Montag, 24. September 2018

Ich kann`s noch



Heute gibt es mal ein Selfie – ein Halbselfie, genau genommen. Ich ungeschminkt, mit feuchten Haaren und nassem Halsausschnitt. Seid froh, dass ihr mich nicht riechen könnt. Ich muffele nämlich ziemlich nach Schweiß. Ich komme gerade aus der Mukkibude, wo ich sonntags immer besonders gerne den Spinning 3-Kurs besuche. Spinning ist schon verdammt anstrengend, aber Spinning 3 ist etwas für total Durchgeknallte. Dazu gehöre ich nicht unbedingt, schließlich bin ich ein sehr strukturierter und vernünftiger Mensch, aber der Kurs versetzt mich immer für kurze Zeit in einen Rauschzustand, und danach weiß ich: Mannohmann, ich kann`s noch! In dem Alter und nach der langen Pause, und wo ich doch eigentlich nie in meinem Leben besonders sportlich war. Und wisst ihr, woran das liegt? In dem Kurs gibt es so viel zu tun – Geschwindigkeit erhöhen, setzen, aufstehen, erhöhen, faster, runterfahren, racing, erhöhen, raus aus dem Sattel, faster, faster … setzen, recover (2 Sekunden) und wieder raus aus dem Sattel, faster, setzen, racing… Ich habe gar keine Zeit zu überlegen, ob mir das alles zu anstrengend ist.

Freitag, 21. September 2018

Die Neue Rechte



 
Der Maaßen hat ziemlich fragwürdige Äußerungen zu den Vorfällen in Chemnitz gemacht, und dafür muss er gehen. Seehofer verhindert das und befördert ihn sogar, klar dass er nun auch seinen Stuhl nehmen muss. Die Nahles versucht, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und Merkel die Verantwortung in die Schuhe zu schieben. Klarer Fall: Dafür muss sie ebenfalls gehen. Und die Merkel – die haben wir uns sowieso schon lange satt gesehen. Sie ist prinzipiell an allem schuld, denn sie trägt ja die Regierungsverantwortung. Weg! Weg! Weg! ist die Devise. Diese alten Gesichter haben wir schon viel zu lange gesehen. Es muss Platz geschaffen werden für neue, damit wir auch da die Möglichkeit haben, an ihrem Sockel zu sägen.
Schon lange sind wir mit den etablierten Parteien durch. Sie verschwimmen mit ihren Parteiprogrammen in Grauzonen und verlieren immer mehr an Kontur. Nur die Rechten stehen da, aufrecht und klar, mit geballten ausgestreckten Armen. Aber die wollen wir ja auch nicht. Da sind wir uns alle einig. Und wir kommen uns so mutig und wichtig vor, wenn wir „Stop dem Rassismus“ rufen.
Dabei übersehen wir vielleicht, dass die Rechten längst nicht mehr aus dem schreienden „Ausländer raus“- Mob bestehen. Auch unter ihnen gibt es kluge Köpfe, die leise im Hintergrund die Strippen ziehen. Erinnern wir uns: In Sachen Manipulation waren die Rechten immer verdammt gut.
Und während wir uns noch gegen alles stellen, und die Rücktritte von allen fordern, merken wir gar nicht, wie uns die Neue Rechte händereibend und leise in die Arme der AfD treibt.



Dienstag, 18. September 2018

Weiterentwicklung



Manchmal, wenn eine Sache ganz gut läuft, informiert man sich gar nicht über die Weiterentwicklungen. So habe ich mich als Kontaktlinsenträger immer damit abgefunden, die Tageslinsen abends aus den Augen zu nehmen und danach mit Brille herumzulaufen. Durch Zufall – ein Zufallsgespräch im Fahrstuhl – erfuhr ich, dass es Linsen gibt, die man monate- oder auch jahrelang nicht herausnehmen muss und nachts einfach weiterträgt. Unglaublich, wie ich fand. Und jetzt sagt bitte nicht, dass ihr das schon ganz lange wisst…
Ich habe ein bisschen nachgeforscht und sie nun für mich bestellt. Erst war es ein bisschen ungewohnt, doch jetzt tragen sie sich, als wenn sie zu mir gehören. Und wenn ich jetzt nachts aufwache und kurzsichtig wie ich bin aus dem Fenster schaue, kann ich die Sterne sehen!

