Dienstag, 10. September 2019

Der Lehrermangel und ich



Nun ist es raus. 26 000 Lehrer fehlen an deutschen Grundschulen. Um dem Lehrermangel Herr zu werden, werden auch Dachdecker und Reisekauffrauen eingestellt, so die Nachrichten. Hauptsache, vorne vor der Klasse steht jemand.
„Es hilft nichts“, sage ich zu meiner Freundin Rita. „Unser Land braucht uns jetzt. Wir müssen wieder zurück an die Kreide!“
„Jau“, sagt Rita und lacht schallend. „Das wär`s wohl noch!“
Rita und mich verbinden einige gemeinsames Schicksale: Wir haben den Referendardienst zusammen gemacht, eine harte Zeit, in der wir damals immer wieder zu spüren bekamen, dass nur die besten von uns in den Schuldienst kommen würden. Und tatsächlich wurde nach uns eine ganze Generation an Lehrern einfach vergessen und umgeschult.
Wir hatten das riesige Glück, bei dem Einstellungsschwung dabei zu sein, hatten aber keine Wahl und trafen uns an einer Brennpunktschule im Duisburger Norden wieder. Auf unsere persönlichen Wünsche, in der Nähe von Familie und Freunden zu leben, wurde keine Rücksicht genommen. So genau nimmt der Staat dann die Fürsorgepflicht doch nicht.
Aber alles ist ja bekanntlich zu etwas gut, und so haben wir natürlich aus dieser Zeit viel mitgenommen, vor allem aber, dass es Situationen, Familien und Kinder gibt, die wir uns vorher in unserem gut behüteten Leben nicht vorstellen konnten.
Das Unterrichten und das Arbeiten mit den Kindern hat uns immer Spaß gemacht, aber der Druck und die Kontrolle waren ständige Begleiter des Schuldienstes. Dazu kamen ständig wechselnde Programme und Projekte, mit denen wir zu beweisen hatten, dass wir Lehrer keine faulen Säcke sind, die nur auf die Ferien warteten. Unpädagogische Vergleichsarbeiten, stetige Mehrbelastungen und ewige Kontrolle konnten einem jede Freude an der Arbeit nehmen – ach ja, ich habe vergessen zu erwähnen, dass das Gehalt natürlich nie gestiegen ist, obwohl wir noch zusätzlich den Job der Förderlehrer übernehmen mussten.
Nun denn, das war sicherlich nicht der Grund für mich, aus dem Beruf auszusteigen, vielmehr war es eher die Feststellung, dass der Beruf als Autor der Schönere und vor allem Freiere war.
Wenn ich mal einen Tipp zur Beseitigung des Lehrermangels abgeben darf: Angemessene Bezahlung und Gleichstellung der Lehrer aller Bundesländer wäre schon mal ein guter Anfang. Und ein bisschen mehr Respekt auf der einen und Fürsorge auf der anderen Seite können auch nicht schaden.

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