Freitag, 15. Januar 2016

Stellt euch mal vor…


Stellt euch mal vor, die Frauen der Welt würden ihre Burka ablegen, ihren Nikab beiseite lassen oder ohne ihren Tschador auf die Straße gehen. Und plötzlich wäre die Hälfte der Welt voller Weiblichkeit, und die Menschen würden staunend um sich blicken, einander anlächeln und zuzwinkern. Es wäre Platz für Schönheit und Romantik und Erotik und Zärtlichkeit … 
Und mit einem Mal hätte niemand mehr Lust, für ein Leben im Jenseits zu sterben. 

Mittwoch, 13. Januar 2016

Freundschaftsanfrage Thomas M.



An Liebeserklärungen oder Heiratsanträge – schlecht übersetzt mit dem Google-Translater und mit abenteuerlicher Rechtschreibung - hatte ich mich schon fast gewöhnt. Auch dass ich hin und wieder eine Erbschaft von einem verschollenen Urgroßonkel aus Kuala Lumpur gemacht hatte, mehrere Millionen, die ich mir nur noch abzuholen brauchte, hatte mich nicht mehr aus den Puschen gehauen. Jetzt aber brachte mich eine Freundschaftsanfrage bei Facebook doch ein bisschen ins Grübeln. Thomas M., ein sonnenbebrillter Mann Anfang 40, Kurzhaarschnitt, Dreitagebart, mit breitem Grinsen und Nahkampfanzug. Seine savannenbraune Weste besitzt viele kleine Taschen, in denen unzählige kleine Zellophan verpackte Päckchen stecken. Wir haben keinen gemeinsamen Freund, und auch sonst wird er mir erst etwas von sich zeigen, wenn ich seine Freundschaft angenommen habe. Ich verzichte dankend. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es keine Schokolade ist, die sich in seinen Taschen befindet…
(Und jetzt zuckt es mich echt in den Fingern, euch das Foto von ihm hier zu posten – ich lasse es, damit ich mir keinen Ärger einhandele… Ihr wisst ja … die Päckchen!)

Dienstag, 12. Januar 2016

Andere Pläne


“La vida es lo que pasa mientras, estas hacienda otros planes” singt John Lennon in dem Song Beautiful Boy.
“Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu machen.”
Ich hatte eine Menge anderer Pläne, und doch diese Unruhe im Herzen, es könnte alles anders kommen, als ich gestern zum Gespräch ins Screeningcenter geladen wurde. Leider kam alles anders. Der Tumor in meiner Brust entpuppte sich als „invasives duktales Karzinom“, was auf Deutsch leider Brustkrebs bedeutet. Das Karzinom ist noch klein, die Chancen auf Heilung stehen gut. Und doch geht das ganze Programm erst mal los: Operation, Bestrahlung, vielleicht Tabletten.
Ich, die immer das mit einer guten Gesundheit durchs Leben laufe, die das Gefühl hatte, Brustkrebs kann mir nicht passieren, schließlich habe ich drei Kinder bekommen und sie gestillt, schließlich lebe ich gesund, mache viel Sport … werde plötzlich mitten im Lauf gestoppt und auf mich selbst zurück geworfen.
Krebs trifft jeden Zweiten – warum sollte es da nicht auch mich erwischen?
Ich bin so froh, rechtzeitig zur Mammografie gegangen zu sein. Es war purer Zufall, dass ich den Termin wahrgenommen habe. Und wenn ich an dem Tag eine Lesung gehabt hätte, oder auch nur ein Treffen mit einer Freundin, ich hätte den Termin platzen lassen.
Was für ein großes Glück im Unglück.
Jetzt ist mein Leben ein bisschen in Schieflage geraten, und ich betrachte den Tag heute durch einen Nebelschleier. Aber ich habe mir vorgenommen, dieser Krankheit nicht so viel Raum zu geben, dass für andere Dinge kein Platz mehr ist.
Die kommenden Lesungen musste ich allerdings schweren Herzens absagen – die Zeit für`s Schreiben bleibt und tut mir gut.
Und sollte einer von euch da draußen heute eine Einladung vom ScreeningCenter bekommen, tut mir bloß den Gefallen und geht hin!



