Sonntag, 17. Juni 2018

Soziale Netze



Wenn man so wenig zu Hause ist wie ich, ist immer die Angst da, dass das soziale Netz Löcher bekommt. Beziehungen zu Freunden und Nachbarn, erst recht zu der Familie sind für mich lebenswichtig. Daneben sind die sozialen Netze im Netz eine konstruierte Farce. Ich liebe den Kaffeeplausch mit der Familie im Garten, das Schwesterntreffen in meiner Heimatstadt, der gemeinsame Gang zum Friedhof, die langen Spaziergänge auf alten Wegen mit Freundinnen, der gemütliche Wein am Abend mit den Nachbarn. Auch bei diesem Treffen zu Hause bin ich wieder voll auf meine Kosten gekommen und fühle mich reich beschenkt dafür, dass sie alle noch da sind und sich Zeit für mich nehmen.  

Dienstag, 12. Juni 2018

Perspektivenwechsel



Wenn meine Männer aufeinander treffen, kommt eigentlich immer jemand mit einer neuen technischen Errungenschaft um die Ecke. Diesmal war es Nils mit seiner Drohne. Es ist schon beeindruckend, welche gestochen scharfe Bilder sie produziert, und genial ist auch, dass man die persönliche Welt mal aus einer anderen Perspektive sehen kann. Etwas mulmig wird mir allerdings, als die Drohne den Befehl erhält: „Umkreise diese Person“, und plötzlich wird man brummend von einer Drohne verfolgt. Wenn ich mir vorstelle, dass nun nur noch der Befehl folgen kann: „Und jetzt Schuss!“ …. Aber nein, ich schreibe ja keine Krimis. Noch nicht! Ideen dazu hätte ich.


Sonntag, 10. Juni 2018

Junikind



Der Juni ist mein Lieblingsmonat. Als Kind mochte ich den Monat vor allem, weil ich Geburtstag habe, das ist mir aber jetzt natürlich nicht mehr so wichtig. Doch fast immer habe ich an meinem Geburtstag schönes Wetter, es gibt Erdbeeren, (und zwar nicht diese treibhausgespritzten bitteren Dinger, sondern die echten sonnengereiften Früchte) und es blühen die Rosen.
In diesem Jahr überbot sich unser Garten an einer farbenfrohen Rosenpracht, wie noch nie zuvor. Wenn ich im Garten sitze, kann ich ein bisschen nachvollziehen, wie sich Dornröschen gefühlt hat.

Donnerstag, 7. Juni 2018

Nur zehn Minuten



 
Ich weiß selbst nicht, was mich dazu gebracht hat, mich in diesen Sessel zu setzen. Er sah so verführerisch aus – ein richtiger Breitarschsessel aus weichem Leder. 2 €, 10 Minuten stand darauf. Eigentlich ganz schön teuer, dachte ich erst, dann aber fiel mir ein, dass eine echte Massage teurer ist. Und da ich sowieso gerade zwei Euro klein hatte …
Erst als der Sessel meine Beine einklemmte, kamen mir die ersten Zweifel an meinem spontanen Entschluss.  Als dann aber ein Stab aus der Rückenmitte herausfuhr, und mir punktgenau die Wirbelsäule eindrückte, um dann einer schmerzenden Stelle so lange zu verweilen, bis ich kurz aufschrie, und den Kopf nach hinten warf, war ich mir sicher, dass ich das Geld besser in etwas anderes investiert hätte. Doch jetzt war es zu spät. Der Sessel klemmte nun nämlich auch meinen Kopf ein und trommelte auf meinem Hinterkopf herum. Ich plante meine Flucht, versuchte, der Beinumklammerung zu entkommen. Doch der Sessel schien das geahnt zu haben. Er begann nun mit einer sanfteren Massage. Erst als ich mich wieder entspannt zurückgelehnt hatte, umklammerte er erneut Beine und Kopf und rollte, klopfte und drückte meinen Rücken ab. Zehn Minuten können eine Ewigkeit sein.
Am Ende war ich völlig verspannt und durchgeschwitzt. Nächstes Mal kaufe ich mir für die zwei Euro doch besser ein Eis…

