Sonntag, 22. Mai 2011

Ein letzter Blick


"Sie erhalten nun vor der Drucklegung Ihr Buch zur Autorenkorrektur", schreibt mir der Verlag an der Ruhr. "Da dies quasi die letzte Möglichkeit ist, formale und inhaltliche Fehler zu entlarven, bitten wir Sie, ein letztes Mal Augenmerk auf Ihr "Kind" zu richten."

Mit "Kind" meinen Sie diesen Stapel Papier. Schwarze Schrift auf weißem Grund. Die Fortsetzung meines Buches "Im Chat war er noch so süß."
Doch dieser Stapel Papier ist emotional weiter von mir entfernt als eine Melodie auf einer arabischen Snitra. Ich weiß überhaupt nicht mehr genau, was ich da geschrieben habe. Fühle nur, dass es nicht gut sein könnte. Und weiß genau, ich hätte heute eigentlich eine viel bessere Idee, das Buch weiter zu schreiben. 

Aber dazu ist es zu spät. Das Buch ist gesetzt. Ich kann nun noch mal ein "dann" streichen und "nun" dafür einsetzen oder "erwiderte" statt "sagte" schreiben. Aber dem Buch nach dem ersten Kapitel eine ganz andere Wendung geben zu lassen, das ist nicht mehr drin.
Das ist ein schreckliches Gefühl. 
Es ist alles fertig. Nichts geht mehr. Nun muss ich aushalten, dass es so geworden ist, wie es geworden ist.
Heute hatte ich nicht den Mut, meinem "Kind" das Fliegen beizubringen. Noch ist es im Nest ganz gut aufgehoben.

Samstag, 21. Mai 2011

Achtung Wildwechsel!

Da schreibe ich im letzten Post noch über meine Tierliebe, und prompt fahren wir in der Nacht ein Reh an.
Wir waren auf dem Rückweg von einem Besuch, es war schon spät und wir freuten uns, gleich zu Hause zu sein. Das Reh stand plötzlich auf der Straße vor uns. Unausweichlich. Mein Mann bremste scharf. Es knallte. Dann humpelte das Reh weiter und verschwand in einem Feld. 
Mein Auto sah leider auch ziemlich mitgenommen aus. 

Wir riefen die Polizei, die den Unfall aufnahm.
Es gäbe keinen Hinweis auf Fell- oder Blutspuren am Auto, sagten sie. Und manche Menschen begingen auch einen Versicherungsbetrug, indem sie einen Wildunfall vortäuschten. 
Aber wir, so meinten sie dann, würden einen ehrlichen Eindruck machen.

Tss - da fehlten uns irgendwie die Worte...

(Foto: Schweden)

Freitag, 20. Mai 2011

Hunde, Katzen und anderes Getier


Ich lieeeebe Haustiere. Als die Kinder klein waren, hatten wir alles mögliche Kleingetier, Meerschweinchen, Frettchen, Kaninchen, Ratten, außerdem einen Hund und zwei Islandpferde. Zu gerne hätte ich auch noch einen Esel gehabt, aber das war irgendwie nicht drin.
Von allen Tieren ist uns nur ein Islandpferd geblieben - Rós, von der ich schon manchmal erzählt habe.

Ich vermisse diese vielen Tiere oft, besonders Hunde finde ich die absoluten Gute-Laune-Tiere. Aber mein Alltag lässt mir keinen Platz mehr für diese engen Verpflichtungen. So versuche ich seufzend, einen hundelosen Alltag zu bewältigen und freue mich an den Haustieren der Nachbarn.

Da ist zum Beispiel Simba, der rot-weiße dicke Kater, der unseren Garten zu seinem Revier dazu geschlagen hat, nachdem er gemerkt hat, dass die Luft bei uns rein ist. Oft kommt auch Dana, die schwarze Labradorhündin unseres Nachbarn zu Besuch und läd mich zu einem Spaziergang ein. 
Aber gestern kriegte ich sehr ungewöhnlichen Besuch von einer großen weißen lockigen Hunddame, die plötzlich lachend neben meinem Laptop auftauchte und mir nicht mehr von der Seite wich. Ihre Besitzerin erschien einige Zeit später verschwitzt suchend und mit sorgenvollem Gesicht. Von ihr erfuhr ich dann, dass es sich bei dem witzigen Hund um einen Labradudel (Labrador + Pudel) namens Lotte handelt.
Lotte hatte ich sofort in mein Herz geschlossen.

