Sonntag, 25. Januar 2015

Pegida, Isis und die Weltverbesserer


Seit dem Attentat auf die Karikaturisten von Charlie Hebdo ist für mich die Welt in Unordnung geraten. Plötzlich haben die mahnenden Worte der Islamkritiker meine Aufmerksamkeit, plötzlich schaue ich mir eine Talkshow im Fernsehen an, in dem Pegidaführer das Wort ergreifen. Ich lese Kommentare, diskutiere mit anderen, versuche immer wieder, meinen Standpunkt zu finden. Ich merke, wie ich ins Schwanken gerate, zwischen Verständnis und Entsetzen hin und hergerissen bin.
Was bedeutet es, wenn die Pegida-Demonstranten in Dresden sagen, die Ausländer in ihrem Land nähmen ihnen die Arbeitsplätze weg, dabei gibt es in Sachsen kaum Ausländer.
Was bedeutet es, wenn Karikaturisten getötet werden, um Allah zu rächen, wo doch eine Religion niemals zum Töten aufrufen darf.
Warum also schiebt man eine Behauptung vor den Hass, die falsch ist? Warum sucht man sich ein Feindbild, hinter dem man sich verstecken kann?
Die Antwort ist leider traurig und einfach: Weil man sich selbst nicht leiden kann. Auf fast naive und unkritische Art und Weise werden anderen Menschen bestimmte gehässige und unmenschliche Eigenschaften zugeschoben, die man an sich selbst nicht akzeptieren mag. Projektion nennt man das in der Psychologie. Und so kommen dann diese faden Behauptungen „Ich bin nicht aggressiv, ich wehre mich nur“ zustande.
Wie aber entsteht dieser Selbsthass? Was fehlt denjenigen, die dort stehen, schreien, hassen und töten?
In der Pegidaszene sind viele Menschen zu finden, die sich als Verlierer der Wende sehen. Durch die deutsch-deutsche Vereinigung erlebten sie einen großen Einschnitt. Viele Berufe wurden überflüssig, ihre mühsam ersparten Werte wurden belächelt, ihre Landschaft, ihre Städte galten als marode. Dazu gehört eben auch, erleben zu müssen, wie man über Jahre von dem eigenen Staat getäuscht und geblendet wurde, und wie die kleine Freiheit, die man sich erarbeitet hatte, nach der Wende nicht geschätzt wurde. Da kamen die reichen Brüder und Schwestern aus dem Westen daher und bauten und richteten. Diese überlegene Haltung schürt die Wut und Traurigkeit – und man sucht jemanden, den man dafür verantwortlich machen kann.

Und was fehlt den Isis? Ganz einfach die Weiblichkeit. Je stärker die Frauen aus dem Alltagsleben verbannt werden und auf schwarze Decken im Straßenbild reduziert werden, umso aggressiver treten die Männer in Erscheinung. Wären die Frauen ein Teil ihres Lebens, würde ein bisschen mehr Weichheit, Zärtlichkeit und Erotik in den Alltag treten – und dann müsste man auch nicht mehr sein Leben für zwölf Jungfrauen im Jenseits opfern.  

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