Donnerstag, 1. Februar 2018

Kontakt zu Hasan Tas


Wieder sind liebe Schülerbriefe für Hasan Tas gekommen, und weiß, wie sehr er sich darüber freuen würde, dass die Schüler so liebevoll Anteil an seinem Leben nehmen. Leider habe ich seit einiger Zeit keinen Kontakt mehr zu ihm. Der letzte Brief an ihn kam zurück, im sozialen Netzwerk ist Hasan verschollen, und seine Mutter antwortet mir nicht.
Ich mache mich auf die mühsame Suche nach ihm, durchforste die Facebook-Freundesliste der Mutter und versuche, mich an Namen zu erinnern, die Hasan erwähnt haben könnte. Schließlich sehe ich in der Liste einen Frauennamen, der mir bekannt vorkommt, und als ich mir das Foto genauer anschaue, glaube ich, eine Ähnlichkeit zwischen ihr und Hasan erkennen zu können. Ich schreibe sie an, und tatsächlich ist sie seine Schwester. Sie antwortet auch gleich, schreibt aber auch, dass sie keinen Kontakt zu Hasan habe und seine Adresse nicht kenne. Das hört sich nicht gut an. Die Sorge, Hasan könnte wieder im Gefängnis sitzen, überkommt mich. Schließlich ist die Rückfallquote unter den entlassenen Häftlingen riesig. Ich schreibe ihr erneut und frage ganz direkt, ob Hasan wieder einsitzt. Es kommt eine empörte Antwort. Natürlich sitzt er nicht ein (*Steinvomherzkuller), es gehe ihm gut und er lebe mit seiner Freundin zusammen und habe ein schönes Leben.
Sie vermittelt mir schließlich einen Kontakt zu Hasans älterem Bruder. Von ihm erfahre ich Hasans Adresse und mit Hasans Einverständnis auch die Handynummer. Und dann habe ich ihn endlich an der Leitung. Wie ich mich freue! Er klingt cool und witzig, wie immer.
Ja, es geht ihm tatsächlich sehr gut. Er arbeitet als Zerspanungsmechaniker und verdient gutes Geld. Außerdem hat er lange mit seiner Freundin zusammengelebt. Nun allerdings steht die Trennung an, und er ist gerade wieder Single. Musik macht er leider nicht mehr, dazu fehlt die Zeit, aber er hört immer noch gerne Rap. Der Kriminalität hat er schon lange abgeschworen, und er lacht, als ich ihm erzähle, dass ich mir Sorgen gemacht habe, er säße wieder ein.
„Frau Weber, Sie wissen doch!“, ruft er fröhlich. „Sie können sich auf mich verlassen.“ Ja, das kann ich echt!
„Grüßen Sie mir alle, die meine Bücher lesen“, sagt er noch. Das habe ich hiermit getan. 

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