Und jetzt geh ich schnell in die Küche und hol mir einen Kaffee und etwas Schokolade, damit ich nicht ins Tierheim fahre, um einfach mal so ein bisschen Hunde zu gucken...

(Foto: Brasilien)

Donnerstag, 19. Mai 2011

Heute kein Kaufrausch

Ich weiß nicht, wie repräsentativ die Statistik ist, dass Frauen immer Schuhe kaufen. Ich jedenfalls kaufe nicht gerne Schuhe. 
Aber es gibt Schlimmeres. Jeans zum Beispiel. 
Und noch schlimmer: Badeanzüge.

Aber was bleibt mir übrig, wenn das Freibad schön und endlich eröffnet ist. Und wenn ich nicht wieder dieses alte Schätzchen tragen will, das ich schon seit gefühlten 100 Jahren trage, weil ich eben nicht gerne Badeanzüge kaufe.

So quälte ich mich in die Sportabteilung eines Kaufhauses.
Ich war die einzige in der Abteilung.
Die Verkäuferin sah sofort, wie unwohl ich mich fühlte und ließ mich in Ruhe. 
Nach langem langem langen langem Suchen entschied ich mich, drei Badeanzüge mit in die Umkleide zu nehmen. Ich wählte die letzte Kabine und zog den schweren Vorhang ganz fest zu.
Dass man für diese Badeanzüge auch immer sooo viele Klotten ausziehen muss. 
Trotzdem lief mir gleich der Schweiß.

Der erste Badeanzug war Ohgottohgott
Der nächste Badeanzug war ein Albtraum pur.
Der übernächste Badeanzug war der absolute Horror.
So viel weiße Haut - so viele Pölsterchen unter eng anliegendem Strech ...
Vielleicht ein andernmal. 

(Foto: Seoul, Korea)

Mittwoch, 18. Mai 2011

Empfindlichkeiten


Künstler sind sensible Menschen, die sich oft ein wenig überfordert im Rad des Lebens bewegen, so jedenfalls beschreibt es das Klischee. 
Ich kenne eine Reihe von Künstlern, auf die dieses Vorurteil zutrifft, und ich mache mich immer gerne ein bisschen über sie lustig.
Da ist die Bekannte, die so toll malen kann, aber wenn sie einen Auftrag mit einem Termin bekommt, wird sie jedesmal krank. "Ich bin einfach nicht so belastungsfähig", sagt sie mir dann.
Oder der Autor, der sich so genial findet. Seine Manuskripte aber schickt er nicht weg, weil er Angst vor einer Absage hat. "Ich verkaufe mich doch nicht an jeden x-beliebigen Verlag", sagt er dann.

Ich dagegen finde eigentlich nicht, dass ich so einem typischen Künstlerklischee entspreche. Ich stehe schon mit beiden Beinen im Leben, kann (mehr oder weniger) gut Kritik ertragen und kriege mein Leben gut organisiert.

Nur manchmal - ganz manchmal - heute zum Beispiel - bin ich ein totales Sensibelchen. So empfindlich wie eine handbemalte chinesische Teetasse aus Tante Ilses Porzellanservice. An so einem Tag sollte man mir besser nicht mit einer herzlosen Kritik daher kommen. 

(Foto: Bad Lippspringe)


Dienstag, 17. Mai 2011

Die Steuererklärung

Heute ist das Wetter öde grau in grau und es regnet. Das ist der perfekte Tag für die Steuererklärung.
Früher hatten wir immer eine Ehekrise, wenn die Steuer anstand, wühlten uns durch Quittungsberge und Terminkalender und zickten uns an. Das war einfach schrecklich.