Freitag, 14. September 2018

Was, wenn sie ginge…



Sie sitzen einander gegenüber an einem Zweiertisch des Restaurants: Er die grauen Haare ein bisschen schludrig zu einem Zopf zusammengebunden, sie fein zurechtgemacht mit Bluse und Rock und kleinen Kreolen im Ohr. Während sie immer mal wieder irritiert zu ihm hinüberlächelt, blickt er die ganze Zeit auf sein Smartphone, scrollt sich durch die Seiten, schreibt mit beiden Daumen. Manchmal sagt sie etwas, und er antwortet, den Blick unverwandt auf das Display gerichtet.
„Das wird sich aber doch ändern, wenn das Essen kommt“, versuche ich, eine Erklärung zu finden. „Vielleicht hat er etwas Wichtiges zu erledigen. Ausgerechnet jetzt.“
Das scheint sie auch zu denken, denn sie lächelt nachsichtig.
Dann kommt das Essen, und es sieht toll aus, total lecker und so dekorativ zurechtgemacht. Sie wünscht guten Appetit. Und dann essen sie, sie mit Blick auf das Essen, er mit Blick auf das Display. Jetzt schreibt er nicht mehr, er liest.
Wenn sie jetzt ginge, denke ich, wäre das eine große Chance für Veränderung. Sie müsste nur ihre Tasche nehmen, schweigend vielleicht, vielleicht auch mit einer kleinen Notlüge, um ihn nicht zu beunruhigen. Dass sie nicht zurückkommt, würde ihm erst auffallen, wenn er sein Essen längst fertig gegessen hat, wenn er vielleicht ein weiteres Bier bestellen möchte oder um die Rechnung bittet. Dann würde er sich vielleicht fragen, ob da nicht jemand gesessen hätte. Und wo der wäre? Und ob dem etwas passiert wäre.
Und wenn sie ihn nicht beunruhigen wollte, könnte sie ihm einfach eine Whats-App schreiben. „Bin noch schön essen gegangen. Dir noch einen schönen Abend.“
Vielleicht wäre er dann erleichtert. Vielleicht auch nicht. Auf alle Fälle würde er beim nächsten Essengehen – mit wem auch immer – gelernt haben, das Smartphone in der Tasche zu lassen.

Dienstag, 11. September 2018

Platz für Science Fiction



Es ist nicht verwunderlich, wenn ein Land, in dem die Küsten rauer, die Luft nebeliger und die Landschaft einsamer ist, die Menschen auch ihrer Fantasie freien Lauf ließen. Sie erbauten trutzige Burgen und Schlösser, kämpften erbitterte Kriege und erschufen seltsame skurrile Geschichten. 
In einem kleinen Ort bei Cardiff wurde Roald Dahl geboren, einer der schrägsten, gruselig-witzigsten Autoren seiner Zeit.


Auch viele Science-Fiktion Filme spielten in Cardiff. Am Berühmtesten ist Torchwood, in dem diese seltsame Säule das Tor zum Torchwood-Institut bildete, in der die Zeitreisenden Jack Harkness und Ianto Jones die Erde vor Außerirdischen beschützen. Als Inato Jones irgendwann nach der 3. Staffel stirbt, bekommt er sogar in Cardiff eine eigene Erinnerungsstätte.


Samstag, 8. September 2018

Wales und die Royals


 
Mein Mann und ich verbringen nun ein paar Urlaubstage in Wales. Wales ist ein sehr abwechslungsreicher Teil Groß Britanniens, der aus grünen Bergen, der Küste, vielen Schafen, Burgen und den Royals besteht, jedenfalls wenn man, wie ich, Vereinfachungen mag.


Wir sind mit dem Leihwagen unterwegs. Mein Mann schlängelt sich tapfer durch den Linksverkehr, ich bemühe mich, nicht an jeder Ecke zu schreien. Besonders gruselig sind die „Rundabouts“, der Kreisverkehr, den es alle gefühlten 100 Meter gibt. So nach und nach wird es besser – und das ist auch gut so, denn auch die Straßen werden enger, und als Herausforderung sind sie auch noch mit großen Steinmauern begrenzt.


Wales ist ohne die Royals nicht denkbar. An dem imposanten Castle Caernarfon halten wir an und besichtigen es. Hier fanden jede Menge Krönungen und Kriege statt. Auch Prinz Charles wurde hier Prince of Wales. Ein Video zeigt ihn, wie er von seiner Mutter gekrönt wurde. Er sieht ziemlich verschüchtert unter seiner schweren Krone auf, und die weiße Stola, die er trägt, erinnert mich an die Häkelstola meiner Schwiegermutter. Erst später sehe ich auf einem Foto, dass seine Stola ein Zobel ist – es sind die Anfänge des Farbfernsehens, darum kann man das so undeutlich erkennen.
Hier noch mal ein paar schöne Fotos von Wales. Es ist ein tolles Land – nur die Sprache ist ein bisschen abenteuerlich. Aber okay, es ist ja auch das Land der Drachen.






Donnerstag, 6. September 2018

The winner is …



Ich gehöre nicht zu den Preisausschreiben-Mitmachern und Lottospielern, darum sind die Dinge, die ich in meinem Leben gewonnen habe, an einer Hand abzuzählen. Gestern aber schlug das Leben großzügig zurück. Auf einer Konferenzparty, zu der mich mein Mann mitgeschleppt hatte, wurden am späten Abend Lose verteilt, und weil schon so viele Teilnehmer gegangen waren, bekam ich gleich drei Lose überreicht. Mein Mann gab mir noch seine beiden, und ein weiter Mann drückte mir ebenfalls seins in die Hand, weil er gehen wollte. Da saß ich nun mit sechs Losen und lauschte etwas überfordert auf die vierstelligen englischen Zahlen, die in den Raum geworfen wurden. Ein weißes schmales Kästchen gab es zu gewinnen. Den Preis verstand ich nicht, aber ich hielt es für eine Flasche Wein oder Schnaps. Viele Zahlen verliefen ins Leere, weil sich niemand zu ihnen bekannte, bis es zu der Zahl 1184 kam. Das war meine. Ich meldete mich und erhielt unter großem Applaus das Kästchen. Und jetzt schaut euch den Preis mal an: Eine Apple Smartwatch – neuste Ausgabe. Okay, ich bin gar nicht der Typ, der mit einer Smartwatch herumläuft, die ständig den Puls misst und zur Fitness ermahnt, aber ich habe mich trotzdem tierisch gefreut. Jetzt werde ich wohl zu den seltsamen Menschen gehören, die mit ihren Uhren reden.


