Donnerstag, 31. März 2011

Rückmeldungen


Solche Rückmeldungen sind ein Geschenk und erhellen den Tag. 
Ich danke euch dafür und grüße euch herzlich. 
Danke auch, dass ich das in meinem Blog abdrucken durfte.

Sehr geehrte Frau Weber,

wir, die Klasse 10b der Jakob-Moreno-Schule (Förderschule E und L), haben das Buch abgehauen sehr gerne und schnell gelesen. Wir haben schon andere Bücher von ihnen gelesen die wir auch klasse fanden (sauf ruhig weiter..) aber ihre Idee mit Matthias zu schreiben fanden wir besonders. Die Geschichte ist uns allen nahe gegangen.
Bei uns haben auch manche schlimme Sachen zu Hause, manche wohnen auch bei Pflegeeltern oder im Heim, aber soo schlimm wie bei Matthias....

Wir wollten ihnen ein dickes Lob schicken

Liebe Grüße von der 10b aus Gummersbach



Lieber Matthias,

deine Lebensgeschichte ging uns allen nah, wir konnten verstehen, warum du es schwer hast mit anderen Menschen ...
schön, dass du die Geschichte aufgeschrieben hast.
Wir wünschen dir von Herzen ein schönes, langes Leben.

Die Klasse 10b aus Gummersbach

Mittwoch, 30. März 2011

Verpasste Gelegenheit

Aus Zeit- und Lustmangel bin ich im Moment eher wenig in sozialen Netzwerken unterwegs. Umso erstaunter war ich, nun gleich fünf Nachrichten vorzufinden. 
Von einem Mann. 
Einem Unbekannten. 
Ich öffnete die erste Mail und blickte auf einen Typen mit nacktem Oberkörper und tätowiertem Unterarm
"Tolles Profilfoto", sagte die erste Nachricht.
"Du bist eine tolle Frau" stand in der zweiten.
"Es stört mich auch nicht, dass du verheiratet bist", las ich in der dritten.
(Ich verzichte an dieser Stelle mal auf die Originalschreibweise).
"Warum antwortest du nicht", stand in der vierten.
"Bist wohl nicht so oft on, was?", lautete die fünfte.
Das wars dann wohl.
Ein kurzes Strohfeuer.
Eine verpasste Gelegenheit.
Vielleicht.
Andererseits - manche Probleme erledigen sich von selbst.

Dienstag, 29. März 2011

So`n bisschen Plutonium

Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Jeder Mensch, der in einem demokratischen Land lebt, kann sich frei über eine Sache informieren.
Rund um das Kraftwerk Fukushima ist Plutonium gefunden worden. Und doch behauptet die Betreiberfirma Tepco, diese geringen Mengen seien für die Menschen nicht gefährlich. 
Dabei führt eine Dosis Plutonium im Milligrammbereich bereits zum sofortigen Tod. Und die Inhalation von 40 Nanogramm kann bereits Krebs verursachen.
Man erzählt bewusst Lügen, um eine Panik zu verhindern. Dabei nimmt man in Kauf, dass viele Menschen lebensbedrohlich erkranken und sterben können. 

Montag, 28. März 2011

Meine wissenschaftliche Seite

Heute will ich mal von meiner wissenschaftlichen Seite erzählen. 
Den Hut, den ihr hier auf dem Foto seht, ist nämlich mein Doktorhut. (Meine Kinder haben ihn gebastelt.) Ich habe vor drei Jahren an der Uni Osnabrück im Fachbereich Pädagogik promoviert. 
Die Arbeit ist mir sehr schwer gefallen. Einmal lag mir dieses wissenschaftliche Schreiben und das kleinliche Zitieren nicht besonders, zum  anderen war ich total enttäuscht über die pädagogische Wissenschaft. Sie erschien mir so elitär und so weltfremd, so kilometerweit von der Praxis und ihren Sorgen entfernt, aus der ich kam. 
Hundert - vielleicht sogar tausendmal habe ich überlegt, die Arbeit wieder hinzuschmeißen. Dass ich trotzdem durchgehalten habe, lag daran, dass ich nicht gerne aufgebe.

Meine Dissertation war aber wirklich interessant. 
Ich hatte mich mit der Biografieforschung beschäftigt und mir männliche jugendliche Einzelgänger als Forschungsschwerpunkt ausgesucht. Zehn jugendliche Einzelgänger aus ganz unterschiedlichen Familien erzählten mir ihre Biografien, die ich dann qualitativ auszuwerten hatte.
Das Ergebnis meiner Arbeit war echt interessant. Alle Einzelgänger, die ich interviewte, litten sehr unter der Situation, keine Freunde zu haben, aber niemand schaffte es, da heraus zu kommen. Selbst wenn die Jugendlichen die Schule wechselten oder umzogen, waren sie kurze Zeit wieder in ähnlichen Strukturen. Das lag vor allem daran, dass sie niemanden von außen zur Klärung ihres Problems hinzu zogen. Die Jugendlichen versuchten entweder, ihr Problem allein zu lösen, oder die Eltern halfen ihnen dabei. Da die Eltern aber selbst in das Problem involviert waren, waren sie ihren Kindern keine Hilfe.

