Montag, 11. Januar 2021

Lesungen in Zeiten wie diesen

 



Eigentlich hatte ich mir für die Zukunft vorgenommen, es mit den Lesungen weniger werden zu lassen, aber dass es nur sooooooo wenige Lesungen wurden, war doch ziemlich traurig. Die Veranstaltungen, die ich im Jahr 2020 durchgeführt habe, kann ich an einer Hand abzählen.
Nun werden die ersten Lesungen für das Jahr 2021 angefragt. Ende Februar will ich so gerne an die Mittelschule in Petersaurach in die Nähe von Nürnberg, wo ich vor einigen Jahren schon einmal gewesen bin, aber ich bin sehr skeptisch, ob sie mich nach Bayern lassen.

Meine Lesereise nach Österreich – im vergangenen Jahr zweimal verschoben und schließlich gecancelt – steht erst im November an. Vielleicht findet sie ja statt. Immerhin kann man sich nun für die Lesereise anmelden. Ich lese in Österreich immer über die Agentur Eibl, und wer Interesse an mir und meinen Büchern hat, kann sich hier anmelden.

Das Foto oben ist 2018 bei einer Lesung in Katowice in Polen entstanden. Findet ihr mich?

 

Sonntag, 27. Dezember 2020

Besondere Begegnungen

 



Es ist ein besonderes Geschenk, wenn man am Heiligabend sein Kind aus dem Krankenhaus mit nach Hause nehmen darf. Mein jüngstes Enkelkind Elian war ein paar Wochen zu früh und recht stürmisch auf die Welt gekommen, und hatte zum Kummer der Eltern eine Weile im Krankenhaus bleiben müssen. Nun aber durfte es nach Hause, und mein Mann und ich konnten ihn am 2. Weihnachtstag kennenlernen. Er war noch so winzig und federleicht, und selbst wenn er weinte, hörte es sich noch ganz leise an. Aber er war süß und warm und duftete wundervoll nach Baby und Milch. Der besondere Moment bei Babys ist ja immer dieses weltenweggetretene Lächeln, das ihnen hin und wieder über das Gesicht gleitet. Die Mediziner behaupten boshaft, dass es sich dabei nur um einen Reflex handelt, aber wir Eltern und Großeltern wissen es besser: Es ist das Lächeln eines Engels.

Dienstag, 22. Dezember 2020

Weihnachten

 


In Zeiten, in denen wir immer mehr in das digitale Leben gedrängt werden, ist es wichtig, die analogen Beziehungen zu hüten und zu gestalten. Und das tue ich auch.

Nachdem ich gemerkt habe, wie mich der neue Lockdown und das ständige Gerede um Pandemien und Inzidenzzahlen runterzieht, habe ich beschlossen, die Nachrichten darüber so gut wie möglich zu vermeiden, mich dafür mit Freunden zu verabreden und spazieren zu gehen. Das tut mir gut. Immer wieder wird mir bewusst, wie schön es hier in Ostwestfalen ist.

Gestern habe ich versucht, einen Christmas-Autocorso zu organisieren und war überrascht und geflasht, wie viele spontan und begeistert ihre Zusage bekundet haben. Leider wurde ich dann doch gebeten, vorher bei der Polizei nachzufragen (seufz – ich wäre auch so losgefahren!), und dann wurden wir natürlich doch in unserem Vorhaben ausgebremst. Allerdings habe ich auch unter den Polizisten und Ordnungsämtern überraschend freundliche und verständnisvolle Menschen getroffen.

Nun wird es Zeit für die Weihnachtszeit. Wir feiern sie so, wie wir sie immer feiern:  Lebendig, besinnlich und mit der Familie. Gott sei Dank passen wir dabei in den von der Regierung  vorgeschriebenen Verhaltenskodex: Sieben Personen aus drei Haushalten … oder waren es fünf Personen aus sieben Haushalten … oder … naja, es passt jedenfalls.

Und natürlich das Schönste zum Schluss:

Kurz vor Weihnachten wurde unsere Familie um ein Menschlein reicher. Elian Weber erblickte im Kreißsaal Paderborn das Licht der Welt. Die Geburt war kurz und heftig und etwas zu früh, und beinahe wäre er im Auto zur Welt gekommen… Eine Weile musste er nun im Krankenhaus verbringen, aber wenn alles gut geht, darf er Weihnachten nach Hause.