Dienstag, 4. September 2018

Shakespeare, die Schule und die Klassiker



Manche Lehrer haben ja ein Händchen dafür, den Schülern die Liebe zu den Klassikern vollständig auszutreiben. Wir jedenfalls lasen im Englischunterricht der Klasse 12 Macbeth. Das ist ja durchaus eine Herausforderung, aber unser Englischlehrer forderte mehr – wir lasen Macbeth in der altenglischen Fassung. Das führte dazu, dass ich mir neben der altenglischen Fassung noch die englische Fassung und die deutsche Übersetzung kaufte, aber nichts wirklich las und mich in diesen Schulstunden bei dem sowieso ziemlich arroganten Englischlehrer zu Tode langweilte. Der tote Shakespeare wurde für mich noch töter. „Töter wie tot“, sage ich gerne.
Das änderte sich erst, als meine Kinder in ihrer Schulzeit auf Macbeth trafen. An der Waldorfschule, zu der sie gingen, wurde in Klasse 10 ein englischer Shakespeare aufgeführt. Natürlich ging ich zu den Aufführungen der Kinder, aber ich besuchte auch die Klassenspiele der anderen Klassen und erlebte Romeo und Julia, Hamlet, Macbeth und den Mitsommernachtstraum. Die Liebe zu dem Stück stand den Schülern ins Gesicht geschrieben. Beneidenswert, dachte ich oft.
Ganz besonders in Erinnerung ist mir aber eine eigene Fortbildung, in der ein Shakespeare-Sonett im Mittelpunkt stand, das von uns rezitiert, später dann vertont wurde. Jemand entwickelte eine wundervolle Melodie auf einem Marimbaphone, und ehe ich mich versah, fand ich mich hinter einem großen Schlagzeug wieder, auf dem ich zart und behutsam einen Rhythmus zu schlagen hatte.

Gestern war ich in Stratford upon Aven, um Shakespeares Geburtshaus zu besichtigen. Im Garten rezitierte eine junge Schauspielerin auf Zuruf verschiedene Szenen aus verschiedenen Dramen. Sie zitierte auch dieses Sonett. Shall I compare thee to a summer`s day?

Sonntag, 2. September 2018

Wenn sich das Alte in dem Neuen spiegelt



Ich grüße euch aus Birmingham. Mein Mann hat hier eine Konferenz und mich freundlicher Weise gebeten, ihn zu begleiten. Ich finde England immer ziemlich verrückt, aber Birmingham übertrifft meiner Meinung nach sogar London. 


Hier sind die spiegelverglasten Hochhäuser so angelegt, dass sie alte Kirchen, Paläste oder Plätze in bizarren Formen wiederspiegeln, und das gibt ihnen einen ganz besonderen Stellenwert. Ehrlich gesagt finde ich das eine mutige Idee, die moderne Architektur zu integrieren.


Die schräge Mode ist ja irgendwie in England erfunden worden, darum habe ich euch auch noch ein paar Schaufensterpuppen fotografiert. Senf scheint die Farbe des Herbstes zu werden – das ist die verrückteste Idee, die ich kenne, denn diese Farbe steht schlichtweg niemandem.
Aber auch die vielen Obdachlosen in den Hauseingängen und die zahlreichen bettelnden Drogenabhängigen sind nicht zu übersehen.
Abends ist unter den Engländern großes Styling angesagt. Besonders die Frauen tragen Schuhe, die jede Orthopädenkasse klingeln lässt. Kurze Zeit später liegen dann aber auch die ersten gestylten Betrunkenen – Männer wie Frauen – auf den Bürgersteigen.


Donnerstag, 30. August 2018

Alte Fotos



Heute bekam ich ein Foto geschenkt. Das Motiv des Fotos, dieser alte Kinderwagen, die Kleidung der Frau, die Grobkörnigkeit des Schwarzweißfotos, sie alle zeigen, dass diese Aufnahme schon viele Jahre zurückliegt. Vielleicht stammt das Bild aus den Fünfzigern, vielleicht ist es noch älter – jedenfalls stammt es aus einer Zeit, die weit in die Vergangenheit hineinragt. Irritierend ist nur, dass ich auf diesem Foto zu sehen bin – als Baby auf dem Arm meiner Patentante. Aber das kann eigentlich nicht sein. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich zu dieser Zeit schon gelebt habe.

Dienstag, 28. August 2018

Verpackt


Heute präsentierte sich meine Heimatstadt Paderborn im neuen Design. Der Dom und das Rathaus waren im frischen Christo-Gewand verpackt. Was für ein denkwürdiger Tag, wenn man ausgerechnet an so einem Tag im Paderborner Rathaus heiratet. Die Hochzeitsfotos sind wahrscheinlich einzigartig – vorausgesetzt, man findet überhaupt den Weg vom Trauzimmer nach draußen. Und wenn man danach noch zur kirchlichen Trauung zum Dom hinüberschreitet, mag man das Schicksal wahrscheinlich schon fast für eine Ehe-Verschwörung halten.