Freitag, 1. Juni 2018

Euronorm 5



 
Heute muss ich euch mit einer bitteren Wahrheit konfrontieren. Ich bin ein Stinker.  Ich fahre nämlich einen Diesel, und der bringt es gerade mal auf Euronorm 5. Ich belaste also die Luft mit Stickoxiden und bin schuld daran, dass die Luftverschmutzung weiter fortschreitet und wir alle früher oder später sterben werden.
Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass ich das nicht mit Absicht getan habe. Als ich mein Auto kaufte, war zwar der Diesel ins Gerede gekommen, aber ich hielt das für eine journalistische Panikmache, die sich genauso schnell wieder beruhigen würde, wie die Panikmache der Pädagogen über den Verlust der Kindheit, als die ersten Tamagotchis auf dem Markt auftauchten. Ich dachte auch, bevor die Sache mit den Fahrverboten wahr wird, denkt man vielleicht mal darüber nach, ob diese unbeschränkte Raserei auf den Autobahnen so umweltfreundlich ist. Und vielleicht gibt es ja ganz tief im Nachtschränkchen der Verkehrsminister sogar Pläne für den Ausbau des Nahverkehrs, in Kombination mit einer ganz neuen Verlässlichkeitserklärung der Deutschen Bahn zum Thema Pünktlichkeit und Service. Fehlanzeige. Leider.
Meine Naivität zum Thema Diesel wurde heute schwer bestraft. Ab jetzt darf ich die Stresemannstraße und die Max-Bauer-Allee in Hamburg nur noch in Teilabschnitten befahren. Gott sei Dank habe ich in der nächsten Zeit nicht vor, nach Hamburg zu fahren. Und da ich gar nicht weiß, wo die Stresemannstraße liegt, gehe ich mal davon aus, dass mich das Fahrverbot nur symbolisch trifft. Doch das soll erst der Anfang sein, wird mir gedroht. Was heute in Hamburg passiert, kann morgen schon in München, Berlin. Köln und schließlich auch in Bad Lippspringe geschehen. Und spätestens dann muss ich mich nach einer fahrbaren Alternative umschauen. 
Es wird mir keine andere Wahl bleiben, als meinen ursprünglich recht teuren Diesel für einen Ramschpreis an einen ukrainischen Autohändler zu verscherbeln und mir einen neuen Benziner zuzulegen. Vielleicht mal zur Abwechslung einen VW? Die waren ja nach dem Abgasskandal wieder gut im Geschäft.

Samstag, 26. Mai 2018

Morgens beim Brötchenverkauf



Morgens auf dem Campingplatz helfe ich meist beim Brötchenverkauf. Wir backen die Brötchen, die die Menschen einen Tag vorher bestellt haben, selbst. An diesem Tag holt sich ein Mann seine drei normalen Brötchen ab und kauft sich auch noch eine Berliner Morgenpost.
„Morgen wieder?“, frage ich.
„Bitte?“, erkundigt er sich höflich.
„Möchten Sie morgen wieder drei normale Brötchen?“, frage ich nach.
Er schaut mich etwas irritiert über den Rand seiner Zeitung an. „Das muss ich erst mit meiner Frau besprechen“, sagt er dann.

Montag, 21. Mai 2018

… war er noch so süß



Im Februar 2006 ist mein Buch „Im Chat war er noch so süß“ erschienen. Es wird seitdem immer noch regelmäßig in Schulen als Lektüre gelesen und hat sich insgesamt bis jetzt mehr als 200 000 mal verkauft. Obwohl die medientechnische Darstellung in dem Roman ziemlich veraltet ist, ist doch das Thema Internetmissbrauch leider immer noch brandaktuell.
Nun ist ein neuer Roman von mir erschienen, der das Thema Internetsicherheit erneut aufgreift, sich aber in medientechnischen Dingen aktualisiert hat. Soziale Netzwerke wie Tinder und Instragram lösen das Chatten in Loverooms ab, die Gefahr aber, die von der Anonymität des Internets ausgeht, ist geblieben.
Online war er noch so süß“ heißt der neue Roman in Anlehnung an den Titel von 2006. Er handelt von Madita, die endlich auch einen Freund haben will, und sich mit einem falschen Account bei Instagram auf die Suche macht.





Donnerstag, 17. Mai 2018

Alimentierter Messermann


Ich bemühe mich immer, es nicht als Provokation aufzufassen, wenn sich Politiker aller Welt zu irgendwelchen Gipfelgesprächen treffen, und zwischen all den dunkelbeanzugten Männern steht unsere Angela tapfer in einem farbigen Blazer und mit Raute zwischen den Händen.
„Die Hälfte der Menschen in dieser Welt sind Frauen“, sage ich mir dann immer. „Sie haben wahrscheinlich gerade nur etwas Wichtigeres zu tun, als zu diesem Gipfel zu fahren.“
Gestern aber in den Nachrichten, beim Bericht über die Bundestagsdebatte war das Rednerpult offenbar fest in Frauenhand. Nach AFD-Fraktionschefin Alice Weidel zeigten sie Angela Merkel, außerdem Andrea Nahles, Sarah Wagenknecht und Gesine Lötzsch. Man hatte das Gefühl, der Bundestag bestehe zu 90 % aus Frauen.
Vielleicht hatte man aber auch diese Ausschnitte gewählt, weil Frauen in der Regel bessere Reden halten können als Männer, sehen wir einmal von den peinlichen Wortschöpfungen ab, die Alice Weidel von sich gab.
Ehrlich gesagt kannte ich das Wort `alimentiert´ bisher nicht. Ich kenne Alimente und auch limitiert, ich kenne auch lamentieren und Legimitation, aber alimentiert …? Naja, man lernt ja nie aus.
Nur zu „Messer-Mann“ (wow! Diese Alliteration mit den beiden M! Welch eine Kreation!) habe ich eine klare Assoziation. Ich sehe Eddy den Scherenmann vor mir. Aber humorlos wie die AFD ist, hat sie den wahrscheinlich nicht gemeint.  