Natürlich muss er erst noch wachsen und stark werden, bevor er sich meinen dicken Omi-Schmatzern stellen kann. Aber das Leben ist eben kein Ponyhof.

Wir sind jedenfalls sehr glücklich.

Ich wünsche euch allen fröhliche, besinnliche und glückliche Weihnachten.

Samstag, 12. Dezember 2020

Dreharbeiten im Junkerhaus

 



„Was geht dir durch den Kopf, wenn du folgenden Gegenstand siehst“, werde ich gefragt, und ehe ich mich versehe, wird mir ein Päckchen Lippischer Pickert zugeworfen. Natürlich habe ich lebhafte Kindheitserinnerungen an das lippische Nationalgericht – einen Kartoffelpfannkuchen mit Rosinen, den es hin und wieder bei uns zu Hause gab. Genauso erinnere ich mich an Strohsemmel, den Kläschenmarkt, den Handballverein und einige andere Dinge. Sie sind ein guter Gesprächsaufhänger.



Ich stehe im Foyer des Junkerhauses, einem Haus, das seit vielen Jahren zu den Museen der Stadt Lemgo gehört. Der Museumsleiter Fabian Schröder, hat mich hierhin eingeladen, weil die Stadt plant, einen Film für einen Audio Guide zu drehen. In diesem Film sollen bekannte Künstler vorgestellt werden, die mit der Stadt Lemgo verbunden sind. Ich bin dieser Einladung nur zu gerne gefolgt. Es passiert ja nicht so oft, dass einem die Heimatstadt Aufmerksamkeit entgegen bringt.

Das Junkerhaus ist ein ganz besonderer Ort. Es ist das Künstleratelier und Wohnhaus des Malers und Bildhauers Karl Junker, ein skurriles Haus, unheimlich und romantisch zugleich, in dem ich häufig als Kind und Jugendliche gewesen bin.



In dem Film soll ich von mir und meiner Arbeit erzählen, meine Bücher zeigen und eine Textpassage vorlesen. Auch die Beziehung zu meiner Heimatstadt wird dargestellt. Fabian Schröder und seine Kollegin Sara Elkmann hatten sich ungewöhnliche und spannende Fragen überlegt, das die das Kamerateam „Schnittfest GmhB“ mit Malte Blum und Tom Lührmann gut in Szene zu setzen wissen. Dabei kam auch dieser ganz besondere Ort mit seinen verrückten und ungewöhnlichen Schnitzereien nicht zu kurz.

Eineinhalb Stunden brauchten wir für die Dreharbeiten, die in der Filmsequenz wahrscheinlich zwei Minuten dauern. Es hat großen Spaß gemacht.

Ich freue mich schon sehr auf das Resultat.



Montag, 7. Dezember 2020

Zeichen der Zeit

 



Ein graues Tuch liegt über der Zeit, die Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Lockdown, ständiger Verzicht auf die Freiheit, warten, verzichten, warten, verzichten, warten und wieder warten – und dieses Gefühl, dass die Zeit nicht besser wird. Diese Situation geht an niemandem spurlos vorüber.

Ich bin froh, nicht in der Schule sein zu müssen. Den Anblick der Kinder hinter der Maske schmerzt zu sehr. Ich versuche, so gut wie möglich unter dem Radar her zu tauchen.

Zu meinen Standard-Weihnachtsgeschenken gehört ein Fotobuch mit Rückblick auf das vergangene Jahr. Seit die Familie größer und verzweigter wird, gehört es auch zu meinen Aufgaben, die Fotos der anderen Familienmitglieder zu sammeln und in das Buch einzufügen. Alle können so schön fotografieren, und das Buch wird zu einem vergnügten und fröhlichen Zeitgeschehen. Auch die nachdenklichen Momente haben eine bunte Farbe und selbst die Fotos hinter der Maske sehen lustig und komisch aus.

Stundenlang sitze ich an dem Buch – und als ich es endlich zum Druck freigebe, fühle ich mich ein bisschen besser.   

Sonntag, 29. November 2020

Lesung in Essen


Nach gefühlten hundert Jahren hatte ich endlich mal wieder eine echte analoge Lesung mit richtig lebendigen Schülern – beinahe sogar zum Anfassen, wenn sie nicht alle so auf Abstand bedacht hinter der Maske sitzen mussten.