Sonntag, 26. August 2018

Deutschlehrertagung in Pila



Es war eine ganz besondere Lesung, diese Lesung in Pila, auf der polnischen Tagung für Deutschlehrer. Unglaublich viele Lehrer saßen in dem Hörsaal, der mir wie ein Kinosaal vorkam, und ich stand allein vor dem Mikro auf der Bühne. Leseförderung hieß das Thema, zu dem ich eine Stunde lang referierte und Geschichten las. Ich hatte verschiedene Beiträge ausgesucht, die von der Vorschule über die Grundschule und von der Sekundarschule bis zu dem Erwachsenenbereich reichte. Dabei las ich auch zum ersten Mal aus meinem Buch „Stationen im Leben“ für Menschen mit Demenz und erzielte große Aufmerksamkeit.
„Darf ich wohl mal ein Foto für meinen Blog machen?“, fragte ich zuletzt, als die Lesung beendet war, und deutete ins Publikum. „Sonst glaubt mir niemand, dass ich vor so vielen Zuhörern gelesen habe.“
„Sie müssen mit auf das Foto!“, entschieden die Lehrer. Und als ich etwas unsicher war, wie ich das managen sollte, kamen sie alle zu mir auf die Bühne. Beeindruckendes Bild, oder?
Unten seht ihr mich mit Kama Frackowska-Pilarska, die Powerfrau, die mich eingeladen hat und ganz viel organisiert hat.


Donnerstag, 23. August 2018

An der polnischen Ostsee


Lesungen sind immer dann ein Genuss, wenn man sie mit einem Kurzurlaub verbinden kann. Ich muss am Samstag nach Pila, einer kleinen Stadt im eher nördlichen Teil Polens. Da beschließen mein Mann und ich, noch zwei Tage Ostsee voranzustellen. Seid ihr schon mal an der polnischen Ostsee gewesen? Ich nicht. Ich hatte allerdings immer wieder gehört, wie schön es da sein soll: weite weiße Sandstrände und sauberes Meer. Was mir aber niemand erzählt hat, ist, dass hier Halligalli wie am Mittelmeer ist. Die Menschen liegen dicht an dicht im weißen Sand, es gibt Fischrestaurants, Luftballonverkäufer, bunte Automaten mit goldenem Lamettakram, Pommes, Zuckerwatte und Fahrten mit Piratenschiffen. Und ehrlich gesagt, ich genieße es. Nach der brandenburgischen Ruhe ist das jetzt genau das, was ich brauche. Also denn … endlich wieder klebrige Zuckerwatte an den Händen!

Montag, 20. August 2018

Drei neue Bücher



Bei Instagram habe ich gelernt, dass man die Bücher, die man gelesen oder geschrieben hat, nicht einfach platt mit dem Cover fotografiert, sondern sie dekorativ zum Fotografieren in die Landschaft legt. So habe ich die drei Bücher, die im Sommer von mir erschienen sind, in einem Blumenbeet platziert.
Here we are: Ganz links die Version 2.0 des Romans „Im Chat war er noch so süß.“ Analog zu dem Bestseller heißt dieses Buch „Online war er noch so süß.“ Das Buch ist natürlich ganz anders, aber es geht auch um das Thema Internetsicherheit. Bei den sozialen Netzwerken stehen aber diesmal Instagram, Tinder, Youtube und Whatsapp im Mittelpunkt.  
Auch das Buch in der Mitte könnte einigen von euch bekannt vorkommen. Die Leseerlebnisse mit vier Freunden gab es schon im Oktober 2017 für das 2. Schuljahr. Nun sind die Leseerlebnisse um 3. und 4. Schuljahrgeschichten erweitert worden.
Bei dem Buch ganz rechts – Ein Kuss für Theseus – handelt es sich um eine Lektüre für Jugendliche, die deutsch lernen. Es ist eine Geschichte mit einfachen Texten, einigen Comics und vielen Illustrationen. Die Story ist für Deutschlerner der Niveaustufe A2 gedacht.


Samstag, 18. August 2018

Ein Koffer voller Bücher



Eigentlich habe ich schon unendlich viele Erfahrungen mit Lesungen, Schreibworkshops und Vorträge in allen möglichen Schulen und Schulformen gemacht, sodass mich eine Einladung zu einer Lesung nicht mehr in Aufregung versetzt. Stressig wird es nur, wenn ich überhaupt nicht weiß, was mich erwarten wird.
Eine Einladung zu einer Deutschlehrertagung in Polen steht an, und ich soll in einer Stunde meine Bücher vorstellen. Das Thema der Tagung lautet: „Schlüsselkompetenz Lesen“. Über hundert Lehrer aller Schulstufen werden erwartet.
Das Thema ist ziemlich offen, und das einzige, was ich über die äußeren Bedingungen weiß ist. dass sich die Lehrer sehr auf mich freuen, und dass es schön wäre, wenn ich auch Bücher zum Kauf anbiete könnte.
Ich durchsuche meine Regale und verzweifele. Mein ganzes Schreibleben gehört der Leseförderung. Ich habe für alle Altersgruppen von der Vorschule bis zu dem Erwachsenenbereich Bücher in einfacher Sprache geschrieben, ich habe für deutsche Schlechtleser und für ausländische Deutschlerner geschrieben, ich habe gute und schlechte Leser miteinander kombiniert und ich habe Bücher in verschiedenen Schwierigkeitsstufen geschrieben. Mein riesiges Problem für diese Tagung ist es, eine Auswahl zu treffen. Das üble Gefühl, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, wird mich begleiten.    