Dienstag, 15. Mai 2018

Schülerpost



Immer noch gehört es fast jeden Abend zu meinen beruflichen „Verpflichtungen“, dass ich Schülerpost beantworte. Und immer noch nehme ich mir die Zeit, jedem Schüler persönlich zu antworten. Zwar sind es oft nur ein paar Zeilen, die ich dem Schüler schreibe, und doch rede ich ihn mit seinem Namen an und nehme zu dem Brief Stellung, sodass er das Gefühl hat, sein Brief wurde gelesen und gewürdigt.
Als ehemalige Lehrerin weiß ich, wie wichtig genau diese persönlichen Antwortbriefe für die Schüler sind. Hin und wieder machen sich einige Lehrer auch die Mühe, sich noch einmal zu melden und gerührt schildern, wie überrascht und begeistert die Schüler auf meine Antwort reagiert haben. Das freut mich natürlich ganz besonders.
Lange Zeit habe ich nur Briefe von Sekundarschülern bekommen, seit ich aber auch für die Grundschule schreibe, bekomme ich auch Briefe von Kindern – vom Inhalt her oft nicht so differenziert, aber immer mit sauberer Handschrift, süßen Bildern, Stickern und Fotos. Ich freue mich über alle diese Briefe, und sie motivieren mich bei meiner Arbeit sehr.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Kommunikation



Im Moment verbringe ich viel freie Zeit mit Clara, meiner vierjährigen Enkelin. Sie hat, was alle meine Söhne nicht hatten. Sie redet. Und zwar ohne Unterlass. Sie kommentiert, fragt, macht aus allem und jedem ein Rollenspiel, bei dem ich dies oder jenes zu sagen habe und steht mir ständig hilfsbereit im Weg.
Diesmal gieße ich Gipsformen für die Kinderanimation. Clara begleitet meine Arbeit mit munterem Plaudern.
„Ich brauche mal ein bisschen Wasser. Schaffst du es, mir ein Schälchen zu holen?" frage ich sie.
„Natürlich“, sagt sie liebevoll und trägt das Schälchen behutsam in die Küche. Ich atme erleichtert durch. Endlich mal fünf Minuten für mich, ohne dass mir jemand ein Ohr abquatscht. Plötzlich Clara: „Omi, kannst du mir wohl mal den Wasserhahn anmachen…“

Freitag, 4. Mai 2018

Frauenarbeit



Hier auf dem Campingplatz wird im Moment jede Arbeitskraft gebraucht. Und doch herrschen tiefe archaische Vorurteile vor. Während die Männer auf den Baggern und Treckern sitzen, bleiben für uns Frauen die Harken und Schaufeln – und letztendlich auch die Kinderbetreuung übrig. Ich bleibe hartnäckig. Jetzt will ich endlich das Rasenmähen auf diesem genialen Aufsitzmäher lernen, der sich so locker um die eigene Achse dreht. Mein Sohn versucht es mir auszureden. Ich könnte schließlich dieses teure Teil kaputtfahren – höhö!!! Dabei hat gerade er vor einigen Wochen sein Auto in den Morast gesetzt und beim Versuch, es wieder herauszuziehen den Radlader daneben versenkt. Der Platzarbeiter hat sein Auto vor einen Baum gefahren (Achsenbruch) und mein Mann hat mit dem kleinen Elektrowagen die Schranke abgefahren. Ich dagegen fahre 2000 Kilometer unfall- und blitzerfrei nach Österreich und zurück und eine Woche später 1000 Kilometer unfall- und blitzerfrei nach Polen und zurück.
So what? Finde den Fehler, sage ich. Er findet ihn nicht.
Da muss ich warten, bis er nicht da ist, damit mir der Platzarbeiter das Fahren beibringt. Hej, noch nie war Rasenmähen sooooo cool!



Montag, 30. April 2018

In der Lausitz



Das schönste Wetter gibt es meistens in der Lausitz. So habe ich Glück, dass ich den Mai hier auf unserem Campingplatz verbringe. Arbeitstechnisch allerdings gibt es so viel zu tun, dass das Schreiben sehr in den Hintergrund rückt, jedenfalls an diesen vielen Feiertagen wie dem 1. Mai, Himmelfahrt und Pfingsten. Dann beginnt mein Tag meist morgens an der Brötchentheke und endet abends an der Biertheke, allerdings nicht als Kundin, sondern als tapferer Arbeiter.
Aber es macht auch Spaß, zu sehen, wie vergnügt die Urlauber sind, und wie schnell sich die Kinder auf Campingplätzen zusammenfinden, um miteinander zu spielen.
Durch die ständigen Unterbrechungen gerät mir mein Manuskript allerdings immer wieder ins Hintertreffen, das macht mich irgendwie unruhig. Ich arbeite doch gerne kontinuierlich an einem Stück und verschmelze mit meiner Geschichte. Im Moment habe ich das Gefühl, immer wieder neu einsteigen zu müssen. Gott sei Dank ist es bis zur Manuskriptabgabe noch Zeit, sodass ich nicht in Panik geraten muss. Aber ich muss unbedingt einen Arbeitsrhythmus finden, der mich zufrieden macht. Ich ahne schon, dass das wieder die frühen Morgenstunden sein werden…

Dienstag, 24. April 2018

Zu Besuch in Pszczyna



Die letzte Station meiner Reise durch Polen ist eine hübsche Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Pszczyna (spricht sich Ptschschöna). Hier am Lyzeum lädt man jeden Monat eine „besondere Person“ ein, um mit ihr über Berufe, Politik, Philosophie oder Kultur zu reden. Da mich die Lehrer und Schüler im vergangenen Jahr bei einer Lesung in Katowice kennengelernt hatten, meinten sie, es wäre doch schön, wenn ich in diesem Monat diese Person sein könnte (höhö!!!) Das hat mich sehr geehrt.