Mittwoch, 6. Januar 2016

Weihnachtsüberraschung


Zum dritten Mal bekomme ich nun schon so wahnsinnig liebe Weihnachtspost vom Publiczne
 Gimnazjum aus Walce in Polen.  An dieser Schule wird Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, aber es leben auch viele Deutsche hier in der Region um Oppeln, und so wird Deutsch auch als Minderheitensprache erteilt. 
Die Schüler lasen im Unterricht das Buch „Im Chat war er noch so süß“ und entschieden sich nach dem Ende, auch noch die Fortsetzung zu lesen.
Die Rückmeldungen waren zu lieb, und alle würden sich riesig freuen, wenn ich mal zu einer Lesung vorbei käme. Ich bin natürlich SOFORT dazu bereit und hoffe, dass es in diesem Jahr tatsächlich klappt, diese netten Schüler und Lehrer kennen zu lernen. 

Montag, 4. Januar 2016

Mitleid


Heute erwischte mich die Trauer eiskalt. Ich war wie fast jeden Nachmittag kurz am Stall, um die Islandpferde reinzuholen, die bei dem schlechten Wetter schon am Gatter auf mich warteten. 
In der offenen Scheune im Stroh stand ein Pferd, drum herum einige Menschen, unter ihnen die Tierärztin. Eine ungute Ahnung überkam mich – und richtig. Der braune Welsh mit der weißen Blesse, freundliches Nachbarpferd meiner Stute Ros, wurde eingeschläfert.
Die Besitzerin, ein junges Mädchen, lag in den Armen ihres Vaters und weinte bitterlich. Alle anderen standen mit traurigen Gesichtern herum und wussten nicht, was sie sagen sollten.
Ich wollte nicht stören. Diese Atmosphäre hatte eine eigene Innigkeit, zu der ich mich nicht zugehörig fühlte. So schlich ich leise über den Hof und bemühte mich, nicht zu stören.
Als ich aus dem Stall kam, war alles schon geschehen. Das Pferd lag ausgestreckt im Stroh, das Mädchen lag weinend über das Pferd gebeugt und streichelte das weiche Pferdemaul. Ich ging zu ihr und sagte ihr, dass es mir Leid täte, aber dann liefen mir selbst die Tränen, und ich hatte Mühe, das alles auszuhalten. Total traurig stahl ich mich leise davon, unglücklich, so wenig Trost geben zu können. 

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Rückblick 2015


Wie immer kurz vor Jahresende ein Blick zurück auf die Bücher, die im Jahr 2015 von mir erschienen sind. Es ist wie immer eine gute Mischung aus Lernmaterial, Kinderbüchern, Geschichtensammlungen und einem ersten Jugendtheaterstück. Außerdem habe ich im Jahr 2015 mehr als 50 Lesungen und Schreibwerkstätten gegeben. Es war also für mich ein verdammt produktives und spannendes Schreibjahr – mal abgesehen davon, dass ich trotzdem noch viel Zeit für meine Familie und für mich hatte. 

