Dienstag, 19. November 2019

Freundschaft




„Ein Freund ist jemand, der alles von dir weiß, und dich trotzdem lieb hat.“
Dieses Zitat liebe ich sehr. Freundschaften sind mir unglaublich wichtig. Vor allem, wenn man, wie ich, in einer sehr männerdominierenden Familie lebt, sind gute Freundinnen unerlässlich.
Die Freundschaften, die ich pflege, haben oft eine lange Geschichte und tiefe Wurzeln. Selbst wenn wir uns eine Zeitlang nicht gesehen haben, ist die Vertrautheit auf der Stelle wieder da. Bei diesen Treffen finden all die Klassiker statt, die man aus diesen typischen Frauenfilmen kennt: Lange Spaziergänge durch Täler und Wälder, die schnelle Abendrunde um den Pudding, der gute Rotwein auf dem Sofa, das Essen beim Lieblingsitaliener und diese typischen Klischee-Fraueneinkäufe: Zwei Umkleidekabinen nebeneinander, kritische Blicke, Kopfschütten oder Begeisterungsschreie und zuletzt gut gefüllte Einkaufstüten. 

Dienstag, 12. November 2019

Gespräch am Abend

Ich: Weißt du, was mir heute passiert ist?
Er: …
Ich: Wir haben doch gestern über Bitcoins geredet …
Er: …
Ich: Und in dieser Nacht habe ich eine Werbemail über Bitcoins gekriegt.
Er: …
Ich: Findest du das nicht komisch?
Er: Nö.
Ich: Meinst du, mein Handy hört mich ab?
Er: Klar.
Ich: Wieso sagst du das? Ist dir so was auch schon mal passiert?
Er: Nö. Ich rede ja nicht so viel.
Ich: …


Samstag, 9. November 2019

30 Jahre Mauerfall



Wie haben Sie den Fall der Mauer erlebt? Diese Frage wird im Moment oft in den Medien gestellt. Zeitzeugen erinnern sich in Ausstellungen und Talkshows.
Ich komme als Zeitzeuge nicht in Frage. Den Mauerfall erlebte ich zwischen Bügelwäsche und Windelbergen vor dem Fernseher, blickte fassungslos auf Momente, in denen sich Menschen die Hände durch den Stacheldraht reichten oder auf der Mauer tanzten. Es war für alle ein unglaublicher schwindelerregender Moment.
Persönlich war ich gerade in einer völlig anderen Phase. Meine Mutter war ein halbes Jahr vorher plötzlich und unerwartet gestorben, und sie fehlte mir so. Unser drittes Kind war geboren, war sehr krank und musste mehrfach operiert werden. Mein Tag war voller Sorgen und übervoll mit Arbeit. Diese großen Gefühle nach Freiheit und Freude in Ost und West standen im großen Kontrast zu meiner persönlichen Befindlichkeit. Meine Welt war klein geworden, beschränkte sich auf das Haus, die Schule und den Wohnort.
So wurde auch für mich dieser Moment der Grenzöffnung erst viel später persönlich bedeutsam.
Mittlerweile pendele ich seit einigen Jahren regelmäßig zwischen West und Ost hin und her. Immer aber wird in Helmstedt die Grenze bewusst,  die unser Land so lange Zeit in zwei Teile teilte.   

Dienstag, 5. November 2019

Goldene Konfirmation



„Goldene Konfirmation? Da würde ich ja niemals hingehen. Ich kann mich überhaupt nicht an meine Konfirmation erinnern. Geschweige denn daran, wer in meiner Gruppe war“, so ein Freund.
Mir geht es anders. Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, an dem ich konfirmiert wurde. Es war der 4. Mai 1969, ein sonniger Frühlingstag, an dem wir alle ziemlich in unseren schwarzen Kleidern und Anzügen schwitzten – und nicht nur, weil die Sonne schien.
Jaja, damals wurde man noch in Schwarz konfirmiert, und wenn ich mir das Foto anschaue, das vor unserer Kirche gemacht wurde, sehen wir alle ein bisschen aus wie unsere eigenen Mütter und Väter.
Nun liegt die Einladung zur Goldenen Konfirmation vor, und ich weiß sofort, dass ich dahin möchte, nach Minden in die Petrikirche, um das Fest zu feiern, die anderen wieder zu sehen, aber auch, um mal wieder in einem Gottesdienst zu sitzen.