„Lesung im Dreierpack“ heißt die Lesung an der Erich-Kästner-Schule in Essen immer. Sie gehört zum Schulprogramm. Drei Autoren werden für die sechsten Jahrgangsstufen eingeladen. Diesmal waren mit mir zusammen auch Barbara Zoschke und Andrea Rings von der Partie.
Ich hatte das Gefühl, dass die Schüler sich richtig über Besuch freuten. Sie hatten ganz viele Fragen erarbeitet. Besonders das Schicksal des Jugendlichen Hasan Tas interessierte sie, den ich eigentlich nur so am Rande erwähnen wollte. Doch dann baten sie mich, doch von ihm auch noch etwas vorzulesen. Das habe ich natürlich gerne getan.

Hach – hat mal wieder gut getan, zu Lesungen unterwegs zu sein, wenn auch der Ruhrschnellweg nicht zu meinen Lieblingsautobahnen gehört.

 


Montag, 23. November 2020

Ein bisschen unheimlich

 




Friedhöfe sind schöne, friedliche und stille Orte, an denen man Platz für seine Trauer hat und Trost findet. Friedhöfe haben aber auch immer etwas Geheimnisvolles und Mystisches an sich, sie können sogar manchmal ein wenig unheimlich sein.

Meine Eltern haben auf einem Friedhof in Lemgo einen wunderbaren Platz für ihre letzte Ruhe gefunden, am Waldrand, in der Nähe dicker Eichenbäume, aber auch mit Blick auf ein weites Tal. Ich besuche sie hier gerne.

Ende Oktober, am Todestag meines Vaters, war ich beim Grab meiner Eltern, brachte ihnen Blumen und blieb eine Weile bei ihnen. Das Grab war schön, der Grabstein glänzte in der Sonne, und ich schickte ein Foto an meine Schwestern als lieben Gruß.

Am Totensonntag besuchte meine Schwester das Grab. Auch sie fand es schön und blumenreich vor, dann allerdings kroch ihr einen Schauer über den Rücken. Der Schriftzug meines Vaters war fast verschwunden. Fast sah es aus, als habe jemand versucht, ihn mit einer Bürste auszuwischen.

Das war unheimlich, vor allem mit Blick auf die Tatsache, dass es noch vor zwei Wochen so anders ausgesehen hatte. Sie fragte bei der Friedhofsverwaltung nach, ob es manchmal vorkommt, dass sich jemand an Grabsteinen zu schaffen macht, aber die kannten keinen solchen Fall. Noch nicht mal die Situation, dass Blumen gestohlen worden wären, hätte es jemals gegeben, versicherten sie. Der Fall bleibt ein Rätsel, und da auch der Steinmetz in der Zwischenzeit verstorben ist, werden wir die Sache nicht klären können.

So werden wir uns wohl am Grab treffen müssen, um die Schrift neu nachzumalen. Meine Eltern würden sich sicherlich freuen.

Donnerstag, 19. November 2020

Alternative Spontanlesung

 



„Annette? Kennst du mich noch?“

Auf meinem Handy ist das Bild von Agata Makiola zu sehen. Agata ist Deutschlehrerin in Walzen in Polen. Seit 2013 verbindet uns eine liebe Freundschaft.  Schon so oft hat sie mich zu Lesungen und Tagungen eingeladen.

Wir haben so lange nichts voneinander gehört. Seit die Grenzen zu sind, besteht auch meine Verbindung nach Polen nur noch über die Posts auf Facebook, die ich nicht immer verstehe.

Das Besondere an Agata ist ihre Spontaneität. Auch diesmal hat sie eine ihrer verrückten und schrägen Ideen. Sie leitet nämlich an diesem Abend eine Online-Fortbildung für Deutschlehrer und möchte dort auch meine Bücher vorstellen. Ihr Vorschlag ist nun, ob ich das nicht selbst tun könnte – sozusagen als Online-Überraschungsgast des Abends. Natürlich kann ich nicht nein sagen – will ich auch gar nicht, denn Agata ist immer so liebenswert bei ihren Vorschlägen, dass man ihr nichts abschlagen kann. So lande ich abends aus meinem Arbeitszimmer heraus direkt in Polen und lese ein bisschen aus meinen Büchern.

Es fühlt sich alles noch so neu an – dieser technische Kram ist ja nicht so meins – aber ich freue mich riesig, sie alle mal wieder zu sehen und wenigstens ein bisschen bei ihnen zu sein.

Ganz liebe Grüße an euch – und hoffentlich sehen wir uns bald mal so richtig live wieder.