Montag, 16. Dezember 2013

Buchprojekt an einer Förderschule für geistige Entwicklung




Ist es möglich, ein Buchprojekt mit meinen Büchern an einer Förderschule für geistige Entwicklung durchzuführen? An einer Schule, an der nur wenige Schüler lesen und noch weniger Schüler schreiben können? Ich war da echt unsicher, und wahrscheinlich hätte ich es nicht gewagt, wenn mich nicht eine tolle und empathische Pädagogin der Schule immer wieder ermutigt hätte. Wir trafen uns zu einer Vorbesprechung, und ihre gute Laune war einfach ansteckend.
Und so setzte ich mich zu Hause hin und schrieb verschiedene Kapitel aus dem gewünschten Buch „Keine Chance, wer geht denn schon mit Türken“  zu einfachen Szenen um, für andere überlegte ich mir ein Improvisationstheater, wieder andere Kapitel formulierte ich zu einem einfachen Text um. Auf die Weise wollte ich mit den Schülern das Buch erarbeiten. 
Und so fuhr ich perfekt vorbereitet zu einem Zwei-Tages-Workshop an die Hermann-Schmidt-Schule nach Schloss Neuhaus.
Um es gleich zu sagen: Die gute Vorbereitung war in erster Linie wichtig, um mir Selbstvertrauen zu geben, ansonsten konnte ich das erarbeitete Konzept erst mal in der Tasche lassen. Es war viel wichtiger zuzuhören und sich auf die Schüler einzulassen. Die reagierten nämlich sehr unterschiedlich auf das Buchprojekt. Einige waren ängstlich, weil sich ihr Tagesrhythmus veränderte und nun auch noch eine Fremde vor ihnen stand, andere waren neugierig und offen, wieder andere mussten sich lautstark profilieren und noch andere ließen alles ein wenig lethargisch an sich vorbei ziehen.  Begeisterung, Widerstand und Ängste lösten sich ab, wurden noch größer, als die Schüler hörten, dass wir am nächsten Tag zu einer Aufführung einladen wollten.
Ich muss sagen, heute Morgen noch glaubte ich, wir schaffen es nicht. Doch dann fügte sich alles so gut, dass wir über uns selbst staunen konnten.
Ein Schüler, der sich beim Spielen verweigert hatte und zweimal aus dem Raum gelaufen war, weil er die Spannung nicht aushalten konnte, nahm plötzlich Kontakt zu mir auf und erzählte mir, dass er zwar nicht so gut Theater spielen, dafür aber gut trommeln könnte. Ich bat ihn, jeden Szenenwechsel mit einem Trommeln einzuleiten, und er war bereit dazu. Plötzlich saß er konzentriert auf seinem Cajón und folgte den Szenen mit großer Empathie. Und er trommelte toll. 
Eine andere Schülerin hatte das ganze Wochenende über einen Text zu lesen geübt, und sie las nun flüssig und mit guter Betonung, was ihr spontanen und heftigen Beifall einbrachte. 
Unser szenisches Spiel war natürlich nicht perfekt. Die einen hatten den Text vergessen, die anderen sagten etwas ganz anderes, als erwartet wurde, aber die Zuschauer störte es nicht. Sie bedachten die Aufführung ihrer Schulkameraden mit großem Applaus – wohl wissend, dass sie sich in den nächsten zwei Tagen ebenfalls als Akteure im Workshop befinden.  Die Gruppe zwei ist nämlich morgen und übermorgen an der Reihe, und sie haben sich das Buch „Aber ich bin doch selbst noch ein Kind“ gewünscht.
Und wie geht es mir? Ich bin müde und fröhlich und gespannt auf das, was ich in den nächsten zwei Tagen noch lernen werde.

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