Jetzt ist es November, 50 Jahre später, aber auch dieser Tag ist sonnig und mild. Von unserer damals neunzehnköpfigen Gruppe haben sich sieben eingefunden. Auch der Pastor, der uns damals konfirmierte, hat es sich nicht nehmen lassen, uns an diesem Tag mit seinem Segen zu begleiten.
Die Kirche hat sich von einem düsteren Gotteshaus in einen hellen gemütlichen Vortragsraum verwandelt. Nur der Gottesdienstablauf ist unverändert – mit Orgel, Gebeten, viel Singen und einer guten Predigt. Meine Familie gehörte der evangelisch reformierten Gemeinde an, eine Abspaltung der Evangelischen Kirche, die sich ungefähr vom Evangelischen so verhält, wie Nussschololade zu Mandel-Vollmilch-Schokolade, für den einen ein großer Unterschied, für den anderen egal - Hauptsache Schokolade. Aber diese Gemeinde ist durch das Reformiert-Sein eine Besonderheit in Minden. Sie ist recht klein und hat einen großen Einzugsbereich. Das machte es vielleicht aus, dass man besonders zusammen hält. Viele meiner Mitkonfirmanden haben mich jedenfalls ein längeres Stück meines Lebens begleitet.
So ist auch das Wiedersehen ein bisschen wie ein Klassentreffen. Wir freuen uns, einander wieder zu sehen, erinnern uns an alte Zeiten, tauschen gute Gedanken aus und sind uns so vertraut, wie es Menschen sind, die eine gemeinsame Lebensgeschichte teilen.  
Ich genieße den Tag und nehme mir vor, viel häufiger mal wieder nach Minden zu fahren, endlich mal wieder einen Gottesdienst zu besuchen und vielleicht mal wieder in einem Chor zu singen.
Danke an alle, die dieses Treffen ermöglicht haben!



Samstag, 2. November 2019

Die Droste


In Paderborn im Stadtmuseum gibt es schon seit einiger Zeit eine Sonderausstellung über Annette von Droste-Hülshoff, die ich schon längst mal besuchen wollte. 
Mit Annette habe ich mich immer verbunden gefühlt, allein durch den Vornamen. Aber sie kommt eben auch aus Westfalen und ist viel durch das Paderborner Land gereist, um ihre ganze große Sippe zu besuchen. Viele Gründe also, um endlich mal mehr über die Frau kennen zu lernen, von der ich die Judenbuche und den Knaben im Moor in der Schule gelesen hatte.
Immer wenn ich mal wieder in einem Museum bin, bin ich begeistert, wie interaktiv und spannend die geworden sind. Man erlebt echte Events.
Auch diese Ausstellung war wunderbar aufbereitet. Man wurde angehalten, Zitate zu suchen und zu sammeln, man hatte die Möglichkeit, sich Gedichte vorlesen zu lassen und man konnte die Landschaften begehen, durch die sie gereist war. Zwischendurch gab es ungewöhnliche Exponate wie diese Textseite, mit einer klitzekleinen Handschrift geschrieben, damit Papier gespart wurde.

„Die Zeit läuft so schnell und immer Confuser – daran sind die Eisenbahnen Schuld – man kommt auseinander, leiblich und geistig. – Gottlob, daß das Hangen an Erinnerungen mit den Jahren zunimmt, sonst müßte es eine schreckliche Zerfahrenheit geben.“
Danke, Annette. Das hätte ich auch nicht besser ausdrücken können! Du wusstest allerdings damals noch nicht, dass das Auto für noch größere Zerfahrenheit sorgen kann. Und das Flugzeug erst…




