Montag, 23. November 2020

Ein bisschen unheimlich

 




Friedhöfe sind schöne, friedliche und stille Orte, an denen man Platz für seine Trauer hat und Trost findet. Friedhöfe haben aber auch immer etwas Geheimnisvolles und Mystisches an sich, sie können sogar manchmal ein wenig unheimlich sein.

Meine Eltern haben auf einem Friedhof in Lemgo einen wunderbaren Platz für ihre letzte Ruhe gefunden, am Waldrand, in der Nähe dicker Eichenbäume, aber auch mit Blick auf ein weites Tal. Ich besuche sie hier gerne.

Ende Oktober, am Todestag meines Vaters, war ich beim Grab meiner Eltern, brachte ihnen Blumen und blieb eine Weile bei ihnen. Das Grab war schön, der Grabstein glänzte in der Sonne, und ich schickte ein Foto an meine Schwestern als lieben Gruß.

Am Totensonntag besuchte meine Schwester das Grab. Auch sie fand es schön und blumenreich vor, dann allerdings kroch ihr einen Schauer über den Rücken. Der Schriftzug meines Vaters war fast verschwunden. Fast sah es aus, als habe jemand versucht, ihn mit einer Bürste auszuwischen.

Das war unheimlich, vor allem mit Blick auf die Tatsache, dass es noch vor zwei Wochen so anders ausgesehen hatte. Sie fragte bei der Friedhofsverwaltung nach, ob es manchmal vorkommt, dass sich jemand an Grabsteinen zu schaffen macht, aber die kannten keinen solchen Fall. Noch nicht mal die Situation, dass Blumen gestohlen worden wären, hätte es jemals gegeben, versicherten sie. Der Fall bleibt ein Rätsel, und da auch der Steinmetz in der Zwischenzeit verstorben ist, werden wir die Sache nicht klären können.

So werden wir uns wohl am Grab treffen müssen, um die Schrift neu nachzumalen. Meine Eltern würden sich sicherlich freuen.

Donnerstag, 19. November 2020

Alternative Spontanlesung

 



„Annette? Kennst du mich noch?“

Auf meinem Handy ist das Bild von Agata Makiola zu sehen. Agata ist Deutschlehrerin in Walzen in Polen. Seit 2013 verbindet uns eine liebe Freundschaft.  Schon so oft hat sie mich zu Lesungen und Tagungen eingeladen.

Wir haben so lange nichts voneinander gehört. Seit die Grenzen zu sind, besteht auch meine Verbindung nach Polen nur noch über die Posts auf Facebook, die ich nicht immer verstehe.

Das Besondere an Agata ist ihre Spontaneität. Auch diesmal hat sie eine ihrer verrückten und schrägen Ideen. Sie leitet nämlich an diesem Abend eine Online-Fortbildung für Deutschlehrer und möchte dort auch meine Bücher vorstellen. Ihr Vorschlag ist nun, ob ich das nicht selbst tun könnte – sozusagen als Online-Überraschungsgast des Abends. Natürlich kann ich nicht nein sagen – will ich auch gar nicht, denn Agata ist immer so liebenswert bei ihren Vorschlägen, dass man ihr nichts abschlagen kann. So lande ich abends aus meinem Arbeitszimmer heraus direkt in Polen und lese ein bisschen aus meinen Büchern.

Es fühlt sich alles noch so neu an – dieser technische Kram ist ja nicht so meins – aber ich freue mich riesig, sie alle mal wieder zu sehen und wenigstens ein bisschen bei ihnen zu sein.

Ganz liebe Grüße an euch – und hoffentlich sehen wir uns bald mal so richtig live wieder.

Donnerstag, 5. November 2020

Wartezeit

 


 

Da haben wir nun also wieder eine Zeit ohne Kultur, Kontakte, Konsum und Kraftsport.

Um euch die Wartezeit zu versüßen, biete ich euch ein paar Fotos aus meinem Archiv an.  






Sonntag, 1. November 2020

Lesespuren


Hier spendiere ich euch mal wieder einen Blick auf meinen Arbeitstisch. Es entsteht ein Kapitel zu dem Buch „Kriminelle Lesespurengeschichten“, bei denen ein Leser sich durch verschiedene Punkte einer Geschichte liest und sie in einem Bild wieder entdecken muss. Er kann getäuscht werden, da es diese Lesespuren in kleinen Variationen mehrfach in der Geschichte gibt. Darum ist es von Vorteil, die Geschichte genau zu lesen.

Die Schüler lieben diese Lesespuren.

Als Autor ist man da allerdings in einer gaaaaanz anderen Situation. Man muss nämlich Lesespuren legen, Täuschungsspuren entwickeln, alles in einen spannenden Kontext stellen und dabei selbst den Überblick behalten.