Ich habe dann in der Aula mit den Schülern, die schon sehr gut deutsch verstanden, von meinem Schreiben erzählt, meine Bücher vorgestellt und auch ein bisschen daraus gelesen. Dazu stellten viele Schüler interessante Fragen.
Auf den Fotos seht ihr mich im Gespräch mit der Fürstin Daisy von Pless, die ich auf dem Marktplatz getroffen habe ; )), außerdem mit der herzlichen Gastgeberin Aleksandra Dutkowska, eine der Deutschlehrerinnen, die mich eingeladen hat.


Samstag, 21. April 2018

Mal wieder in Polen



Nun melde ich mich mal wieder aus Polen. Ein Lyceum in dem Ort mit dem unaussprechlichen Namen Pszczyna hat mich eingeladen. Lehrer und Schüler hatten mich im vergangenen Jahr an einer Schule in Katowice bei einer Lesung kennengelernt und mich gefragt, ob ich nicht auch mal zu einer Lesung an ihrem Lyceum vorbeikommen könnte.
Mein Mann und ich diskutieren eine Weile. Polen mögen wir beide sehr, und nach einigem hin und her beschließen wir, diese Lesung mit einem Kurzurlaub zu verbinden. Wir fahren zunächst nach Krakau und verbringen dort ein verlängertes Wochenende.

Krakau ist wunderschön. Das „Paris an der Weichsel“ wird es genannt, und das trifft es total. Die polnischen Städte haben irgendwie einen französischen Charme. Traurig ist leider nur, dass diese schreckliche deutsch-nationalsozialistische Vergangenheit hier so furchtbar zu spüren ist. Da bin ich fast froh, dass auch die Fabrik Oskar Schindlers  hier in Krakau stand.
Abends sind wir bei leckerem polnischen Essen und Klezmer Musik im jüdischen Viertel Krakaus essen, und das ist Gott sei Dank unglaublich lebendig und bunt.



Donnerstag, 19. April 2018

Deutsches Volksgut



Abends sitze ich noch mit Sohn und Schwiegertochter bei einem Sekt auf der Terrasse. Die Kinder liegen schon im Bett, dürfen aber noch ein Hörbuch hören. Nach zehn Minuten stehen sie beide wieder da. Das Hörbuch sei so gruselig. Da wäre eine Hexe, und die wollte den Hänsel im Ofen braten.
Ob man wirklich ein Kind im Ofen braten könnte?, fragt Tim ängstlich.
„So ein Quatsch!“, sage ich. „Das ist doch nur ein Märchen. Guck dir euren kleinen Ofen doch an. Da würde doch dein Popo noch rausgucken.“  Er ist einigermaßen beruhigt. Das Märchen aber wollen sie nicht weiterhören. Man einigt sich nun auf Bibi und Tina. Das ist ungefährlich.
Rotkäppchen! Da hätten sie ja wohl auch Steven Spielberg gucken können!

Montag, 16. April 2018

Als ich das Buch las



Um es gleich vorweg zu sagen: Ich lese sehr viel und sehr gerne. Dabei bin ich weder auf ein Genre, noch auf einen Autor festgelegt. Ich lese, was ich gerade geschenkt oder empfohlen bekomme oder was ich selbst entdecke. Allerdings muss ich zugeben, dass ich weibliche Autoren lieber als männliche lese.
Und ich muss euch auch beichten, dass die Zeiten, in denen ich ein Buch ganz entspannt lese, auch vorbei sind. Wenn das Buch so richtig gut ist, bin ich immer hin und hergerissen zwischen Neid und Bewunderung. Dann wünsche ich mir von ganzem Herzen, ich hätte auch so eine tolle Idee gehabt oder nehme mir vor, mal mehr an meinem Stil zu arbeiten, um meinen Wortschatz und die Ausdrucksfähigkeit zu erweitern. Wenn mir aber etwas an einem Buch unangenehm auffällt, habe ich Mühe, es weiterzulesen.
Auf der Suche nach einem neuen Buch streife ich durch eine Buchhandlung und gerate mit der Buchhändlerin in ein interessantes Gespräch. Sie rät mir eine Familiensaga in mehreren Bänden und ist sich ganz sicher, dass ich schon in der Nacht in das Buch abtauchen werde, um bereits am nächsten Tag den 2. Band zu kaufen. Ich freue mich sehr. Unsicher macht mich allerdings der männliche Autor, aber man soll ja auch Männern mal eine 2. Chance geben.
Das Buch ist seltsam distanziert geschrieben, und ich habe Mühe, einen Zugang zu bekommen. Die Sätze sind lang und wirken hölzern und konstruiert. Plötzlich fällt mir auf, dass in jedem 2. Satz eine Temporale Satzkonstruktion mit „als“ vorkommt. Als das bemerke, kann ich mich gar nicht mehr konzentrieren. Bei jedem neuen „als“ zucke ich zusammen. Ich frage mich, ob es stilistische Absicht des Autors war, oder ob der Lektor gepennt hat. Möglich ist natürlich auch, dass der Autor – typisch Mann – sich von der Lektorin – wahrscheinlich Frau - nichts sagen ließ und auf seine Als-Sätze beharrte.
Ich versuche, bei dem Buch am Ball zu bleiben und mehr auf den Inhalt zu achten, sage mir immer wieder, dass es in einem tollen Verlag erschienen ist und ein Spiegelbestseller ist. Aber das muss ich mir immer häufiger sagen, immer intensiver knirschen meine Zähne bei dem Wörtchen „als“.
Kurz vor dem Ende gebe ich auf. Zum 2. Band hat mich die Buchhändlerin nicht wiedergesehen.   