Montag, 28. Dezember 2015

Starwars und der ganze Hype


Heiligabend. Sohn Nils war so nett, mich in die Kirche zu begleiten. Es ist noch Zeit bis zum Gottesdienst, und wir unterhalten uns leise.
Ich: Sag mal, warst du eigentlich auch schon in diesem neuen Star-Trek-Film?
Nils: Oh Mama, sag das NIEMALS, bitte! Damit verrätst du, dass du überhaupt keine Ahnung hast! Es ist Star-Wars und nicht Star-Trek.
Ich: Naja, so lange wie ich nicht „Raumschiff Enterprise“ sage…
Nils: Bitte Mama! Raumschiff Enterprise IST Star-Trek.
Ich: Oh, tut mir leid. (nach einer Weile) Ist Star-Wars dann dieser Film über die Männer mit den Kreisen auf der Stirn.
Nils: Oh Gott, nein! Das ist Star-Gate.
Ich: Und bei welchem Film fliegt diese Telefonzelle durchs Weltall?
Nils: Das ist Doktor Who. Bitte Mama, lass es einfach. Du hast wirklich keine Ahnung.

Okay, ich gebe zu, ich habe wirklich keine Ahnung. Noch nie ist es mir gelungen, einen dieser Filme länger als fünf Minuten zu ertragen. Und ehrlich, die Personen darin erinnerten mich immer an Mutationen aus der Augsburger Puppenkiste. Aber ich will jetzt auf keinem Fall  die Augsburger Puppenkiste beleidigen…


Dienstag, 22. Dezember 2015

Fröhliche Weihnachten


Noch ist es nicht Weihnachten  - auch für mich nicht. Denn morgen muss ich mich noch zu einer ambulanten OP ins Krankenhaus begeben, damit der Knoten in meiner Brust entfernt und untersucht werden kann. Keine Angst, der Termin war keine taktlose Idee der Ärztin. Ich habe ihn selbst gewählt, weil ich dachte, ich kann mich dann in der Weihnachtszeit ein bisschen ausruhen. 
Ich wünsche euch allen eine fröhliche oder besinnliche, stille oder lustige Weihnachten, ganz wie es für euch passt.
Was die Kalorien in den Tagen betrifft, habe ich jetzt einen guten Spruch gehört: Es kommt nicht darauf an, was man in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr isst, sondern in der Zeit zwischen Neujahr und Weihnachten.
In diesem Sinne lasst euch die Plätzchen nicht vermiesen. Alles Gute euch, und fröhliche Weihnachten.  

Montag, 21. Dezember 2015

Ein besonderes Weihnachtsgeschenk


Dieses besondere Weihnachtsgeschenk bekam ich von meiner Tante Hanna. Sie hatte 1944 – zu Kriegszeiten, in denen es fast nichts mehr zu kaufen gab – dieses Buch als Weihnachtsgeschenk für meine Mutter angefertigt. Das Papier hatte mein Großvater aus alten Kassenbüchern heraus getrennt, der dickere Pappumschlag, fein säuberlich mit  Stickerei eingefasst, war die Weiterverwertung eines alten Haushaltsbuch der Stadt, für die mein Großvater arbeitete. 
Meine Tante wählte die Erzählung „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ von Rainer Maria Rilke, und schrieb diesen Text fein säuberlich mit Tinte und schönster Sonntagsschrift ab.
„Das einzige, was wir damals hatten, war Zeit“, sagte sie.




Donnerstag, 17. Dezember 2015

Lesung an der Hakemickeschule in Olpe

 Wenn jemand von der Hakemickeschule in Olpe anruft und mich zu einer Lesung einlädt, freue ich mich immer ganz besonders. Denn hier erwarten mich in der Regel Schüler, die sich ganz besonders intensiv mit meinen Büchern auseinander gesetzt haben. 


Da es in der Schulbücherei viele unterschiedliche Bücher von mir gibt, werden die Schüler der Klasse 7 immer aufgefordert, ein Buch von mir zu lesen und sich mit dem Inhalt unter verschiedenen Gesichtspunkten zu beschäftigen. 
Einige der Siebtklässler lesen die Reality-Bücher, andere wählen einen der Klar-Romane. Aus der Beschäftigung mit dem Buch entstehen wunderschöne Arbeitsmappen und tolle Plakate. Kein Wunder, dass danach auch die Lesung spannend und intensiv verläuft und von vielen interessierten Fragen begleitet wird.