Donnerstag, 31. Oktober 2019

Kinderspiele



Mittlerweile entwickele ich mich zur Lego- und Playmobilexpertin, und ich muss sagen, dass ich schwer beeindruckt bin, wie sich das Spielzeug verändert hat. Besonders bei den Lego-Bauanleitungen haben sie offenbar einen Pädagogen hinzu gezogen. Die sind so klar und einfach, dass Kinder tatsächlich schon ganz früh selbständig damit was anfangen können. (Vielleicht sollte Ikea mal bei Lego eine Fortbildung machen.)
Bei Playmobil hat sich die Liebe zum Detail durchgesetzt. Das Krankenhaus ist bis in die kleinste Finesse ausgearbeitet: OP-Liege, Ultraschallgerät mit Sinuskurve, sogar Skalpell und Mundschutz liegen bereit. Der Nachteil ist nur, dass man jetzt lange in der Spielzeugkiste wühlen muss, wenn die Puppe einen Gipsverband haben muss, statt einfach nur so zu tun als ob.
Auch bei der Schuleinrichtung ist alles da: Arbeitsblätter, Schwamm, Kreide, Tafel… Stutzig werde ich nur beim Tafelanschrieb. Pythagoras – schon in der Grundschule? Naja, ist vielleicht eine Schule für Hochbegabte.    

Samstag, 26. Oktober 2019

Selfpublishing oder Verlag



Soll man sein Manuskript selfpublishen oder sich einen Verlag suchen? Vor dieser Entscheidung steht man oft gar nicht. Die Suche nach einem Verlag kann nämlich Jahre dauern und ist oft unendlich frustig. Die Verlage sind so sehr mit Manuskripten eingedeckt, dass man eine endlose Zeit warten muss. So bedeutet ein Schweigen über mehr als drei Monate letztendlich „Nein“, ohne dass man eine Absage bekommen hat.
Mit dem Selfpublishing hat sich seit einigen Jahren eine neue Alternative aufgetan hat. Plötzlich hat man das Schicksal seiner Bücher wieder in der Hand. Natürlich ist es nicht einfach, sich in der riesigen Konkurrenz im Selfpublishing einen Namen zu machen und sich zu etablieren, aber man hat wenigstens die Chance dazu.
Seit einigen Jahren praktiziere ich beides, und seitdem hat mein Autorenleben  ganz neuen Schwung bekommen. Ich kann es nicht gut aushalten, in Dauerschleifen gedrängt und zum Warten verdammt zu werden. Dazu schreibe ich viel zu gerne. Es gibt auch Themen und Ideen, von denen ich total überzeugt bin, und es macht mich mürbe, wenn ich andere erst lange davon überzeugen muss.
Beim Selfpublishing gibt es nur eine Instanz: Die Leser. Sie zu überzeugen ist natürlich im Dschungel der Millionen anderer Bücher nicht so einfach, doch auch dafür ist man selbst verantwortlich, und auch das liebe ich. Natürlich bin ich nicht so blauäugig, zu sehen, dass eine riesige Plattform wie amazon oder Thalia von der Hoffnung der Autoren gut lebt. Natürlich sehe ich auch, dass sich die Autoren untereinander das Wasser abgraben, indem sie ihre Arbeit für wenig Geld oder sogar kostenlos zur Verfügung stellen. Aber wer hat gesagt, dass das Autorenleben einfach ist? Freiheit bedeutet ja, dass auch andere sie für sich in Anspruch nehmen.

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Lieblingsplätze



Jeder Mensch hat diese Lieblingsplätze, an denen er gerne sitzt, um Kraft zu tanken und die Sonnenstrahlen in sein Herz zu lassen. Meiner ist dieser hier.









Sonntag, 20. Oktober 2019

Buchmesse an einem Donnerstag


 

Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man an einem Donnerstag oder an einem Samstag zur Buchmesse fährt. Der große Unterschied besteht vor allem darin, dass man die Bücher sehen kann, die ausgestellt werden, und nicht von den Menschenmassen fremdbestimmt durch die Halle geschoben wird.
Ich kann sagen, es gibt wirklich wunderschöne Bücher, und sie wurden überall so liebevoll präsentiert. Es gab nur einen klitzekleinen Nachteil: Die wenigsten dieser Bücher waren von mir ; ))
Immerhin, ich habe es genossen, hier in Frankfurt zu sein, und buchmesseerfahren, wie ich mittlerweile bin, habe ich auf bequeme Schuhe, Zwiebelpellklamotten und einen leichten Rucksack geachtet.
In der Mittagspause hatte ich Zeit, ein paar liebe Kolleginnen meines Kinder- und Jugendbuchforums kennen zu lernen. Das war ein echtes Highlight.
Außerdem hatte ich nette Gespräche am Stand bei Piper – und Zeit für ein Selfie gab es auch noch.