Mittwoch, 11. April 2018

Was es bedeutet, auf Lesereise zu sein



Lesereisen sind inspirierend und anstrengend zugleich. Jeden Tag befindet man sich an einer anderen Schule zum Lesen, dann geht es weiter auf die Autobahn. Ein neuer Ort, ein neues Hotel, ein neues Bett, früh aufstehen und die neue Schule suchen.
Trotz aller Anstrengung geht es in Österreich irgendwie gemütlich zu. Die Schüler sind sehr aufmerksam, die Lesungen sind gut organisiert, der Empfang ist freundlich und respektvoll.
Auch das Fahren macht Spaß, die Landschaft ist toll, das Wetter diesmal phänomenal, die Raststätten sauber. Niemand rast und überall gibt es einen Kaffee.
Die Orte, die ich anfahre, strahlen Lebendigkeit und Freundlichkeit aus. Fast überall bin ich mitten im Zentrum untergebracht. Natürlich gibt es immer ein bisschen Stress mit dem Parkplatz, dann aber bin ich überall gleich mittendrin im Geschehen. Das begeistert mich.

Montag, 9. April 2018

Über Wien in die Steiermark



Die Lesereise beginnt in Wien. Ich bin in eine Multikultischule geraten. Alle Hautfarben sowie Kopftücher in zahlreichen Variationen sind vorhanden, alle Schüler verfolgen die Lesung total ruhig und aufmerksam und alle – und das ist irgendwie witzig – sprechen mit einem Wiener Akzent. Eigentlich ist es ja total logisch, aber es ist trotzdem immer wieder eine Überraschung.
Von Wien aus geht es weiter in die Steiermark. Ich liebe es, durch Österreich zu fahren. 130 ist das perfekte Autobahntempo, die Raststätten sind sauber und überall gibt es einen Kaffee.
Am frühen Mittag komme ich in Frohnleiten an, und obwohl ich mir das Städtchen im Internet angeschaut habe, bin ich total überrascht, wie hübsch es ist. Eine besondere Überraschung bietet mein Hotel. Mein Zimmer hat einen kleinen Balkon und ich habe einen schönen Blick auf die Mur. So habe ich nachmittags tatsächlich ein bisschen Urlaubsfeeling.


Samstag, 7. April 2018

Unterwegs nach Österreich



Nun bin ich wieder unterwegs, eine Lesereise durch Österreich steht an. Die erste Station wird Wien sein, und weil die Fahrt zu weit ist, suche ich mir eine Unterbrechung für die Nacht. Meine Lieblings-Internetseite für die Suche heißt dabei: „Links und rechts der Autobahn.“ Hier habe ich schon schöne und vor allem zweckmäßige und preiswerte Übernachtungen gefunden. Diesmal suche ich links und rechts der A 3, auf Höhe Passau und lande in einem schönen Gasthof in einem bayrischen Örtchen. Zwiebelturm, leckere Brotzeit, ein kühles Helles und ein zügiger Internetanschluss – alles da.