Mittwoch, 15. August 2018

Auftauchen



Wenn man für eine Weile in der Versenkung verschwunden ist, muss man sich auch Gedanken machen, wann man eigentlich wieder auftauchen will. Ich hatte mich mit dem Beginn des Sommers in die Sommerpause verabschiedet, aber so eine echte Pause war es natürlich nicht. Es war noch nicht mal eine Pause vom Schreiben, obwohl ich in dieser Zeit deutlich weniger geschrieben habe als sonst. Diese Hitze hat die Arbeit am Computer einfach unmöglich gemacht, weil die Sonne so unbarmherzig durchs Fenster brüllte und mich unter sich röstete.
Auf dem Campingplatz im Spreewald gab es unglaublich viel zu tun, denn im Gegensatz zu den verzweifelten Landwirten hatten wir eine großartige Saison. Der Tourismus lebt nun mal vom Sonnenschein. Ich habe viel gearbeitet, und in den Zeiten, wo ich nicht gerade Brötchen verkauft oder mit Urlaubskindern gebastelt habe, habe ich mit den Enkelkindern am See gelegen oder bin ihn durchschwommen.
Nun wird es Zeit, in mein Autorenleben zurückzukehren. Verschiedene Schreibarbeiten stehen an, einige Bücher sind erschienen, und eine Lesung muss vorbereitet werden.
Also – ich bin wieder da? Und ihr so? Liest das überhaupt jemand?

Freitag, 6. Juli 2018

Sommerferien



Mit vielen lieben Grüßen verabschiede ich mich jetzt bis Ende August in die Sommerferien. Habt eine gute Zeit, lasst euch die Sonne auf den Bauch scheinen, esst soviel Eis, wie ihr könnt und sucht euch hin und wieder ein schattiges Plätzchen, um über diese verrückte Zeit nachzudenken.
Bis bald, tschüss, eure Annette

Dienstag, 3. Juli 2018

Fußball



Irgendwie ist es süß. Da leben wir in einer digitalen Welt voller Überwachungskameras, digitalen Konten und sozialen Netzen. Man kann mit einer Kreditkarte rund um die Welt fahren, und sogar für ein Fußballfoul wird (endlich) der Videobeweis herangezogen. Aber dann wird für die Auslosung des Anpfiffes eine Münze geworfen? Kopf oder Zahl? Das ist so unglaublich altmodisch, dass es schon richtig rührend ist. Wie in der Schule. Fehlte nur noch, dass die Fußballer vor dem Mannschaftsaufbau Tip-Top spielen. 

Donnerstag, 28. Juni 2018

Kreative Füße



 
Bevor die Saison auf dem Campingplatz beginnt, will ich schnell noch die Geräte auf dem Spielplatz neu streichen. Den Arm voller Acryllackdosen, Pinseln, Schmirgelpapier, Wasser und Lappen will ich mich auf den Weg machen. „Oh nein!“, schreit mein Mann. „Fass aber nachher nichts an, wenn du ins Haus kommst. Und zieh die Schuhe aus.“ Die Panik steht ihm ins Gesicht geschrieben. Und leider kann ich ihn verstehen. Denn wenn ich etwas anmale, kann man anhand der Farbkleckse nachverfolgen, wo ich überall gewesen bin.
Aber ich schwöre, ich gebe diesmal alles, um keine wenige Spuren zu hinterlassen. Ich ziehe Gummihandschuhe an, ich passe auf, dass der Farbtopf weit genug von mir entfernt ist, ich streife den Pinsel ab, bevor ich male… Aber dann gerate ich doch in diesen Kreativitätsschub, und dann geht mir alles viel zu langsam, und die Handschuhe sind viel zu warm, und das Farbtöpfchen steht auch viel zu weit weg…
Resultat: gelbe Farbe auf dem linken Arm, rote und blaue auf dem rechten, bunte Hände, ein roter Kleckser unter dem Auge, verschiedene auf den Füßen, einer sogar am Bein (trotz Hose), ein kleiner an der Tür, ein anderer in der Dusche, ein bunter Wasserhahn, und die Seife vielfarbig.
Da ist mein Mann irgendwie froh, dass ich nicht Maler geworden bin.