Freitag, 18. Oktober 2019

Das Private im Zugabteil


CO² hin oder her, Klima, ja oder nein, ich gestehe, dass aus mir leider wohl nie ein überzeugter Bahnfahrer wird. Das ist mir gestern auf der langen Bahnstrecke zur Buchmesse nach Frankfurt noch einmal klar geworden.  Im Prinzip ist es ja viel chilliger, im Zugabteil zu sitzen und ein Buch zu lesen oder die Welt an sich vorüber ziehen zu lassen. Eigentlich. Jedenfalls wenn man nicht mit Bahnverspätungen oder Gleisverschiebungen zu rechnen hat.
Gestern ging bei mir bahnmäßig alles glatt … aber trotzdem: Chillig sieht anders aus. Das liegt vor allem daran, dass man so viele so seltsame Menschen um sich herum akzeptieren muss, mit denen man eigentlich nicht in einem Raum sein möchte. Die Abteile des ICEs sind meist bis auf den letzten Platz besetzt. Jeder sitzt ziemlich eng neben jedem, und trotzdem tut jeder so, als befinde er ganz privat auf einer Insel. Der Mann neben mir schnarchte laut, der Mann mir gegenüber telefonierte sehr persönlich und wortgewaltig. Eine Frau schminkte sich die Wimpern und feilte sich anschließend die Nägel. (Freundlicher Weise schnitt sie sich nicht noch die Fußnägel, ich hatte schon Angst.) Und dann aß die Frau auf der anderen Seite von mir eine Banane. Eine ziemlich braune, ziemlich nach Banane riechende Banane. Anschließend wusste sie nicht, wohin mit der Schale und quetschte sie in das Netz vor sich, wo sie erbarmungslos weiter nach Banane roch.
Okay, ich hätte jetzt Kopfhörer aufsetzen und in eine Parallelwelt abdriften können, aber warum muss ich abtauchen? Warum kann sich die Welt um mich herum sich nicht einfach normal benehmen? Niemand käme bei einer persönlichen Begegnung auf die Idee, sich die Nägel zu feilen oder eine Banane zu essen? Warum macht man das immer in der Bahn.
Ich jedenfalls dachte sehnsüchtig an meine Autofahrten, Kaffeeduft statt Banane und flotte Mukke statt Nagelschrappen. Sein wir mal ehrlich: Das isses!

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Parallelwelt



Gestern verbrachte ich einen längeren Teil meines Nachmittages beim Frauenarzt, nicht weil ich krank war, sondern weil ich seit meiner Krebserkrankung immer noch engmaschig kontrolliert werde. Ich bin froh, dass das so ist, denn das nimmt dem vielleicht entstehenden Tumor die Chance, groß zu werden. So nehme ich mit einem leisen Seufzen hin, dass die Praxis des Arztes sehr überlaufen ist und ich trotz Termin immer lange warten muss.
Heutzutage ist der Besuch beim Frauenarzt eine Familienangelegenheit geworden. Schwangere Frauen nehmen ihre Partner mit, junge Mädchen ihre Mütter, außerdem sind jede Menge Kinder im Wartezimmer mit dabei, fahren Bobbycar oder bauen mit den Holzklötzen hohe Türme. Ich finde das toll, aber es ist eben auch ein ziemlicher Wirbel in der Bude. Konzentriert eine Zeitschrift zu lesen ist jedenfalls nicht drin, sodass ich euch nicht darüber informieren kann, ob Dieter Bohlen was mit Queen Elisabeth hat oder ob sich der Hund von Heidi Klum in den Kanarienvogel von Justin Bieber verliebt hat.
Ich tauchte in die Parallelwelt meines Handys ab, lud mir ein paar Fotobearbeitungsapps runter und stylte ein paar Fotos von mir auf. Viel Spaß beim Gucken!