Mittwoch, 4. April 2018

Die Pädagogisierung des Kinderbuches



Sehe nur ich das so, oder ist die Belletristik für Erwachsene irgendwie gruseliger, sadistischer, dramatischer und satirischer geworden? Ein Krimi, in dem ein Detektiv ermittelt und durch logische Schlussfolgerungen den Täter findet, ist so antiquiert, dass er schon fast Kult ist. Heute geht nichts mehr über einen Serienmörder, der in akribischer Sorgfältigkeit seinem Opfer bei lebendigem Leib das Herz aussticht, um es den Göttern zu opfern, oder einen Killer, der regelmäßig bei Vollmond jungen asiatischen Prostituierten auflauert, sie bestialisch ermordet und ihren Leichnam den Geiern zum Fraß vorwirft.
Im gleichen Zeitraum, wie die Erwachsenenliteratur grausiger und sadistischer wurde, fordern diese Erwachsenen eine reine, kindliche und pädagogisch einwandfreie Kinder- und Jugendliteratur. Vorbei ist die Zeit, in der fünf Freunde einfach so in ein Abenteuer zogen, in dem sie gefangen genommen wurden, ja, sich sogar eine Waffe auf ihre Schläfe richtete. Plötzlich mischten sich die Erwachsenen ein, überwachten die Kinderbücher helikoptermäßig und fragten nach: Hat das Kind eigentlich den warmen Anorak angezogen? Hat es sich auch die Zähne nach dem Essen geputzt? Und vor allem: Hat es auch seiner Mutter Bescheid gesagt?
Wir Kinderbuchautoren bemühten uns in unseren Bücher um Spannung, die natürlich nur geschehen kann, wenn ein Kind seine eigenen Ideen durchsetzt, wenn es seiner eigenen Intuition und Logik folgt, wenn es nicht immer auf den klugen Rat der Erwachsenen hört, sondern ganz eigene Risiken eingeht. Doch wenn man darüber erzählt, wird man sofort abgemahnt: Was, wenn das Kind das nachmacht?
Plötzlich werden wir Autoren kritisch beäugt. Machen wir uns nicht schuldig an diesem bösen Leben, dem das Kind Tag für Tag ausgesetzt ist? Tragen wir nicht die Verantwortung dafür, dass ein Kind von dem Weg abkommt, den wir Erwachsenen uns wünschen?
Und parallel dazu fragen wir Autoren uns: Wie sollen wir denn eigentlich ein spannendes Buch schreiben, wenn der Protagonist sich plötzlich so strebermäßig korrekt verhalten soll? Dann hat sich ein Abenteuerbuch doch irgendwie von selbst erledigt, oder?

Sonntag, 1. April 2018

Frohe Ostern



Ich grüße euch wieder von dem schönsten Campingplatz Deutschlands, auf dem ich mal wieder arbeitender Weise meine Osterferien verbringe. Einige Vorteile bringt das ja auch mit sich. So konnte ich an diesem Morgen gleich zwei kuscheligen Osterhasen begegnen, einer davon war sogar ganz in Rosa.
Ansonsten bin ich hier wieder in den Brötchenverkauf und das Kinderanimationsprogramm eingespannt. Aber ich habe mir den Job selbst gesucht, ihr müsst also kein Mitleid mit mir haben.
Allerdings schaffe ich im Moment mein Schreibprogramm von fünf Seiten vor dem Frühstück leider nicht. Ich bin morgens immer noch so furchtbar müde, und ich muss ja auch schon um 8.00 Uhr frisch gewaschen und gebügelt hinter der Brötchentheke stehen. Aber so viel zu schreiben ist im Moment sowieso nicht, und wenn man mal etwas anderes macht, entwickeln sich neue Geschichten.

Montag, 26. März 2018

Joe-Cocker-Imitation



Wenn ich mich in den letzten Tagen am Telefon mit meinem Namen melde, höre ich immer verwirrtes Schweigen, und dann fragt jemand nach: „Wer ist da bitte?“ Der Grund: Meine Stimme klingt so erotisch, dass man wahrscheinlich das Gefühl hat, man hätte versehentlich bei einer Erotik-Hotline angerufen. Seit einer Woche quäle ich mich, wie 75 % der Menschen in dieser Zeit, mit einer Erkältung herum, die seinesgleichen sucht. Aber man muss den Dingen etwas Positives abgewinnen. Wenn es bis morgen nicht besser ist, werde ich mich bei Voice of Germany zum Casting melden und Joe Cockers „You can leave yor hat on“ krähen. Damit käme ich garantiert ins Finale.

Donnerstag, 22. März 2018

Nils ist Doktor



Die schlimmsten Prüfungen sind die, die andere durchmachen, und bei denen man genau weiß, wie sie sich fühlen, ihnen aber nicht helfen kann.
Sohn Nils hatte gestern sein Rigorosum, die Verteidigung seiner Doktorarbeit. Sie hatte den beeindruckenden Titel: „Verstärkung nichtlinearer optischer Effekte durch plasmonische Nanoantennen.“
Nils war schon Tage vorher schrecklich aufgeregt. Einzig und allein zu wissen, dass ihn niemand reinreißen wollte, war ein schwacher Trost. Aber Prüfungen sind wie sie sind – man fühlt sich erst besser, wenn sie vorbei sind.
Als Mutter in der hinteren Reihe zu sitzen, mitleidig einerseits, aber auch stolz, weil er seinen Vortrag so eloquent hielt und voller Freunde, weil so viele gekommen waren, um zuzuhören und damit ihre Achtung zu zeigen, ist ein bewegender Moment. 

Von dem Vortrag habe ich nicht viel verstanden, aber es gab viele bunte Bilder, die sich hier und da aufklappten und alles irgendwie logisch machten. Außerdem hat mir das Wort „Flüstermoden“ gefallen. Ich weiß zwar nicht, was es bedeutet, aber ich habe es mal in meine Sammlung aufgenommen.
Zuletzt gab es Summa com laude, außerdem eine kleine Feier mit Sekt und Kuchen und einem ganz individuellen Doktorhut. Und jetzt ist er um mindestens hundert Kilo leichter.    