In diesen Fall gebe ich es auf, digital zu arbeiten. Mein Entwurf verläuft mit ganz analogen Filz- und Buntstiften, wobei das größte Problem ist, dass ich meine eigene Handschrift nicht immer entziffern kann.

Blöd in der Analogfassung ist auch, dass die Skizze für den Verlag noch einmal, noch einmal und vielleicht sogar noch ein weiters Mal von mir gezeichnet werden muss, wenn ich mich nämlich in meinen eigenen Spuren verknotet habe … was mir leider immer mal wieder passiert.

Aber was tut man nicht alles, um die Schüler zum Lesen zu motivieren.

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Ratlos


Bevor die Welt wieder in ein kulturelles und soziales Aus geschickt wird, gehen wir noch einmal essen. Die Stadt ist mittlerweile zu einem Hotspot erklärt worden – Maskenpflicht auch im Freien. So laufen wir in Masken und Tücher gewickelt durch die einsame Fußgängerzone. Nur wenige Menschen sind unterwegs. Einige haben ihre Masken unters Kinn geschoben um zu rauchen, etwas zu trinken oder zu essen. Die Polizei patrouilliert.

Die Kellnerin im Restaurant ist verzweifelt. Sie haben so viel in die Hygiene investiert, Trennwände aus Plastik überall, Raumlüfter, das ganze Konzept – und nun das. Wir haben keinen Trost für sie. Wir sind selbst ratlos.

Als wir abends nach Hause gehen, dürfen wir die Masken abnehmen. Das Virus schläft ja ab 20.00 Uhr.

Dienstag, 13. Oktober 2020

Digital auf der Buchmesse unterwegs


 

Morgen beginnt die Buchmesse in Frankfurt, und auch sie wird digital stattfinden. Das ist natürlich nur ein kläglicher Ersatz für all die warmen überfüllten quirligen Messehallen, in denen man von Stand zu Stand geschoben wird und kaum Möglichkeiten hat, mal in Ruhe in ein Buch zu schauen, aber die auch immer voll sind von aufregenden analogen Begegnungen, für die sich all der Trubel lohnt.

Okay, in diesem Jahr müssen wir mit den Alternativen zufrieden sein.

Der Südpol-Verlag hat zum Beispiel einen digitalen Messestand eingerichtet, auf dem es Lesungen und Interviews zu entdecken und signierte Bücher zu gewinnen gibt.

Am Samstag den 17.10. bin auch ich mit dabei. Um 14.00 Uhr zeige ich euch, wie ich vorgehe, wenn ich ein Buch schreibe und stelle euch außerdem mein Buch „Die Hufeisenranch - Teil 3“ vor. Zusätzlich gibt es ein kleines Gewinnspiel, bei dem ihr signierte Bücher gewinnen könnt. Viel Glück und viel Spaß dabei.

 


Mittwoch, 7. Oktober 2020

Missverständnis



Wir haben sicherlich alle die mahnenden Worte unseres Gesundheitsministers in Erinnerung, als ihm zu Ohren kommt, dass sich so manch ein Restaurantbesucher einen Spaß erlaubt hat und sich mit Donald Trump, Super Mario oder Heidi Klump auf dem Coronazettel registriert hat.
Das sei kein Kavaliersdelikt, sagt er, fuchtelt mit seinen langen Armen durch die Luft, rollt mit den Augen und zieht die Augenbraun in die schütteren Ponyfransen. „Wir setzen damit das Leben unserer Mitmenschen auf`s Spiel.“
Und um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, droht er auch noch mit einer saftigen Geldstrafe.

So der Stand der Dinge.

Zwei ungarische Bekannte von mir wissen davon nichts. Sie verstehen nur rudimentär deutsch. So beugen sie sich mit ratlosen Gesichtern über den grauen Zettel, der ihnen bei Mc Donalds auf den Tisch gelegt wird. Nach kurzer Überlegung kommen sie zu der Erkenntnis, dass es sich um den Bestellzettel handeln muss.

„Big Mac, Pommes mit Mayo, Doppel-Cheesburger“ notieren sie.

Als sie den Zettel zur Theke bringen, handeln sie sich die größte Schelte ihres Lebens ein. Das sei kein Spaß, schreit sie ein Mitarbeiter an. Er habe dafür die Verantwortung zu tragen – und die Strafe zu bezahlen.

Die beiden beschließen, fluchtartig den Laden zu verlassen.

Tja, wenn doch alles so lebenswichtig ist, warum kommt dann niemand auf die Idee, so einen Zettel mal ins Englische zu übersetzen?