Dienstag, 15. Oktober 2019

Reingelegt



Wisst ihr eigentlich, dass ihr mir dieses schöne Wetter zu verdanken habt? Gartenstühle in den Keller getragen, Winterreifen aufgezogen … da kann die Sonne doch nur lachen.

Montag, 14. Oktober 2019

Buchmessenwoche



In dieser Woche öffnet die Frankfurter Buchmesse mal wieder ihre Türen, und diesmal bin ich auch dabei. Ich habe ein paar schöne Termine, außerdem ein Treffen mit ein paar Autorenkollegen aus dem  Schreibwelt-Forum“.
In dieser Woche fahre ich an einem Donnerstag dahin. Dann ist die Buchmesse nur für Fachbesucher geöffnet, und wir „Fachbesucher“ haben das Privileg, mal die Bücher hinter den Menschenmassen zu entdecken und auf den Rolltreppen voranzukommen.
Ich freue mich auf den Tag, auch wenn es für mich immer ein Mammut-Tag ist. Die Fahrkarte ist gekauft, die Eintrittskarte heruntergeladen, jetzt noch bequeme Schuhe und Zwiebellook heraussuchen - was Warmes für die Zugfahrt, Sommerklamotten für die dicke Luft in den Hallen – dann … Frankfurt ich komme!



Dienstag, 8. Oktober 2019

Lesung in Kamenz



In diesem Jahr bin ich nur noch zu wenigen Lesungen unterwegs. Diese Lesung in Kamenz aber habe ich mir nicht entgehen lassen. Es war nämlich meine erste Lesung in Sachsen!


Frau Pröhl vom Mobilen Jugendschutz hatte mich zu einer Veranstaltung zum Thema Sucht und Medien eingeladen, wo ich in einer Morgenveranstaltung für Schüler und in einer Abendveranstaltung für Eltern lesen sollte.


Die Schüler waren aufmerksam und hatten kluge Fragen, und auch die Abendveranstaltung war lebendig und interessant. Ich habe mich auch gefreut, dass ich zusätzlich von einem Musiker (Timotheus Krause) unterstützt wurde.
Ganz besonders toll war auch die liebevolle Betreuung, die ich erleben durfte. Die Leiterin der Stadtbibliothek Monika Kutter lud mich zu einem Spaziergang durch Kamenz ein, einem bildhübschen Städtchen, in der jeder jeden zu kennen schien. So durften wir Türme besteigen und Kirchen besichtigen, die an diesem Montag eigentlich geschlossen waren.




Mein Autoren-Kollege Gotthold Ephraim Lessing kam übrigens aus Kamenz, und er begegnete mir ebenfalls überall in dieser Stadt, allerdings überwiegend als Statue oder Gedenktafel. So musste er nicht erfahren, dass ich mich bei seinem „Lustspiel“ Minna von Barnhelm in der Schule zu Tode gelangweilt habe.
Zuletzt bekam ich aber ein wunderschönes Fotobuch „Lessing nachgereist“ geschenkt. Vielleicht können wir uns auf dem Wege ja noch annähern, der Lessing und ich!

Freitag, 4. Oktober 2019

Alternative



Eigentlich wollten Enkelin Clara und ich heute Pilze suchen gehen. Wir fanden kleine, aber es war trotzdem ein erfolgreicher Tag.


Dienstag, 1. Oktober 2019

Sogwirkung



Wenn das Buch auf die letzten Seiten zugeht, entwickelt es seinen eigenen Sog. Dann will es fertig werden, und ich habe Mühe, mit seinem Tempo mitzukommen. Ich schreibe und schreibe, versuche, die Schmerzen im Arm zu ignorieren, die mir zeigen wollen, dass ich eine Pause brauche. Die Angst packt mich. Ob ich es schaffe, alle Fäden zusammen zu führen? Ob es sich rundet und zu einem guten Ausklang kommt.?
Und dann ist es geschafft.
Stille.
Abschied.
Einsamkeit.