Die Gespräche mit den Jugendlichen haben mein Schreiben für Jugendliche sehr beeinflusst.

Freitag, 25. März 2011

Back home

Nun bin ich wieder zu Hause, ordne meine Fotos und erzähle.
Es war eine wunderschöne und erlebnisreiche Woche mit interessanten Begegnungen. Besonders gemütlich war der Donnerstag Abend, als wir mit einigen Mitorganisatoren im alten windschiefen Rathaus zu einem gemeinsamen Abendessen zusammen saßen. 
Viele lebendige Bilder sind mir in Erinnerung. 
Außerdem habe ich einige köstliche Fläschen edlen Frankenwein geschenkt bekommen, die ich schnell in unserem Keller in Sicherheit gebracht habe, bis die "7 Wochen ohne" vorbei sind. 
Umso mehr freue ich mich auf Ostern.

Hier noch ein paar Leseeindrücke.




Donnerstag, 24. März 2011

Mein Hochdeutsch

"Joa mei, doas schauts gut aus, was Sie doa auf`m Teller ham", sagt der Mann vom Nachbartisch und nickt anerkennend zu meinem dicken Stück Apfelkuchen mit Streuseln hinüber.
"Ja, nicht? Und es schmeckt auch total gut", antworte ich.
Jetzt sehen sich alle im Café nach mir um. Überrascht - distanziert - misstrauisch vielleicht sogar.
Und ich spüre, wie hart meine Sprache klingt. Die Worte hören sich spröde und kühl an. 
So oft habe ich mir gewünscht, einen Dialekt zu sprechen. Er klingt so gemütlich. 
Das Hochdeutsch schafft Distanz.
Vielleicht ist das der Grund, warum wir in Westfalen eher wortkarg sind. 
"Moachen`S Ferien hier in Bamberg?", fragt der Mann weiter. 
Er ist weiterhin freundlich. Aber er hat mich sofort als Fremde eingeordnet.
Eine Antwort auf diese Frage ist schwierig.
Sage ich nun: "Nein, ich bin beruflich hier", könnte das einen weiteren Rattenschwanz an Fragen nach sich ziehen. Das überfordert meine Kommunikationsstruktur als Ostwestfale. Mehr als einen Dreiwortsatz mit einem Fremden tauschen wir in der Regel nicht aus...
Also sage ich einfach "Ja."
Er nickt, lächelt und wünscht mir noch einen schönen Tag.

Dienstag, 22. März 2011

Eindrücke einer Lesereise

Heute ein kleiner Zwischenstandsbericht von meiner Lesereise nach Bamberg, die noch bis Freitag andauert. 
Mir geht es gut. 
Die Lesungen sind top-organisiert (danke an Frau Essler vom Sankt Michaelsbund), die Schüler sind interessiert und die Betreuung liebevoll.

Gestern war ich in Frensdorf und Schlüsselfeld, heute in der Bamberger Innenstadt. 
Bei einer meiner Lesungen heute lernte ich eine ganz besondere Schule kennen, die Martin-Wiesend-Schule, ein Förderzentrum für hör- und sprachbehinderte Schüler. Ich habe ja schon viele viele Schulen in meinem Leben gesehen, aber diese Schule übertraf wirklich alles. Sie war bunt und fröhlich, mit interessanten Kunstobjekten bestückt, mit einem Schulgarten, mit hellen Klassenräumen und Gruppenräumen - selbst die Schultoiletten waren ein kleines Paradies. 
Da kann man nur tief und neidvoll seufzen, wenn man es anders kennt...

An dieser Schule wurde mir auch eine süße Geschichte in Sachen Bücherklau erzählt. 
Eine Lehrerin las mit ihren Schülern mein Chatbuch im Unterricht. Damit die Schüler nicht weiter lasen, als angeordnet, sammelte sie die Bücher nach dem Unterricht immer wieder ein. Das konnte eine Schülerin - eine Nichtleserin - nicht aushalten. Heimlich ließ sie das Buch in ihrer Schultasche verschwinden und las es zu Hause zu Ende. Zur "Strafe" musste sie fest versprechen, den anderen nicht das Ende zu verraten.
Süß, oder? Das ist doch wirklich ein dickes Kompliment, wenn ein Jugendlicher mal ein Buch mitgehen lässt...