Dienstag, 20. März 2018

Treffen mit Freddie Schürheck


Meine Tante Hanna ist immer ein Besuch wert. Sie wohnt in Lemgo, der Stadt in der ich einen Teil meiner Jugend verbracht habe, und sie ist meine absolute Lieblingstante.
Während wir bei Strohsemmeln (Lippische Spezialität) und Kaffee zusammensitzen, trifft eine weitere Besucherin ein: Freddie Schürheck, die Tochter meiner Cousine Ulrike. Freddie sehe ich nur selten, aber ich höre sie oft. Sie ist nämlich Radiomoderatorin bei Eins live. Ich erkenne sie immer sofort an ihrer tiefen und angenehmen Stimme, und ich mag ihre Reportagen und Interviews.
Wir freuen uns, uns mal wieder im realen Leben zu treffen. Freddie hat immer viel zu erzählen, und wenn sie über ihren Beruf redet, blitzen ihre grünen Augen lebendig. Viele spannende Menschen hat sie schon im Interview gehabt: Campino von den Toten Hosen, Till Schweiger oder Max Forster, um nur einige zu nennen. Berührender aber, da sind wir uns sofort einig, sind die Interviews, bei denen Menschen aus ihrem eigenen und besonderen Leben erzählen und damit einen Einblick in ihre ganz private Welt geben, wie z. B. der Bericht über eine junge Frau, die auf eine Organspende wartet. Diese Interviews gehen unter die Haut, und die Kraft, die von den Interviewpartnern ausgeht, wirkt sich auch auf die Zuhörer aus. Das kann ich natürlich voll unterstreichen. Uns berühren Geschichten dann besonders, wenn sich auch unsere Ängste und Hoffnungen darin wiederspiegeln.

Samstag, 17. März 2018

Neue Homepage



Hier seht ihr meinen jüngsten Sohn Benny, meinen ganz persönlichen Homepagegestalter. Auch diesmal hat er mir wieder eine neue Seite gebastelt, die ihr hier anschauen könnt.

Benny arbeitet eigentlich als Eurythmielehrer an einer Waldorfschule in Herdecke, in seiner Freizeit aber sind er und seine Frau Sabrina oft mit der Kamera zu Fotoaufträgen unterwegs. Von ihnen und ihrer Arbeit erzähle ich euch mal, wenn sie mit ihrer eigenen Homepage endlich in die Gänge gekommen sind…

Mittwoch, 14. März 2018

Buch oder E-Book



Wenn ich ehrlich bin, liebe ich echte Bücher, so welche die sich blättern lassen und nach Papier riechen, Bücher mit einem bunten Cover, über das ich streichen kann und die mit einem gewissen Gewicht gut in der Hand liegen.
Aber E-Books sind leider so viel praktischer. Man ist auf Reisen und hat eine ganze Bibliothek in der Handtasche, und man kann sogar nachts lesen, ohne den Partner zu stören. So entscheide ich mich immer häufiger für das E-Book, zumal im Alter die Hintergrundbeleuchtung und die Vergrößerung der Schrift zu einem großen Leseargument anwächst.
Bei einem Besuch bringt mir eine liebe Freundin das Buch „Der Distelfink“ von Donna Tartt mit und will unbedingt wissen, wie mir das Buch gefällt. Ein Blick auf dieses dicke Buch und die unbeschreiblich dünnen Seiten und ich winke ab und lade mir das Buch als E-Book herunter. Es ist wundervoll, und die Tatsache, dass mir mein Reader anzeigt, dass ich 17 Stunden an dem Buch lesen werde, lassen mich in eine andere Dimension abtauchen. Ich leide mit dem Protagonisten mit und erfahre so viel über seine Welt der Gemälde und Antiquitäten. Immer noch hoffe ich für ihn und mich auf ein einigermaßen erträgliches Happy-End.
Als es bei dem Buch auf das Ende zugeht, werde ich unruhiger. Noch kann alles passieren, vielleicht sogar ein Happy End. 48 Minuten Lesezeit zeigt mein Reader. Doch in diesem Moment erscheint beim Weiterklicken der Seite das Wort „Danksagung“. Das Buch ist zu Ende. Nix mit 48 Seiten - mein Reader hat mich getäuscht. Dieser plötzliche und unerwartete Abbruch ist ein richtiger Schock. Jetzt stürze ich in eine große Lesekrise.
Das wäre mir mit einem echten Buch sicherlich nicht passiert.

Montag, 12. März 2018

Berlin – Berlin



Sonne und 17 Grad versprechen die Meteorologen. Der erste Frühlingstag steht an. Das ist die Zeit für Berlin.
Mein Cousin Matthias lebt hier. Er freut sich. „Friedrichstraße? Ich hole dich ab!“
Es ist unglaublich. Noch vor drei Tagen hatten wir Schnee in der Lausitz. Jetzt gehen wir unter den Linden spazieren und bestaunen die Sonne und den blauen Himmel. Am Brandenburger Tor ist immer total viel los, aber diesmal sind die Leute total ausgeflippt. Gruppen positionieren sich zum antiken Hintergrund, der Selfiestick wird ausgefahren.
Der Winter ist vorbei, und wir … haben überlebt.