Montag, 25. Juni 2018

Freelancer – superReal


Seit einiger Zeit habe ich mich bei einer Unternehmensbörse registrieren lassen und bekomme die neusten Jobs für Autoren und Redakteure. Sie werden gegen Mitternacht per Mail verschickt. Wenn ich schlecht schlafe, lese ich sie nachts, und immer häufiger lässt mich das Lesen der Anzeigen ratlos auf mein Kopfkissen zurücksinken. Ich fühle mich müde, alt und irgendwie absolut inkompetent.
„Freelance Texter Digital -superReal“, damit geht es schon los. Was so lässig und modern daherkommt, ist eigentlich nichts weiter als ein Freier Mitarbeiter, versuche ich mich zu beruhigen. Aber was bedeutet superReal? Gehen die davon aus, dass ich vielleicht eine Fantasy-Figur sein könnte.
„Du verfasst user-zentrierte Texte für Fashion- und Lifestyle-Brands“, heißt es weiterhin.
Diese Anglizismen strengen mich an und nerven. Sie klingen so gewollt jugendlich. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ein Brand ist, ich kenne nur einen Feuerbrand, und der ist sicherlich nicht damit gemeint.
Weiterhin erfahre ich, dass ich Landingspages und Teaser texten soll, Content-Strategien entwickeln soll und gemeinsam mit einem Team aus UX und UI-Designern hochwertige Assets verfassen soll.
Okayyyyy? Content-Strategien sagen mir was, aber was ist ein Asset und was eine Landingpage? Klar, ich könnte das jetzt nachschlagen, aber ich merke, dass ich noch nicht mal Lust dazu habe, diese Energie aufzubringen. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, stört es mich vor allem, dass ich in der Anzeige geduzt werde. Für mich hört sich das so an, als wenn man mich sowieso nicht besonders wertschätzt und vor allem, dass man mich schlecht bezahlen will.

Freitag, 22. Juni 2018

Mitten drin statt nur dabei



Ich gehöre zu den Autoren, die am liebsten über das schreiben, was sie selbst kennen und beurteilen können. Jede Begegnung, jede Arbeit und jede neue Gegend interessieren mich und bereichern mein Schreiben. Darum ist es mir auch immer wichtig, so viele Dinge wie möglich auszuprobieren, und wenn ich selbst keine Gelegenheit dazu habe, Menschen genau zu befragen, die sich damit auskennen.
Hier helfe ich zum Beispiel beim Schwimmbadbau. Das mache ich freiwillig, und ehrlich gesagt sogar richtig gerne. Okay, die Blasen an den Fingern sind ein bisschen lästig, aber die Stimmung ist gut. Jeder ist verschwitzt und staubig, und das schweißt irgendwie nicht nur symbolisch zusammen.
Die anderen witzeln schon, das nächste Buch könnte „Bibi und Tina auf dem Bau“ heißen. Wäre ja mal eine Alternative zum Bauernhof.

Mittwoch, 20. Juni 2018

Kabelsalat



Ladekabel und –geräte sehen in der Regel klein und unbedeutend aus, erst wenn man ohne sie unterwegs ist, erschließt sich einem ihre ganze Wichtigkeit. Ich brauche ein Ladekabel für mein Handy und ein anderes für mein E-Book, ich brauche ein Ladegerät für meinen Fotoapparat und eins für meinen Laptop, außerdem benötige ich ein Lesegerät für mein Homebanking und einen Extraadapter für meine Speicherkarte. Alle Ladegeräte sind zweckgebunden, keins ist kompatibel.
„Das ändert sich“, versichert mir mein Mann. „Eines Tages einigt man sich mit der Schnittstelle, und dann brauchst du nur noch ein einziges.“
Das halte ich für die genialste Erfindung der Welt.
Und dann gibt es tatsächlich diesen Zeitraum, in dem ich nur ein einziges Ladekabel benötige, das für mein Handy und meinen E-Book-Reader passt. Das lässt mich auf die Zukunft hoffen. Leider dauert meine Begeisterung nur kurz. Als ich ein neues Handy bekomme, haben sie das Ladekabel „weiterentwickelt“. Die Schnittstelle sieht jetzt etwas anders aus. Aber eben nur etwas. Dass ich das falsche Ladekabel eingesteckt habe, merke ich leider erst, als es den Praxistest nicht besteht. Da bleibt mal wieder nur der Gang ins nächste Elektronikgeschäft. So bleibt das Kabelwirrwarr unübersichtlich.

Sonntag, 17. Juni 2018

Soziale Netze



Wenn man so wenig zu Hause ist wie ich, ist immer die Angst da, dass das soziale Netz Löcher bekommt. Beziehungen zu Freunden und Nachbarn, erst recht zu der Familie sind für mich lebenswichtig. Daneben sind die sozialen Netze im Netz eine konstruierte Farce. Ich liebe den Kaffeeplausch mit der Familie im Garten, das Schwesterntreffen in meiner Heimatstadt, der gemeinsame Gang zum Friedhof, die langen Spaziergänge auf alten Wegen mit Freundinnen, der gemütliche Wein am Abend mit den Nachbarn. Auch bei diesem Treffen zu Hause bin ich wieder voll auf meine Kosten gekommen und fühle mich reich beschenkt dafür, dass sie alle noch da sind und sich Zeit für mich nehmen.  