Dienstag, 24. September 2019

Wehmut



Es ist traurig, wenn man sich von einer großartigen pädagogischen Idee verabschiedet und erkennen muss, dass sie nur einer kleinen Gruppe an Lehrern bedeutsam war, die Mehrheit aber nicht erreichte. Vor 30 Jahren entdeckte ich die Gestaltpädagogik für mich, war viele Jahre lang Teil einer Ausbildungsgruppe, besuchte Fortbildungen und Tagungen.
Nun sitzen wir alle wieder im Kreis zusammen, ein kleines Grüppchen nur noch, und betrachten einander. Ich sehe meine Falten in den Gesichtern der anderen. Wir sind alle zusammen älter geworden, und bevor unsere Gruppe zum Treffen rund um die Feuerzangenbowle mutiert, nehmen wir Abschied. Wir trennen uns nicht nur voneinander sondern auch von der Tatsache, dass wir andere nicht überzeugen konnten, dass diese pädagogische Entwicklung einzigartig war. Jede Generation hat ein Recht auf ihre eigenen Ideen.
So mischt sich Wehmut und Dankbarkeit in die Abschiedsrunde. Die Gestalt ist uns allen über lange Zeit Heimat und Familie gewesen. Für mich war sie lebensbestimmend, hat vieles in mir und um mich herum verändert und geholfen, dass ich mich und andere klarer wahrnehmen kann und gelernt habe, meine persönlichen Ressourcen und Potentiale zu entfalten. Die Tagungen werden mir fehlen, aber die Freundschaften und Beziehungen werden bleiben, und die Gestaltpädagogik wird natürlich immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Donnerstag, 19. September 2019

Nur drei Worte



Frage: Welches sind die schönsten drei Worte der Welt, wenn nach einer ziemlich kühlen Nacht die Heizung ausgefallen ist?
Antwort: „Kriegen wir hin.“
(Worte des Heizungsinstallateurs)


Sonntag, 15. September 2019

Kriminell gute Logicals



 
Großes Ganoventreffen im Hotel. Wer ist gekommen?
Inspektor Bruno Bärenklau schleicht auf dem Parkplatz auf und ab und betrachtet die Limousinen:
Karoline Kluge steht eigentlich auf rote Autos, aber diesmal ist sie auf einen schwarzen Pickup umgestiegen.
Willi kommt mit seinem dicken BMW nie in die Parklücke und steht ganz am Ende, direkt neben der Hecke.
Susi Schlaumeier und Benno Blomberg mögen sich gerne und stehen auch nebeneinander.
Susis Mann ist Vertreter für Maserati, darum fährt auch seine Frau einen goldenen.
Bennos Käfer steht ganz vorne am Eingang.
Willi und Benno fahren einen grünen Wagen.

Zugegeben, als ich den Auftrag zu diesen Logicals vom Auer-Verlag bekam, hätte ich beinahe abgewinkt. Ich bin nämlich überhaupt nicht gut darin, solche Sachen zu lösen. Wie soll ich dann so etwas schreiben? Aber die Lektorin machte mir Mut und gab mir ein paar gute Tipps an die Hand, wie man erstens so etwas löst und zweitens so etwas schreibt. Und wenn man einmal kapiert hat, wie es geht, macht es riesigen Spaß.
Aber es ist natürlich auch eine große Lesemotivation für Schüler, weil die Leseleistung nicht so groß sein muss und man trotzdem schnelle Erfolge hat. Um aber für gute und schwächere Schüler zu differenzieren, gibt es in diesem Buch auch einfachere und schwierigere Fälle zu lösen. Viel Spaß also bei den steinreichen Ladys, die ihre Diamanten verstecken, bei den Gangstern, die versuchen, sich ein Alibi zu verschaffen oder bei der Verfolgungsjagd über die Autobahn.