Daraus haben wir gelernt. 
Wir sind ordentlicher geworden, heften jetzt schon im Vorfeld alles gut ab und schreiben alles auf, was so anfällt. Dann berechnet jeder seine Steuern zunächst allein und kämpft sich tapfer durch den Steuerdschungel. 
In dieser Zeit sind wir lieb zueinander.
Und wenn wir alles zusammen getragen haben und die gemeinsame Unterschrift unter das Formular setzen, ist Zeit für eine Flasche Sekt.

Montag, 16. Mai 2011

Im Chat war er noch so süß - die Fortsetzung

 

















Wie ich schon geschrieben habe, hat das Buch "Im Chat war er noch so süß" einen Folgeroman bekommen. So viele Schüler hatten sich bei mir und dem Verlag über das Ende des ersten Buches beschwert. 

Nun wird Sarah den unbekannten Jungen wieder treffen, der ihr damals das Geld geliehen hatte. Mit ihm zusammen macht sie sich auf die Suche nach dem Sonnenkönig ...

Das Buch erscheint am 9. Juli zum Verlagsfest  "30 Jahre Verlag an der Ruhr." 
Ich bin schon total ungeduldig!

Sonntag, 15. Mai 2011

Literaturforum im Radio Bremen

Am 7. Mai schon ist die Sendung "Literatur als Lebenshilfe" im Literaturforum Radio Bremen gesendet worden. Ich hatte es ganz vergessen und den Termin prompt verschwitzt. 
Aber es gibt ja den Lifestream im Internet.

Wenn ihr Interesse habt, die Sendung zu hören, hier ist sie:

Die Jugendgerichtshilfe Göttingen beschreitet neue Wege bei der Bestrafung von jugendlichen Straftätern. Jugendrichter verurteilen neuerdings – zum Lesen! Über die Erfahrungen der Justiz, von Jugendlichen und der kooperierenden Stadtbibliothek Göttingen mit dieser Art Strafarbeit berichten wir im Literaturforum.
  • Autor/-in:Katrin Krämer
  • Länge:39:13 Minuten
  • Datum:Samstag, 7. Mai 2011
  • Sendereihe:Literaturforum | Nordwestradio
(Foto: Rathaus Göttingen)

Samstag, 14. Mai 2011

Freitod

Seit einigen Tagen bin ich sehr bedrückt. Jemand den ich kenne - den ich kannte - hat sich das Leben genommen. Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, vor drei Wochen etwa, befand er sich in einem psychischen Ausnahmezustand. Er war sehr aufgeregt, zitterte und war schweißgebadet. Ich hätte ihm helfen können, aber er wollte meine Hilfe nicht. Ich bat verschiedene Institutionen um Hilfe für ihn, aber sie waren nicht zuständig.

Nun hat er das Problem aus seine Weise gelöst. Mit dem Motorrad ist er ungebremst in den Gegenverkehr gefahren. Ein schwerer Schock für den LKW-Fahrer. 
Ich bin traurig und ratlos - fühle mich mit verantwortlich. 
Warum ist es für viele Menschen bloß so schwer, um Hilfe zu bitten. Es gibt immer Lösungen für Probleme, nur dass man sie selbst so oft nicht sehen kann. 

(Foto: Friedhof, Cappeln)

Freitag, 13. Mai 2011

Noch einmal Lügde

  

Die Johannes-Gigas-Schule in Lügde hatte mich für drei Lesungen eingeladen, die ich auf zwei Tage aufgeteilt hatte. So hatte ich mehr Zeit und Ruhe für die einzelnen Lesungen.
Am Donnerstag war ich darum noch einmal in Lügde bei den 9. Klassen eingeladen. Sie wünschten sich die Bücher "Keine Chance, wer geht denn schon mit Türken" und "Verletzt." 
Die Schüler hörten konzentriert und interessiert zu und stellten gute Fragen.

Auf dem Foto oben seht ihr übrigens vier Schüler beim Ertasten des Buches "Sauf ruhig weiter, wenn du meinst", das als Blindenbuch erschienen ist.
Außerdem gibt es, wie versprochen, auch die anderen Fotos der Schüler. 
Und auch auf der Homepage der Schule gibt es einen Bericht.