Dienstag, 12. Juni 2018

Perspektivenwechsel



Wenn meine Männer aufeinander treffen, kommt eigentlich immer jemand mit einer neuen technischen Errungenschaft um die Ecke. Diesmal war es Nils mit seiner Drohne. Es ist schon beeindruckend, welche gestochen scharfe Bilder sie produziert, und genial ist auch, dass man die persönliche Welt mal aus einer anderen Perspektive sehen kann. Etwas mulmig wird mir allerdings, als die Drohne den Befehl erhält: „Umkreise diese Person“, und plötzlich wird man brummend von einer Drohne verfolgt. Wenn ich mir vorstelle, dass nun nur noch der Befehl folgen kann: „Und jetzt Schuss!“ …. Aber nein, ich schreibe ja keine Krimis. Noch nicht! Ideen dazu hätte ich.


Sonntag, 10. Juni 2018

Junikind



Der Juni ist mein Lieblingsmonat. Als Kind mochte ich den Monat vor allem, weil ich Geburtstag habe, das ist mir aber jetzt natürlich nicht mehr so wichtig. Doch fast immer habe ich an meinem Geburtstag schönes Wetter, es gibt Erdbeeren, (und zwar nicht diese treibhausgespritzten bitteren Dinger, sondern die echten sonnengereiften Früchte) und es blühen die Rosen.
In diesem Jahr überbot sich unser Garten an einer farbenfrohen Rosenpracht, wie noch nie zuvor. Wenn ich im Garten sitze, kann ich ein bisschen nachvollziehen, wie sich Dornröschen gefühlt hat.

Donnerstag, 7. Juni 2018

Nur zehn Minuten



 
Ich weiß selbst nicht, was mich dazu gebracht hat, mich in diesen Sessel zu setzen. Er sah so verführerisch aus – ein richtiger Breitarschsessel aus weichem Leder. 2 €, 10 Minuten stand darauf. Eigentlich ganz schön teuer, dachte ich erst, dann aber fiel mir ein, dass eine echte Massage teurer ist. Und da ich sowieso gerade zwei Euro klein hatte …
Erst als der Sessel meine Beine einklemmte, kamen mir die ersten Zweifel an meinem spontanen Entschluss.  Als dann aber ein Stab aus der Rückenmitte herausfuhr, und mir punktgenau die Wirbelsäule eindrückte, um dann einer schmerzenden Stelle so lange zu verweilen, bis ich kurz aufschrie, und den Kopf nach hinten warf, war ich mir sicher, dass ich das Geld besser in etwas anderes investiert hätte. Doch jetzt war es zu spät. Der Sessel klemmte nun nämlich auch meinen Kopf ein und trommelte auf meinem Hinterkopf herum. Ich plante meine Flucht, versuchte, der Beinumklammerung zu entkommen. Doch der Sessel schien das geahnt zu haben. Er begann nun mit einer sanfteren Massage. Erst als ich mich wieder entspannt zurückgelehnt hatte, umklammerte er erneut Beine und Kopf und rollte, klopfte und drückte meinen Rücken ab. Zehn Minuten können eine Ewigkeit sein.
Am Ende war ich völlig verspannt und durchgeschwitzt. Nächstes Mal kaufe ich mir für die zwei Euro doch besser ein Eis…

Freitag, 1. Juni 2018

Euronorm 5



 
Heute muss ich euch mit einer bitteren Wahrheit konfrontieren. Ich bin ein Stinker.  Ich fahre nämlich einen Diesel, und der bringt es gerade mal auf Euronorm 5. Ich belaste also die Luft mit Stickoxiden und bin schuld daran, dass die Luftverschmutzung weiter fortschreitet und wir alle früher oder später sterben werden.
Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass ich das nicht mit Absicht getan habe. Als ich mein Auto kaufte, war zwar der Diesel ins Gerede gekommen, aber ich hielt das für eine journalistische Panikmache, die sich genauso schnell wieder beruhigen würde, wie die Panikmache der Pädagogen über den Verlust der Kindheit, als die ersten Tamagotchis auf dem Markt auftauchten. Ich dachte auch, bevor die Sache mit den Fahrverboten wahr wird, denkt man vielleicht mal darüber nach, ob diese unbeschränkte Raserei auf den Autobahnen so umweltfreundlich ist. Und vielleicht gibt es ja ganz tief im Nachtschränkchen der Verkehrsminister sogar Pläne für den Ausbau des Nahverkehrs, in Kombination mit einer ganz neuen Verlässlichkeitserklärung der Deutschen Bahn zum Thema Pünktlichkeit und Service. Fehlanzeige. Leider.
Meine Naivität zum Thema Diesel wurde heute schwer bestraft. Ab jetzt darf ich die Stresemannstraße und die Max-Bauer-Allee in Hamburg nur noch in Teilabschnitten befahren. Gott sei Dank habe ich in der nächsten Zeit nicht vor, nach Hamburg zu fahren. Und da ich gar nicht weiß, wo die Stresemannstraße liegt, gehe ich mal davon aus, dass mich das Fahrverbot nur symbolisch trifft. Doch das soll erst der Anfang sein, wird mir gedroht. Was heute in Hamburg passiert, kann morgen schon in München, Berlin. Köln und schließlich auch in Bad Lippspringe geschehen. Und spätestens dann muss ich mich nach einer fahrbaren Alternative umschauen. 
Es wird mir keine andere Wahl bleiben, als meinen ursprünglich recht teuren Diesel für einen Ramschpreis an einen ukrainischen Autohändler zu verscherbeln und mir einen neuen Benziner zuzulegen. Vielleicht mal zur Abwechslung einen VW? Die waren ja nach dem Abgasskandal wieder gut im Geschäft.