Dienstag, 6. März 2018

Zuverlässiger Arbeiter im Weinberg




Ich gehöre zu den zuverlässigen Autoren. Noch nie – in Worten NIE – habe ich einen Abgabetermin versäumt. Im Gegenteil bin ich meistens schon lange vor dem Abgabetermin fertig. Das liegt einmal daran, dass ich so wahnsinnig gerne schreibe, zum anderen aber auch daran, dass ich jetzt, wo ich hauptberuflich Autor bin, auch die Zeit dazu habe.  
Aber schon früher konnte ich mir meine Schreibzeit gut einteilen. Für die 2. Staatsexamensarbeit zum Beispiel bekamen wir 14 Tage Tippferien, die alle zum Schreiben verwendeten, (die Sportler warfen ihre Arbeit sogar am Stichtag um Punkt Mitternacht bei der Post ein – Sportler eben!) Ich dagegen hatte die Arbeit schon lange vor den Tippferien kopiert und gebunden in dreifacher Ausfertigung an verschiedenen Orten platziert, (für den Fall, dass in einer Wohnung ein Brand ausbrach und alles vernichtete) und nutzte die Zeit, um einmal von Kiel bis Passau längs durch Deutschland zu fahren und Freunde zu besuchen. Das konnte ich allerdings keinem erzählen, man hätte mich für völlig durchgeknallt gehalten bzw. als Streber verschrien.
Um so mehr traf mich die Mail am vergangenen Mittwoch wie ein Hammer. Ich hatte gerade an einer Raststätte angehalten, das Brötchen im Mund, den Kaffee to go an der Seite, nebenbei die Mail lesend … „Wann können wir wohl mit der Arbeitskartei zu dem Roman rechnen. Abgabetermin war ja der 28.2.“  Das Brötchen bleibt mir fast im Hals stecken.  Der Kaffee schwappt bedenklich … Waaaaas? Hilfe! Was mache ich jetzt? Zeitschleife, wo bist du?
Lisa Hartmann vom Verlag an der Ruhr bleibt cool. „Nicht so schlimm. Kann doch passieren“, versucht sie mich zu trösten. „Wäre nur schön, wenn…“
Natürlich wäre das schön…
Ich klotze ran und gebe alles. Schlaf wird ja sowieso überbewertet.
Gerade habe ich die Kartei auf den Weg gebracht.

Donnerstag, 1. März 2018

Ost-Ghouta in Syrien

Damaskus


Wenn man jemanden kennt, der aus einem Kriegsgebiet kommt, bekommt der Krieg plötzlich ein persönliches Gesicht.  Wenn man weiß, da verschanzt sich eine Familie irgendwo in einem Keller und muss Todesängste aushalten, sieht man ausgebombte Straßenzüge mit einem ganz anderen Entsetzen. Wo in Gottes Namen kann man sich denn hier verstecken, denkt man sich. Und wenn die Meldung über den Bildschirm tickert: Zivilisten verletzt, ein Kind kam ums Leben, dann denkt man mit großer Angst an diese Familie.
Seif Arsalan, der Jugendliche, den ich bei Schreiben des Buches „Aus Syrien geflüchtet“ begleitet habe, kommt aus Duma, die größte Stadt in Ost-Ghouta, die im Moment trotz verordneter Waffenruhe täglichen Bombenangriffen ausgesetzt ist.
Seif ist 2015 zusammen mit seiner Mutter nach Deutschland geflohen, erlebte unglaublich gefährliche Momente auf seiner Flucht, aber auch intensive Freundschaften, lebt nun in Sicherheit und findet in Gedanken an den Rest seiner Familie doch keine Ruhe.
Sein Buch hilft dem Leser zu verstehen, was es bedeutet, seine Heimat verlassen zu müssen und sie doch nicht loslassen zu können.

Dienstag, 27. Februar 2018

Lesung in Gräfenroda



Gräfenroda liegt 20 Kilometer von Gotha entfernt, ein kleines hübsches Städtchen mitten im Thüringer Wald. 

Mit der Schulleiterin Beate Lasse, Schulleiterin der Grundschule an der der Burglehne, verbindet mich eine besondere Freundschaft. Als sie hörte, dass ich wieder in Thüringen war, lud sie mich direkt wieder an ihre Schule ein. 

Die 4. Schuljahre hatten sich zu echten Annette-Weber-Experten entwickelt, sie kannten ganz viele Bücher von mir und wussten so viel über mich. Auch war ich beeindruckt, wie gut sie zuhörten, und wie klug sie bei den kleinen Wettbewerben zu punkten wussten.

Guckt mal, das ist doch eine gute Idee, den Schülern das Einmaleins nahe zu bringen, oder?


Das Abschlussgeschenk war eine echte Überraschung.