"Sie erhalten nun vor der Drucklegung Ihr Buch zur Autorenkorrektur", schreibt mir der Verlag an der Ruhr. "Da dies quasi die letzte Möglichkeit ist, formale und inhaltliche Fehler zu entlarven, bitten wir Sie, ein letztes Mal Augenmerk auf Ihr "Kind" zu richten."
Mit "Kind" meinen Sie diesen Stapel Papier. Schwarze Schrift auf weißem Grund. Die Fortsetzung meines Buches "Im Chat war er noch so süß."
Doch dieser Stapel Papier ist emotional weiter von mir entfernt als eine Melodie auf einer arabischen Snitra. Ich weiß überhaupt nicht mehr genau, was ich da geschrieben habe. Fühle nur, dass es nicht gut sein könnte. Und weiß genau, ich hätte heute eigentlich eine viel bessere Idee, das Buch weiter zu schreiben.
Aber dazu ist es zu spät. Das Buch ist gesetzt. Ich kann nun noch mal ein "dann" streichen und "nun" dafür einsetzen oder "erwiderte" statt "sagte" schreiben. Aber dem Buch nach dem ersten Kapitel eine ganz andere Wendung geben zu lassen, das ist nicht mehr drin.
Das ist ein schreckliches Gefühl.
Es ist alles fertig. Nichts geht mehr. Nun muss ich aushalten, dass es so geworden ist, wie es geworden ist.
Heute hatte ich nicht den Mut, meinem "Kind" das Fliegen beizubringen. Noch ist es im Nest ganz gut aufgehoben.





