwei Stunden später bin ich erneut auf dem Weg zum Handyshop. Ich habe eine falsche Karte gekauft. Macht nix – ich wollte mich ja sowieso in Geduld üben… 

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