Hier noch einige Impressionen von den Lesungen:





Sonntag, 20. März 2011

In Bamberg unterwegs

Wenn man zu Lesungen unterwegs ist, lernt man wirklich sein Land kennen.
Ich bin nun für eine Woche in Bamberg, eine der schönsten Städte Deutschlands. Für uns Westfalen liegt Bamberg in Bayern, aber die Bayern meinen, es liegt in Franken - in Oberfranken, um genau zu sein. 
Die oberfränkischen Büchereien des Sankt Michealsbundes in Bamberg haben mich zu einer Autorenbegegnungswoche eingeladen, die sie "Wortspiele" nennen. In dieser Woche sollen Schüler Autoren kennen lernen, Lesungen finden statt und Werkstattgespräche sollen erfolgen.

Warum man auf die geniale Idee gekommen ist, mich einzuladen, weiß ich nicht, aber ich freue mich riesig.
Ich bin in einem schönen Appartementhaus untergebracht, nicht weit von der Altstadt entfernt. 
Da ich heute am späten Nachmittag schon angereist bin, habe ich die Zeit noch für einen Bummel durch die Stadt genutzt. 
Ach übrigens - in meinem Zimmer standen ein schöner Blumenstrauß und eine Flasche ROTWEIN für mich bereit... Die Flasche habe ich ganz schnell aus meinem Blickfeld geräumt. 
Sieben Wochen ohne!!!

Freitag, 18. März 2011

Lesung in Steinfurt

Heute bin ich an der Erich-Kästner-Schule in Steinfurt zu Gast. 
Steinfurt ist ein kleiner Ort im Münsterland nördlich von Münster. Hier war ich vor einigen Jahren schon einmal zu einer Lesung und einer Lehrerfortbildung eingeladen. 
Einige Schüler können sich auch noch an mich erinnern.

In diesem Jahr lesen die Jahrgangsstufen 5, 6, 7 und 8 das Buch "Im Chat war er noch so süß". Sie haben es bereits angefangen und wollen, dass ich nun weiter vorlese. Das mache ich natürlich gerne. Ich lese ein bisschen aus der Mitte und aus dem Ende, aber nicht so viel, dass das Ende verraten wird. Die Schüler sind gespannt, wie es weiter geht.
Dann ist natürlich noch Zeit für Fragen zu meinen Büchern und zum Schreiben. 

 Zum Schluss interessieren sich viele Schüler noch für meinen Büchertisch...

... und einige haben sich auch gleich festgelesen.

Donnerstag, 17. März 2011

Eine Lesung vorbereiten

"Ich kann verstehen, dass Sie aus dem Schuldienst ausgestiegen sind", sagte mir ein Schulleiter einmal. "Jetzt können Sie es auch mal ruhig angehen lassen und müssen nicht mehr so pünktlich und organisiert sein."
Hahaha. 
Das sind Vorstellungen von einem freien Künstlerleben, die in den Bereich der Fantasy-Literatur einzuordnen sind. Denn wer sich als Autor nicht organisieren kann, hat schnell verloren.

Morgen bin ich wieder zu einer Lesung unterwegs. 
Lesungen muss man unheimlich gut planen. Es darf einfach nicht passieren, dass man das Buch, aus dem man lesen will, nicht dabei hat. Man muss die Fahrtroute kennen, die Fahrzeit einhalten, und wenn man keine Rechnung mitgebracht hat, kriegt man auch kein Honorar. 
Und letztendlich: Wenn man total chaotisch ist, wird man nieeeee wieder eingeladen.

Ich will euch mal erzählen, wie ich eine Lesung plane:
- Ich überlege, aus welchem Buch ich vorlesen werde und entscheide.
- Ich suche Stellen heraus, die ich lesen werde.
- Ich lese die Stellen laut und stoppe die Zeit.
- Ich markiere die Stellen.
- Ich suche weitere Bücher und Anschauungsmaterialien heraus, die ich den Schülern zeigen möchte.
- Ich bereite Autogramme und Prospekte vor.
- Ich suche den Ort auf der Karte und drucke Kartenmaterial aus.
- Ich berechne die Kilometerzahl.
- Ich schreibe eine Rechnung.
- Ich lade mein Handy und den Fotoapparat auf.
- Ich lege meine Uhr zurecht.
- Ich stelle mein Navi ein.
- Ich trage die Fahrtkosten und Lesekosten in meine Steuerabrechnung ein. 
- Ich packe meinen Rucksack. 
- Ich tanke.

Bei der Fahrt plane ich immer mindestens eine Stunde Puffer ein. Lieber unterwegs noch einen Kaffee trinken, als schweißgebadet auf einem Autobahnkreuz zu stehen.
Naja, und dann kann es losgehen.