Dienstag, 10. September 2019

Der Lehrermangel und ich



Nun ist es raus. 26 000 Lehrer fehlen an deutschen Grundschulen. Um dem Lehrermangel Herr zu werden, werden auch Dachdecker und Reisekauffrauen eingestellt, so die Nachrichten. Hauptsache, vorne vor der Klasse steht jemand.
„Es hilft nichts“, sage ich zu meiner Freundin Rita. „Unser Land braucht uns jetzt. Wir müssen wieder zurück an die Kreide!“
„Jau“, sagt Rita und lacht schallend. „Das wär`s wohl noch!“
Rita und mich verbinden einige gemeinsames Schicksale: Wir haben den Referendardienst zusammen gemacht, eine harte Zeit, in der wir damals immer wieder zu spüren bekamen, dass nur die besten von uns in den Schuldienst kommen würden. Und tatsächlich wurde nach uns eine ganze Generation an Lehrern einfach vergessen und umgeschult.
Wir hatten das riesige Glück, bei dem Einstellungsschwung dabei zu sein, hatten aber keine Wahl und trafen uns an einer Brennpunktschule im Duisburger Norden wieder. Auf unsere persönlichen Wünsche, in der Nähe von Familie und Freunden zu leben, wurde keine Rücksicht genommen. So genau nimmt der Staat dann die Fürsorgepflicht doch nicht.
Aber alles ist ja bekanntlich zu etwas gut, und so haben wir natürlich aus dieser Zeit viel mitgenommen, vor allem aber, dass es Situationen, Familien und Kinder gibt, die wir uns vorher in unserem gut behüteten Leben nicht vorstellen konnten.
Das Unterrichten und das Arbeiten mit den Kindern hat uns immer Spaß gemacht, aber der Druck und die Kontrolle waren ständige Begleiter des Schuldienstes. Dazu kamen ständig wechselnde Programme und Projekte, mit denen wir zu beweisen hatten, dass wir Lehrer keine faulen Säcke sind, die nur auf die Ferien warteten. Unpädagogische Vergleichsarbeiten, stetige Mehrbelastungen und ewige Kontrolle konnten einem jede Freude an der Arbeit nehmen – ach ja, ich habe vergessen zu erwähnen, dass das Gehalt natürlich nie gestiegen ist, obwohl wir noch zusätzlich den Job der Förderlehrer übernehmen mussten.
Nun denn, das war sicherlich nicht der Grund für mich, aus dem Beruf auszusteigen, vielmehr war es eher die Feststellung, dass der Beruf als Autor der Schönere und vor allem Freiere war.
Wenn ich mal einen Tipp zur Beseitigung des Lehrermangels abgeben darf: Angemessene Bezahlung und Gleichstellung der Lehrer aller Bundesländer wäre schon mal ein guter Anfang. Und ein bisschen mehr Respekt auf der einen und Fürsorge auf der anderen Seite können auch nicht schaden.

Samstag, 7. September 2019

Foto-Shoppen in Lemgo



Lemgo ist der Ort, der in meinem Personalausweis als Geburtsort angegeben wird, und so wird er mir auch als Heimat zugerechnet. Tatsächlich aber habe ich hier nur wenige Jahre gelebt, bis zu meinem dritten Lebensjahr -  und an diese Zeit erinnere ich mich nicht wirklich - und die Zeit um mein Abitur herum, die nicht besonders einfach war. Lemgo ist aber die Heimat meiner Eltern, die hier aufwuchsen und hier auch beerdigt wurden. Ganz besonders aber ist sie die Heimat meines Vaters, der hier so gerne lebte.




Lemgo ist schön, und obwohl die Stadt klein und übersichtlich ist, ist sie lebendig mit hübschen Geschäften, alten Fachwerkhäusern und kleinen Gassen. Ich habe wenig Zeit, und doch lasse ich es mir nicht nehmen, durch die vertrauten Straßen der Innenstadt zu spazieren und aus neuen Perspektiven zu fotografieren. Nur das Rathaus kenne ich aus allem möglichen Postkarten und Bildbänden genau so, wie es auf meinem Foto ist. Das ist das Schöne an historischen Gebäuden: Sie ändern sich nicht – werden nur hin und wieder verschönert. 

Donnerstag, 5. September 2019

Recherche



Es gibt ihn tatsächlich, diesen klitzekleinen Ort, in dem meine neuste Geschichte spielt: Hohensonne, ein Ort im Nord-Osten Lippes an der Grenze zu Niedersachsen. Ich gehe ein kleines Stück spazieren und ernte freundlich verwunderte Blicke der Dorfbewohner. Gäste sind hier nicht unerwünscht, aber selten. Trotzdem hat man für Besucher, aber auch für sich selbst, ganz besondere Bänke aufgestellt, die einen wunderschönen Ausblick ermöglichen.