Sonntag, 17. Juni 2018

Soziale Netze



Wenn man so wenig zu Hause ist wie ich, ist immer die Angst da, dass das soziale Netz Löcher bekommt. Beziehungen zu Freunden und Nachbarn, erst recht zu der Familie sind für mich lebenswichtig. Daneben sind die sozialen Netze im Netz eine konstruierte Farce. Ich liebe den Kaffeeplausch mit der Familie im Garten, das Schwesterntreffen in meiner Heimatstadt, der gemeinsame Gang zum Friedhof, die langen Spaziergänge auf alten Wegen mit Freundinnen, der gemütliche Wein am Abend mit den Nachbarn. Auch bei diesem Treffen zu Hause bin ich wieder voll auf meine Kosten gekommen und fühle mich reich beschenkt dafür, dass sie alle noch da sind und sich Zeit für mich nehmen.  

Dienstag, 12. Juni 2018

Perspektivenwechsel



Wenn meine Männer aufeinander treffen, kommt eigentlich immer jemand mit einer neuen technischen Errungenschaft um die Ecke. Diesmal war es Nils mit seiner Drohne. Es ist schon beeindruckend, welche gestochen scharfe Bilder sie produziert, und genial ist auch, dass man die persönliche Welt mal aus einer anderen Perspektive sehen kann. Etwas mulmig wird mir allerdings, als die Drohne den Befehl erhält: „Umkreise diese Person“, und plötzlich wird man brummend von einer Drohne verfolgt. Wenn ich mir vorstelle, dass nun nur noch der Befehl folgen kann: „Und jetzt Schuss!“ …. Aber nein, ich schreibe ja keine Krimis. Noch nicht! Ideen dazu hätte ich.


Sonntag, 10. Juni 2018

Junikind



Der Juni ist mein Lieblingsmonat. Als Kind mochte ich den Monat vor allem, weil ich Geburtstag habe, das ist mir aber jetzt natürlich nicht mehr so wichtig. Doch fast immer habe ich an meinem Geburtstag schönes Wetter, es gibt Erdbeeren, (und zwar nicht diese treibhausgespritzten bitteren Dinger, sondern die echten sonnengereiften Früchte) und es blühen die Rosen.
In diesem Jahr überbot sich unser Garten an einer farbenfrohen Rosenpracht, wie noch nie zuvor. Wenn ich im Garten sitze, kann ich ein bisschen nachvollziehen, wie sich Dornröschen gefühlt hat.

Donnerstag, 7. Juni 2018

Nur zehn Minuten



 
Ich weiß selbst nicht, was mich dazu gebracht hat, mich in diesen Sessel zu setzen. Er sah so verführerisch aus – ein richtiger Breitarschsessel aus weichem Leder. 2 €, 10 Minuten stand darauf. Eigentlich ganz schön teuer, dachte ich erst, dann aber fiel mir ein, dass eine echte Massage teurer ist. Und da ich sowieso gerade zwei Euro klein hatte …
Erst als der Sessel meine Beine einklemmte, kamen mir die ersten Zweifel an meinem spontanen Entschluss.  Als dann aber ein Stab aus der Rückenmitte herausfuhr, und mir punktgenau die Wirbelsäule eindrückte, um dann einer schmerzenden Stelle so lange zu verweilen, bis ich kurz aufschrie, und den Kopf nach hinten warf, war ich mir sicher, dass ich das Geld besser in etwas anderes investiert hätte. Doch jetzt war es zu spät. Der Sessel klemmte nun nämlich auch meinen Kopf ein und trommelte auf meinem Hinterkopf herum. Ich plante meine Flucht, versuchte, der Beinumklammerung zu entkommen. Doch der Sessel schien das geahnt zu haben. Er begann nun mit einer sanfteren Massage. Erst als ich mich wieder entspannt zurückgelehnt hatte, umklammerte er erneut Beine und Kopf und rollte, klopfte und drückte meinen Rücken ab. Zehn Minuten können eine Ewigkeit sein.
Am Ende war ich völlig verspannt und durchgeschwitzt. Nächstes Mal kaufe ich mir für die zwei Euro doch besser ein Eis…

Freitag, 1. Juni 2018

Euronorm 5



 
Heute muss ich euch mit einer bitteren Wahrheit konfrontieren. Ich bin ein Stinker.  Ich fahre nämlich einen Diesel, und der bringt es gerade mal auf Euronorm 5. Ich belaste also die Luft mit Stickoxiden und bin schuld daran, dass die Luftverschmutzung weiter fortschreitet und wir alle früher oder später sterben werden.
Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass ich das nicht mit Absicht getan habe. Als ich mein Auto kaufte, war zwar der Diesel ins Gerede gekommen, aber ich hielt das für eine journalistische Panikmache, die sich genauso schnell wieder beruhigen würde, wie die Panikmache der Pädagogen über den Verlust der Kindheit, als die ersten Tamagotchis auf dem Markt auftauchten. Ich dachte auch, bevor die Sache mit den Fahrverboten wahr wird, denkt man vielleicht mal darüber nach, ob diese unbeschränkte Raserei auf den Autobahnen so umweltfreundlich ist. Und vielleicht gibt es ja ganz tief im Nachtschränkchen der Verkehrsminister sogar Pläne für den Ausbau des Nahverkehrs, in Kombination mit einer ganz neuen Verlässlichkeitserklärung der Deutschen Bahn zum Thema Pünktlichkeit und Service. Fehlanzeige. Leider.
Meine Naivität zum Thema Diesel wurde heute schwer bestraft. Ab jetzt darf ich die Stresemannstraße und die Max-Bauer-Allee in Hamburg nur noch in Teilabschnitten befahren. Gott sei Dank habe ich in der nächsten Zeit nicht vor, nach Hamburg zu fahren. Und da ich gar nicht weiß, wo die Stresemannstraße liegt, gehe ich mal davon aus, dass mich das Fahrverbot nur symbolisch trifft. Doch das soll erst der Anfang sein, wird mir gedroht. Was heute in Hamburg passiert, kann morgen schon in München, Berlin. Köln und schließlich auch in Bad Lippspringe geschehen. Und spätestens dann muss ich mich nach einer fahrbaren Alternative umschauen. 
Es wird mir keine andere Wahl bleiben, als meinen ursprünglich recht teuren Diesel für einen Ramschpreis an einen ukrainischen Autohändler zu verscherbeln und mir einen neuen Benziner zuzulegen. Vielleicht mal zur Abwechslung einen VW? Die waren ja nach dem Abgasskandal wieder gut im Geschäft.