Samstag, 26. Mai 2018

Morgens beim Brötchenverkauf



Morgens auf dem Campingplatz helfe ich meist beim Brötchenverkauf. Wir backen die Brötchen, die die Menschen einen Tag vorher bestellt haben, selbst. An diesem Tag holt sich ein Mann seine drei normalen Brötchen ab und kauft sich auch noch eine Berliner Morgenpost.
„Morgen wieder?“, frage ich.
„Bitte?“, erkundigt er sich höflich.
„Möchten Sie morgen wieder drei normale Brötchen?“, frage ich nach.
Er schaut mich etwas irritiert über den Rand seiner Zeitung an. „Das muss ich erst mit meiner Frau besprechen“, sagt er dann.

Montag, 21. Mai 2018

… war er noch so süß



Im Februar 2006 ist mein Buch „Im Chat war er noch so süß“ erschienen. Es wird seitdem immer noch regelmäßig in Schulen als Lektüre gelesen und hat sich insgesamt bis jetzt mehr als 200 000 mal verkauft. Obwohl die medientechnische Darstellung in dem Roman ziemlich veraltet ist, ist doch das Thema Internetmissbrauch leider immer noch brandaktuell.
Nun ist ein neuer Roman von mir erschienen, der das Thema Internetsicherheit erneut aufgreift, sich aber in medientechnischen Dingen aktualisiert hat. Soziale Netzwerke wie Tinder und Instragram lösen das Chatten in Loverooms ab, die Gefahr aber, die von der Anonymität des Internets ausgeht, ist geblieben.
Online war er noch so süß“ heißt der neue Roman in Anlehnung an den Titel von 2006. Er handelt von Madita, die endlich auch einen Freund haben will, und sich mit einem falschen Account bei Instagram auf die Suche macht.





Donnerstag, 17. Mai 2018

Alimentierter Messermann


Ich bemühe mich immer, es nicht als Provokation aufzufassen, wenn sich Politiker aller Welt zu irgendwelchen Gipfelgesprächen treffen, und zwischen all den dunkelbeanzugten Männern steht unsere Angela tapfer in einem farbigen Blazer und mit Raute zwischen den Händen.
„Die Hälfte der Menschen in dieser Welt sind Frauen“, sage ich mir dann immer. „Sie haben wahrscheinlich gerade nur etwas Wichtigeres zu tun, als zu diesem Gipfel zu fahren.“
Gestern aber in den Nachrichten, beim Bericht über die Bundestagsdebatte war das Rednerpult offenbar fest in Frauenhand. Nach AFD-Fraktionschefin Alice Weidel zeigten sie Angela Merkel, außerdem Andrea Nahles, Sarah Wagenknecht und Gesine Lötzsch. Man hatte das Gefühl, der Bundestag bestehe zu 90 % aus Frauen.
Vielleicht hatte man aber auch diese Ausschnitte gewählt, weil Frauen in der Regel bessere Reden halten können als Männer, sehen wir einmal von den peinlichen Wortschöpfungen ab, die Alice Weidel von sich gab.
Ehrlich gesagt kannte ich das Wort `alimentiert´ bisher nicht. Ich kenne Alimente und auch limitiert, ich kenne auch lamentieren und Legimitation, aber alimentiert …? Naja, man lernt ja nie aus.
Nur zu „Messer-Mann“ (wow! Diese Alliteration mit den beiden M! Welch eine Kreation!) habe ich eine klare Assoziation. Ich sehe Eddy den Scherenmann vor mir. Aber humorlos wie die AFD ist, hat sie den wahrscheinlich nicht gemeint.  

Dienstag, 15. Mai 2018

Schülerpost



Immer noch gehört es fast jeden Abend zu meinen beruflichen „Verpflichtungen“, dass ich Schülerpost beantworte. Und immer noch nehme ich mir die Zeit, jedem Schüler persönlich zu antworten. Zwar sind es oft nur ein paar Zeilen, die ich dem Schüler schreibe, und doch rede ich ihn mit seinem Namen an und nehme zu dem Brief Stellung, sodass er das Gefühl hat, sein Brief wurde gelesen und gewürdigt.
Als ehemalige Lehrerin weiß ich, wie wichtig genau diese persönlichen Antwortbriefe für die Schüler sind. Hin und wieder machen sich einige Lehrer auch die Mühe, sich noch einmal zu melden und gerührt schildern, wie überrascht und begeistert die Schüler auf meine Antwort reagiert haben. Das freut mich natürlich ganz besonders.
Lange Zeit habe ich nur Briefe von Sekundarschülern bekommen, seit ich aber auch für die Grundschule schreibe, bekomme ich auch Briefe von Kindern – vom Inhalt her oft nicht so differenziert, aber immer mit sauberer Handschrift, süßen Bildern, Stickern und Fotos. Ich freue mich über alle diese Briefe, und sie motivieren mich bei meiner Arbeit sehr.