Dienstag, 5. November 2013

Orientierungslos



 

Der Lennestädter Leseherbst ist immer liebevoll organisiert und in der Regel bieten die Veranstalter einen Fahrdienst an, der einen morgens von Schule zu Schule fährt. Nicht nötig für mich. Ich bin ja immer technisch perfekt bis unter die Zähne ausgestattet.  So steige ich – Gott sei Dank früh  - in mein Auto und werfe das Navi an. Die Adresse ist bereits abgespeichert.  „Keine GPS-Daten gefunden“, meldet es. Das ist eigentlich nicht soooo schlimm, meist springt es dann an der nächsten Hausecke an.  Aber an der nächsten Ecke tut sich nichts, auch nicht an der übernächsten und der überübernächsten. Ich starte das Navi neu. Keine Veränderung. Der LKW hinter mir haut auf die Lichthupe. Ich biege auf gut Glück nach rechts ab. Gleich geht es die Berge hinauf, dann durch den tiefen dunklen Wald. Die Wolken hängen tief. Es regnet, wie so oft im Sauerland. An GPS ist nicht zu denken. Und an ein Straßenschild auch nicht.
Endlich. Ein Schüler steht verloren auf einer Landstraße. „Wo geht es nach Saalhausen?“, brülle ich und ignoriere den aufblendenden Scheinwerfer hinter mir. „Richtung Winterberg!“, schreit er zurück. Ein kluger Tipp. Jetzt weiß ich, dass ich einigermaßen richtig bin. An der nächsten Tanke erklärt mir eine Frau den Weg genau. Und dann – unfassbar – schaltet sich auch mein Navi an. Es blendet in den Augen. „In dreihundert Metern rechts“, sagt es. Da habe ich es auch schon fast geschafft.  
Ich sollte doch mal wieder eine gute alte Straßenkarte ins Auto legen. Schließlich bin ich ja noch ein paar Tage hier.  

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